Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 0034-0111 1869-4179 oekom 10.14512_rur_48_0402 Zu ausgewählten Ergebnissen der räumlichen Forschung der DDR aus der Sicht des Bauwesens Dienemann Otto Prof. Dr. Zühlsdorfer Straße 141140 Berlin Deutsche Demokratische Republik 48 4 197 201 1990 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 Zusammenfassung

Ein historisch gewachsenes, räumlich zusammenhängendes Wirtschafts- und Sozialgefüge war mit der Teilung Deutschlands und der Abtrennung der Ostgebiete zunächst für eine noch nicht absehbare Periode willkürlich zerschnitten worden. Die Überwindung der entstandenen Defizite und Disproportionen führte unter den Bedingungen der Zwangsbindung der DDR an die Sowjetunion und an die Sozialismusvorstellungen sowjetischer Prägung zu gravierend negativen Entwicklungen. Beseitigung des Privateigentums, zentraler Dirigismus, Entterritorialisierung der Produktionsstrukturen, verbunden mit Autarkiebestrebungen und den Maßnahmen der politisch-territorialen Neugliederung der DDR, haben zu unvertretbar hohen Beanspruchungen bzw. Vergeudung von Naturressourcen sowie zur Deformation räumlicher Strukturen geführt.

Der jetzt anstehende Beitritt der Länder der DDR zu einem einheitlichen Deutschland sowie die Einbindung der DDR und weiterer schwächer entwickelter osteuropäischer Länder in ein zusammenwachsendes Europa setzten neue Maßstäbe für die Raumforschung und ihren Stellenwert für fachlich fundierte Politikberatung.

Anmerkungen

1 Bauzustandsstufe I: sehr gut erhalten, keine Schäden

Bauzustandsstufe II: gut erhalten, leichte Schäden

Bauzustandsstufe III: schwere Schäden

Bauzustandsstufe IV: unbrauchbar

2 Von den 643 Städten verfügten 54 % über ein denkmalgeschütztes Gebiet im Stadtzentrum; 210 Altstadtkerne sind für den europäischen Städtebau als bedeutsam einzuschätzen. Mit wenigen Ausnahmen ist in den letzten 30 Jahren nichts Durchgreifendes geschehen. Viele Gebäude und Ensembles sind hochgradig gefährdet. Nur noch wenige Jahre gibt es eine Chance zur Bewahrung.