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            <article-title xml:lang="de">Kabisch, Sigrun; Rink, Dieter; Banzhaf, Ellen (Hrsg.) (2024): Die Resiliente Stadt: Konzepte, Konflikte, Lösungen</article-title>
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      <p>„Resilienz ist eine wesentliche Komponente der langfristigen Zielsetzung einer nachhaltigen Entwicklung des Raumes.“ So charakterisiert Sabine Baumgart, Präsidentin der ARL von 2019 bis 2022, den Maßstab des Gegenstandes der vorliegenden Publikation. Es ist das große Verdienst des Autoren- und Herausgeberteams, das im Wesentlichen im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Department Stadt- und Umweltsoziologie, in Leipzig angesiedelt ist, sich der Resilienz vertiefend zu widmen, droht doch dieser Begriff allmählich ‚abgenutzt‘ zu werden. Das Buch gewährt Einblick in die Forschungsarbeiten dieser Institution zum Thema Resilienz und setzt mit dem breit gefächerten Spektrum der Beiträge eine seit mehr als zwei Jahrzehnten sich international verdichtende Debatte um die urbane Resilienz fort. Es will den Austausch befördern und insbesondere eine Brücke zwischen Forschung und Praxis bilden. Dabei spielt der Bezug auf den Referenzfall Leipzig eine besondere Rolle. Die Publikation knüpft an den aktuellen Diskussionstand zur Resilienz an und schlägt dabei den Bogen von theoretischen Reflexionen, kritischen Aspekten im Resilienzdiskurs bis zu konkreten Anwendungsmaßnahmen und deren Diskussion. Das ist ambitioniert und kann insgesamt als gelungen angesehen werden. Dabei wird die hohe Evidenz von Resilienz herausgearbeitet und in einem Set an Themen illustriert. Sie bietet eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für die wissenschaftliche Vertiefung und anwendungsbezogene Auseinandersetzung in der kommunalen Planungspraxis. Der besondere Wert der Publikation liegt jedoch in einer überfälligen und spezifizierenden Aktivierung der Resilienzdiskussion in Deutschland.</p>
      <p>Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, in welchen die urbane Resilienz von „konzeptionellen Auseinandersetzungen“ über „Quartiersansätze“, „blau-grüne Infrastrukturen“ und dem Umgang mit „Umweltstressoren“ bis zur „Stadtentwicklungspraxis“ im Interview mit einem Planungspraktiker aus Leipzig aufgefächert wird. Es gelingt dem Herausgeberteam damit, ein beträchtliches Feld der Debatte abzustecken und damit eine breite Fachleserschaft anzusprechen. Das Buch kann zudem als eine Art Lehrbuch verstanden werden, das einen soliden Einblick in die Resilienzfrage mit Stadtbezug vermittelt. Als ein Überblickswerk spricht das Buch Kernthemen an, was zugleich die Möglichkeit der weiteren Vertiefung eröffnet. Eine folgerichtige Konsequenz eines solchen Buchcharakters ist, dass zu den einzelnen Themen natürlich weitergehende Literatur vorliegt, die nicht umfassend einbezogen werden konnte. Dieses kleine Defizit betrifft die theoretische Grundlegung von Resilienz, vor allem aber die Frage nach der öffentlichen Lernaufgabe zur Resilienz. Dahinter steckt die Einsicht, dass es nicht darum gehen kann, Zustände in Städten nach Störungen einfach wieder herzustellen, im Sinne von ‚Zurückspringen‘, sondern dass unumgänglich eine lernende Erneuerung mit langfristiger Orientierung stattfinden muss. Diese Dimension von Resilienz hätte unter anderem aus kommunalpolitischer und bürgerschaftlicher Beteiligungssicht breiter vertieft behandelt werden können.</p>
      <p>Eine oft anzutreffende Gleichsetzung von Resistenz und Resilienz hätte ebenfalls deutlicher unterschieden werden können. Besonders hervorzuheben sind jedoch die kritischen Reflexionen zur Resilienz unter kapitalistischen Segregations- und Verwertungsbedingungen. Die Gefahr, dass derartige Prozesse eine Verstärkung von Vulnerabilität verursachen und Resilienz hierbei an der Ursachenbekämpfung ansetzen sollte, ist eine zu betonende Erkenntnis. Letztlich zielen die Beiträge im Buch, oft von mehreren Autoren und Autorinnen verfasst, auf die übergreifende Transformation, bei der eine resiliente Stadt (Region) nicht nur zu befördern wäre, sondern diese als eine Kernaufgabe von Stadtpolitik zu betrachten ist.</p>
      <p>Das „Memorandum Urbane Resilienz“, das auf dem Bundeskongress Nachhaltige Stadtentwicklung 2021 präsentiert worden war, stellt einen wichtigen Bezug für das vorliegende Buch dar. Dies hätte jedoch auch einer kritischen Reflexion bedurft, handelt es sich bei jenem Memorandum doch eher um ein <italic>add-on</italic> der nachhaltigen Stadtentwicklung, dargelegt in der „Leipzig Charta“, ohne zum Beispiel die systemischen Dimensionen von Resilienz hinreichend zu erfassen.</p>
      <p>Ein wichtiger Beitrag gelingt dem Autorenteam des vorliegenden Buches beim Ausloten der Relation von Nachhaltigkeit und Resilienz, was sich im Grunde durch alle Beiträge zieht. Die Relation zwischen diesen beiden zentralen Begriffen bedarf zweifelsohne weitergehender Reflexionen als im vorliegenden Überblickswerk möglich ist. Die Frage, ob Nachhaltigkeit die Voraussetzung für Resilienz sei (S. 13), sollte überdacht werden, weil es wohl eher umgekehrt zu verstehen wäre: Ohne Resilienz wird Nachhaltigkeit unmöglich (vgl. Kegler <xref ref-type="bibr" rid="CR1">2022</xref>: 141). Zudem kommt Resilienz als gesellschaftlicher Lernprozess etwas zu kurz. So muss angemerkt werden, dass die Frage der sozialkulturellen Verankerung in der Stadtgesellschaft und eine sich darauf gründende Handlungsfähigkeit eine für die kommunale Resilienz essenzielle Thematik ist. Darauf haben internationale Autoren, wie Vale und Campanella (<xref ref-type="bibr" rid="CR2">2005</xref>) bereits vor geraumer Zeit verwiesen. Resilienz kann nicht nur auf Anpassungsfähigkeit und Robustheit reduziert werden, vielmehr geht es um zukunftsgerichtete Handlungsfähigkeit und Verlässlichkeit im ständigen Rekurs auf Unwägbarkeiten von Entwicklung, was resümierend im Buch und insbesondere im Teil 1 und am Schluss deutlich wird. Es ordnet sich somit wohltuend in den – international weit größeren – Diskursstrom zur urbanen Resilienz ein und bereichert diesen mit spezifischen Erkenntnissen in thematischen Schwerpunkten.</p>
      <p>Diese thematischen Vertiefungen werden vor allem auf der Quartiersebene (Teil 2) und zur blau-grünen Infrastruktur (Teil 3) angeboten und halten wichtige neue Erkenntnisse parat. Eine Systematik der hier angewandten Kriterien für Resilienz hätte diese beiden Kapitel abgerundet. Die besondere Hinwendung zu Fragen des Umgangs mit Extremereignissen in spezifischen Fragen (Resilienz für Kinder, Umgang mit Hitzestress oder Rekonfiguration nach Hochwasser), worauf im vierten Teil eingegangen wird, vertieft das Thema in eindrücklicher Weise. Schließlich wird im fünften Teil der Bogen zur konkreten Planungspraxis geschlagen, womit sich eine gelungene dramaturgische Linie des Buches darbietet. Insgesamt kann dem Buch ein Vertiefungscharakter mit Erweiterungspotenzial zur Resilienz attestiert werden.</p>
      <p>Deutschland hat in der theoretischen Auseinandersetzung und der kommunalen Realität einen Nachholebedarf – darauf verweist das Buch eindrücklich. Die Anfälligkeit Deutschlands, insbesondere der Infrastruktur und der sozialen Verhältnisse, aber auch die Verantwortung der Raumplanung dabei, ist durchaus beträchtlich. Dem Abhilfe zu schaffen, tut not – dafür leistet das vorliegende Buch einen wichtigen, auch für die praktische Stadtentwicklungspolitik nützlichen Beitrag. Somit kann auch die Diskussion nicht nur weiter angeregt, sondern auch einer Nivellierung des weitreichenden Begriffs der Resilienz im öffentlichen Diskurs begegnet werden. „Ich erwarte zunächst eine Sensibilisierung für das Thema“ – mit diesen Worten des Planungspraktikers am Schluss kann die Bedeutung des Buches gut umschrieben werden. Es bereichert die weitere theoretische und praktische Auseinandersetzung zur urbanen Resilienz und ist sehr zu empfehlen.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werkes:</title>
            <p>Kabisch, S.; Rink, D.; Banzhaf, E. (Hrsg.) (2024): Die Resiliente Stadt: Konzepte, Konflikte, Lösungen. Berlin: Springer Spektrum. 296 Seiten. 32 Abbildungen. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.1007/978-3-662-66916-7">https://doi.org/10.1007/978-3-662-66916-7</ext-link>
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