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         <article-id>1716</article-id>
         <article-id pub-id-type="doi">10.14512/rur.1716</article-id>
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            <article-title xml:lang="De">Koch, Florian; Krellenberg, Kerstin (2021): Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Umsetzung der Sustainable Development Goals auf kommunaler Ebene</article-title>
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      <p>Das Thema der nachhaltigen Stadtentwicklung und seine Bedeutung für die Umsetzung der Agenda 2030 ist hochaktuell. Mit ihren globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (<italic>Sustainable Development Goals</italic>, SDGs) ist die Agenda 2030 umgekehrt auch für die Nachhaltigkeit der Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass Florian Koch und Kerstin Krellenberg sich diesem Thema widmen. Gerade die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges zeigen, wie wichtig nicht nur eine kurzfristige Bewältigung von Krisensituationen ist. Vielmehr sind mittel- bis langfristige Strategien die Voraussetzung dafür, zukünftig schneller und besser auf neue Krisenlagen reagieren zu können und somit resilienter zu werden. Dies gilt in besonderer Weise für die Städte, in denen globale Probleme einerseits wie durch ein ‚Brennglas‘ sichtbar werden und andererseits durch konkrete Maßnahmen erfolgreich gelöst werden können.</p>
      <p>Die Reihe „essentials“ des Springer-Verlags soll generell „aktuelles Wissen in konzentrierter Form“ vermitteln, um möglichst „schnell, unkompliziert und verständlich“ in ein aktuelles Thema einzuführen. Die „essentials“-Ausgabe „Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Umsetzung der Sustainable Development Goals auf kommunaler Ebene“ von Koch und Krellenberg ist daher ein willkommener Beitrag, interessierte Leserinnen und Leser auf kommunaler Ebene, aber auch auf anderen Ebenen in kompakter Form über die wesentlichen Inhalte einer nachhaltigen Entwicklung in den Städten zu informieren und so in die Lage zu versetzen, nicht zur mitzureden, sondern auch zu handeln.</p>
      <p>Neben einer Einleitung und einem Fazit haben Autor und Autorin ihre „essentials“ in drei Hauptkapitel gegliedert: Das erste geht auf die Agenda 2030 und die <italic>Sustainable Development Goals</italic> ein. Zunächst wird die Entstehungsgeschichte der globalen Nachhaltigkeitsstrategie erläutert, wobei vor allem auf die den <italic>Sustainable Development Goals</italic> vorangegangenen <italic>Millennium Development Goals</italic> (MDGs) hingewiesen wird. Koch und Krellenberg machen dabei deutlich, dass die SDGs im Vergleich zu den MDGs über umfangreichere und nicht nur rein entwicklungspolitische Ziele und insofern auch ein globales Transformationsverständnis sowie einen städtischen Bezug verfügen. Das erste Hauptkapitel beinhaltet auch eine Übersicht über die 17 <italic>Sustainable Development Goals</italic> und nähere Informationen zu den Unterzielen und möglichen Indikatoren für das SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Ferner werden mit dem <italic>High-Level Political Forum</italic> und den <italic>Voluntary National Reviews</italic> zentrale Umsetzungsinstrumente der Agenda 2030 beschrieben. Darüber hinaus führen Koch und Krellenberg drei wesentliche Widersprüche bzw. Kritikpunkte in Zusammenhang mit der Agenda 2030 an: konfliktäre Zielsetzungen, mangelnde Ambitionen und eine zweifelhafte Wirksamkeit. Schließlich wird – anhand von Berichten der Vereinten Nationen und einzelner Staaten – der Umsetzungsstand der SDGs beleuchtet.</p>
      <p>Das zweite Hauptkapitel hat als Thema die nachhaltige Stadtentwicklung und die Frage, wie die Agenda 2030 mit den SDGs auf städtischer Ebene umgesetzt wird bzw. werden kann. Als erstes wird dargestellt, wie sich das Prinzip der nachhaltigen Stadtentwicklung in den letzten Jahrzehnten – über die Agenda 21 und die <italic>New Urban Agenda</italic> auf globaler Ebene, aber auch die Aalborg Charta, die Leipzig Charta und die Neue Leipzig Charta auf europäischer Ebene – immer weiter verankert hat. Anschließend gehen Koch und Krellenberg darauf ein, wie die SDGs sowohl <italic>top-down</italic> als auch <italic>bottom-up</italic> lokalisiert werden können, wie die SDGs in den Städten, z. B. durch organisatorische Maßnahmen, umzusetzen sind und wie ein Monitoring- bzw. Indikatorensystem erfolgreich eingeführt werden kann. Zum Schluss werden internationale Beispiele (Los Angeles (USA); Espoo (Finnland)) und nationale Beispiele (Bonn; Treptow-Köpenick) zur gelungenen Umsetzung der SDGs vorgestellt.</p>
      <p>Das dritte Hauptkapitel zeigt Perspektiven auf für die Forschung und die Praxis im Zusammenhang mit nachhaltiger Stadtentwicklung bzw. der Agenda 2030 und den SDGs. Konkret gehen Koch und Krellenberg auf transdisziplinäre Forschungsansätze ein, die auf eine Zusammenarbeit der Wissenschaft mit den Städten, aber auch der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft beruhen. Eine besondere Rolle spielen hierbei Ansätze des Ko-Designs und der Ko-Produktion, um Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen. Außerdem wird weiterer Bedarf für transformative Forschung benannt. Hierbei handelt es sich um Forschungsformate, die gesellschaftliche Veränderungsprozesse nicht nur zum Gegenstand haben, sondern auch gezielt herbeiführen und beeinflussen sollen. Im Fokus steht an dieser Stelle die Arbeit mit Reallaboren, in denen die beteiligten Akteure gemeinsam Experimente durchführen bzw. Lösungsansätze entwickeln und erproben.</p>
      <p>Die Gliederung der „essentials“ von Koch und Krellenberg ist stringent: die globale Nachhaltigkeitsagenda und die darin enthaltenen Ziele, die Umsetzung dieser Ziele im Rahmen der Stadtentwicklung und zum Schluss weitere Perspektiven und Bedarfe in Forschung und Praxis. Alle Kapitel sind kompakt und gut lesbar geschrieben; in kurzer Zeit erhalten die Leserinnen und Leser einen Über- und Einblick in die Thematik. Insofern sind alle wesentlichen Anforderungen der „essentials“ erfüllt, und es bleiben nur wenige kritische Anmerkungen:</p>
      <p>Am Anfang der Lektüre entsteht der Eindruck, als reduziere sich eine nachhaltige Entwicklung allein auf die ökologische Dimension. So wird in der Einleitung und zu Beginn des ersten Hauptkapitels lediglich auf Umweltaspekte, nicht jedoch auch auf andere Dimensionen der Nachhaltigkeit eingegangen. Unter „Definitionen von Nachhaltigkeit“ verweisen Koch und Krellenberg dann zwar auf die „Notwendigkeit einer integrierten Sichtweise“ und das „Zusammenspiel der Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales“. Allerdings wäre es an dieser Stelle möglich und sinnvoll gewesen, neben dem ganzheitlich-integrierten Vorgehen auch weitere Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung, über die in der Theorie weitgehend Einvernehmen herrscht und die auch für die Agenda 2030 elementar sind, vorzustellen (wie beispielsweise das Prinzip der Generationengerechtigkeit, der globalen Verantwortung oder des partizipativen Vorgehens).</p>
      <p>Die an den <italic>Sustainable Development Goals</italic> geäußerte Kritik (konfliktäre Zielsetzungen, mangelnde Ambitionen und eine zweifelhafte Wirksamkeit) ist auf der einen Seite gut nachvollziehbar. Auf der anderen Seite sind die einzelnen Kritikpunkte jedoch ambivalent zu sehen. So besteht bei den SDGs zwar durchaus die Gefahr von Zielkonflikten oder <italic>Trade-offs</italic>. Bei einer ganzheitlich-integrierten Nachhaltigkeitsstrategie muss es aber auch als wünschenswert angesehen werden, dass die einzelnen Ziele Bezüge zu anderen Zielen bzw. systemische Zusammenhänge aufweisen und mögliche Zielkonflikte somit inhärent gegeben sind. Im Rahmen der SDG-Kritik weisen Koch und Krellenberg auf zu wenig ambitionierte Ziele – beispielsweise im Bereich des Klimaschutzes – hin. In der Einleitung wird die Realisierung der „ambitionierten globalen Nachhaltigkeitsziele“ allerdings – vor dem Hintergrund neuer globaler Herausforderungen – wie z. B. der Folgen der Corona-Pandemie – zu Recht (!) als schwierig betrachtet. Schließlich ist die Wirksamkeit der Agenda 2030 aufgrund der Freiwilligkeit der Umsetzungsarchitektur zwar in Frage zu stellen, andererseits benötigen gerade städtische Entwicklungsprozesse Flexibilität bei der Anpassung der Systematik an lokale Ausgangs- und Rahmenbedingungen.</p>
      <p>Der Stand der SDG-Umsetzung wird anhand von Berichten der Vereinten Nationen (<italic>Progress Report</italic>; <italic>Global Sustainable Development Report</italic>) und einzelner Staaten (<italic>Voluntary National Reviews</italic>) beschrieben. Ergänzend hätten weitere Berichte herangezogen werden können, um den Umsetzungsfortschritt zu beurteilen (z. B. des <italic>Sustainable Development Solutions Networks</italic>, des <italic>Global Policy Forums</italic> oder von <italic>Germanwatch</italic>). Um die Umsetzung der SDGs in deutschen Städten zu beschreiben, wird unter anderem auf die Kommunen, die die Musterresolution des Deutschen Städtetages und des Rates der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion unterzeichnet haben, Modellkommunen der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. sowie die Bundesstadt Bonn und den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick eingegangen. Über Nordrhein-Westfalen hinaus hat eine Vielzahl weiterer Kommunen an Landesprojekten unter dem Titel „Global Nachhaltige Kommune“ der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ teilgenommen. Schließlich sind auch Kommunalbefragungen zum Umsetzungsstand der SDGs durchgeführt worden (z. B. durch das Deutsche Institut für Urbanistik).</p>
      <p>Insgesamt stellen die „essentials“ zum Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Umsetzung der Sustainable Development Goals auf kommunaler Ebene“ eine gelungene Einführung in das Fachgebiet dar und sind daher zur Lektüre sehr zu empfehlen.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werkes:</title>
            <p>Koch, F.; Krellenberg, K. (2021): Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Umsetzung der Sustainable Development Goals auf kommunaler Ebene. Wiesbaden. XI, 53 Seiten, 1 Abbildung. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.1007/978-3-658-33927-2">https://doi.org/10.1007/978-3-658-33927-2</ext-link>.</p>
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