Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 0034-0111 1869-4179 oekom 10.14512_rur_43_0103 Umfassende Abwägungsverfahren im Vorfeld komplexer Investitionsvorhaben Ein Anwendungsmodell für eine erweiterte Umweltverträglichkeitsprüfung Kummerer Klaus Prof. Straßer Helmut Dr. Windelberg Jens Prof. Dr. c/o ARSU Artillerieweg 382900 Oldenburg Deutschland 43 1 18 26 1985 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY). Zusammenfassung

Umfassende Abwägungsverfahren, wie sie bei erweiterten Umweltverträglichkeitsprüfungen auf der Basis des EG-Richtlinien-Entwurfs unumgänglich werden, haben sich mit einer Mehrzahl von Problembereichen auseinanderzusetzen:

Argumentations- und Akzeptanz- sowie Darstellungs- und Verständigungsproblemen, aufgrund der Vielzahl heterogener, kaum vergleichbarer quantitativ und/oder qualitativ erfaßter Indikatoren und deren unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben,

Prognose- und Zielbestimmungsproblemen, aufgrund der indikatorenspezifisch unterschiedlichen Einschätzung möglicher Verlaufsentwicklungen bei gleichzeitig differierenden zeitlichen und räumlichen Bezugsdimensionen, sowie dem unvermittelten Nebeneinander von generellen bzw. regions-/problemspezifischen Zielsetzungen,

Verfahrens- und Vollzugs- sowie Beteiligungsproblemen, aufgrund der bisherigen Dominanz weitgehend behördeninterner Informationsgewinnungs‑, Abwägungs- und Entscheidungsprozesse, ohne hinreichende Verankerungen im politischen Entscheidungs- und Verantwortungsbereich und einer problemangemessenen offenen Betroffenenbeteiligung.

Das hier vorgestellte Anwendungsmodell für eine erweiterte Umweltverträglichkeitsprüfung versucht einen integralen Lösungsansatz zur Bewältigung der genannten Problemfelder aufzuzeigen. Mit Hilfe systemar-funktionaler (nicht medialer) Betrachtungsweisen in Form von Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen werden die Auswirkungen komplexer Investitionsvorhaben beschrieben und gleichgewichtig ökologische, ökonomische und sozio-demographische Tatbestände in den Abwägungsvorgang integriert. Die projekt-spezifischen Akteure bewirken dabei positiv und/oder negativ zu bewertende Veränderungen bei den regions-spezifischen Akzeptoren, wobei die Abwägung und Bewertung auf zwei Ebenen erfolgt: Die akzeptorenbezogenen Indikatorveränderungen werden unter Bezug auf einen regionstypspezifischen Beurteilungsmaßstab (Normalwertsetzung) im Zeitverlauf erfaßt, bewertet und in ein integrales Beurteilungsprofil übertragen. Desgleichen können zum jeweiligen Erfassungszeitpunkt über ziel- bzw. funktionsspezifische Teilgruppenbildungen aus der Summe der Akzeptoren unterschiedliche Gewichtungen in den Bewertungsprozeß

Anmerkungen Vgl. Beckmann, A.: Konzept und Praxis der Umweltverträglichkeitsprüfung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Öko-Institut (Hrsg.): Wege aus einer zerstörten Umwelt – Zeitbombe Umweltzerstörung. – Fellbach 1982. Vgl. u. a. Öko-Institut (Hrsg.): Wege aus einer zerstörten Umwelt – Zeitbombe Umweltzerstörung, a. a. O. Menke-Glückert, P.: UVP – Instrument zur Steuerung des technischen Fortschritts, zur Sicherung einer langfristigen lebenswerten Umwelt. In: Bechmann, A. (Hrsg.): Die Umweltverträglichkeitsprüfung – ein Planungsinstrument ohne politische Relevanz? Schriftenreihe des FB Landschaftsentwicklung der TU Berlin, Nr. 9, 1982. Rosenkranz, D.: Erfahrungen mit der Umweltverträglichkeitsprüfung – Gibt es ein Verfahrensdenzit? In: Bechmann, A. (Hrsg.): Die Umweltverträglichkeitsprüfung, a. a. O. Bechmann, A.: Konzept und Praxis der Umweltverträglichkeitsprüfung in der Bundesrepublik Deutschland, a. a. O., S. 11. Höpner T., Kummerer K., Schuller D., Straßer H., Windelberg J.: Handlungsanweisungen für eine integrierte Umweltverträglichkeitsprüfung unter Berücksichtigung ökologischer und sozioökonomischer Kriterien. Im Hinblick auf kostenorientierte Industrieansiedlungsprojekte, (Forschungsstudie im Auftrag des Umweltbundesamtes – FKZ 109020111), Oldenburg 1983. Dito, S. 33. U. a. zusammenfassende Umweltuntersuchung zum Dollarthafen-Projekt in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Prognose (im Auftrag des Niedersächsischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr und in Abstimmung mit dem Umweltbundesamt Berlin).