Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 0034-0111 1869-4179 oekom 10.14512_rur_47_0208 Flächenansprüche der technischen Infrastruktur als Problem des Bodenschutzes Losch Siegfried Dipl.-Ing. Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung Am Michaelshof 85300 Bonn 2 Deutschland Nake Reinhard Dipl.-Ing. Sternenburgstraße 325300 Bonn 1 Deutschland 47 2 116 129 1989 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 Zusammenfassung

Direkte und indirekte Flächenansprüche der technischen Infrastruktur (Verkehrswege und Energieleitungen) werden aufgrund von Defiziten im herkömmlichen Informationswesen über die Bodennutzung systematisch unterschätzt. Insbesondere indirekte Flächenansprüche können die direkten häufig um das Mehrfache übersteigen. Dieser strukturelle Landschaftsverbrauch stellt die natürlichen Lebensgrundlagen der Gesellschaft zunehmend in Frage.

Mit der Einführung sog. Bodenschutzklauseln in das Raumordnungsgesetz und das Baugesetzbuch kann diesem Landschaftsverbrauch entgegengesteuert werden. Sparsamer und schonender Umgang mit Grund und Boden sind Ziel und Maßstab für die Abschätzung von Gefährdungen, die aus den Flächeninanspruchnahmen erwachsen und die in den Wirkungsräumen einer Linieninfrastruktur entstehen.

Raumordnung und Infrastrukturplanung müssen direkte und indirekte Flächeninanspruchnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen intensiv aufarbeiten. Diese Aufarbeitung wird auch für die Anwendung der EG-Richtlinie zur Umweltverträglichkeitsprüfung von öffentlichen und privaten Projekten vom 27.6.1985 in der Bundesrepublik erforderlich sein. Denn es ist trotz der intensiven Diskussion um eine nicht nur sachgemäße, sondern zugleich innovative Umsetzung der EG-UVP-Richtlinie in nationales Recht relativ wenig bekannt, daß Anhang III dieser Richtlinie Projektbeschreibungen verlangt, die „sich auf die direkten und die etwaigen indirekten, sekundären, kumulativen, kurz-, mittel- und langfristigen, ständigen und vorübergehenden, positiven und negativen Auswirkungen des Vorhabens erstrecken.“

Anmerkungen BMI (Hrsg.): Abschlußbericht der Projektgruppe “Aktionsprogramm Ökologie“. Argumente und Forderungen für eine ökologisch ausgerichtete Umweltvorsorgepolitik. = Umweltbrief 29 vom 28.10.1983. Engelhardt, W.; Reichholf, J.: Abhilfemaßnahmen zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs aus der Sicht des Ökologen. In: ZfÜ 3/1979, S. 281–292; hier S. 282. Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung v. 6.3.1985, Bundestags-Drucks. 10/2977 (Kohlhammer-Ausgabe). Losch, S.: Sparsamer und schonender Umgang mit Grund und Boden in der Stadtplanung. In: Informationen zur Raumentwicklung (1988) H. 8/9, S. 485; vgl. a. Bodenschutzkonzeption, a. a. O., s. Anm. (4), S. 22, 29 ff. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Raumordnungsgesetzes. Bundestags-Drucks. 11/3916 v. 25.1.1989. Gassner, E.; von Barby, J.: Städtebauliche Analyse und Modellrechnungen zur Aufschließung von Baugebieten. Forschungsarbeit im Auftrag des Bundesministers für Wohnungsbau, als Manuskript gedruckt. – Bonn 1972. Vgl. dazu Baulandbericht 1986. – Bonn 1986. = Städtebaul. Forsch., Schriftenr. d. Bundesministers f. Raumordnung, Bauwesen u. Städtebau, H. 03.116, S. 100–117. Bachmann, G.: Entgiftung des Bodens? In: Zeitschrift für Umweltpolitik und Umweltrecht (1988) H. 2, S. 119–136. Topp, H.H.: Ansätze zur Flächeneinsparung im Verkehr. In: Raumforschung und Raumordnung, 46. Jg. (1988) H. 3, S. 113–123. Zum Flächenbedarf des Straßenverkehrs vgl. auch Raumordnungsbericht 1986. Bundestags-Drucks. 10/6027, S. 103, Tab. 9.4. Oettle, K.: Die Auswirkungen der Verkehrs- und Energiewirtschaftspolitik auf die Kulturlandschaft. In: Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Kulturlandschaft in Gefahr. – München 1976, S. 102. Wagner, G.: Möglichkeiten der Flächeneinsparung bei Stromleitunen. In: Raumforschung und Raumordnung. 45. Jg. (1987) H. 4, . 157–168; vgl. ferner das Themenheft Raumordnungsgerechter Stromleitungs-Trassenbau = Informationen zur Raumentwicklung (1986) H. 6/7. So z. B. bei einer 127 km langen Hochspannungsleitung der Preußen-Elektra in Hessen zwischen Borken und Frankfurt. Vgl.: Geplante Trasse entbehrlich. In: Frankfurter Rundschau v. 27.7.1988. Stahr, K.; Renger, M.: Böden: Eigenschaften-Potentiale-Gefährdung. In: Bodenschutz. Räumliche Planung und kommunale Strategie. – Bonn 1986. = Seminare – Symposien – Arbeitspapiere, H. 21, S. 1–10. Vgl. dazu auch Scheffer, P.; Schachtschabel, P.: Lehrbuch der Bodenkunde. – 11. Aufl. Stuttgart 1984. Interministerielle Arbeitsgruppe Bodenschutz (IMAB), Abschlußbericht der Unterarbeitsgrupe IV “Flächennutzung“. In: Informationen zur Raumentwicklung (1985) H. 1/2, S. 112. Müller, W.: Städtebau – Technische Grundlagen, S. 486, zitiert in: Interministerielle Arbeitsgruppe, a. a. O., s. Anm. (13), S. 101. Im Rahmen der BfLR-Reihe Seminare – Symposien – Arbeitspapiere wird ein Heft diesem Thema gewidmet. Neben Arbeitsergebnissen der BfLR sind Berichte der ATW-Forschung, Wiesbaden, über das BMFT-Forschungsvorhaben “Bodenbelastung durch Flächeninanspruchnahme von Infrastrukturmaßnahmen: Erhebung, Bewertung, Steuerungsmöglichkeiten – dargestellt am Beispiel von Hochspannungsleitungen” vorgesehen. Vgl. u. a. Schramm, W. u. a.: Flächenansprüche und Raumnutzung. Fallstudien zur regionalen Flächeninanspruchnahme und Verbesserung ihrer Steuerung durch den Indikator Wirkungsflächen. ARL (Hrsg: Beiträge 88, Hannover 1986; Umweltgutachten 1987 (SRU), BT-Drucks. 11/1568 v. 21.12.1987, Tz. 2029 ff. Vgl. Steinebach, G.: Luft- und Lärmgrenzwerte. – Düsseldorf 1987, S. 66 (nach Soell). S. DER ELSNER, Handbuch für Straßen- und Verkehrswesen 1985: E/412, nach H. Ellenberg, K. Müller, T. Stottele (1981): Auswertung zahlreicher Studien zur Umweltauswirkung von Straßen. Unter den wenigen Arbeiten dazu wegweisend z. B.: Lichtenthäler, U.; Reutter, O.: Straßen-Abbau und Renaturierung: Entsiegelung und Begrünung überflüssiger Straßen als Beitrag zu einer ökologischen Stadterneuerung. Hrsg.: Hochschule d. Künste Berlin. – Berlin 1987; sowie dieselben: Die Seitenstreifen-Altlast. Indirekte Flächeninanspruchnahme des Kraftfahrzeugverkehrs durch Schadstoffbelastung der Böden entlang von Straßen. In: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Hrsg.): Schr. R. 6/87: Bodenschutzpolitlk und ökologische Wirtschaftsforschung. – Berlin 1987, S. 80–94. Schorb, A.: Untersuchungen zum Einfluß von Straßen auf Boden, Grund- und Oberflächenwässer am Beispiel eines Testgebietes im Kleinen Odenwald. – Heidelberg (Diss.) 1986. Fischer, L.: Die Berücksichtigung der Schadstoffbelastung durch Kraftfahrzeuge bei der Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen. – Ist der gegenwärtige Ansatz noch zeitgemäß? In: Internationales Verkehrswesen 39 (1987) 6, S. 433. – Einschränkend ist dazu anzumerken, daß diese Einsicht nicht unbedingt auch in den methodischen Konsequenzen und verkehrsstrukturellen Zielen der Verkehrswegebewertung systematisch zum Tragen kommt, sondern nur insoweit, als sie zur Begründung eines “flüssigeren” Kfz-Verkehrs herangezogen werden kann. Eichhorst, U., German, R.: Zerschneidung der Landschaft durch das Straßennetz im Regierungsbezirk Tübingen. In: Veröff. d. Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg, Bd. 42, 1974, S. 66–84; Mader, H.-J.: Der Konflikt Straße-Tierwelt aus ökologischer Sicht. = Schr. R. Landschaftspflege und Naturschutz, H. 22, Bonn 1981. Reichelt, G.: Landschaftsverlust durch Straßenbau. In: Natur und Landschaft 54 (1979) 10, S. 335–337. MKRO – Entschließung: “Raumordnung und Schutz des Bodens” v. 14.12.1987, s. Informationen zur Raumentwicklung (1988) H. 8/9, S. 605 ff.; vgl. auch Umweltgutachten 1978. BT-Drucks. 8/1938 v. 19.9.1978, S. 395 ff. (mit Kritik an zunehmender Trassendichte). Joachim, H.: Planungsrecht und Planungsregeln beim Bau von Versorgungsleitungen. Zum Problem der Leitungsbündelung. In: Raumforschung und Raumordnung 45 (1987) 4, S. 151–156. So z. B. im Regionalplan Oberfranken-Ost (in Kraft 1.9.1987). Hrsg.: Regionaler Planungsverband Oberfranken-Ost, Bayreuth 1987. Im Bereich zwischen Naila-Bad Stehen verläuft eine geplante 110-kV-Trasse abseits der Entwicklungs‑/Bündelungsachse quer durch landschaftliches Vorbehaltsgebiet , es gibt viele ähnliche Beispiele nicht nur in Bayern und nicht nur für Energie-, sondern auch für Verkehrstrassen. Fleischer, G.: Argumente für die Berücksichtigung der Ruhe in der Lärmbekämpfung. In: Kampf dem Lärm 25 (1978), S. 69–74; bisher auf Landesebene wohl einmalig und wegweisend: Hess. Min. f. Landwirtschaft und Umwelt (Hrsg.): Lärm-Übersichtskarte Hessen. – Wiesbaden 1974; s. a. bereits: Raumordnungsbericht 1970, Bundestags-Drucks. VI/1340. Auf S. 50 wird verlangt, “nicht nur kleine Oasen der Ruhe, sondern größere zusammenhängende Gebiete als Räume mit geringem Lärm für Freizeit und Erholung zu reservieren. Es wird eine vordringliche Aufgabe der Raumordnung und der Fachplanungen sein, geeignete Gebiete zu finden und zu sichern.“ – Eine nach 20 Jahren aufgegebene Aufgabe? Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten, Amtsblatt der EG Nr. L 175/48 v. 5.7.1985, Anhang III, Präzisierung zu Nr. 4.