Gesellschaftliche Veränderungen seit dem 19. Jahrhundert haben immer wieder Umbrüche der Raumstrukturen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie daraus resultierende Veränderungsbedarfe nach sich gezogen. Seit einigen Jahren gilt dies vermehrt unter anderem für Fragen des Klimawandels, der Energietransformation und demographischer Veränderungsprozesse. Die Raumwissenschaften und raumbezogene Planung sind gefragt, diesen Herausforderungen adäquat zu begegnen und Lösungen und Perspektiven aufzuzeigen (Frank/da Rosa Pires 2021; Hofmeister/Warner/Ott 2021). Zukünftige Absolventinnen und Absolventen raumbezogener Studiengänge müssen auf die Prozesse dieser Großen Transformation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung vorbereitet werden (Engel/Knieling 2017; Kerschbaum/Schroeter 2023; DASL 2024).
Laut Global Education Monitoring Report der UNESCO (2016) ist Bildung auf allen Ebenen der Schlüssel dazu, Transformationsprozesse anzustoßen und die erfolgreiche Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele1 zu erreichen, wobei Bildung als eigenes Nachhaltigkeitsziel formuliert wird (SDG 4). In der vergangenen Dekade lassen sich in der Weiterqualifizierung im Kontext von Wissenschaft und Hochschule Bestrebungen erkennen, die Themen „Große Transformation“ und „Nachhaltige Entwicklung“ in bestehende Curricula einzubeziehen und zu behandeln. Ziel ist es, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Promotorinnen und Promotoren sozialökologischer Transformationsprozesse in multidisziplinären Querschnittsbereichen zu qualifizieren, die im Sinne einer „environmental literacy“ (Scholz 2011) die Interaktionen im Mensch-Umwelt-System komplementär betrachten und als Grundlage für Transformationsentscheidungen sehen.
Im Hinblick auf die grundständige Hochschullehre bestehen jedoch weiterhin große Bedarfe, Lehrformate und -angebote hin zu transformativ-nachhaltiger Bildung zu verankern (Ziegele 2015; Zimmermann/Stauffacher/Bornemann et al. 2021; Holst/Singer-Brodowski 2022) und offene „Probierräume“ an Hochschulen zu schaffen (Lahsen/Turnhout 2021; DASL 2024). Systematische Anforderungen im Hochschulbereich, welche die Themen der Nachhaltigen Raumentwicklung und Großen Transformation betreffen, wurden bisher in Bezug auf die Forschungspraxis formuliert (WBGU 2011; WBGU 2016; WBGU 2020; Holzer/Orenstein 2023) oder behandeln Themengebiete aus Forschungspraxis und Lehre (Blank/Bergmüller/Sälzle 2023). Wenngleich erste Initiativen zum Beispiel von der „Stiftung Innovation in der Hochschullehre“ unternommen werden, Nachhaltigkeit mehr zum Lehrgegenstand zu machen,2 lassen sich für die Hochschullehre im Bereich raumrelevanter Fachdisziplinen bisher nur wenige Studien ausmachen (z. B. Gilliard 2018; Danielzyk/Gilliard/Knieling et al. 2020; Holst/Singer-Brodowski 2022; Kerschbaum/Schroeter 2023; Schmitt/Magnusson 2024).
Ziel dieses Beitrags ist es deswegen, zum einen Kriterien für die Hochschullehre raumbezogener Studiengänge in Deutschland zu erarbeiten, die einen Beitrag zur Großen Transformation hin zu einer Nachhaltigen Raumentwicklung leisten können (Interviewstudie). Zum anderen wird analysiert, inwiefern diese Kriterien bereits in der Lehre umgesetzt werden (Analyse von Modulhandbüchern). Es steht somit die Frage im Mittelpunkt des Beitrags, inwiefern die Curricula raumbezogener Studiengänge in Deutschland bereits in der inhaltlichen, methodischen und kompetenzbasierten Ausbildung zukünftige Planerinnen und Planer auf komplexe Fragestellungen der Großen Transformation für eine Nachhaltige Raumentwicklung vorbereiten.
Kapitel 2 nähert sich konzeptionell den Begriffen Große Transformation und Nachhaltige Raumentwicklung und umreißt deren Bedeutung und Anforderungen an die Hochschullehre. Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 erörtert, inwiefern Wissen und Kompetenzen als Schlüsselfaktoren der Forschung und Lehre für die Transformation angesehen werden können, um sie als Kriterien für die Hochschullehre in dieser Studie zu verwenden. In Kapitel 4 wird die Methodik der zugrunde liegenden Analysen erläutert. Daran schließt sich die Auswertung der durchgeführten leitfadengestützten Interviews sowie die qualitativ-systematische Analyse der Modulhandbücher der ausgewählten Studiengänge an (Kapitel 5). Der Beitrag schließt mit einer kurzen Diskussion.
Der Begriff „Große Transformation“, der von Polanyi (1944) als Wandel des Wirtschaftssystems hin zu einer freien Marktwirtschaft geprägt wurde, wird nicht mehr nur in wissenschaftlichen Debatten gebraucht, sondern findet mit zunehmender Häufigkeit auch Eingang in den alltagsweltlichen Sprachgebrauch. In der Wissenschaft wird zudem der Begriff der „Transition“ verwendet, welcher oftmals nicht trennscharf vom Transformationsbegriff abgegrenzt beziehungsweise sogar mit diesem austauschbar verwendet wird (Eckersley 2021). In der Forschung zu globalen Umweltveränderungen steht der Begriff der „Transformation“ im Fokus (Hölscher/Wittmayer/Loorbach 2017; Leventon/Abson/Lang 2021).
„Transition“ als „zeitliche[r] Übergangsprozess mit eigener Dynamik“ (Bauriedl/Held/Kropp 2021: 23) ist weniger weitreichend als der Begriff „Transformation“. Im deutschen Kontext lässt sich transition wohl am ehesten mit dem Begriff der „Wende“ übersetzen (Schneidewind 2018). Linnér und Wibeck (2019: 25) fassen die Unterscheidung wie folgt: „transition is rooted in the notion of passage, ‘going across’ from one state to another, whereas transformation refers to ‘change in form and shape’“. Vor allem im angelsächsischen Sprachraum werden mit transition einzelne, dem Wandel unterliegende Themenfelder wie die industrial transition, die mobility transition oder die energy transition verstanden, welche nach Loorbach (2014) zusammengefasst Elemente einer „Großen Transformation“ sind.
Transformationsbedarfe treten in jeglichen Systemen wie Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder Politik auf (Paulini/Haum 2015) und sind laut WBGU (2011: 87) durch die planetaren Grenzen (planetary boundaries) vorgegeben. Transformation geht mit dem Nachhaltigkeitsbegriff einher, der impliziert, dass die Bedürfnisse nachfolgender Generationen durch bewusstes gegenwärtiges Handeln und Konsumieren dauerhaft gesichert werden müssen (intergenerationelle Gerechtigkeit) (World Commission on Environment and Development 1987). Bisherige Studien haben gezeigt, dass sich die beiden Konzepte Große Transformation und Nachhaltigkeit in ihrer Ausgestaltung wechselseitig bedingen (Bauriedl/Held/Kropp 2021; Hofmeister/Warner 2021) und eng miteinander verflochten sind. Der WBGU (2011: 417–420) definiert „eine die planetarischen Leitplanken berücksichtigende Große Transformation als umfassenden Wandel, der einen Umbau der nationalen Ökonomien und der Weltwirtschaft innerhalb dieser Leitplanken vorsieht, um irreversible Schädigungen des Erdsystems sowie von Ökosystemen und deren Auswirkungen auf die Menschheit zu vermeiden. […] Gegenstand der Analyse sind dabei stets weitreichende Prozesse gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wandels.“ Die vorliegende Studie schließt sich diesem holistischen Begriffsverständnis des WBGU (2011: 66–69) an und betrachtet die Große Transformation als eine Voraussetzung hin zu Nachhaltiger (Raum‑)Entwicklung.
Beiden Betrachtungsweisen liegt zugrunde, dass ein umfassender gesellschaftlicher Wandel notwendig ist. Dieser muss sich sowohl in den Köpfen der Menschen vollziehen als auch in ihrem raumrelevanten Handeln äußern. Neben dieser auf Individuen bezogenen Perspektive auf Transformationsprozesse, die auch in der pädagogischen Herleitung transformativer Lehre angesprochen wird (vgl. Singer-Brodowski 2016), lassen sich nach Hofmeister und Warner (2021: 10) drei Hauptstränge übergeordneter gesellschaftlicher Strukturation identifizieren: (a) eine „neue Staatlichkeit“ im Sinne eines leitplankensetzenden „gestaltenden Staates“ (WBGU 2011: 185–186), der durch (b) politische Steuerung „verschiedene Formen des Marktversagens korrigier[t]“ (Hofmeister/Warner 2021: 10) und (c) eine neue Form der Wissensgenerierung, die anwendungs- und problemlösungsorientiert geleitet agiert.
Für die Forschung formulieren Paulini und Haum (2015: 25) darüber hinaus drei Zielsetzungen, die erfüllt werden müssen, um gesamtgesellschaftliche Transformation anstoßen und umsetzen zu können: „die Entwicklung und Bewertung von technologischen und sozialen Innovationen, die Bestimmung der gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Verbreitung dieser Innovationen und die Entwicklung politischer Strategien und Instrumente zur Gestaltung der Transformation“. Sie betonen die Wichtigkeit transdisziplinärer Forschung, welche die Zivilgesellschaft in allen Phasen der Forschungs- und Lehrprojekte einbezieht und sich somit nach außen öffnet (vgl. auch Daneshpour/Kwegyir-Afful 2022), wobei damit auch entsprechendes Engagement vonseiten der Dozentinnen und Dozenten sowie der Studierenden gefordert ist (Norton/Gerber/Fontaine et al. 2022).
Transdisziplinäre Lehre muss dagegen von transformativer Lehre unterschieden werden (Fraser 2015). Werden in Lehr-Lern-Settings neben der Wissenschaft auch externe Akteure aus der Gesellschaft zur Beantwortung problemzentrierter Fragestellungen einbezogen, wird von transdisziplinärer Lehre gesprochen (Daneshpour/Kwegyir-Afful 2022). Transformative Lehre hingegen hat das Ziel, Studierende dazu zu befähigen, sich kritisch und reflektiert mit Fragestellungen auseinanderzusetzen, sich unterschiedliche Kompetenzen im methodischen sowie personal-sozialen Bereich anzueignen und sich einer fortwährenden Neuverhandlung der Inhalte gegenüberzusehen (Sterling 2010; Förster/Zimmermann/Mader 2019; Odell/Molthan-Hill/Martin et al. 2019; vgl. auch Kapitel 3.2). Somit führt transformative Lehre pädagogisch betrachtet zu einem „Wandel individueller Bedeutungsperspektiven [beziehungsweise induziert den] kollektive[n] Bewusstwerdungs- und Emanzipationsprozess“ (Singer-Brodowski 2016: 15).
Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Verlust von Biodiversität, Bodendegradation und Desertifikation sowie Wassermangel (WBGU 2011), die Prozesse einer Großen Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung notwendig machen, können nach Peters (2017: 387) als super-wicked problems bezeichnet werden. Kennzeichen dieser komplexen Problemkategorie sind: „(1) [t]ime is running out; (2) [t]here is no central authority, or, only a weak central authority, to manage the problem; (3) [t]he same actors causing the problem seem to solve it; and (4) [t]he future is discounted radically so that contemporary solutions become less valuable“ (Peters 2017: 387; vgl. auch Lazarus 2009; Levin/Cashore/Bernstein et al. 2012). Diese Definition veranschaulicht die Dringlichkeit entsprechenden Handelns und die hierfür erforderlichen Kompetenzen.
Der WBGU (2011: 90) fasst die notwendigen Problemlösungskompetenzen – die gleichzeitig als Qualifizierungsziele hochschulischer Ausbildung gedeutet werden können – wie folgt zusammen: „Um Erfolg zu haben, müssen ‚Pioniere des Wandels‘ […] die Grenzen des etablierten Gesellschaftskonzeptes (in diesem Falle einer weitgehend auf der Nutzung fossiler Energieträger beruhenden Wirtschaftsweise oder high carbon economy) plausibel aufzeigen können und über (attraktive) Leitbilder (Narrative) verfügen, an denen sich der gesellschaftliche Wandel ausrichten kann.“ Frank und da Rosa Pires (2021) sehen Planerinnen und Planer als kompetente Akteure, die solche komplexen Probleme adäquat adressieren können, um an den entsprechenden leverage points bzw. Hebeln für nachhaltige Transformation ansetzen zu können (Leventon/Abson/Lang 2021).
Im Hauptgutachten des WBGU aus dem Jahr 2020 mit dem Titel „Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration“ wird der Wandel im Umgang mit Land als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung beschrieben (WBGU 2020). Raumrelevante Studiengänge wie Planungswissenschaften und Geographie, die fachimmanent bereits an Querschnittsbereichen unterschiedlicher Disziplinen arbeiten, kommt in diesem Zuge umso größere Bedeutung bei der Ausbildung von „Pionieren des Wandels“ (WBGU 2011: 90; Held 2019: 44) zu. Insbesondere die Raumordnung, die während der 1960er- und 1970er-Jahre durch die Ausweisung von Raumordnungsplänen in allen Flächenländern große politische Bedeutung erfahren hatte, wurde im politisch-institutionellen Gefüge ab den 1980er-Jahren um eine „Ökologisierung der Raumplanung“ (Gnest 2008: 9) erweitert (Blotevogel 2018: 798–799).
Große Transformation hin zu einer Nachhaltigen Raumentwicklung impliziert gesellschaftlichen Wandel im Sinne eines verantwortungsbewussten Umgangs mit den vorhandenen Ressourcen in allen Bereichen und geht somit über die Vorstellungen und Narrative einer Postwachstums-, Degrowth‑ und Suffizienzerzählung hinaus (Rostock/Weller 2016; Engel/Knieling 2017). Hierzu bedarf es des Zusammendenkens komplexer Sachzusammenhänge und dementsprechender Qualifizierungsangebote insbesondere in raumrelevanten Studiengängen, die zukünftige Praktikerinnen und Praktiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler adäquat auf das nachfolgende Berufsleben vorbereiten.
Im Folgenden werden zwei Wissens- und Kompetenzkonzepte überblicksartig vorgestellt, die im Rahmen der Transformationsforschung sowie in verwandt-transdisziplinären Bereichen wie der Reallaborforschung (vgl. Arnold/Piontek 2018; Augenstein/Bögel/Levin-Keitel et al. 2022) in Forschung und Lehre Bedeutung erfahren haben. Wir gehen davon aus, dass diese Wissensformen auf die hochschulische Lehre zur Transformation übertragen werden können und dort zu vermitteln sind, um die Studierenden zu Transformationspionieren oder change agents auszubilden.
Systemwissen | Zielwissen/Orientierungswissen | Transformationswissen/Handlungswissen | |
|---|---|---|---|
Begriffsdefinition nach ProClim (1997) | Wissen darüber, was ist | Wissen darüber, was sein und was nicht sein soll | Wissen darüber, wie man vom Ist- zum Soll-Zustand kommt |
Raumbezug nach Mölders/Levin-Keitel (2022) | Fachexpertise: Räume als sozialökologische Systeme verstehen | Normative Setzungen: Räumliche Visionen entwickeln | Gesellschaftliche Verankerung: Handlungsräume initiieren und koordinieren |
Beispiele und Maßnahmen nach Mölders/Levin-Keitel (2022) | Bestandsaufnahmen wie Informationssysteme, Raum- und Datenanalysen | Prognose- und Bewertungsmethoden; Konzepte, Pläne, Programme | Prozessgestaltung und Management: Verhandlung, Moderation etc.; Kommunikation und partizipative Planung |
Mölders und Levin-Keitel (2022) konkretisieren die unterschiedlichen Wissensformen für die räumliche Planung und ordnen ihnen unterschiedliche Methoden und Maßnahmen zu, die von Bestandsaufnahmen natürlicher und menschlicher Systeme (Systemwissen) über Prognosen und Bewertungen sowie normative Zielsetzungen (Zielwissen) bis hin zu partizipativen Ansätzen im Hinblick auf Prozessgestaltung und Management (Transformationswissen) reichen (vgl. Tabelle 1).
Da die räumliche Planung in Deutschland dem Nachhaltigkeitsgrundsatz verpflichtet ist, hat sie für die Generierung von Transformationswissen insofern einen hohen Stellenwert, als sie Handlungsräume initiiert und koordiniert und somit durch transdisziplinäres Aushandeln gesellschaftlicher Ansprüche und Nachhaltiger Raumentwicklung eine gesellschaftliche Verankerung transformativer Handlungsweisen erreicht werden kann (vgl. Finke 2015). Frank und da Rosa Pires (2021: 3) beschreiben die Rolle der Planerinnen und Planer hierbei als „facilitators and coordinators of change – change agents who empower others“. Diese Rolle unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung und Professionalisierung, um die Vermittlung transformativer Handlungspraktiken wie gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse auch zukünftig adäquat gestalten zu können (Hofmeister/Warner 2022; vgl. auch Knieling 2021).
Die Große Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung stellt die Lehre an den Hochschulen vor neue Herausforderungen, was zu unterschiedlichen Konzepten und Lehrformaten führt. Neben den Wissensformen können Lehrinhalte und -formen differenziert werden. Danielzyk, Gilliard, Knieling et al. (2020) unterscheiden zwischen (a) Transformationslehre und (b) transformativer Lehre. Transformationslehre bezeichnet Lehrformate und -konzeptionen, die Wissen über die Große Transformation vermitteln. Dagegen greift transformative Lehre „selbst in gesellschaftspolitische Prozesse ein bzw. initiiert sie, um so aktiv zur G[roßen] T[ransformation] beizutragen“ (Danielzyk/Gilliard/Knieling et al. 2020: 64; vgl. auch WBGU 2011; Fraser 2015; Hofmeister/Warner 2021).
Rhodius, Bachinger, Díaz Méndez et al. (2022) formulieren darüber hinaus Kriterien, die entweder inhärenter Bestandteil transformativer Lehre sind oder durch die vermittelten Inhalte und Handlungsmuster erlernt werden sollen. Transformative Lehransätze sind ihrer Definition nach immer transdisziplinär angelegt und zielen darauf ab, Interventionen durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu provozieren (vgl. auch Daneshpour/Kwegyir-Afful 2022). Als Interventionen bezeichnen die Autorinnen „jegliche Form von Impulsen, die bestehende Handlungsroutinen oder dominante Denkmuster hinterfragen und Alternativen einführen“ (Rhodius/Bachinger/Díaz Méndez et al. 2022: 2; vgl. auch Odell/Molthan-Hill/Martin et al. 2019). Beispiele hierfür sind kritische Diskussionen im öffentlichen Raum unter Einbezug weiterer Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie der Zivilgesellschaft, die zudem den transdisziplinären Charakter der Lehrmethode bestärken (zum Einbezug der Zivilgesellschaft in wissenschaftliche Forschungsprojekte vgl. auch Finke 2015).
Durch transformative Lehrveranstaltungen sollen unterschiedliche Kompetenzen vermittelt werden, indem den Studierenden nicht nur Wissen, sondern gleichzeitig auch Fähigkeiten und Erfahrungen mitgegeben werden, die durch eigenverantwortliches Handeln und Initiative direkt erfahrbar gemacht werden (Wihlenda 2015; Wilhelm/Förster/Zimmermann 2019). Rhodius, Bachinger, Díaz Méndez et al. (2022: 4–5) differenzieren diesbezüglich in Anlehnung an das Kompetenzmodell nach Wiek, Withycombe und Redman (2011) in systemisches Denken, antizipative Kompetenz, normative Kompetenz, strategische Kompetenz und interpersonale Kompetenz, die teilweise auch entsprechendes Vorwissen erfordern. Damit geschieht gleichermaßen ein Rückbezug auf das Systemwissen, durch welches die notwendigen Vorkenntnisse und Fähigkeiten über die Große Transformation und Nachhaltige (Raum‑)Entwicklung vermittelt werden.
Der vorliegende Beitrag nimmt eine vereinfachte Unterteilung in Kompetenzniveaus vor und unterscheidet folglich Fachkompetenz, personale Kompetenz und Methodenkompetenz voneinander (vgl. auch eine Übersicht bei Wilhelm/Förster/Zimmermann 2019). Damit wird sichergestellt, dass die qualitativ-systematische Analyse der Curricula bzw. Modulhandbücher der einzelnen Studiengänge adäquat durchgeführt werden kann und einzelne Kriterien zu identifizieren sind. Zudem werden Beschreibungen und Definitionen einzelner Dimensionen für die Analyse herangezogen (vgl. Kapitel 4.1), die für das TRANS4-Kompetenzmodell nach Kaiser, Sieber, Hornung et al. (2023) formuliert wurden, einem modularen „Modell zur individuellen Entwicklung von Menschen, die in transformativen Prozessen arbeiten“ (Kaiser/Sieber/Hornung et al. 2023: 20). Das Modell greift die Multidimensionalität des Transformationsbegriffs auf. Neben der eigentlichen Kompetenz (Fähigkeiten, Wissen, Fertigkeiten) werden dort vor allem die Persönlichkeit (Eigenschaften, Motive), das Setting (Formate, Methoden, Aufgaben) und die Qualifizierung (individuell oder in Teams) hervorgehoben (Kaiser/Sieber/Hornung et al. 2023: 20). In der vorliegenden Studie wird Kompetenz mit der Kategorie Fachwissen, die Persönlichkeit mit der Kategorie personale Kompetenz und das Setting (vgl. auch Förster/Zimmermann/Mader 2019) sowie die Qualifizierung mit der Kategorie Methodenkompetenz – Teamarbeitskompetenz (vgl. Tabelle 1) abgedeckt.
Im Folgenden werden die Vorgehensweise der Interviewstudie und der Analyserahmen für die qualitativ-systematische Untersuchung der jeweiligen Modulhandbücher erläutert. Außerdem wird die Auswahl der zur Analyse herangezogenen raumbezogenen Studiengänge dargestellt und die Studiengänge verschiedenen Themenbereichen zugewiesen.
Da zur Forschungsfrage des vorliegenden Beitrags (vgl. Kapitel 1) nicht auf empirische Untersuchungen zurückgegriffen werden konnte, wurde ein explorativer Ansatz nach der Grounded Theory (Glaser/Strauss 1999) angewandt (vgl. Lamnek 2005).
Zur Konkretisierung der Analysekriterien der auszuwertenden Studiengänge wurden teilstandardisierte, leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Planungspraxis geführt. Für die Interviews wurden Personen sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis aufgrund ihrer aktiven Mitwirkung zum Thema „Große Transformation und Nachhaltige Raumentwicklung“ in der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL) sowie aufgrund ihrer damit zusammenhängenden Publikations- und Vortragstätigkeit ausgewählt. Des Weiteren wurde für Akteure aus der Planungspraxis auf bestehende berufliche Netzwerke sowie auf Empfehlungen zurückgegriffen (Schneeballverfahren) (vgl. Flick 2007). Auswahlkriterium hierbei war, dass sich die Akteure aus der Planungspraxis im beruflichen Alltag mit komplexen Fragestellungen der Nachhaltigen Raumentwicklung und Transformation auf jeweils unterschiedlichen Maßstabsebenen beschäftigen.
Für die Befragungen in beiden Bereichen wurden jeweils angepasste Leitfäden mit gleicher Grobstruktur entwickelt, um einerseits die jeweiligen Spezifika herausarbeiten zu können und andererseits eine gewisse Vergleichbarkeit der Interviews zu gewährleisten (Meier Kruker/Rauh 2005: 64–65; Flick 2007: 211–226). Um die Befragten möglichst wenig zu beeinflussen und auch narrative Sequenzen im Interviewverlauf zulassen zu können, wurden offene Fragestellungen gewählt. Transkription und Strukturierung der Interviewaussagen erfolgten nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010).
Der thematische Fokus der Interviews lag auf der allgemeinen Positionierung der Interviewten zu den Themen Große Transformation und Nachhaltige (Raum‑)Entwicklung und deren Ausgestaltung in Forschung und Praxis. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden zudem zur Vereinbarkeit von Forschung und Lehre befragt.
Auf der Basis der Ergebnisse der Interviewstudie wurde mittels einer systematisch-qualitativen Inhaltsanalyse der jeweiligen Modulhandbücher eine detaillierte Analyse ausgewählter raumbezogener Studiengänge durchgeführt (vgl. Tabelle 2), die vertikal gegliedert in die unterschiedlichen Kompetenzen des TRANS4-Kompetenzmodells nach Kaiser, Sieber, Hornung et al. (2023) aufgegliedert werden (vgl. Kapitel 3.2).
Für die Fachkompetenz wird auf die Differenzierung der Lerninhalte und -formate nach Danielzyk, Gilliard, Knieling et al. (2020) zurückgegriffen und in Transformationslehre und transformative Lehre unterschieden (vgl. Kapitel 3.2). Transformationslehre wird als Anteil themenspezifischen Wissens in disziplinären oder interdisziplinären Settings und transformative Lehre als Anteil von Lehrveranstaltungen, die Studierende und externe Partner (pro)aktiv einbinden und somit transdisziplinäre Rahmen schaffen, operationalisiert (vgl. Tabelle 2). Vertikal betrachtet geht mit der Fachkompetenz insbesondere das Systemwissen einher, da hier räumlich betrachtet Fachexpertise angeeignet und eine Bestandsaufnahme mittels bewährter Fachmethoden erbracht wird. Außerdem wird zukünftig auch Transformationswissen angesprochen, indem Wissen darüber, wie man vom Ist-Zustand zum erwünschten Soll-Zustand kommen kann, auch durch Fachinhalte vermittelt wird (vgl. Kapitel 3.1).
Für die personale Kompetenz wird das Konzept der levels of learning nach Sterling (2010) herangezogen. Danach können drei Ebenen von Lernen unterschiedlich tiefgreifende Veränderungen und Handlungsweisen hervorrufen, wobei insbesondere das epistemische Lernen als wichtiger Bestandteil transformativer Lehre konzeptualisiert wird (Odell/Molthan-Hill/Martin et al. 2019). Als (a) first order change bezeichnet Sterling Änderungen, die weitgehend innerhalb der bestehenden thematischen, kognitiven und handlungstheoretischen Grenzen bleiben („doing things better“), mit (b) second order change geht ein Wandel einher, der bestehende Grenzen, Werte und Thesen hinterfragt und somit zu Lernprozessen führt, die eine Neuaushandlung bestehender Gefüge mit sich bringen („doing better things“), (c) third order change oder auch epistemisches Lernen bewirkt darüber hinaus eine tiefgreifende Veränderung von Erkenntnis und Denken, die die Wahrnehmung der Welt und die Interaktionen mit ihr verändert („seeing things differently“) (Sterling 2010: 23). Vertikal gegliedert kann der personalen Kompetenz in ihren jeweiligen Ausprägungen insbesondere das Transformationswissen zugeordnet werden, da es hier räumlich betrachtet darum geht, Handlungsräume zu initiieren und unterschiedliche Methoden der Prozessgestaltung anzuwenden (vgl. Kapitel 3.2).
Diese Untergliederung einzelner levels of learning kann horizontal gelagert in direktem Zusammenhang mit unterschiedlichen Wissensformen und Wissenssystemen konzeptualisiert werden (vgl. auch Kapitel 3.1). Um Transformationsprozesse anzustoßen, müssen nach Marshall, Dolley und Priya (2018) nicht nur unterschiedliche Dimensionen komplexer Fragestellungen betrachtet werden, wie die physische Gestalt, kognitive, normative und soziale Aspekte, sondern insbesondere auch unterschiedliche Wissenssysteme miteinander verknüpft werden. Von kollaborativer Wissensproduktion ausgehend muss dazu über die Verbreitung von verwertbarem Wissen (first and second order change, Systemwissen und Orientierungs‑/Zielwissen) eine Wissensproduktion als Katalysator für sozialökologische Transformationsprozesse (third order change, Handlungs‑/Transformationswissen) geschaffen werden.
Da insbesondere die erste und zweite Ebene nur schwerlich mithilfe qualitativ-systematischer Textanalysen von Modulhandbüchern unterschieden werden können, werden diese Ebenen im Analyserahmen gemeinsam betrachtet. Ergänzend wurde dafür die Ebene Teamarbeitskompetenz gewählt, da für die Bearbeitung von Fragestellungen und Herausforderungen der Großen Transformation und Nachhaltigen Raumentwicklung auch personale Kompetenzen in diesem Bereich erforderlich sind. Für die Operationalisierung der einzelnen Ebenen wurde auf Fähigkeiten und Eigenschaften zurückgegriffen, die so auch in Beschreibungen einzelner Module vorzufinden sind und bereits in anderen Studien Anwendung fanden (vgl. Kerschbaum/Schroeter 2023; vgl. Tabelle 2).
Fachkompetenz – Systemwissen und Transformationswissen | |
Transformationslehre/Transformationswissen – disziplinäre bis interdisziplinäre Lehre | Anteil an Vermittlung themenspezifischen Wissens zur Großen Transformation Vermittlung disziplinärer bzw. interdisziplinärer Inhalte |
Transformative Lehre/Wissen – transdisziplinäre Lehre | Anteil an Exkursionen, Projekten, Reflexion, Bewertung Durchführung dieser Lehrformate im transdisziplinären Verbund |
Personale Kompetenz – Transformationswissen/Handlungswissen | |
First/Second order change | Anteil an personalen Kompetenzen wie Transferfähigkeit, Datenorganisation und selbstständiges Lernen und Arbeiten |
Third order change | Anteil an personalen Kompetenzen, die Reflexivität, Kritikfähigkeit und Diskussionsfähigkeit schulen |
Teamarbeitskompetenz (inter- wie transdisziplinär) | Anteil an personalen Kompetenzen, die zur Team- und Projektarbeit befähigen |
Methodenkompetenz – Orientierungswissen/Zielwissen | |
Lernkompetenz/Wissenschaftliche Kompetenz | Wissenschaftliches Arbeiten (strukturieren, schreiben), selbstständiges Arbeiten |
Fachwissenschaftliche Kompetenz | Fachwissen, fachwissenschaftliche Methodenausbildung |
Teamarbeits‑/Projekt‑/Vermittlungskompetenz | Teamarbeit, Selbstorganisation, Projektplanung |
Themenbereich | Hochschule | Abschluss | Studiengang |
|---|---|---|---|
Nachhaltigkeitswissenschaften | Leuphana Universität Lüneburg | B.Sc. | Umweltwissenschaften – Major Umweltwissenschaften |
B.Sc. | Umweltwissenschaften – Minor Raumwissenschaften | ||
Transformation im Studiengangsnamen | Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen | M.Eng. | Stadt Land Transformation |
Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde | M.A. | Bildung – Nachhaltigkeit – Transformation (berufsbegleitend) | |
Universität Vechta | M.A. | Transformationsmanagement in ländlichen Räumen | |
Geographie mit Bezügen zu Raumentwicklung und nachhaltiger Entwicklung | Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt | M.A. | Geographie: Bildung für Nachhaltige Entwicklung |
Universität Bayreuth | M.Sc. | Humangeographie: Stadt- und Regionalforschung | |
Stadt‑, Regional‑, Raumplanung, Urbanistik, Raum- und Stadtentwicklung | Technische Universität Dortmund | B.Sc. | Raumplanung |
M.Sc. | Raumplanung | ||
Universität Kassel | B.Sc. | Stadt- und Regionalplanung | |
M.Sc. | Stadt- und Regionalplanung | ||
Technische Hochschule Lübeck | M.Sc. | Stadtplanung | |
HafenCity Universität Hamburg | B.Sc. | Stadtplanung | |
M.Sc. | Stadtplanung | ||
Bauhaus Universität Weimar | B.Sc. | Urbanistik | |
M.Sc. | European Urban Studies (englisch) | ||
M.Sc. | Integrated Urban Development and Design (englisch) | ||
Technische Universität München | M.Sc. | Urbanistik – Landschaft und Stadt | |
Landschaftsarchitektur, Landschafts- und Umweltplanung | Technische Universität Berlin | B.Sc. | Landschaftsarchitektur |
M.Sc. | Landschaftsarchitektur | ||
Leibniz Universität Hannover | B.Sc. | Landschaftsarchitektur und Umweltplanung | |
M.Sc. | Umwelt- und Regionalplanung, Major Naturschutz und Landschaftsplanung | ||
Technische Universität München | B.Sc. | Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung | |
M.Sc. | Naturschutz und Landschaftsplanung | ||
Planung mit Schwerpunkt Partizipation | Universität Stuttgart | M.Sc. | Planung und Partizipation |
Funktion | Datum des Interviews | Dauer des Interviews | ||
|---|---|---|---|---|
Wissenschaft | W1 | Professorin für Umweltplanung | 31. Oktober 2023 | 90 Minuten |
W2 | Professor für Stadtplanung und Regionalentwicklung | 8. November 2023 | 48 Minuten | |
W3 | Professor für Stadt- und Regionalentwicklung | 14. Dezember 2023 | 42 Minuten | |
W4 | Professor für Öffentliches Recht | 8. November 2023 | 55 Minuten | |
W5 | Professor für Physische Geographie und ihre Didaktik, UNESCO-Chair | 28. November 2023 | 25 Minuten | |
W6 | Professor für Sozialgeographie, UNESCO-Chair | 2. November 2023 | 80 Minuten | |
Praxis | P7 | Leitender Regierungsdirektor | 2. November 2023 | 55 Minuten |
P8 | Diplom-Geographin, Dr. | 9. November 2023 | 75 Minuten | |
P9 | Diplom-Raumplanerin, Dr. | 7. November 2023 | 75 Minuten | |
P10 | Regionalplaner a.D. | 3. November 2023 | 90 Minuten |
5.1.1 Qualifizierungsdefizit und Wissensdiskrepanz
Sowohl aus Sicht der Wissenschaft (W3) als auch der Praxis (P7) wird ein Defizit in der systematischen Ausbildung von Praktikerinnen und Praktikern angesichts zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen gesehen. Dies liegt zum einen an mangelnden Bestrebungen von Lehrenden, aber auch fehlenden Förderkonstellationen, die ein institutionelles Umdenken vorantreiben können. Gleichzeitig lässt sich ein unterschiedlicher Wissensstand zu Fragen der Großen Transformation und der Nachhaltigen Raumentwicklung sowohl zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis als auch zwischen verschiedenen Fachdisziplinen feststellen (P8).
5.1.2 Voraussetzungen für die Lehre im Sinne der Großen Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung
Als basale, jedoch keineswegs triviale Bedingung, um Lehre in den Themenbereichen Große Transformation und nachhaltige Entwicklung adäquat durchführen zu können, wird ein neues, in sich transformatives Wissensverständnis benötigt (Ziegele 2015; Freihardt 2021; Maikämper/Peters/Danielzyk 2022), welches bis dato noch unzureichend in den Hochschulen angekommen zu sein scheint (W3). Neben der Verantwortung der Hochschulen als „engaged universities“ (Frank/da Rosa Pires 2021: 5; vgl. auch Komatsu/Fu/Lin et al. 2022) geht damit die Glaubwürdigkeit der Lehrenden gegenüber den Studierenden einher, die auch außerhalb der Lehre zum Beispiel bei Forschungs- und Vortragstätigkeiten transformatives Denken und Handeln vorleben sollten. Weiterhin zeigt sich, dass Nachhaltigkeitsstrategien und Fragestellungen der Großen Transformation über einzelne Studiengänge hinaus oftmals noch nicht hochschulweit eingebunden sind und von der Organisation nicht nach außen repräsentiert werden (W4; Bormann/Kummer/Niedlich et al. 2020).
Die Umsetzung dieses Wissenschaftsverständnisses scheitert bisher allerdings oftmals an institutionellen Hürden, welche sich in Belohnungssystemen wie Impact Factors, Vortragsreputationen und Drittmitteleinwerbung möglichst großer Geldbeträge äußern, die transformativ-transdisziplinäre Projekte und Lehre konterkarieren (W1, W3, W6). Eine gesteigerte Flexibilität und Diversität in der Lehre hin zu transformativen Lehrformaten könnte freilich unter anderem durch eine bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten und einzelner Fachbereiche erreicht werden (Ziegele 2015; vgl. auch Norton/Gerber/Fontaine et al. 2022).
5.1.3 Ausrichtung von Transformativer Lehre und Transformationslehre
Die Interviewpartnerinnen und -partner schätzen sowohl Transformationslehre als auch transformative Lehre als wichtig für eine gelungene Qualifizierung und Ausbildung ein, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte in der Ausgestaltung der Lehre. Zum einen herrscht die Meinung vor, dass insbesondere praxisorientierte, problemlösungsadressierte Konzepte besonderen Mehrwert bei der Vermittlung von Wissen zu Transformationsprozessen und die Eigeninitiative der Studierenden einen wichtigen Wert für die Vermittlung transformativer Ansätze haben (W2, W5; vgl. Wihlenda 2015; Kerschbaum/Schroeter 2023). Zum anderen wird postuliert, dass ein fundiertes Basiswissen mittels Transformationslehre unabdingbar ist, um Zusammenhänge herstellen zu können und problemorientiert Lösungen zu generieren (W3, W4, P8, P10).
5.1.4 Transdisziplinarität als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Transformation
Inter- und transdisziplinäres Arbeiten und Lehren werden insbesondere vor dem Hintergrund der super-wicked problems, die Transformationsprozessen zugrunde liegen (vgl. Kapitel 2.3), als unabdingbare Komponenten der Ausbildung angesehen. Dennoch stellt auch gutes transdisziplinäres Arbeiten keine Garantie dafür dar, einen Transformationsprozess einleiten zu können (W3; vgl. Finke 2015; Norton/Gerber/Fontaine et al. 2022). Um Transformationsprozesse in ihrer weitgefassten Definition in der Lehre umsetzen zu können, genügt es nicht, externe Akteure und Stakeholder in den Projektkontext einzubinden, sondern darüber hinaus müssen auch die Fragestellungen entweder aus der Praxis oder von den Studierenden selbst entwickelt werden (W1; vgl. Wihlenda 2015). Diese ambitionierten Ziele transdisziplinärer Zusammenarbeit mit Studierenden scheitern oftmals aber bereits an der disziplinären Ausbildung und Qualifizierung der Lehrenden, deren statusimmanenten Einstellungen oder an institutionellen Hürden (W1, W2; vgl. auch Norton/Gerber/Fontaine et al. 2022). Des Weiteren bestehen teilweise Problemkonstellationen, die sich aus der zunehmenden Internationalisierung und der Lehrsprache Englisch ergeben, welche die direkte Zusammenarbeit mit Praxispartnerinnen und -partnern vor Ort erschwert oder unmöglich macht (W1).
5.1.5 Ziele transformativer Lehre aus der Sicht von Wissenschaft und Praxis
Als Ziele transformativer Lehre werden in den Interviews vonseiten der Wissenschaft wie der Praxis – neben der Vermittlung fachwissenschaftlicher Kenntnisse – insbesondere die Vermittlung von Methodenkenntnissen und Soft Skills genannt. Dabei wird die Fähigkeit, wissenschaftlich-empirisch erhobenes Wissen transparent und operationalisiert an die Zivilgesellschaft weitergeben zu können, als wichtige Fähigkeit zur Gestaltung evidenzbasierter Transformationsprozesse im Arbeitsalltag zukünftiger Praktikerinnen und Praktiker betrachtet (P7, P8, P9). Grundlegend für den Erfolg jeglicher Kooperation von Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist, dass diese sich auf Augenhöhe begegnen, indem sie gegenseitig auf Probleme, Bedarfe und Lösungsvorschläge eingehen und so voneinander lernen können. Auch Problemlösungskompetenzen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge vor großem Publikum angemessen präsentieren zu können, werden als essenzielle Fähigkeiten beschrieben, genauso wie Durchhaltevermögen und Orientierung in schwierigen Situationen des Forschungsprozesses und des Austausches mit der Zivilgesellschaft (W1).
Aus der Literatur geht zudem hervor, dass Studiengänge in der Methodenausbildung einen gewissen Grad an Flexibilität aufrechterhalten und sich somit den jeweiligen gesellschaftlichen Herausforderungen anpassen sollten. Frank und da Rosa Pires (2021: 4) betonen allerdings, dass es immer wichtiger wird, „to focus on emotional competencies (not merely knowledge) as prerequisite to profound […] change“ (vgl. auch Mälkki/Green 2014).
Diese Ziele transformativer Lehre führen nach Springett und Kearins (2001: 219) zur Ausbildung eines „environmentally literature graduate“. Neben der Fähigkeit, positiv auf Veränderungen und Ungewissheiten zu reagieren, sind hierbei insbesondere Verantwortungsbewusstsein gegenüber Umwelt und Mitmenschen sowie eine interdisziplinär-holistische Sichtweise auf komplexe Problemstellungen entscheidend. Nach Springett und Kearins (2001: 219) ist der ausgewogene Einsatz von Rationalität und Gefühl sowie von Intellekt und Intuition für die adäquate Bewertung komplexer Fragestellungen maßgeblich. Die dazu in der Literatur genannten Fähigkeiten bestätigen die aus den Interviews gewonnenen Ergebnisse.
5.1.6 Lehrformate für die Große Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung
Die Ziele transformativer Lehre und die dahinterstehenden Herausforderungen komplexer Fragestellungen erfordern die Integration innovativer sowie problem- und teamorientierter Lösungsstrategien in die Lehrformate. Anzumerken gilt es, dass die nachfolgend beschriebenen Lehrformate nicht per se transformative Lehre nach sich ziehen, jedoch ein gewisses Lehr-Lern-Setting schaffen, das transformative Wissensvermittlung der Studierenden erleichtern kann.
In Planungsstudiengängen lässt sich seit den 1990er-Jahren ein „collaborative and more recently transformative turn“ (Frank/da Rosa Pires 2021: 2; vgl. auch Healey 1992) feststellen. Studienprojekte werden als ein besonders zur Vermittlung transformativer Themenbereiche geeignetes Lehrformat erachtet, mithilfe dessen Wissen und Inhalte direkt in Anwendung gebracht und Studierende sowie teilweise auch externe Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und/oder Zivilgesellschaft (pro)aktiv eingebunden werden (Boyer 2020). Darin bearbeiten Studierende in unterschiedlich großen Gruppen eine gegebene Problemstellung, und Lehrende liefern inhaltlichen Input, der auf das jeweilige Aufgabenfeld zugeschnitten ist (vgl. Wihlenda 2015). In manchen Studiengängen können die Studierenden, teils in sogenannten Projektbörsen, Projektthemen selbst einbringen und sich als Teams selbstständig formen (vgl. auch Purkarthofer/Mäntysalo 2024). Dieses Vorgehen fördert die Selbstständigkeit der Studierenden, da auch die betreuenden Lehrenden selbst gesucht werden müssen (W1), und bereitet so auf die problem- und teamorientierte Arbeit im späteren Berufsalltag vor. Ein weiteres Lehrformat, welches auch zur Kategorie des projektorientierten Lernens und Arbeitens gezählt werden kann, sind Reallaborstudien (Augenstein/Bögel/Levin-Keitel et al. 2022), bei denen die Kriterien eines transdisziplinären Zugangs zu nachhaltigen Themenbereichen sowie die eigene Organisation des Forschungsvorhabens im Fokus stehen. Diese Form der Lehrvermittlung wurde in den Interviews angesprochen, jedoch durchweg mit transdisziplinären Methodenseminaren und Studienprojekten gleichgestellt (vgl. auch Boyer 2020).
Als weiteres Lehrformat werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie von Praktikerinnen und Praktikern Exkursionen und Praktika angesehen. Durch die Begegnungen und Erlebnisse in situ können die im Studium theoretisch und konzeptionell erarbeiteten Kenntnisse erfahrbar gemacht werden (W6, P9; Förster/Zimmermann/Mader 2019), was die Motivation für das Gelernte erhöht und somit zu „sinnstiftendem Lernen“ (Seckelmann 2020: 9) beiträgt. Darüber hinaus können bei Exkursionen projektbasierte Arbeiten in Kleingruppen nicht nur Inhalte problemzentriert vor Ort erarbeiten, sondern die soziale Interaktion zwischen den Studierenden schulen (Seckelmann 2020). Teilweise werden in der Exkursionsdidaktik bereits neue Wege beschritten, etwa die vorherige Sensibilisierung auf einer Tagung zur Nachhaltigkeitstransformation, die Durchführung der Exkursion an unterschiedlichen Standorten oder die Erstellung einer Veröffentlichung für Praktikerinnen und Praktiker als Ergebnis (W3). Diese Neuerungen sollen den transformativen Gedanken weiter vertiefen und im Sinne von Wissenschaftskommunikation inhaltliche Impulse an die besuchten Orte zurückspiegeln und dort etwas in Bewegung setzen.
Neben einzelnen Lehrformaten, die sich als interdisziplinär übergreifende Kompetenzen oder als fachspezifische Inhalte in die Lehrpläne einfügen, besteht an manchen Universitäten zudem die Möglichkeit einer Zusatzqualifikation im Themenbereich „Nachhaltigkeit“ (W2, W3, W5). Eine solche fachübergreifende Zusatzqualifikation bietet insbesondere themenfernen Studienabsolventinnen und -absolventen die Möglichkeit, Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Nachhaltigen Raumentwicklung und Großen Transformationen zu erlangen. Teilweise sind diese querschnittsorientierten Studienelemente zudem interdisziplinär angelegt und die einzelnen Lehrveranstaltungen werden von Lehrenden aus unterschiedlichen Fakultäten und Fachrichtungen abgedeckt (W2).
Eine Besonderheit der Leuphana-Universität Lüneburg ist das sogenannte Leuphana-Semester, welches alle Studierenden in fachübergreifenden Modulen im ersten Semester belegen müssen. Damit wird zum einen ein Einstieg in die Wissenschaft vermittelt und zum anderen ein auf Allgemeinwissen aufbauender breiter Grundstock gelegt. Den Abschluss dieses Einstiegs bieten zumeist kreative Formate, die wissenschaftliche Ergebnisse in neuen und anderen Formaten, etwa in Theaterstücken oder von Studierenden selbst organisierten Konferenzen, vermitteln (W1). Vergleichbare querschnittsorientierte interdisziplinäre Lehrformate finden sich, wenn auch in reduzierter Form, auch an anderen Hochschulen. Sie bieten einen passenden Rahmen, um Inhalte der Nachhaltigkeit und Transformation zu integrieren (W2).
5.1.7 Akkreditierung von Lehrveranstaltungen
Die Ziele transformativer Lehre und die dahinterstehenden Herausforderungen komplexer Fragestellungen erfordern auch von Lehrformaten teilweise innovative sowie problem- und teamorientierte Lösungsstrategien. Hürden bei der Etablierung dieser Lehrformate sind beispielsweise die nicht vorhandene Akkreditierung von Ringvorlesungen oder Kolloquien (W1) oder Prüfungsmethoden, die ihren Zweck verfehlen: Beispielsweise können innovative Formate nicht durch standardisierte Klausuren und Multiple-Choice-Abfragen überprüft werden, sondern bedürfen neuer Prüfungsformate wie „Kompetenznachweisen“ (W6; vgl. Zimmermann/Stauffacher/Bornemann et al. 2021). Auch die Abgrenzung und das Verhältnis zur etablierten Hochschullehre muss für transformative Lehrformate klargestellt werden, um neuen Lehrzugängen entsprechenden Raum in der Hochschullandschaft einräumen zu können (Zimmermann/Stauffacher/Bornemann et al. 2021).
5.1.8 Probleme der Hochschulorganisation für transformative Bildung
Neben bereits gelingenden Ansätzen transformativ-nachhaltiger Hochschulbildung durch unterschiedliche innovative Lehrformate und gesteigerte Selbstverantwortung von Hochschulen im Sinne von „engaged universities“ (Frank/da Rosa Pires 2021: 5), werden hinsichtlich der Hochschulorganisation weitere Hürden beschrieben, die eine gesellschaftliche wie edukative Transformation einschränken (Michelsen 2015). Zum einen gilt dies für die nach wie vor dominierende disziplinäre Ausrichtung einzelner Professuren, die als nicht mehr vereinbar mit gesellschaftlichen Entwicklungen und den zu lösenden komplexen Fragestellungen eingeschätzt wird (W1; Förster/Zimmermann/Mader 2019). Damit einher geht die Ausrichtung von Hochschulen an Exzellenzinitiativen, die Einzeldisziplinen hervorhebt (vgl. Michelsen 2015). Die disziplinäre Organisation der Hochschullandschaft kann auch einer der Gründe für eine mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz von Forschung darstellen. Danach benötige „akademische Wissenschaft [nicht nur] eine Basis“ (Finke 2015: 88), die sich unter anderem im Selbstverständnis der Forschenden niederschlagen muss. Wissenschaft sollte somit „umorganisiert“ werden, um koproduktive und kooperativ-interdisziplinäre Lehr- und Lernarrangements zu gewährleisten (Michelsen 2015: 39–41), die sich der Struktur der Zivilgesellschaft eher anpassen (W6).
Die Analyse der Modulhandbücher zeigt, dass die Curricula der Studiengänge der Planungswissenschaften einerseits und der Geographie andererseits ähnlich aufgebaut sind (vgl. auch Kerschbaum/Schroeter 2023). Daraus folgt, dass sich auch in der Analyse disziplinär abgegrenzte Cluster feststellen lassen.
Hinsichtlich der Vermittlung von Fachkompetenz im Bereich der Transformationslehre bzw. des Transformationswissens werden jene Studiengänge aufgrund der vorangegangenen Analyse der Modulhandbücher von den Autorinnen und Autoren als besonders positiv eingeschätzt, die sich auch in ihrer Bezeichnung mit Transformation beziehungsweise Nachhaltiger Raumentwicklung beschäftigen. Dies kann zum einen daran liegen, dass sich die Bezeichnung des Studiengangs direkt in den Modulbeschreibungen der Handbücher wiederfindet. Zum anderen können sich diese Studiengänge konkret auf Nachhaltigkeitsthemen in ihrer engen Definition ausrichten, wohingegen zum Beispiel Planungsstudiengänge noch zahlreiche weitere Themengebiete, wie rechtliche, gestalterische oder ökonomische Fragestellungen, behandeln müssen. Allerdings böte diese Themenbreite bei den Planungsstudiengängen gleichzeitig die Möglichkeit, Transformationsinhalte in die verschiedenen Disziplinen zu integrieren.
Im Bereich der transformativen Lehre beziehungsweise der Vermittlung transformativen Wissens hingegen sind die projektorientierten Planungsstudiengänge weit fortgeschritten, während die Curricula der Geographie-Studiengänge weniger häufig entsprechende Lehrformate, etwa Studienprojekte, beinhalten. Hier finden sich eher Vor-Ort-Begehungen, Geländepraktika und Exkursionen, die Wissen zwar auch direkt erfahrbar und verortbar machen, denen es allerdings an Langfristigkeit, Teambildung und konzeptioneller Ausrichtung im Vergleich zu Projekten mangelt.
Inhaltlich ist in vielen Studiengängen – insbesondere in Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur – eine Fokussierung auf ökologische Themen festzustellen, wobei gesellschaftlich-soziale Perspektiven in das Hintertreffen geraten können. Komplexe Fragestellungen und super-wicked problems können nur im Zusammenspiel zwischen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft integrativ betrachtet und bearbeitet werden. Mit Rückbezug auf die Ergebnisse der Interviewstudie lässt sich schlussfolgern, dass sowohl Transformationslehre bzw. Transformationswissen als auch transformative Lehre bzw. transformatives Wissen und die Lehrformate Projekt und Exkursion als wichtige und sich ergänzende Bestandteile in der Ausbildung zukünftiger Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und change agents angesehen werden (vgl. Kapitel 5.1).
Da die Fähigkeit zum kritischen und selbstständigen Bewerten und Beurteilen sowie zur Argumentationsbereitschaft und Reflexion eigenen Handelns in den meisten Modulhandbüchern nicht nur fachwissenschaftlich proklamiert, sondern explizit nach außen gerichtet in einzelnen Modulen benannt wird, zeigen alle analysierten Studiengänge hier ein relativ positives Bild. Damit fördern sie die in den Expertengesprächen für wichtig befundenen personalen Kompetenzen der Reflexivität, Kritikfähigkeit und Diskussionsfähigkeit, die im Analyserahmen als third order change beschrieben werden (vgl. Tabelle 2; vgl. auch Mälkki/Green 2014; Fraser 2015; Lahsen/Turnhout 2021).
Nachholbedarf lässt sich in den einzelnen Studiengängen vor allem im Bereich der Vermittlung von Fähigkeiten zur selbstständigen Erarbeitung von Lernstrategien und Lernkonzepten feststellen (vgl. auch Purkarthofer/Mäntysalo 2024). Sicherlich kommen diese Aspekte in Lehrveranstaltungen wie Projektarbeiten oder Gruppendiskussionen implizit zum Tragen, werden – sofern durch die Analyse von Modulhandbüchern abbildbar – aber nicht explizit in das Curriculum aufgenommen. Diese Kompetenzen sind jedoch von maßgeblicher Bedeutung, um sich im beruflichen Alltag schnell in neue komplexe Fragestellungen und Herausforderungen im Rahmen der Großen Transformation und Nachhaltigen Raumentwicklung einarbeiten zu können.
Damit einhergehend ist bisher die eigene Rolle als Planerin bzw. Planer, die je nach unterschiedlichen Handlungsfeldern variieren kann (Knieling 2021), nur in wenigen Planungsstudiengängen Gegenstand der Ausbildung. Neben der Positionalität weiterer am Planungsprozess beteiligter Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Akteure ist ein Bewusstsein des eigenen Selbstverständnisses im Planungsprozess unabdingbar dafür, um Prozesse und Vorhaben situationsangemessen steuern und bei Fragestellungen und Herausforderungen zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen und Perspektiven vermitteln zu können (vgl. auch Kapitel 3.1).
Im Gegensatz dazu lässt sich die Methodenausbildung insbesondere hinsichtlich Team‑, Projekt- und Vermittlungskompetenz positiv bewerten. Insbesondere in den projektgeleiteten Studiengängen wird nicht nur die Präsentations- und Rhetorikfähigkeit besonders geschult, sondern auch Fähigkeiten des Zeitmanagements, der Projektplanung, der Moderation, des interkulturellen Verständnisses und des Konfliktmanagements (vgl. auch Boyer 2020). Diese Kompetenzen bereiten direkt auf den Arbeitsalltag von Planerinnen und Planern in inter- und transdisziplinären Teams vor und befördern unabhängig von fachwissenschaftlichen Inhalten wichtige Werkzeuge für die Bearbeitung von super-wicked problems. Auch in den Interviews mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis wurden insbesondere diese Fähigkeiten als essenzielle Bestandteile eines Studiums genannt, welches auf das spätere Berufsleben von Absolventinnen und Absolventen raumbezogener Studiengänge vorbereitet (vgl. Kapitel 3.1).
Darüber hinaus enthalten einzelne Studiengänge Methoden als Teil des Curriculums, die von Mölders und Levin-Keitel (2022) den unterschiedlichen Wissensformen als raumbezogene (Analyse‑)Maßnahmen zugeordnet wurden (vgl. Tabelle 1). Hierbei lassen sich im Bereich des Transformationswissens auch Fähigkeiten abgrenzen, die insbesondere innerhalb der Projektarbeit (Verhandlung, Moderation, Kommunikation) oder in der Kommunikation mit der Zivilgesellschaft (partizipative Planung, Kommunikation, Moderation) zum Tragen kommen.
In allen Studiengängen finden sich neben Vorlesungen und Seminaren auch Lehrformate wie Exkursionen, Praktika, Studienprojekte und Entwürfe (letztere mit Schwerpunkt auf Planungsstudiengängen). Des Weiteren haben in den vergangenen Jahren weitere, innovative Lernformate zur Wissensvermittlung und mit Potenzial für eine transformative Lehre, wie Workshops, Plan- und Rollenspiele, Blended Learning, Service Learning, Szenario-Spiele und Stegreife, Eingang in die Ausbildung gefunden.
Vom Standpunkt der Hochschulen stellen sich vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Herausforderungen weiterhin zentrale Fragen: Wie sollte raumbezogene Lehre gestaltet sein, die Transformationspioniere bzw. change agents für die Große Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung ausbildet? Und welche Ansätze wurden hierfür bisher in der Hochschullehre – insbesondere in raumbezogenen Studiengängen – umgesetzt? Mithilfe einer leitfadengestützten Interviewbefragung von zehn Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie einer qualitativ-systematischen Analyse von 25 Modulhandbüchern ausgewählter Studiengänge wurden diese Fragen adressiert. Da in bisherigen Studien vor allem auf die Forschungspraxis bzw. auf die Verantwortung von Hochschulen in diesem Bereich als engaged universities Bezug genommen und weniger auf die Vermittlung transformativer Lehre in raumbezogenen Studiengängen eingegangen wurde, basiert die vorliegende Studie auf einem explorativen Zugang.
Die Ergebnisse der leitfadengestützten Interviews zeigen, dass als Ziel transformativer Ausbildung von Wissenschaft und Praxis übereinstimmend neben fachwissenschaftlichen Kenntnissen insbesondere die Ausbildung hinsichtlich methodischer Kenntnisse, Soft Skills und Teamarbeitsfähigkeit gefordert wird. Transdisziplinarität wird als notwendige, aber keinesfalls als hinreichende Bedingung verstanden, um Transformationsprozesse einleiten und edukativ vermitteln zu können.
In der Analyse wurden mannigfache Hemmnisse für die Weiterentwicklung der Hochschullehre im Kontext von Großer Transformation und Nachhaltiger Raumentwicklung festgestellt. Dies sind zum einen institutionelle Hürden wie die disziplinäre Ausrichtung einzelner Professuren und Lehrender, die als nicht mehr mit gesellschaftlichen Entwicklungen und daraus entstehenden zu lösenden komplexen Fragestellungen vereinbar angesehen werden. Belohnungssysteme wie Impact-Faktoren, Vortragsreputationen und Einwerbung möglichst hoher Drittmittel können transformativ-transdisziplinäre Projekte und Lehre konterkarieren, da die hierfür besonders geeigneten Lehrformate wie Studienprojekte, Exkursionen, Ringvorlesungen oder interdisziplinäre Querschnittssemester für die Lehrenden mit einem vergleichsweise höheren Aufwand verbunden sind. Für neue Lehrformate fehlen auch angemessene ‚Kompetenznachweise‘, die über standardisierte Klausuren, Multiple-Choice-Abfragen und mündliche Prüfungen hinaus gehen, dennoch aber eine Akkreditierung im Studiengang erfahren können. Zudem wird die Notwendigkeit, aufgrund der Internationalisierung von Studiengängen Lehrveranstaltungen in englischer Sprache anbieten zu müssen, neben weiteren Aspekten als Hindernis für transdisziplinäre Lehre angesehen.
Als Ergebnis der Analyse der Modulhandbücher mittels des Analyserahmens kann festgehalten werden, dass einzelne Aspekte, die von den Interviewpartnerinnen und -partnern als wichtig beschrieben wurden, bereits Eingang in die Lehre gefunden haben. Insbesondere Planungsstudiengänge weisen eine hohe Projektorientierung auf, die transformatives Wissen nicht nur vermitteln, sondern direkt erfahrbar machen können und die Studierenden auch hinsichtlich Teamarbeits- und Projektkompetenzen schult. Gleichzeitig stellt die kritische, (selbst)reflexive und (selbst)ständige Bewertung und Diskussion von Fragestellungen, Herausforderungen und Lösungsansätzen in vielen Studiengängen einen zentralen Aspekt dar. Weniger stark ausgeprägt ist bisher allerdings die in den Lehrmodulen festgehaltene Schulung von Kompetenzen zur eigenständigen Lernerarbeitung und Lernkonzeption sowie die konkrete Adressierung der Rolle der Planerinnen und Planer in komplexen Transformationsprozessen. Insbesondere diese Fähigkeit und das Selbstverständnis der Planerinnen und Planer sollte neben fachwissenschaftlicher, methodenbezogener und sozial-persönlicher Kompetenz weiter in den Fokus der Ausbildung gerückt werden, um Multiplikatorinnen, Multiplikatoren und change agents ausbilden zu können.
Welche Lehr-Lern-Formen im Sinne guter Beispiele von besonderer Bedeutung für die Vermittlung von komplexen, transformationsbezogenen Fragestellungen für die Hochschullehre sind, kann Gegenstand weiterer Forschungen sein. Diesbezüglich sollten neben der Vermittlung von Fachinhalten insbesondere methodenbezogene und sozial-persönliche Kompetenzen adressiert werden.
Aus der Sicht der Nachhaltigkeitsthematik deutet die Studie weiterführenden Forschungsbedarf an, inwiefern sich die inzwischen langjährigen Erfahrungen aus dem Bereich ‚Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘ bei der Weiterentwicklung der Curricula einbeziehen lassen. Vereinzelt zeigen sich bei den untersuchten Studienprogrammen bereits Schnittstellen zum Bereich ‚Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘. Hier wäre aber eine vertiefte Analyse erforderlich, inwieweit sich Synergien und Wechselwirkungen erkennen lassen und wie die Erfahrungen und das fachliche Potenzial in diesem Bereich für die raumbezogenen Studiengänge genutzt werden können.
Die vorliegende Studie zeigt, dass die untersuchten Studienprogramme bzw. Hochschulen erste wichtige Schritte in der raumbezogenen Hochschulausbildung zukünftiger Absolventinnen und Absolventen in Hinblick auf gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen der Großen Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung bereits unternommen haben. Gleichzeitig bestehen weiterhin Defizite, die nur durch ein Zusammendenken inhaltlicher Perspektiven und Fragestellungen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Kultur und Gesellschaft sowie durch die Herausbildung von engaged universities und von engaged scientific communities zu erreichen sind. Ein Interviewpartner (W3) schlussfolgerte dementsprechend: „Wenn wir eine transformative Lehre aufbauen wollen, brauchen wir auch eine transformative Wissenschaft. Weil: Nur Wissenschaft, die sich selbst als transformativ begreift, kann eigentlich transformativ lehren.“ Darüber hinaus erfordert das Ziel, Transformationspioniere bzw. change agents für die Große Transformation hin zu Nachhaltiger Raumentwicklung auszubilden, entsprechend hohe Motivation und großes Engagement vonseiten sowohl der Lehrenden als auch der Studierenden der raumbezogenen Studiengänge.
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Fußnoten
| 1 | https://sdgs.un.org/goals (30.08.2024). |
| 2 | https://stiftung-hochschullehre.de/netzwerk-und-transfer/jahresprogramm/ (22.09.2024). |
| 3 | https://www.che.de/ranking-deutschland/ (04.09.2024). |