© by the author(s); licensee oekom 2025. This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY).
https://doi.org/10.14512/rur.2584
Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 125–139
rur.oekom.de

Forschungsbeitrag / Research article

Dachbegrünung in Planungshilfen: eine Auswertung von erwarteten Wirkungen und Instrumenten in der kommunalen Klimaanpassung

Jana Brenner Contact Info ORCID , Jochen Hack Contact Info ORCID

(1) Institut für Umweltplanung, Leibniz Universität Hannover, Herrenhäuser Straße 2, 30419 Hannover, Deutschland

Contact InfoJana Brenner  (Corresponding author)
E-Mail: brenner@umwelt.uni-hannover.de

Contact InfoProf. Dr. Jochen Hack 
E-Mail: hack@umwelt.uni-hannover.de

Eingegangen: 24. Mai 2024  Angenommen: 24. Februar 2025  Online veröffentlicht: 11. April 2025

Zusammenfassung  
Grüne Infrastruktur trägt mit multifunktionalen Maßnahmen, wie der Begrünung von Dächern, auch bei hohem Flächen- und Nutzungsdruck vielversprechend zur Klimaanpassung und Minderung städtischer Hitze bei. Trotz einer Vielzahl an Planungshilfen, die Informationen zur Auswahl, Planung und Umsetzung von Maßnahmen Grüner Infrastruktur bereitstellen, werden die Maßnahmen noch nicht flächendeckend realisiert. Ziel dieses Beitrags ist es, die in 36 Planungshilfen genannten Informationen zu Dachbegrünung in einer qualitativen Inhaltsanalyse auszuwerten und eine Gesamtschau zu erwartender Wirkungen bezüglich Multifunktionalität, räumlicher Kühlwirkung, assoziierten Planungsinstrumenten und Fördermöglichkeiten zu geben. Räumliche Kühlwirkung, Planungsinstrumente und Fördermöglichkeiten beziehen sich größtenteils auf die Gebäudeebene. Als Planungsinstrument für Dachbegrünung wird meistens der Bebauungsplan genannt. Es fehlen Informationen zur Zunahme der Kühlwirkung begünter Dächer bei größeren Flächen, ebenso fehlen Hinweise zu zielgerichteter, flächenhafter und ebenenübergreifender Planung in den Planungshilfen. Zur effektiven Minderung städtischer Hitze bedarf es der Integration neuer Erkenntnisse in Planungshilfen sowie neuer Ansätze zum Einsatz von Planungsinstrumenten und Förderungen.

Schlüsselwörter  Klimaanpassung – Anpassungskapazität – Grüne Infrastruktur – Hitzeinsel – Stadtplanung


Green roofs in planning guides: an evaluation on expected effects and instruments in municipal climate adaptation
Abstract  
With multifunctional measures such as the greening of roofs, green infrastructure makes a promising contribution to climate adaptation and the reducing of urban heat, even when there is high pressure on space and use. Despite a large number of planning guides that provide information on the selection, planning, and implementation on Green Infrastructure measures, the measures are not yet widely implemented across the board. The aim of this article is to evaluate the information on green roofs provided in 36 planning guides based on a qualitative content analysis and to provide an overview of the expected effects with regard to multifunctionality, spatial cooling effect, associated planning tools and funding opportunities. Spatial cooling impact, planning tools, and funding opportunities mentioned in the guides mainly relate to the building level. The development plan is mostly mentioned as a planning tool for roof greening. There is a lack of information on increasing the cooling impact of green roofs increasing on larger areas, as well as a lack of information on targeted, aerea-based and cross-level planning in the planning guides. To effectively reduce urban heat, it is necessary to integrate new findings into the planning guides and new approaches to using planning instruments and funding opportunities.

Keywords  Climate adaptation – Adaptive capacity – Green infrastructure – Urban heat island – Urban planning


1  Einleitung

In den letzten Jahren werden Kommunen verstärkt mit Extremwetterereignissen, vor allem auch mit Hitze, konfrontiert (Hagelstange/Rösler/Runge 2021: 16–18). Die Hitzevulnerabilität von Städten verschärft sich in Zukunft, weil Hitzewellen sehr wahrscheinlich häufiger und länger anhaltend auftreten werden (IPCC 2015: 10) und zugleich viele Menschen in Städten leben (Baumüller 2019: 196). Die negativen Auswirkungen von Hitze, etwa auf die menschliche Gesundheit, zeigen sich in einer erhöhten Mortalität und verminderten Leistungsfähigkeit (Zacharias/Koppe 2015: 118–122). Daher stellt der Schutz vor Hitze, besonders in Bezug auf gesundheitliche und bauliche Aspekte, eine zunehmend wichtige Aufgabe der kommunalen Planung dar (Hagelstange/Rösler/Runge 2021: 17). Schon früh im Planungsprozess gilt es, sowohl stadt-, als auch mikroklimatisch wirksame Maßnahmen zu berücksichtigen (Baumüller 2019: 197). Die Stärkung des städtischen Grünanteils mit Konzepten Grüner Infrastruktur (GI) ist eine der zentralen Strategien, um die Resilienz von Städten gegenüber Hitze sowie das Wohlbefinden der städtischen Bevölkerung zu steigern (vgl. BMUB 2017). Elemente von Grüner Infrastruktur, wie beispielsweise Parks, Gärten, Stadtwälder, Friedhöfe, Straßenbäume und Gebäudebegrünung, bieten durch ihre multifunktionalen Wirkungen vielversprechende Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel (Bender/Groth/Seipold et al. 2022: 39).

Insbesondere durch die Begrünung von bisher meist ungenutzten Dachflächen kann auch bei einem hohen Flächennutzungsdruck der Grünanteil erhöht und der städtischen Überwärmung begegnet werden (Bender/Groth/Seipold et al. 2022: 14; Mann/Gohlke/Wolff 2022: 19). Die Begrünungstypen für Dächer unterscheiden sich von extensiv zu intensiv durch eine zunehmende Substrathöhe und Vegetation, welche auch die Retentions- und Verdunstungsleistung sowie den daraus resultierenden Kühlungseffekt beeinflussen (Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 62–66). Darüber hinaus erbringt Dachbegrünung weitere vielseitige Effekte, etwa die Bereitstellung von Lebensraum, Schadstoffbindung und Lärmminderung, wobei die Wirksamkeit in einigen Aspekten vom Begrünungstyp abhängt (Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 16; Mann/Gohlke/Wolff 2022: 5–6). Zu der Möglichkeit der kombinierten Umsetzung mit Photovoltaikanlagen kommen Synergieeffekte hinzu, wie die Innenraumkühlung, die den Energiebedarf für die Kühlung und die daraus resultierende Abwärme verringert und wiederum hilft, den sich verstärkenden Heizkreislauf in Städten zu stoppen (Kahlenborn/Porst/Voß et al. 2021: 102; Mann/Gohlke/Wolff 2022: 5–6). Durch ihren langen Lebenszyklus und die Einsparung von Energiekosten ist die Maßnahme wirtschaftlich rentabel (Dickhaut/Vignola/Harseim 2017: 16–19). Auch wenn begrünte Dächer mit ihren Wirkungen positiv zur Erreichung verschiedener Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele in Städten beitragen, kann es zu negativen Effekten kommen: beim Menschen durch Pflanzenpollen ausgelöste allergische Reaktionen oder in bestimmten Fällen eine verschlechterte Drainagewasserqualität (Gregoire/Clausen 2011: 968; Schmauck 2019: 32). Durch eine fachgerechte Planung, Ausführung und Pflege der Dachbegrünung können solche negativen Effekte frühzeitig, z. B. bei der Auswahl von Materialien und Pflanzen, berücksichtigt und in der Regel verhindert werden (Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 75–76; Zuberbier/Stevanovic/Ansotegui et al. 2024: 349–351). Trotz zunehmender Zahl begrünter Dachflächen in Deutschland und bereits 2017 häufiger Nennung der Maßnahme in Klimaanpassungskonzepten (Thieken/Dierck/Dunst et al. 2018: 29) wurden im Jahr 2021 etwa 90 Prozent der neuen Flachdächer nicht begrünt (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 23–25). Lokal begrenzte Einzelmaßnahmen, wie begrünte Dachflächen, sind zur Minderung städtischer Hitze nicht ausreichend wirksam (BDLA 2022: 4). Ihre klimatische Wirksamkeit hängt von der Gesamtfläche ab, wobei der Kühleffekt mit der Ausdehnung ihrer Fläche zunimmt (Li/Bou-Zeid/Oppenheimer 2014: 8).

Die Belange von Klimaschutz und -anpassung sollten aufgrund ihrer unterschiedlichen Betroffenheit auf allen Ebenen umgesetzt werden, wobei Kommunen eine Schlüsselrolle bei der Klimaanpassung zukommt (Bundesregierung 2008: 60; Bundesregierung 2020: 56). Insbesondere bei der Verortung von Maßnahmen sind räumliche Gegebenheiten und Potenziale zu berücksichtigen (vgl. Brasche/Hausladen/Maderspacher et al. 2020; Graça/Cruz/Monteiro et al. 2022: 2). Mit Aussagen zur Bodennutzung in der gesamten Kommune nimmt der Flächennutzungsplan eine vorbereitende Funktion in der Bauleitplanung ein, aus dem für Teilgebiete rechtsverbindliche Bebauungspläne mit parzellenscharfen Vorgaben zu Art, Ausgestaltung und dem Maß der baulichen Nutzung entwickelt werden (Schrödter 2018: 174–177). Diese haben mit der Möglichkeit zur Festsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen, wie der Begrünung von Dachflächen, eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Kommunen (Albrecht 2023: 278). Richter und Dickhaut (2019: 45) nennen den Ausbau von Grüner Infrastruktur auf den Dachflächen von Städten als ein Ziel der Planung. Huber und Dunst (2021: 515) sehen die Transformation zwischen den Planungsebenen, z. B. von punktuellen Maßnahmen hin zum gesamtstädtischen Einsatz, als aktuelle Planungsherausforderung. Für die zielgerichtete Planung und Entwicklung von Grüner Infrastruktur bedarf es Planungsansätzen, die auch funktionale und räumliche, maßstabsübergreifende (Wechsel‑)Wirkungen der Maßnahmen berücksichtigen.

Die Notwendigkeit zur Bereitstellung von verständlichen und praxisnahen Informationen geeigneter Klimaanpassungsmaßnahmen sowie Umsetzungsmöglichkeiten zeigen die Ergebnisse einer Kommunalbefragung 2023 (Friedrich/Stieß/Sunderer et al. 2024: 41–44). Zahlreiche Dokumente und Publikationen zu Themen kommunaler Klimaanpassung (im Folgenden als Planungshilfen bezeichnet), die mit Informationen und Fallbeispielen bei der Auswahl und Planung von Maßnahmen unterstützen sollen, liegen bereits vor und sind das von Kommunen gewünschte Format zur Information (Huber/Dunst 2021: 502; Friedrich/Stieß/Sunderer et al. 2024: 45, 59). Dennoch werden sie häufig nicht genutzt und bedürfen laut dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen insbesondere hinsichtlich Maßnahmenplanung und -umsetzung sowie der räumlichen Aspekte der städtischen Klimaanpassung einer Überarbeitung (BDLA 2022: 4; Friedrich/Stieß/Sunderer et al. 2024: 61). Aus der bislang geringen Umsetzungsquote der Maßnahme sowie der geringen Nutzung von Planungshilfen ergibt sich ein Bedarf zur Untersuchung bestehender Dokumente hinsichtlich ihrer Eignung für die Planung begrünter Dächer.

Das Ziel dieses Beitrags ist es, die Informationen über Dachbegrünung aus Planungshilfen anhand der folgenden Fragen auszuwerten und eine Gesamtschau zu den genannten Wirkungen, Instrumenten und Fördermöglichkeiten zu geben:
– 
Welche Wirkungen werden für begrünte Dachflächen in den Planungshilfen angegeben und welche Informationen zur Multifunktionalität sowie räumlichen Kühlwirkung begrünter Dächer enthalten die Dokumente?
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Welchen Planungsebenen können die in den Dokumenten genannten Instrumente zur Planung begrünter Dachflächen zugeordnet werden?
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Auf welche Planungsebenen beziehen sich die in den Planungshilfen angegebenen Fördermöglichkeiten für Dachbegrünung?

2  Methodik
2.1  Forschungsdesign und Datengrundlage
Die systematische Auswertung der Planungshilfen erfolgt anhand der in Abbildung 1 aufgeführten Schritte. Unter Planungshilfen werden in dieser Arbeit informelle Dokumente mit dem übergeordneten Ziel der städtischen Hitzeanpassung im Planungskontext verstanden, für die oft verschiedene Bezeichnungen, z. B. Leitfaden, Handreichung, Arbeitshilfe, verwendet werden. Sie dienen der Bereitstellung von Informationen, unter anderem zu planungsrelevanten Grundlagen, Praxisbeispielen, Empfehlungen, Angaben zu Fördermöglichkeiten sowie zu Werkzeugen, Methoden und Instrumenten, zur Unterstützung in Planungs- und Entscheidungsprozessen.
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Abbildung 1 Forschungsdesign zur Auswahl und Auswertung der Planungshilfen

Die Auswahl der Planungshilfen beschränkt sich auf Dokumente aus Deutschland, die im Zeitraum der Recherche (30. März 2023-14. April 2023) online frei zugänglich und nicht älter als zehn Jahre waren. Um ein breites Bild von verfügbaren Planungshilfen zu erhalten, wurden Dokumente verschiedener Herausgeberschaften gesucht. Die Recherche erfolgte über die Internetseiten der Bundesregierung, des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) und den dort für weitere Informationen gelisteten Institutionen (z. B. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Zentrum Klimaanpassung, Nationale Klimaschutzinitiative, Umweltbundesamt (UBA)). Gesuchte Themenbereiche und Schlagworte waren „Klimaanpassung“, „Klimaschutz“, „Bauen und Wohnen“ und „Hitze“. Weiter wurden für alle deutschen Bundesländer Planungshilfen anhand der Schlagworte „Ministerium, Klimaanpassung, kommunal“ in Kombination mit den Namen der Länder gesucht. Ergänzend wurden nach einheitlichen Kriterien Planungshilfen für jeweils eine Stadt pro Bundesland recherchiert. Kriterium hierfür war eine Bevölkerungszahl von mehr als 70.000 (Stand 31. Dezember 2021), wodurch sich anhand von Größe und Innenstadtklimatopen ein besonderer Anpassungsbedarf an urbane Hitze ergibt und im Vergleich zu kleineren Kommunen mehr Ressourcen zur Klimaanpassung verfügbar sind (Kuttler/Dütemeyer/Barlag 2013: 12–13; Friedrich/Stieß/Sunderer et al. 2024: 55). Weiter muss die Stadt Mitglied im Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) Städtedialog sein1 und damit ein Bewusstsein für die Klimaanpassung und Gebäudebegrünung zeigen. Trafen diese Kriterien auf mehrere Städte eines Bundeslandes zu, wurde in einem ersten Screening eine Stadt ausgewählt, die über die aktuellsten Planungshilfen mit dem thematischen Fokus auf Klimaanpassung und Gebäudebegrünung verfügt. Für die ausgewählten Städte erfolgte die Recherche ebenfalls mit einer gängigen Suchmaschine über das Schlagwort „Klimaanpassung“ und den Städtenamen. Wurden mehrere Planungshilfen für ein Bundesland oder eine Stadt gefunden, wurde die Anzahl der Dokumente für die Auswertung anhand von Aktualität sowie inhaltlichem Fokus auf Klimaanpassung und Gebäudebegrünung auf maximal drei begrenzt. Die Übersicht von Leitfäden zur Klimaanpassung in einer Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau‑, Stadt- und Raumforschung (BBSR 2015: 106–111), die als Arbeitshilfe für verschiedene kommunale Beteiligte dient und Planungshilfen im Sinne dieser Arbeit enthält, wurde zum Abgleich und der Ergänzung der Auswahl dieser Untersuchung herangezogen. Mehrfach gefundene oder inhaltlich redundante Dokumente, wie der Nachdruck von LfU (2022) aus HLNUG (2020) wurden nur einmal in der Auswertung berücksichtigt. Anhand des thematischen Fokus auf die Klimaanpassung, Hitze und Planung im räumlichen Kontext der Stadt wurde die Auswahl der Dokumente weiter eingegrenzt. Dabei wurden beispielsweise Klima- und Fortschrittsberichte, Dokumente der Wasserwirtschaft, Beispiele aus Wettbewerben und ausschließliche Darstellungen von Praxis‑/Fallbeispielen, allgemeine Informationen zu Förderprogrammen oder Ergebnisse von Umfragen ausgeschlossen. Ebenfalls nicht ausgewertet wurden regelmäßig erscheinende Broschüren, Positionspapiere sowie technische Dokumente und Regelwerke, da sie nicht den Planungshilfen im hier definierten Sinne entsprechen. Die beiden Dokumente „Grünbuch Stadtgrün“ (BMUB 2015) und „Weißbuch Stadtgrün“ (BMUB 2017) zeigen in ihrem Titel zwar keinen konkreten Planungsbezug, wurden als Grundlagenwerke zur Entwicklung von Grüner Infrastruktur mit Hinweisen zur Planung und Gebäudebegrünung im Inhaltsverzeichnis dennoch in der Auswertung berücksichtigt.

2.2  Qualitative Inhaltsanalyse
Die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse eignet sich für die Auswertung verschiedener Daten und Dokumente, um wesentliche Aussagen zu extrahieren (Mayring 2015: 12). Dabei werden die Texte systematisch und anhand von festgelegten Regeln ausgewertet (Mayring 2015: 50–51), das heißt, die Textstellen werden unter Anwendung eines definierten Kategoriensystems kodiert und dabei verschiedenen Kategorien zugeteilt. Für eine nachvollziehbare Dokumentenanalyse wurde die Software MAXQDA Standard 2022 (22.5.0) verwendet, die die systematische Auswertung sowie Kodierung anhand mehrerer Verfeinerungsschritte und einem deduktiv-induktiven Vorgehen ermöglicht. Die Bildung der Kategorien und Regeln erfolgte in einem iterativen Prozess, wodurch möglichst viele Fehlerquellen ausgeschlossen werden konnten. Dieses Vorgehen ist hilfreich, da so Textsegmente nicht nach einem noch unvollständig definierten Ansatz von Kategorien und Regeln kodiert werden (Huber/Dunst 2021: 506). Die Kodierung wurde teilweise automatisiert und basierend auf einschlägigen Suchbegriffen vorgenommen sowie durch die manuelle Identifikation relevanter Segmente im Text ergänzt. Die für die Kodierung festgelegten Regeln und Kategorien werden in Tabelle 1 beschrieben. Da Planungshilfen meist verschiedene Themenbereiche abdecken, wurden zunächst Segmente zu Dachbegrünung identifiziert. Diese dienten als Suchraum für die weitere inhaltliche Auswertung (vgl. Abbildung 1). Eine einfache, automatisierte Suche nach Begrünungstypen zeigte, dass in den meisten Dokumenten allgemein von Dachbegrünung gesprochen wird, weshalb im Folgenden keine Differenzierung der Typen und entsprechenden Wirksamkeiten vorgenommen wurde. Bei der Auswertung der Planungshilfen lag der Fokus auf der Nennung von Wirkungen der Dachbegrünung, da der Maßnahme mit ihrer Multifunktionalität und Umsetzbarkeit auf vielen, bislang ungenutzten Flächen insbesondere im städtischen Raum eine positive Wirkung zugeschrieben wird (Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 15). Für die Untersuchung der Wirkungen wurden acht Kategorien in Anlehnung an Mann, Gohlke und Wolff (2022: 5–6) gebildet: Verbesserung des Mikroklimas, Regenwasserbewirtschaftung, Energieeinsparung, Artenschutz und Erhalt der Biodiversität, Zusätzliche Nutzflächen und Erholung (einschließlich Gesundheit), Luftqualität und Schallschutz, Gebäudeerhalt und -schutz sowie Zeitgemäße Stadt- und Raumplanung. Die Kategorien werden in Tabelle 1 mit den für die Kodierung zugeordneten Schlagworten beschrieben. Die Multifunktionalität von Dachbegrünung wurde in einem weiteren Schritt kodiert: wenn mehrere der zuvor kodierten Wirkungen gemeinsam innerhalb eines Textsegments vorkommen oder bei der konkreten Nennung von multifunktionalen Wirkungen. Mehrfachkodierungen von Textsegmenten wurden in der gesamten Auswertung erlaubt, da in dieser Inhaltsanalyse unter anderem auch die Multifunktionalität von Maßnahmen relevant ist und sich beispielsweise durch die Nennung mehrerer Themen(bereiche) innerhalb eines Absatzes zeigt (Winker/Schramm/Matzinger et al. 2020: 15–16; Huber/Dunst 2021: 507).
Tabelle 1 Regeln und Kategorien der qualitativen Inhaltsanalyse zur Auswertung der in den Planungshilfen genannten Inhalte zu Dachbegrünung

Regeln und Kategorien für die Auswertung der Planungshilfen

Dachbegrünung (Suchraum für alle weiteren Kodierungen, jeweils ein Absatz vor und ein Absatz nach den vorgegebenen Schlagwörtern)

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ANY: Dachbegrünung Gründach begrüntes Dach grünes Dach begrünte Dächer grüne Dächer Dach- und Fassadengrün Dach- und Fassadenbegrünung; ALL: *dach* oder bauwerk* oder gebäude* ANY: vegetation *grün* NOT: *dacht (Innerhalb von: 1 Absatz)
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ausgeschlossen wurden: Titel, Vorwort, Verzeichnisse, Verweise, Beschriftungen von Abbildungen und Tabellen, Erläuterungen zu Kapiteln, Aufbau des Dokuments, Fußnoten, Fuß- und Kopfzeilen, Glossar und Definitionen sowie Inhalte, die thematisch nichts mit Dachbegrünung zu tun haben
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Suche nach Begrünungstypen: extens* OR intens* in Kombination mit „grün“ (Innerhalb von: 1 Satz)

Wirkungen von Dachbegrünung

– 
ausgeschlossen wurden: allgemeine Aussagen zu „Wirkungen“ bei der Klimaanpassung, Minderung der Folgen des Klimawandels etc.
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Kodierung erfolgt bei Nennung der Wirkung bzw. thematisch verwandten und eindeutigen Begriffen, die als Indikator fungieren (siehe unten, keine abschließende Aufzählung)

Verbesserung Mikroklima: Abkühlung/Stadtklima/Verschattung/Verdunstung/Evapotranspiration

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da die Abkühlung begrünter Dachflächen durch Verdunstung erfolgt, werden auch Textsegmente zu Verdunstung kodiert (außer explizit nur im Kontext blauer Infrastruktur genannt)

Regenwasserbewirtschaftung: Retention/Regen/Niederschlagsrückhalt/Schwamm(-stadt)/Blaue Infrastruktur/Ermäßigung der (Niederschlags‑)Abwassergebühren

Energieeinsparung: Dämmung/Energie/Verminderung CO2 Ausstoß/CO2 Speicherung/Bedarfe an Heiz‑/Kühlenergie/Isolierung

Artenschutz und Erhalt der Biodiversität: Biodiversität/Lebensraum/Trittstein/Biotop/Ökologie/Aufzählung von Arten(-gemeinschaften) (Flora und/oder Fauna)

Zusätzliche Nutzflächen und Erholung (einschließlich Gesundheit): Nutzfläche/Gemeinschaftsfläche/private Freifläche/Wohlbefinden/Umfeld(-verbesserung)

Luftqualität und Schallschutz: Schadstoffe/Lufthygiene/Lärm/Feinstaubbindung

Gebäudeerhalt und -schutz: Lebensdauer/Schutz Dachmaterialien/Ökonomie des Gebäudes

Zeitgemäße Stadt- und Raumplanung: Ästhetik/Stadtbild/Wertsteigerung

Multifunktionalität

ALL: infras ODER wechselw ODER multif ODER synerg ODER netz verbun verbin verkn NOT: verbindlich

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ausgeschlossen wurden: andere Infrastrukturen, z. B. Energie, Verkehr, Kommunikation
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Kodierung ergänzt: wenn >= 2 kodierte Wirkungen innerhalb eines Textsegments enthalten ODER wenn eine Wirkung in Kombination mit Photovoltaiknutzung (Photovoltaik*, PV*, Fotovoltaik*, Solar*) genannt wird
Automatische Kodierung in kursiv
*Platzhalter für beliebig viele Zeichen, manuelle Kodierung in normal
Städten stehen für die Planung ihrer Entwicklung sowie ihrer strategischen Ziele verschiedene Planungsinstrumente und Methoden zur Verfügung. Diese unterscheiden sich im Anwendungsmaßstab sowie der rechtlichen Verbindlichkeit und können vielseitig zur Planung und Umsetzung der Klimaanpassung eingesetzt werden (Diller 2018: 1027). Die in den Planungshilfen identifizierten Textsegmente zur räumlichen Kühlwirkung, den Planungsinstrumenten und den Fördermöglichkeiten von Dachbegrünung wurden daher den verschiedenen Planungsebenen zugeordnet (vgl. Tabelle 2). Auch wenn die Maßnahme der Dachbegrünung nach Baumüller (2018: 207) der untersten Planungsebene zugeordnet wird, wurde sie in dieser Arbeit für alle Planungsebenen untersucht, da die Maßnahme bei großflächiger Planung einen kühlenden Effekt auf ein größeres Gebiet hat (Li/Bou-Zeid/Oppenheimer 2014: 8). Für die Auswertung der räumlichen Kühlwirkung wurden die identifizierten Segmente zur Verbesserung des Mikroklimas anhand von Schlagworten den Planungsebenen zugeordnet und ergänzend quantitative Angaben kodiert. Die gefundenen Planungsinstrumente wurden nach Diller (2018: 1026) den Planungsebenen zugeordnet (vgl. Tabelle 2). Für die unterste Ebene wird, auch wenn sie sich auf Gebiete mit mehreren Grundstücken beziehen kann, folgend der Begriff des Grundstücks verwendet, um den Objektbezug zu verdeutlichen.
Tabelle 2 Zuordnung der Informationen aus den Planungshilfen zu den Planungsebenen

Planungsebene

Kühlwirkung

Planungsinstrumente

formell

informell

Stadt

Urbaner Raum, Stadt

Flächennutzungsplan

Stadtentwicklungskonzepte

Quartier

geringer Wärmeinseleffekt, Quartier

Sanierungs- und Entwicklungsgebiete, Gestaltungs- und Erhaltungssatzungen

Städtebauliche Rahmenpläne

Grundstück

Gebäude, Bausubstanz, Straßenraum, Umgebung, Mikroklima, Baugebiet

Bebauungsplan, Vorhaben- und Erschließungspläne

Die Zuordnung der genannten Fördermöglichkeiten für die Begrünung von Dachflächen erfolgte zunächst nach Fördermittelgebern: Bundes‑, Landes- und kommunale Förderprogramme2 (vgl. Mann/Gohlke/Wolff 2022: 59–67). Für die Städtebauförderung kommen die Mittel geteilt von Bund, von Bundesländern und Kommunen, daher wurden diese nicht weiter ausgewertet. Weitere genannte finanzielle Anreize, wie z. B. eine gesplittete Abwassergebühr, wurde der kommunalen Ebene zugeordnet, da die Kommunen für die Beseitigung von Abwasser zuständig sind (BMUB 2017: 20). Indirekte finanzielle Vorteile durch Dachbegrünung, wie die Wertsteigerung der Immobilie und Einsparungen von Energiekosten, wurden nicht berücksichtigt. Da sich die Förderberechtigten je nach Programm unterscheiden, erfolgte hierfür eine gesonderte Zuordnung. Die Förderberechtigten der Programme vom Bund und von den Flächenbundesländern sind meist Kommunen, Unternehmen und teilweise Verbände. Die Zuordnung zu den Planungsebenen erfolgte daher individuell für die genannten Programme. Dabei gilt die Stadt als förderberechtigt, wenn in den Programmen Städtebauförderung, Länderprogramme, Klimaanpassungskonzepte oder das Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ für Modellkommunen erwähnt werden. Kommunale Förderprogramme, das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ sowie Förderprogramme der Stadtstaaten richten sich vorrangig an Privatpersonen, kleine sowie mittelständische Unternehmen (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 58, 86) und wurden der Ebene des Grundstücks zugeordnet.

2.3  Quantitative Auswertung

Die Auswertung der Planungshilfen erfolgte auf der Dokumentenebene und zeigt die Anzahl der Dokumente mit einer Nennung der jeweiligen Kategorie. Wenn eine Kategorie mehrfach innerhalb eines Dokuments vorkommt, wird sie nur einmal gezählt und damit werden Überschätzungen durch Wiederholungen verhindert. Für die Auswertung der räumlichen Angaben zur Kühlwirkung wurden nur zuvor kodierte Passagen der Kategorie der Verbesserung des Mikroklimas analysiert.


3  Ergebnisse

Die Recherche nach Planungshilfen führte zu 122 Dokumenten verschiedener Herausgeberschaften. Nachdem mehrfach gefundene, veraltete und Dokumente ohne kommunalen Planungsbezug aussortiert worden waren, verblieben 46 Dokumente für die qualitative Inhaltsanalyse. Im ersten Analyseschritt wurden Textsegmente mit Inhalten zu Dachbegrünung identifiziert. In sechs Dokumenten wurde keine Information zu der Maßnahme gegeben und in drei weiteren tauchten sie lediglich als ein Beispiel von Grüner Infrastruktur auf. Diese Dokumente wurden aufgrund des geringen Informationsgehaltes nicht weiter berücksichtigt. Weiter wurde ein Nachdruck von der Auswertung ausgeschlossen. Daher beziehen sich die folgenden Ergebnisse auf 36 Dokumente.

Mehr als die Hälfte dieser Dokumente wurde in den letzten Jahren (ab 2019) veröffentlicht. Mit jeweils sechs Dokumenten waren in der Auswertung am meisten Dokumente für die Jahre 2020 und 2022 enthalten, während die Jahre 2014 und 2018 mit jeweils einem Dokument am schwächsten vertreten waren. Die Gruppierung der Planungshilfen nach Herausgeberschaften zeigt die größten Anteile für Bundesämter/-ministerien (13) sowie Stadtverwaltungen (11). Etwa ein Viertel der untersuchten Planungshilfen wurde von Forschungsinstitutionen herausgegeben, während am wenigsten Planungshilfen von Verwaltungen und Ministerien der Bundesländer (2) sowie dem Deutschen Städte und Gemeindebund herausgegeben wurden.

3.1  Wirkungen und Multifunktionalität begrünter Dächer
Insgesamt stand lediglich in einer Planungshilfe nichts zu den Wirkungen begrünter Dachflächen. Alle untersuchten Wirkungen wurden in unterschiedlicher Häufigkeit und Kombination innerhalb der Dokumente genannt (vgl. Abbildung 2). Durchschnittlich wurden vier Wirkungen pro Dokument identifiziert. Während in drei Dokumenten alle untersuchten Wirkungen aufgeführt wurden, war es in sechs Dokumenten jeweils nur eine Wirkung. Am häufigsten wurde die Verbesserung des Mikroklimas (30), gefolgt von der Regenwasserbewirtschaftung (26) erwähnt, gemeinsam wurden sie in 24 Dokumenten aufgeführt. Am wenigsten häufig wurde Gebäudeerhalt und -schutz benannt (5) und mit weiteren Wirkungen kombiniert. In mehr als der Hälfte der Dokumente (29) wurde die Multifunktionalität von Dachbegrünung aufgezeigt, davon in 14 Dokumenten durch die Information zur möglichen Kombination einer Begrünung mit Photovoltaiknutzung und in 21 Dokumenten durch die Nennung mehrerer Wirkungen innerhalb eines Textsegments.
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Abbildung 2 Anzahl der genannten Wirkungen begrünter Dächer und deren Kombinationen innerhalb der Dokumente

3.2  Zuordnung von Informationen der Dachbegrünung zu den Planungsebenen

Für die Auswertung der in den Planungshilfen genannten räumlichen Informationen über die Kühlwirkung, die Planungsinstrumente und Fördermöglichkeiten im Kontext von Dachbegrünung wurden diese den Planungsebenen Grundstück, Quartier und Stadt zugeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle untersuchten Themen den Planungsebenen zugeordnet werden konnten sowie viele Kombinationen räumlicher Informationen innerhalb der Dokumente zu finden sind. Die meisten Informationen beziehen sich auf die Ebene des Grundstücks. Insbesondere fällt auf, dass die meisten Kombinationen mit der Kühlwirkung auf Grundstücksebene auftauchen.

3.2.1  Räumliche Kühlwirkung begrünter Dächer

In 30 Dokumenten konnte die Kühlwirkung begrünter Dachflächen analysiert werden, davon in 23 Dokumenten mit ergänzenden räumlichen Informationen. Großteils wurden diese verbal beschrieben und nur in vier Dokumenten quantifiziert. Konkrete Angaben bezogen sich auf die Differenz der Oberflächentemperatur begrünter Dächer im Vergleich zu anderen Dachmaterialien oder auf die Reduktion der Wärmebelastung. Die angegebenen Werte stammen beispielsweise aus mikroklimatischen Modellierungen oder Studien mit Thermalbefliegungen. Die meisten räumlichen Angaben zu Kühlwirkungen wurden für die Ebene des Grundstücks (23) identifiziert (vgl. Abbildung 3). Ein Beispiel dafür findet sich in SenStadt (2022: 74): „Gründächer können die Aufheizung der Gebäude verringern, als Zwischenspeicher von Niederschlägen genutzt werden und als grüner Aufenthaltsbereich und Begegnungsort dienen.“ Knapp ein Drittel der Dokumente enthält Informationen zur Kühlwirkung, die z. B. durch ihren Bezug auf Wärmeinseln der Ebene des Quartiers zugeordnet wurden, wie beispielsweise das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz schreibt (StMUV 2021: 33): „Geringere Wärmeinseleffekte und verbesserte Dämmung durch Begrünungsmaßnahmen, zum Beispiel von Dächern, Fassaden, vormals versiegelten Flächen oder Baumpflanzungen.“ Angaben im Kontext der Stadt, wie „Gesamtstädtischer Nutzen liegt in der Niederschlagsaufnahme begrünter Dächer, ihrer Verdunstungsleistung und der verzögerten, reduzierten Ableitung überschüssigen Wassers in die Siele“ (Freie und Hansestadt Hamburg 2018: 6) konnten in fünf Dokumenten identifiziert werden.
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Abbildung 3 Informationen zu Kühlwirkung, Planungsinstrumenten und Fördermöglichkeiten begrünter Dächer mit zugeordneten Planungsebenen und Kombinationen

3.2.2  Instrumente zur Planung begrünter Dächer

Informationen zu Planungsinstrumenten im Kontext der Begrünung von Dachflächen finden sich in 21 Dokumenten und beziehen sich größtenteils auf die Ebene des Grundstücks (17). Weniger Planungsinstrumente werden für die Quartiersebene (10) und die Stadt (9) gefunden (vgl. Abbildung 3).

Die differenzierte Auswertung zeigt, dass in allen Planungshilfen, in denen Instrumente genannt werden, auf formelle Instrumente eingegangen wird. Am häufigsten werden Informationen für die Ebene des Grundstücks genannt, die sich in Informationen zu Festsetzungen von Dachbegrünung in Bebauungsplänen zeigen, wie zum Beispiel: „In Bebauungsplänen wird die Begrünung von Flachdächern in der Regel festgeschrieben“ (Reuter 2015: 70). Ein weiteres Planungsinstrument, das in vier Dokumenten erwähnt wird, ist der städtebauliche Vertrag, der übergreifend über die Ebenen des Grundstücks und Quartiers eingesetzt werden kann. Auf der Ebene des Quartiers werden vor allem Gestaltungssatzungen (8) als Instrument genannt. In gleicher Anzahl wird der Flächennutzungsplan mit Bezug auf die gesamtstädtische Ebene erwähnt. Nicht konkretisierte Angaben zur Bauleitplanung finden sich in neun Planungshilfen. Im Gegensatz zu der Verteilung der Informationen formeller Planungsinstrumente nimmt die Zahl der Dokumente mit Angaben zu informellen Instrumenten im Kontext der Begrünung von einzelnen Dächern (10) von der Ebene des Grundstücks hin zur Ebene der Stadt zu. Für die informellen Planungsinstrumente wurden in vier Dokumenten Informationen zu Städtebaulichen Rahmenplänen, die die Ebenen des Grundstücks und des Quartiers abdecken, gefunden. Auf der Ebene der Stadt werden Stadtentwicklungskonzepte als informelle Planungsinstrumente in sieben Planungshilfen genannt.

3.2.3  Fördermöglichkeiten für die Umsetzung begrünter Dächer

In 20 Planungshilfen werden Fördermöglichkeiten im Kontext von Dachbegrünung aufgezählt. Diese wurden nach den Fördermittelgebern und Förderberechtigten ausgewertet. Dabei nehmen die Städte, die in 19 Dokumenten als Fördermittelgeber fungieren, den größten Anteil ein (vgl. Abbildung 3). Diese finanziellen Anreize durch Kommunen können in die bezeichneten Förderprogramme für die Begrünung von Dachflächen (12) sowie die Information über eine gesplittete Abwassergebühr (13) oder die Anrechenbarkeit im Rahmen der Eingriffsregelung und der Vergabe von Ökopunkten (5) untergliedert werden. In lediglich einem Dokument wird ein Programm formuliert, das vom Bundesland finanziert wird, während eine Förderung aus Mitteln des Bundes in fünf Dokumenten angeführt wird (z. B. für die Erstellung eines Konzeptes oder die Umsetzung von Modellmaßnahmen in Masterkommunen). Dass die Fördermittelgeber nicht die Ebene der Förderberechtigten wiederspiegeln, zeigt sich bei der Auswertung der Zuordnung. Auf der Grundstücksebene werden in 19 Dokumenten Angaben zu Förderberechtigten gemacht, für die die Stadt mit kommunalen Förderprogrammen als Fördermittelgeber fungiert, als Beispiel (BBSR 2021: 60): „Um Hausbesitzerinnen und -besitzer zur Begrünung ihrer Immobilien zu bewegen, kreierte die Stadt ein Förderprogramm, das Dach- und Fassadenbegrünung und andere Begrünungsprojekte finanziell unterstützt“ (vgl. Abbildung 3). Drei dieser Dokumente mit Nennungen zu Förderberechtigten beziehen sich auf das KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Sanieren“. Für die Quartiersebene wurden keine Informationen zu Förderberechtigten identifiziert. Die Stadt als solche wird hingegen in fünf Dokumenten als „förderberechtigt“ angegeben, beispielsweise im Kontext der Erstellung von städtischen Klimaanpassungskonzepten.


4  Diskussion und Fazit
4.1  Wirkungen und Multifunktionalität begrünter Dächer

Die Ergebnisse der Nennungen von Wirkungen in den Planungshilfen entspricht mit der Dominanz der angegebenen Verbesserung des Mikroklimas sowie der Regenwasserbewirtschaftung dem aktuellen Planungstrend zu einer zunehmend wassersensiblen Stadtentwicklung (Pitha/Scharf/Wultsch et al. 2023: 28). Konzepte blau-grüner Infrastruktur und darunter auch die Maßnahme der Dachbegrünung heben sich insbesondere durch die Multifunktionalität und Ansätze der räumlichen Vernetzung positiv hervor (BMUB 2015: 21). Die Multifunktionalität von Dachbegrünung wird in den Planungshilfen durch die häufige gemeinsame Nennung mehrerer Wirkungen deutlich. Die Zahl der Nennungen von Dachbegrünung in Kombination mit Photovoltaikanlagen, die sowohl der Klimaanpassung als auch dem Klimaschutz dient, in weniger als der Hälfte der Dokumente ist überraschend gering. Durch die Kühlwirkung der Begrünung kann die Leistungsfähigkeit der Photovoltaikanlage gesteigert werden, was wiederum die Amortisationszeit dieser Investition verringert (Dickhaut/Vignola/Harseim 2017: 19). Die Kombination von Begrünung und Photovoltaiknutzung kann durch Aufständerung der Module übereinander oder durch Aufteilung der Dachfläche nebeneinander erfolgen. Die Kombination kann über den Bebauungsplan festgesetzt werden, sollte jedoch auch gezielt gefördert werden, sodass die Dachnutzung nicht in Konkurrenz steht (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 88–89). Auch bei einer bereits eingeführten Solarpflicht ist eine Kombination beispielsweise durch eine reduzierte Mindestgröße für die Photovoltaikanlage möglich (Stryi-Hipp/Leuchtner/Longo 2023: 16). Ebenfalls zeigen sich bei einer rein ökonomischen Betrachtung des Lebenszyklus von begrünten Dächern Vorteile im Vergleich zu Flachdächern ohne Begrünung (vgl. Dickhaut/Vignola/Harseim 2017: 16–17).

Jedoch wurde der Gebäudeerhalt und Gebäudeschutz in den Planungshilfen am seltensten genannt. Dabei sind solche Informationen im Hinblick auf die Motivation und Umsetzung von Maßnahmen hilfreich (Biercamp 2019: 19) und sollten in den Planungshilfen integriert werden. Für die Planung großflächiger Dachbegrünung braucht es eine umfassende Aufklärung über die räumlichen Wirkungen und Wechselwirkungen in den Planungshilfen. Brasche, Hausladen, Maderspacher et al. (2020) zeigen beispielsweise anhand mehrerer Siedlungstypen mit Begrünungsszenarien aus kombinierten Maßnahmen, wie etwa Fassadenbegrünungen und Baumpflanzungen, die mikroklimatischen Auswirkungen im räumlichen Kontext. Darüber hinaus bedarf es der zunehmenden Berücksichtigung von Klimaanpassung durch Legitimation multifunktionaler Grüner Infrastruktur in der Planung. Dies kann durch die geplante Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB), das beispielsweise die Anlage eines Gründachs schon mit Erteilung des Baurechts anordnen kann, erfolgen (vgl. BMWSB 2024). Auch die Integration des Begriffs Grüne Infrastrukturen in Klimaanpassungsgesetzen unterstreicht das Erfordernis zur Berücksichtigung von Grüner Infrastruktur in Planungs- und Abwägungsprozessen.

4.2  Planungsebenen von Dachbegrünung zur Klimaanpassung

Unabhängig von der Aufnahme des Begriffs „Grüne Infrastrukturen“ in das Städtebaurecht erhebt das Konzept durch seinen Netzwerkcharakter einen Anspruch an die Planung im Sinne der Berücksichtigung und Verflechtung verschiedener räumlicher Ebenen (BMUB 2015: 21). Am häufigsten beziehen sich die räumlichen Angaben der in den Planungshilfen untersuchten Themen auf das Grundstück. Da Einzelmaßnahmen für die städtische Klimaanpassung jedoch nicht ausreichen (BDLA 2022: 4) und die Betrachtung ganzer Stadtquartiere mit ihren funktionalen Zusammenhängen als zielführender gilt (BBSR 2015: 29), wird die Erstellung gesamtstädtischer Konzepte benötigt. Dabei können Planungshilfen mit der Bereitstellung möglichst konkreter und räumlicher Informationen zur Wirksamkeit, Planung und Umsetzung unterstützen.

4.2.1  Räumliche Kühlwirkung begrünter Dächer

Der räumliche Kontext der in den Planungshilfen angegebenen Kühlwirkungen bezieht sich überwiegend auf die Grundstücksebene und erfolgt meist anhand von Beschreibungen. Obwohl konkret ‚messbare‘ Angaben die Kommunikation und Motivation zur Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen steigern (Biercamp 2019: 19) und es eine Vielzahl an Studien zum Temperaturverhalten sowie auch zu räumlich modellierten Kühlwirkungen von begrünten Dächern gibt (vgl. Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 178), finden sich in den Planungshilfen nur wenige Angaben dazu. Aktuelle Ergebnisse aus einer mikroklimatischen Modellierung von Dachbegrünung in Deutschland (Essen) zeigen für den räumlichen Kontext der Stadt eine durchschnittliche Kühlwirkung von -0,8°C auf die Lufttemperatur in Bodennähe bei einem Anteil begrünter Dächer von 100 Prozent (Skoryi/Buchholz/Büscher et al. 2022: 4). Weitere modellierte Szenarien mit unterschiedlichen Begrünungsanteilen zeigen, dass der Kühleffekt mit der Ausdehnung begrünter Dachflächen zunimmt (Li/Bou-Zeid/Oppenheimer 2014: 8). Das bestätigt den Bedarf einer Vernetzung von Begrünungsmaßnahmen für eine erfolgreiche Klimaanpassung (BBSR 2021: 14). Neben der Größe der begrünten Dachfläche beeinflussen auch die umgebende Stadtmorphologie sowie die Eigenschaften des Gebäudes mit seiner Höhe und Ausrichtung die Wirksamkeit der Maßnahme zur Minderung städtischer Hitze (vgl. Brasche/Hausladen/Maderspacher et al. 2020). Auch aus dem Aufbau der Begrünung mit extensiver oder intensiver Bepflanzung ergeben sich unterschiedliche klimatische Wirksamkeiten (Pfoser/Jenner/Henrich et al. 2013: 16). Die Modellierungen von Li, Bou-Zeid und Oppenheimer (2014: 12) zeigen zudem eine verstärkte Kühlwirkung durch die ergänzende Bewässerung der Dachbegrünung.

Die in den Planungshilfen genannten Informationen geben bezüglich Kühlwirkungen von Dachbegrünung sowie deren räumlichen Effekten nicht den aktuellen Stand des Wissens wieder. Für eine erfolgreiche Umsetzung von Grüner Infrastruktur zur Klimaanpassung braucht es neue planerische Konzepte, die nicht an die Grenzen der Planungsebenen gebunden sind und damit eine Transformation von Einzelmaßnahmen hin zu städtischer Planung ermöglichen (BDLA 2022: 4; BBSR 2021: 14–15). Dazu bedarf es der weiteren Forschung zur Anordnung begrünter Dächer in einem größeren räumlichen Maßstab (Feng/Wang/Zhou et al. 2022: 8) unter Berücksichtigung der Stadtmorphologie und gegebenenfalls auftretenden Synergieeffekten mit weiteren Elementen der Grünen Infrastruktur sowie der Integration solcher Ergebnisse in Planungshilfen.

4.2.2  Instrumente zur Planung begrünter Dächer

Die Ergebnisse der ausgewerteten Planungshilfen zeigen mit vielen Nennungen für die Planungsebene des Grundstücks, dass die Maßnahme der Dachbegrünung häufig mittels Bebauungsplänen auf der untersten Ebene geplant wird. Der Bebauungsplan ist auch laut Bundesverband GebäudeGrün (BuGG 2024: 31) sowie Huber und Dunst (2021: 512–513) das meist und vorrangig angewandte Planungsinstrument, um Gebäudebegrünung fest- und umzusetzen. Ergebnisse einer Umfrage von 2023 zeigen, dass circa 90 Prozent der Städte mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 50.000 Dachbegrünung in Bebauungsplänen festsetzen (BuGG 2024: 31). Einigkeit besteht darüber, dass diese ein zentrales Instrument für die Steuerung zukünftiger Entwicklungen sind, auch wenn sie nur einen anteiligen Beitrag zur flächendeckenden Begrünung von Dächern leisten (Richter/Dickhaut 2019: 44; BuGG 2024: 31). Die Stadt Karlsruhe zeigt mit dem Entwurf eines Bebauungsplans für die Innenstadt einen neuen Weg zur Festsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen, wie Dachbegrünung, im kleineren Maßstab (Stadt Karlsruhe 2024: 5). Im Rahmen von Gestaltungssatzungen, die in fast allen Bundesländern von den Kommunen erstellt werden können, können im Vergleich zu Bebauungsplänen zwar nur weniger konkrete Vorgaben für eine Begrünung definiert werden, diese jedoch für einen größeren Bereich gelten (BuGG 2024: 48). Auch wenn sie damit der großflächigen Planung von Klimaanpassungsmaßnahmen dienen, sind sie nur in wenigen Planungshilfen enthalten. Ebenso werden allgemeinere Aussagen, wie etwa die Sicherung und Neuschaffung von Grüner Infrastruktur, bisher auf der Ebene des Flächennutzungsplans getroffen (Huber/Dunst 2021: 511). Dies erklärt, dass Dachbegrünung in den Planungshilfen seltener im Kontext von Flächennutzungsplänen genannt wurde. Die Verteilung der Ergebnisse zeigen ein Muster der Nennung von Gebäudebegrünung in Dokumenten der Bauleitplanung, die in 40 Prozent der Flächennutzungs- und in 80 Prozent der Bebauungspläne genannt wurde (Huber/Dunst 2021: 511). Während die Möglichkeiten zur Planung von Klimaanpassung über die Bauleitplanung bislang nicht vollständig ausgeschöpft wurden, gibt es bereits Empfehlungen zu neuen Planungsansätzen sowie eine geplante Novellierung des Baugesetzbuchs mit dem Ziel, die Klimaanpassung zu stärken (vgl. Huber/Dunst 2021: 514; BDLA 2022; BMWSB 2024).

Den informellen Planungsinstrumenten, wie Konzepten und Rahmenplänen, kommt bei der Klimaanpassung ebenfalls eine wichtige Funktion zu. Sie weisen eine hohe Flexibilität auf, unterstützen langfristige Planungen und können größere Gebiete abdecken. Ihre Ergebnisse sind jedoch nicht per se rechtsverbindlich und müssen erst nach Beschluss durch den Gemeinderat im Rahmen der Abwägung bei zukünftigen Planungen beachtet werden (Danielzyk/Sondermann 2018: 964; Baumüller 2019: 199–200). Einen Rahmenplan zur Klimaanpassung hat beispielsweise die Stadt Karlsruhe erstellt, um in den Planungsprozessen ganzheitlich, unter Berücksichtigung von fachlichen Grundlagen und räumlich verorteten Zielen agieren zu können (Baumüller 2019: 199–200). Die Ergebnisse aus den Planungshilfen zeigen, dass Angaben zur Begrünung von Dachflächen häufiger im Kontext informeller Planungsinstrumente auf der Ebene der Stadt, in Form von Stadtentwicklungskonzepten, auftauchen als in den darunter liegenden Ebenen. Die Stadt Berlin schafft sich mit dem Stadtentwicklungsplan beispielsweise konkrete Gebietskulissen mit Handlungsansätzen, die eine räumliche Gesamtplanung von Klimaanpassungsmaßnahmen in der Stadt unterstützen (SenStadt 2022: 4).

In den Planungshilfen werden deutlich mehr formelle als informelle Planungsinstrumente genannt. Dies ist erneut auf den Bebauungsplan – als am häufigsten angewandtes, formelles Instrument mit hoher Verbindlichkeit und geringem Kostenaufwand für die Kommune – zurückzuführen (BuGG 2024: 31). Diese formellen Instrumente der Bauleitplanung des Allgemeinen Städtebaurechts eignen sich für Festsetzungen zur Klimaanpassung bei Neubauten (Albrecht 2023: 275). Für die Klimaanpassung in neu zu entwickelnden Gebieten, aber auch im Bestand haben formelle Instrumente des Besonderen Städtebaurechts (z. B. städtebauliche Sanierungen, Gestaltungssatzungen) sowie informelle Planungsinstrumente (z. B. städtebauliche Rahmenpläne) (Krautzberger 2018: 201; Albrecht 2023: 280; BuGG 2024: 48) eine große Bedeutung. Der städtebauliche Bestand stellt eine Herausforderung für die Klimaanpassung dar, da er oftmals klimatische und energetische Defizite aufweist und einen großen Anteil einnimmt (Albrecht 2023: 280; Baumüller 2019: 201). Ein Ansatz zur ebenenübergreifenden Planung im Bestand können Climate Improvement Disctricts sein (vgl. Kunert 2022). Diese können nach Baugesetzbuch im Zusammenhang mit dem jeweiligen Landesrecht zur Umsetzung standortbezogener Maßnahmen als private Initiative von Immobilien besitzenden Personen initiiert werden (vgl. Kunert 2022; vgl. BMWSB 2024). Eine Herausforderung für die vernetzte Umsetzung von Maßnahmen im städtebaulichen Bestand sind insbesondere heterogene Eigentumsstrukturen. Durch die Planung von Grüner Infrastruktur über Grundstücksgrenzen hinweg können größere Wirkungen erzielt werden, jedoch sind dafür eine gute Kommunikation oder Kooperationsmodelle – wie für blau-grüne Infrastruktur von Schramm, Trapp, Stein et al. (2023) beschrieben – unabdingbar oder auch die gezielte Ansprache und Beteiligung beispielsweise von Wohnungsunternehmen und -genossenschaften, die oftmals über mehrere Liegenschaften in einer Kommune verfügen. Insgesamt wird für die Klimaanpassung eine Mischung aus formellen und informellen Instrumenten empfohlen, wobei eine gute Qualität der Planung bei der Übernahme in die Bauleitplanung sichergestellt werden muss (Knieling 2011: 249–250; Huber/Dunst 2021: 514).

4.2.3  Fördermöglichkeiten für die Umsetzung begrünter Dächer

Für die Umsetzung von Maßnahmen werden Fördergelder von verschiedenen Ebenen bereitgestellt und Förderprogramme vielfältig ausgestaltet.3 Am häufigsten stehen in den Planungshilfen die Kommunen als Fördermittelgeber, die Personen mit Immobilienbesitz bei der Begrünung ihrer Gebäude finanziell unterstützen. Für die Begrünung von Dachflächen braucht es die Initiative von Privatpersonen mit Immobilien, die in Deutschland über den Großteil der Wohngebäude verfügen.4 Daher bedarf es der umfassenden Information inklusive Finanzierungsmöglichkeiten sowie möglichst auch dem Angebot einer direkten Förderung (Schmauck 2019: 50; BuGG 2024: 73, 82). Bereits 5 Euro/m2 Gründach wird vom Umweltbundesamt als erfolgversprechender Anreiz genannt (Haße 2012: 10). Die Höhe und Ausgestaltung kommunaler Förderung sind individuell, teils an den Aufbau der Dachbegrünung sowie ihre Dauerhaftigkeit und den Regenrückhalteeffekt gebunden (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 80–84; Richter/Dickhaut 2019: 45). Durch die Förderung kann eine Lenkungswirkung, sowohl für Neubauten als auch für den Bestand, für bestimmte Funktionen bzw. Multifunktionalität erreicht werden (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 58). Eine weitere Anpassung der kommunalen Förderprogramme kann über die Abgrenzung der Gebietskulisse, z. B. anhand von Bereichen mit einem hohen Begrünungspotenzial (BuGG 2024: 56) oder mit besonderer Hitzebelastung und dichter Bebauung (Mann/Gohlke/Wolff 2022: 64–66) erfolgen. Neben der direkten Förderung für die Herstellung einer Begrünung gibt es beispielsweise mit der häufig genannten gesplitteten Abwassergebühr eine weitere Möglichkeit für Kommunen, Anreize zu schaffen. Die Zahl dieser Nennungen ist nicht überraschend, da die meisten Kommunen in Deutschland bereits Anreize durch die Möglichkeit zu Einsparungen bei der Niederschlagswassergebühr schaffen (Richter/Dickhaut 2019: 45; Mann/Gohlke/Wolff 2022: 80). Zu den direkten Fördermöglichkeiten hinzu kommen für Personen mit Immobilienbesitz finanzielle Vorteile, die sich durch die Begrünung der Gebäude ergeben: Einsparungen von Energiekosten und einen verlängerten Lebenszyklus des Daches (Dickhaut/Vignola/Harseim 2017: 16–19). Darüber sollte zukünftig vermehrt in den Planungshilfen aufgeklärt werden. Denkmalschutz oder Gebäudestatik können die Umsetzungsmöglichkeiten von Dachbegrünung einschränken (vgl. BuGG 2024: 17, 87). Daher sollten die Eigenschaften von Gebäuden in zentralen Registern für alle Gebäudetypen erfasst und bei Planungen berücksichtigt werden.5

Auch wenn es bereits viele Maßnahmen gibt, die Begrünung von Dachflächen zu fördern, fehlt es bislang an Ansätzen, die die großflächige Begrünung von Dächern unterstützt und den Fokus vom Objekt hin zu Konzepten der Grünen Infrastruktur für die Quartiers- und Stadtebene erweitern. Ein bedeutender Vorteil von Förderprogrammen und Gebührenreduktionen durch die Kommune ist die Möglichkeit zur bedarfsgerechten, individuellen Abgrenzung und Ausgestaltung der Förderbedingungen (BuGG 2024: 53, 78), wobei diese in Abhängigkeit der Entwicklungsziele und des Kommunalhaushalts stehen.

4.3  Methodenkritik

Die Auswahl und Auswertung der Planungshilfen zeigen, dass sich einige Dokumente sehr ähnlich sind. Daher ist zu hinterfragen, ob eine Vielzahl an Planungshilfen vorzuhalten ist oder die Ressourcen zukünftig breiter verteilt werden sollten, um die Dokumente mit unterschiedlichen und dafür detaillierten Inhalten oder gezielt für verschiedene Zielgruppen zu erarbeiten. Ergebnisse einer Kommunalbefragung aus 2023 zeigen, dass Planungshilfen und Beratungsangebote trotz geringer Kapazitäten am wenigsten von kleineren Kommunen genutzt werden (Friedrich/Stieß/Sunderer et al. 2024: 61). Kleine und mittlere Städte wurden in dieser Untersuchung lediglich indirekt durch übergeordnete Institutionen und Ministerien berücksichtigt, weshalb für diese keine konkreten Aussagen getroffen werden können. Planungshilfen sollten daher zukünftig auch gezielt aus deren Perspektive untersucht und es sollte über (neue) Formate zur Wissensübermittlung nachgedacht werden, die die für sie relevanten Informationen liefern und in der Planungspraxis angenommen werden. Ergänzende Interviews mit Personen der Zielgruppen der Dokumente wären generell hilfreich, um die Verständlichkeit, die Relevanz und den Bedarf der Inhalte einzuordnen. Anhand der identifizierten und oftmals recht allgemeinen Informationen in den Ergebnissen kann angenommen werden, dass sich der Inhalt bezüglich Dachbegrünung durch eine Berücksichtigung von Planungshilfen aus benachbarten Sparten, wie dem Siedlungswasserhaushalt, nicht wesentlich vertieft hätte. Durch die fokussierte Auswertung von Informationen zu Dachbegrünung können Informationen zur Klimaanpassung aus angrenzenden Themenfeldern oder auftretende Synergieeffekte unterschätzt werden. Bei zukünftigen Auswertungen sollten daher auch kumulative Wirkungen sowie die Wirksamkeit von Grüner Infrastruktur, aber auch die Leistungen von Dachbegrünung mit Bezug auf die verschiedenen Begrünungstypen sowie negative Wirkungen untersucht werden. Durch die Auswertung auf der Ebene der Dokumente kann kein Rückschluss auf die Qualität und inhaltliche Tiefe der einzelnen Planungshilfen erfolgen. Dafür müssten die Häufigkeit und Kombination der genannten Informationen ausgewertet werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollten daher als erste Gesamtschau der untersuchten Wirkungen und Planungsebenen von Informationen zu Planungsinstrumenten und Fördermöglichkeiten im Kontext von Dachbegrünung verstanden werden.


5  Schlussfolgerungen

Das Konzept von Grüner Infrastruktur sieht eine ebenenübergreifende städtische Grünplanung vor. Bisher erfolgt die Bereitstellung von Informationen zu Dachbegrünung in den Planungshilfen sowie die planerische Festsetzung überwiegend auf der Gebäude-Ebene, auch wenn bekannt ist, dass die Kühlwirkung begrünter Dächer mit zunehmender Fläche steigt. Für eine stadtweite Planung von Dachbegrünung bedarf es der Integration aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Planungshilfen, die bestenfalls für verschiedene Kommunen angemessen aufbereitet werden. Der Einsatz sowie die Ausgestaltung der Planungsinstrumente ist, entgegen dem bisher etablierten Planungsverfahren mit Festsetzungen im Bebauungsplan, auch für großräumige Wirkungsziele (im Bestand) zu ermöglichen und anzupassen. Aus der Novellierung des Baugesetzbuchs und der Anforderung zur Aufstellung von Klimaanpassungskonzepten können sich neue Verfahren ergeben, die blau-grüne Infrastruktur zu stärken. Bestehende Herausforderungen wie geringe Personalkapazitäten in Kommunen, fehlende Erfahrungen bezüglich Zuständigkeiten, Finanzierung und Prozessschritten bei der Planung von Grüner Infrastruktur, die fach- und ebenenübergreifende Absprachen erfordern, müssen beispielsweise durch den Austausch und Aufbau von Netzwerken überwunden werden. Für die Umsetzung von Begrünungsmaßnahmen sollten zudem Fördermöglichkeiten, die nicht nur objektbezogene, sondern auch eine vernetzte und flächendeckende Umsetzung stärken, geschaffen werden. Methoden wie die des Geodesign zum Vergleich von räumlichen Szenarien sollten zukünftig für die Kommunikation sowie das Abwägen von Wirkungen eingesetzt werden.

Competing Interests  
The authors declare no competing interests.
Acknowledgement  
We would like to thank two anonymous reviewers for their helpful comments. The publication of this article was funded by the Open Access Fund of the Leibniz Universität Hannover.
Funding  
This work received no external funding.


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Fußnoten

1https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/Service/staedtedialog/BuGG_2Seiter_Mitglieder_Staedte2024_23.07..pdf (21.02.2025).
2nach https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/gruen/Foerderung/BuGG_Listen_und_Grafiken_01-2024_Bundesfoerderprogramme.pdf (21.02.2025) und https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/gruen/Foerderung/BuGG_Listen_und_Grafiken_01-2024_Landesfoerderprogramme.pdf (21.02.2025).
3https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/gruen/Foerderung/BuGG_Listen_und_Grafiken_01-2024_Bundesfoerderprogramme.pdf (21.02.2025) und https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/gruen/Foerderung/BuGG_Listen_und_Grafiken_01-2024_Landesfoerderprogramme.pdf (21.02.2025).
4https://de.statista.com/statistik/daten/studie/259762/umfrage/wohngebaeude-in-deutschland-nach-der-eigentumsform/ (21.02.2025).
5Vgl. die Forschungsdatenbank des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU); https://www.datanwg.de/home/aktuelles/ (21.02.2025).