Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 0034-0111 1869-4179 oekom 10.14512_rur_48_0102 Fachmarktansiedlung – Erlebniskauf am Stadtrand Ein neuer Angriff auf City-Marktpositionen Baumgart Sabine Dipl.-Ing. Baumgart/Pahl-Weber, Stadt-Planung, -Forschung, -Beratung Donnerstraße 72050 Hamburg Deutschland Busse Peter M. Dipl.-Volksw. GWG Gemeinnützige Wohnungsges. mbH Am Stadtrand 35–372070 Hamburg Deutschland 48 1 10 15 1990 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 Zusammenfassung

Die Expansion großflächiger Betriebsformen des Einzelhandels hat mit der Ansiedlung von SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten die Zentrenstruktur und Nahversorgung der Bevölkerung nicht nur nachhaltig beeinflußt, sondern auch die Umsetzung räumlicher Ziele der Stadtentwicklung gefährdet. Kommunale Planung steht dabei einem fortschreitenden Konzentrationsprozeß des Handels durch Firmenaufkäufe, -übernahmen und -zusammenschlüsse gegenüber. Dies zeigt sich im Lebensmittelbereich am deutlichsten, denn hier werden 80 % des Branchenumsatzes von acht Großunternehmen kontrolliert1. Der Konzentrationsprozeß wird aber auch in anderen Branchen sichtbar, in denen die zehn größten Betriebe des “Nonfood“-Bereichs etwa 40 % des entsprechenden Gesamtumsatzes erzielen1. Hinzu kommt eine vom Handel immer wieder betonte Notwendigkeit der flexiblen Anpassung an sich ändernde Markterfordernisse und Kundenansprüche, die mit neuen Standort- und Immobilienpräferenzen der Anbieter einhergeht. Dies beinhaltet auch die Substitution von Betriebspersonal durch Fläche sowie ein Absinken des geforderten Qualifikationsniveaus der Beschäftigten. Die Entwicklung steht auch im Zusammenhang rechnergestützter Betriebsabläufe und veränderter Distributionslogistik.

Der verstärkte Ansiedlungs- und Umnutzungsdruck dieser Betriebsform impliziert eine weitere Umlenkung der Kaufkraftströme und hat Funktionsschwächen, vor allem in den schwachen Subzentren, verstärkt. Diese Entwicklung stellt sich auch für die Innenstädte als eine neue Herausforderung dar. Der Einzelhandel reagiert verstärkt mit Strategien für ein “Trading up“ in Form der Reorganisation von Warenhausflächen (“Shop-in-Shop“) und durch gestalterische Aufbesserung.

Braucht der Handel die City, oder braucht die City den Handel? Gibt es Chancen der räumlichen Integration großflächigen Einzelhandels in bestehende Zentrenstrukturen und Möglichkeiten neuer Formen von Nutzungsmischung und Nutzungsvielfalt für die kommunale Stadtentwicklungsplanung? Dazu sollen baulich-räumliche Entwicklungslinien aufgezeigt und ein Ansatz zur Einordnung von Fachmarkt-“Typen" unternommen werden.

Anmerkungen Hatzfeld, U.: Der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen – Strukturwandel und seine Bedeutung für die Stadtentwicklung. – Dortmund 1988 Steinröx, M.: Betriebswirtschaftlich unwirksam, der Stadtentwicklung abträglich. In: SRL-Schnellinformation, o.O., o.J. Prozent Fachmarktanteil. In: b & h‑markt 2/1989, S. 108 ff. Expansive Fachmärkte. In: dfz, 5/1989, S. 6 Vgl. Bielefeld, K.W.: Lifecycle und Lebensstil im Handel. In: HARVARDmanager 4/1987 Erlebniswelt im Fachmarkt? In: food+nonfood, 12/1987 Tietz, B.: In sämtlichen Warengruppen sind Fachmärkte entstanden oder geplant. In: Handelsblatt vom 1.2.1986 Vgl. BBE Fachmarkt-Report 1988. – Köln 1988 Schnermann, J.: SB-Märkte und SB-Warenhäuser. In: Der Architekt 7–8/1989, S. 382 ff. Busse, P.M.: Zentrenentwicklung in einkernigen Großstadtregionen. Unveröff. Diss., Hamburg 1989 Vgl.: Kommt Marketing ins Rathaus? In: Absatzwirtschaft 8/89, S. 38 Gemeinsamer Runderlaß des Ministers für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie und des Ministers für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft vom 16.7.1986: Bauleitplanung und Genehmigung von Vorhaben Ansiedlung von Einzelhandelsgroßbetrieben. Veröff. in Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, 8.8.1986, Nr. 60, S. 1001 ff. Ebd., S. 1008