In der Schweiz wie auch in vielen anderen europäischen Ländern steht die Wohnraumfrage im Zentrum gesellschaftlicher und politischer Debatten. In vielen Städten ist der Wohnraum knapp, die Mieten steigen, und die Suche nach bezahlbaren Wohnungen wird zunehmend schwierig (Willimann/Lienhard/Gmünder et al. 2024: 8). Gleichzeitig steigt der Wohnflächenkonsum pro Person seit Jahrzehnten stetig an und liegt aktuell in der Schweiz bei 46,6 m2 pro Person (Bundesamt für Statistik 2025a) – ein Trend, der die Knappheit weiter verschärft und den Druck auf die Siedlungsentwicklung erhöht (Kellenberger/Giezendanner 2023: 10).
Mit der Revision des Raumplanungsgesetzes1 von 2014 wurde die Einzonung neuen Baulands in der Schweiz stark eingeschränkt. Seither gilt das Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung (ARE 2018: 10). Damit rückt die effiziente Nutzung des bestehenden Siedlungsraums in den Fokus der Raumplanung (Hermann/Heye/Bosshardt et al. 2025: 9). Verdichtungsanstrengungen wie kompaktere Bauformen sind wichtige Instrumente. Doch sie allein reichen nicht aus, solange der individuelle Wohnflächenkonsum hoch bleibt.
Der Wohnflächenkonsum ist auch aus klimapolitischer Perspektive bedeutsam. Mit weniger Wohnfläche pro Person können Energie eingespart und CO2-Emissionen im Gebäudesektor gesenkt werden (Thomas/Thema/Brischke et al. 2019: 1140). Die Wohnfläche wird so zu einer Frage der Nachhaltigkeit und nicht nur der Flächeneffizienz.
Trotz dieser Relevanz ist bislang wenig darüber bekannt, warum Menschen unterschiedlich viel Wohnraum beanspruchen. Frühere Studien konzentrierten sich vor allem auf strukturelle und ökonomische Einflussgrößen (Delbiaggio/Wanzenried/Mowers 2018; Weber 2020). Die vorliegende Arbeit erweitert diesen Ansatz, indem sie subjektive Wohnpräferenzen berücksichtigt und deren Einfluss auf den Flächenkonsum empirisch überprüft.
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Welche haushalts-, wohnungs- und gemeindespezifischen Faktoren stehen im Zusammenhang mit dem individuellen Wohnflächenkonsum von Mieterhaushalten in der Deutschschweiz?
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In welchem Ausmaß beeinflussen subjektive, flächenrelevante Wohnpräferenzen den Wohnflächenkonsum, und besitzen sie eine eigenständige Erklärungskraft neben klassischen sozioökonomischen Einflussgrößen?
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Der innovative Beitrag der Studie liegt in der Verbindung klassischer ökonomischer Ansätze mit einer verhaltens- und präferenzbasierten Perspektive. Auf der Basis einer Onlinebefragung in Agglomerationsgemeinden der deutschsprachigen Schweiz wendet die Studie eine multiple lineare Regressionsanalyse zur Quantifizierung der Einflussgrößen an.
Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Kapitel 2 stellt den theoretischen Rahmen sowie den Forschungsstand dar. Kapitel 3 beschreibt die Datengrundlage und das methodische Vorgehen. Kapitel 4 präsentiert die Ergebnisse der Regressionsanalyse. In Kapitel 5 werden die zentralen Befunde diskutiert, Schlussfolgerungen für eine flächeneffiziente Wohnraumentwicklung abgeleitet und Ansatzpunkte für die weitere Forschung aufgezeigt.
Der Wohnflächenkonsum von Mieterinnen und Mietern in Mehrfamilienhäusern wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus individuellen Präferenzen, sozioökonomischen Faktoren und Haushaltszusammensetzung sowie Wohnungsangebot und Remanenzeffekten beeinflusst.
Empirische Studien zeigen, dass mit abnehmender Haushaltsgröße der Wohnflächenkonsum pro Person steigt. Kleinere Haushalte beanspruchen im Durchschnitt mehr Quadratmeter pro Person als größere Haushalte (Delbiaggio/Wanzenried/Mowers 2018: 318; Jin/Zhang 2021: 617). Bei Singles ist der Wohnflächenkonsum deutlich höher im Vergleich zu anderen Haushaltsstrukturen, etwa bei Paaren mit Kindern (Haase/Kabisch/Haase 2013: 6; Cludius/Noka/Galster et al. 2022: 22).
Die Entwicklung zeigt, dass die zusammengefasste Geburtenziffer und damit die Anzahl der Kinder pro Haushalt in den letzten Jahrzehnten stetig abnimmt.2 Gleichzeitig nimmt die Zahl der Haushalte stärker zu, als die Bevölkerung wächst (Bradbury/Peterson/Liu 2014: 78; Haase/Kabisch/Haase 2013: 3; Moura/Smith/Belzer 2015: 12; Esteve/Pohl/Becca et al. 2024), was mit einer prozentualen Zunahme kleinerer Haushalte einhergeht (Haase/Kabisch/Haase 2013: 6; Bradbury/Peterson/Liu 2014: 76). Diese Entwicklung ist ein wesentlicher Treiber für den Anstieg der Pro-Kopf-Wohnfläche, denn durch die Abnahme von Mehrkinderhaushalten und Zunahme von Haushalten mit wenigen oder keinen Kindern stieg der Wohnflächenkonsum weitaus stärker an, als dieser unter dem Einfluss von Wohlstand angestiegen wäre (Waltersbacher 2018: 308). Ein Grund dafür ist, dass die in einem Haushalt gemeinschaftlich genutzten Räume nicht proportional mit der Anzahl der Zimmer wachsen oder schrumpfen. Das heißt, dass beispielsweise die Küche und das Badezimmer über eine gewisse Grundfläche verfügen müssen. Entsprechend werden diese Flächen mit einer Reduktion der Zimmerzahl nicht proportional kleiner (Weber 2020: 271; Jin/Zhang 2021: 617; Wegener/Fedkenheuer/Drexler et al. 2024: 27). Neben der Tendenz zu weniger Kindern pro Haushalt ist unter anderem auch eine mangelhafte Übereinstimmung zwischen Wohnflächenkonsum und subjektivem Wohnflächenbedarf für den wachsenden Wohnflächenkonsum verantwortlich (Delbiaggio/Wanzenried 2016: 2).
Verschiedene Studien zeigen zudem, dass mit zunehmendem Alter der Wohnflächenkonsum pro Person steigt (Deschermeier/Henger 2015: 25; Waltersbacher 2018: 311; Hein/Kuhnimhof 2026: 580). Laut der Studie von Hein und Kuhnimhof (2026: 580) zu deutschen Haushalten ist der Anstieg im Alter zwischen 19 und 30 Jahren – was mit einer Familiengründung oder -erweiterung zusammenhängen kann (Lehner/Hohgardt/Umbricht 2023: 3) – sowie ab dem 40. Lebensjahr am stärksten, während er zwischen 31 und 40 Jahren, je nach betrachteter Kohorte, nur leicht steigt oder stagniert. Weber (2020: 277) hingegen ermittelte anhand von äquivalenzgewichteten Wohnflächen den größten relativen Zuwachs bei Paaren im Rentenalter, was bedeutet, dass bei einer alternden Bevölkerung, wie wir sie zurzeit in Europa (European Commission 2023: 11) und der Schweiz erleben, der Wohnflächenkonsum pro Person insgesamt zunimmt (Deschermeier/Henger 2015: 25). Laut Waltersbacher (2018: 311) beispielsweise liegt die Wohnfläche in Mietwohnungen bei Haushaltvorständen unter 25 Jahren bei 32,5 m2 und bei den über 75-Jährigen bei 56 m2 pro Person, was unter anderem auf Remanenzeffekte zurückzuführen ist. Die Zunahme der Wohnfläche zeigt sich auch über die Generationen hinweg. Später Geborene konsumieren im Vergleich zu früher Geborenen im gleichen Alter deutlich mehr Wohnfläche pro Person (Deschermeier/Henger 2015: 25; Hein/Kuhnimhof 2026: 580), was mit steigendem Wohlstand sowie einer Abnahme von Mehrpersonenhaushalten und einer Zunahme von Paar- und Einpersonenhaushalten erklärt werden kann.
Bei Mieterinnen und Mietern wird der Wohnflächenkonsum stark durch Haushaltsstruktur, Kosten und Angebot beeinflusst. Zudem beeinflusst das Einkommen, ob Präferenzen eher realisiert werden können. Entsprechend ist die Passung zwischen den Präferenzen und den Wohnungsmerkmalen bei Höherverdienenden größer (Li/Auchincloss/Rodriguez et al. 2020: 70). Insgesamt kann festgestellt werden, dass mit steigendem Einkommen die Raumansprüche und die Wohnfläche pro Person steigen (Rössel/Hoelscher 2012: 319; Ahmad 2015: 113; Cludius/Noka/Galster et al. 2022: 22). Gleichzeitig haben die Mietkosten einen deutlich hemmenden Effekt auf den Wohnflächenkonsum (Jin/Zhang 2021: 616). Zum Zusammenhang zwischen den Präferenzen von Mieterinnen und Mietern in Bezug auf die Ausstattung mit dem Wohnflächenkonsum gibt es vergleichsweise wenige Studien. Die bisherige Forschung untersucht flächenrelevante Wohnpräferenzen überwiegend anhand einzelner Wohnqualitäten. Ein etablierter zusammengesetzter Index zur systematischen Erfassung flächenrelevanter Wohnpräferenzen liegt nach Kenntnis der Autorinnen und Autoren dieses Beitrags bislang nicht vor. Laut Karlen, Pagani und Binder (2022: 1386) gibt es eine Präferenz für flächenmäßig größere Wohnungen oder Präferenzen, die einen Einfluss auf die Fläche einer Wohnung haben können, wie etwa der Wunsch nach einer großen Küche, einem Esszimmer plus einem Wohnzimmer sowie größere Schlafzimmer und Badezimmer (Jang/Kim/Kim et al. 2023: 3283). Bei Umzügen zeigt sich, dass diese oft mit einer Vergrößerung der Wohnung sowie mehr Wohnfläche pro Person einhergehen (Karlen/Pagani/Binder 2022: 1377; Lehner/Hohgardt/Umbricht 2023: 35). Zwischen der Anzahl der Zimmer und der Wohnzufriedenheit besteht sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein positiver Zusammenhang, allerdings lediglich bis zu einem bestimmten Punkt (3,9 Zimmer pro Person für Männer und 3,6 für Frauen) (Foye 2017: 437). Angesichts einer zunehmend mobilen und flexibleren Arbeitsweise dient die Wohnung vermehrt auch als Arbeitsort und dies über die Pensionierung hinaus (Lehner/Hohgardt/Umbricht 2024: 2). Entsprechend braucht es zusätzlichen Platz für das Homeoffice in der Wohnung, was den Flächenkonsum erhöht. Teleworkers, also Personen, die regelmäßig zu Hause arbeiten, verbrauchen im Durchschnitt 6 m2 mehr Wohnfläche pro Person (Z’Rotz/Wanzenried/Amstutz 2026: 6).
In Städten und zentralen Lagen ist der Pro-Kopf-Wohnflächenkonsum meist geringer als im suburbanen oder ländlichen Raum, wo größere Wohnungen und geringere Dichten vorherrschen. Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass Mieterinnen und Mieter in zentralen Lagen oft kleinere Wohnungen akzeptieren, um nebst den bezahlbareren Mieten von besserer Erreichbarkeit und Infrastruktur zu profitieren (Lau/Wei 2018: 284; Leung/Yiu 2022: 412). In peripheren oder weniger erschlossenen Gebieten ist der Flächenkonsum pro Person dagegen tendenziell höher, da dort größere Wohnungen günstiger verfügbar sind (Yip/La Grange/Forrest 2009: 773).
Der Wohnflächenkonsum ist auch angebotsseitig begründet. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die durchschnittliche Wohnungsfläche in Mehrfamilienhäusern in der Schweiz über die Jahre immer größer wurde. Während sie bei Gebäuden mit Baujahr vor 1946 84 m2 betrug, liegt sie bei Gebäuden mit Baujahr nach 2000 bei 105 m2 (Bundesamt für Statistik 2022: 10). Die durchschnittliche Wohnungsfläche ist jedoch in den letzten Jahren rückläufig, was darin begründet ist, dass seit 2011 prozentual mehr 1‑, 2‑ und 3‑Zimmer-Wohnungen gebaut wurden und weniger Wohnungen mit vier, fünf und sechs Zimmern im Vergleich zu den Jahren davor (Bundesamt für Statistik 2025b). Auch die Gestaltung der Grundrisse kann einen Einfluss auf die Wohnungsfläche haben. Anhand einer Fallstudie haben Amstutz, Delbiaggio und Wanzenried (2018) untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Grundrisseigenschaften und der Wohnfläche besteht. Im Ergebnis zeigte eine induktive statistische Analyse, dass die Erschließung der Zimmer über einen Korridor sowie ein durchgehender Grundriss in einem Zusammenhang mit einer größeren Hauptnutzfläche der Wohnungen stehen. Die optische Abtrennung des Wohnbereichs von der Küche korreliert hingegen mit einer geringeren Wohnungsfläche (Amstutz/Delbiaggio/Wanzenried 2018: 240). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine offene Küche, die in den Wohnbereich integriert ist, tendenziell mehr Fläche verbraucht.
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird ein multiples lineares Regressionsmodell zur Erklärung des individuellen Wohnflächenkonsums eingesetzt. Dieses Kapitel beschreibt zunächst die Datengrundlage, anschließend das Regressionsmodell und die verwendeten Variablen sowie abschließend die deskriptiven Statistiken der Stichprobe.
Die empirischen Analysen basieren auf einem Datensatz aus einem Forschungsprojekt zur Planung flächeneffizienter Mietwohnungen. Im Rahmen des Projekts wurde untersucht, inwiefern Haushalte bereit sind, Wohnfläche zugunsten anderer Wohnqualitäten zu reduzieren. Grundlage bildet eine im November 2022 durchgeführte Onlinebefragung von Mieterhaushalten in Mehrfamilienhäusern der deutschsprachigen Schweiz, die über ein Marktforschungsinstitut rekrutiert wurden.
Befragt wurden Haushalte in 3‑ bis 5,5-Zimmer-Wohnungen in Agglomerationsgemeinden mit städtischem Charakter sowie in periurbanen Gemeinden in der deutschsprachigen Schweiz gemäß Definition des Bundesamtes für Statistik (2017). Die Beschränkung auf Wohnungen mit mindestens drei Zimmern erfolgte, weil die untersuchten Wohnpräferenzen – etwa hinsichtlich Homeoffice, Hobbys oder zusätzlichem Stauraum – ein Mindestmaß an funktionaler Differenzierung der Wohnung voraussetzen und sich in Ein- und Zweizimmerwohnungen nur eingeschränkt abbilden lassen.
Der Fokus auf Agglomerationsgemeinden ergibt sich daraus, dass dort ein großer Teil der Bevölkerung lebt und diese Gemeinden zugleich über das größte bauliche Entwicklungspotenzial verfügen. Zur Ausklammerung altersbezogener Wohnfragen wurden nur Haushalte einbezogen, in denen die älteste Person höchstens 65 Jahre alt ist, da Wohnen im Alter mit spezifischen Fragestellungen – etwa im Zusammenhang mit altersgerechtem Wohnen, Remanenz- und Lock-in-Effekten oder veränderten Wohnbedürfnissen – verbunden ist und nicht Gegenstand des zugrunde liegenden Forschungsprojekts war. Diese altersmäßige Eingrenzung erfolgte, um eine möglichst homogene Untersuchungsgruppe zu analysieren und die Vergleichbarkeit der beobachteten Wohnpräferenzen sicherzustellen.
Die Ergebnisse beziehen sich daher auf dieses Marktsegment und können nicht ohne Weiteres auf ältere Haushalte, Ein- und Zweizimmerwohnungen, Einfamilienhäuser, Wohneigentum oder ländliche Regionen übertragen werden. Der Fragebogen wurde von einer Person ausgefüllt, die den Mietvertrag (mit)unterzeichnet hat, und sollte die Perspektive des gesamten Haushalts widerspiegeln.
Die Stichprobe wurde quotenbasiert nach Wohnungsgröße gezogen, um eine schweizweit vergleichbare Verteilung zu erreichen (40 % 3‑ bis 3,5-Zimmer-Wohnungen, 40 % 4‑ bis 4,5-Zimmer-Wohnungen und 20 % 5‑ bis 5,5-Zimmer-Wohnungen). Die Umfrage blieb bis zum Erreichen der vorgegebenen Quoten geöffnet. Die Beendigungsquote betrug 79,4 %, wodurch insgesamt 969 Haushalte erhoben wurden.
Der Fragebogen umfasste verschiedene Aspekte des Wohnens, darunter die Wohnzufriedenheit, die Raumnutzung, räumliche und funktionale Wohnbedürfnisse sowie Präferenzen hinsichtlich der Wohnung, des Wohnumfelds und der Erreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs. Ergänzend wurden Einstellungen zur Wohnungsgröße, gemeinschaftlichen Nutzung und Flächenoptimierung, zu Grundrissexperimenten und zu unterschiedlichen Wohnungslayouts sowie soziodemographische Merkmale der Haushalte erhoben.
Zur Sicherstellung der Datenqualität wurden mehrere Bereinigungsschritte vorgenommen. So wurden Wohngemeinschaften (49 Fälle), Fragebögen ohne Angaben der Wohnungsfläche (sieben Fälle) und durchwegs unplausible Angaben (ein Fall) ausgeschlossen. Des Weiteren wurden zur Sicherstellung der Modellgüte Einpersonenhaushalte mit einer Wohnfläche von 120 m2 oder mehr aus der Analyse ausgeschlossen (28 Fälle). Diese Beobachtungen weisen im Vergleich zur restlichen Stichprobe atypisch hohe Flächenwerte pro Person auf und können durch die im Regressionsmodell berücksichtigten Prädiktoren nicht adäquat erklärt werden. Aufgrund ihres erheblichen Einflusses auf die Residuenstruktur verletzen sie zentrale Modellannahmen, insbesondere die Normalverteilung und Homoskedastizität der Residuen. Diese Beobachtungen wurden daher als Ausreißer identifiziert und vom Gültigkeitsbereich des Modells ausgenommen. Der finale Datensatz umfasst schließlich 884 Haushalte.
Zur Analyse des individuellen Wohnflächenkonsums wird ein multiples lineares Regressionsmodell geschätzt. Die abhängige Variable ist der logarithmierte Wohnflächenkonsum pro Person (Ln Wohnfläche pro Person). Als erklärende Variablen werden haushalts-, sozioökonomische, wohnungs-, präferenz- und gemeindespezifische Merkmale berücksichtigt. Die Operationalisierung der Variablen wird im folgenden Kapitel beschrieben.
Die Schätzung erfolgt mittels Ordinary Least Squares (OLS). Zur Auswahl der optimalen Modellspezifikation wird das korrigierte Akaike-Informationskriterium (AIC) verwendet, das einen Kompromiss zwischen Modellgüte und Komplexität herstellt. Modelle mit tieferem AIC-Wert werden bevorzugt, da sie eine bessere Balance zwischen Erklärungsleistung und Überanpassung bieten (Burnham/Anderson 2002). Auf dieser Grundlage wurde die endgültige Modellspezifikation bestimmt. Da der Breusch-Pagan-Test (p = 0,027) auf leichte Heteroskedastizität hinweist, werden robuste Standardfehler verwendet.
Variablenname | Ausprägung | Definition | N | Anteile in % bzw. Mittelwert |
|---|---|---|---|---|
Haushalt | ||||
Paar- oder Einzelperson | Paarhaushalte und Nicht-Paarhaushalte unabhängig vom Vorhandensein von Kindern | |||
Nicht-Paarhaushalt [1] | – Einpersonenhaushalt (Single) – Einelternhaushalt | 255 | 29 | |
Paarhaushalt [2] | – Paarhaushalt ohne Kinder – Paarhaushalt mit Kindern | 629 | 71 | |
Anzahl Kinder | Anzahl Kinder im Haushalt je Alterskategorie | |||
Kinder 18 und älter | Anzahl Kinder 18 Jahre und älter | 95 | 14 | |
Kinder 14 bis 17 | Anzahl Kinder von 14 bis 17 Jahren | 80 | 12 | |
Kinder 0 bis 13 | Anzahl Kinder von 0 bis 13 Jahren | 487 | 74 | |
Äquivalenzeinkommen | Äquivalenzgewichtetes Haushaltseinkommen pro Jahr (Division des verfügbaren Haushaltseinkommens durch die OECD-modifizierte Äquivalenzskala) | |||
niedriga) | Niedrige Kategorie des äquivalenzgewichteten Haushaltseinkommens (nein = 0; ja = 1) | 245 | 28 | |
mittel | Mittlere Kategorie des äquivalenzgewichteten Haushaltseinkommens (nein = 0; ja = 1) | 527 | 60 | |
hoch | Hohe Kategorie des äquivalenzgewichteten Haushaltseinkommens (nein = 0; ja = 1) | 112 | 13 | |
Bildung | Bildungsniveau der Person, die den Fragebogen ausgefüllt hat | |||
niedriges Bildungsniveau a) | – Obligatorische Schulbildung – Sekundarstufe I – Keine abgeschlossene Berufsausbildung | 384 | 43 | |
Bildungsniveau Sekundarstufe II | – Berufliche Grundbildung – Gymnasiale Maturität – Fachmittelschule | 303 | 34 | |
tertiäres Bildungsniveau | – Universitäre Bildung – Fachhochschulen – Pädagogische Hochschulen – Höhere Berufsbildung | 197 | 22 | |
Wohnung | ||||
Anzahl Zimmer | Anzahl Räume der Wohnung (inklusive Wohnraum, ohne Küche und Badzimmer) | |||
3 bis 3,5 Zimmer a) | Wohnungen mit 3 Räumen | 358 | 40 | |
4 bis 4,5 Zimmer | Wohnungen mit 4 Räumen | 363 | 41 | |
5 bis 5,5 Zimmer | Wohnungen mit 5 Räumen | 163 | 18 | |
Zufriedenheit mit Wohnfläche | Bewertung der Fläche (Größe in m2) der Wohnung | |||
zu klein a) | Der Haushalt empfindet die Wohnungsfläche als zu klein | 220 | 25 | |
gerade richtig | Der Haushalt empfindet die Wohnungsfläche als gerade richtig | 634 | 72 | |
zu groß | Der Haushalt empfindet die Wohnungsfläche als zu groß | 30 | 3 | |
Zimmeranzahl auf gleicher Fläche | Wunsch nach Anzahl der Zimmer der gegebenen Wohnfläche | |||
… weder noch (gleiche Zimmerzahl auf gleicher Fläche) a) | Haushalt ist zufrieden mit der Anzahl der Zimmer auf der gegebenen Wohnfläche. | 628 | 71 | |
… ein Zimmer mehr auf der gleichen Fläche | Haushalt möchte ein Zimmer mehr auf der gegebenen Wohnfläche | 166 | 19 | |
… ein Zimmer weniger auf der gleichen Fläche | Haushalt möchte ein Zimmer weniger auf der gegebenen Wohnfläche | 90 | 10 | |
Homeoffice in Wohnung | Wohnung wird als Homeoffice genutzt (nein = 0/ja = 1) | |||
Nein a) | Wohnung wird nicht für Homeoffice genutzt | 334 | 38 | |
Ja | Wohnung wird für Homeoffice genutzt | 550 | 62 | |
Hobbys in Wohnung | Wohnung wird für die Ausübung des Hobbys genutzt (nein = 0; ja = 1) | |||
Nein a) | Wohnung wird nicht für Hobbys genutzt | 365 | 41 | |
Ja | Wohnung wird für Hobbys genutzt | 519 | 59 | |
Nutzung externer Räume | Nutzung von Räumen außerhalb der Wohnung (nein = 0; ja = 1) | |||
Nein a) | Haushalt nutzt keine Räume außerhalb der Wohnung für Homeoffice oder Hobbys | 758 | 86 | |
Ja | Haushalt nutzt Räume außerhalb der Wohnung für Homeoffice oder Hobbys | 126 | 14 | |
Präferenzen | ||||
Index 100 | 0 bis 100 | Index zur Abbildung der individuellen Wohnpräferenzen eines Haushalts auf Basis der von den Befragten angegebenen gewünschten Wohnmerkmale; höhere Werte stehen für flächenintensivere Wohnorientierungen (von flächensparend (0) bis flächenintensiv (100)) | 884 | 40,30 |
Gemeindetypologie | ||||
Gemeindetypologie (6 von 9 verwendet) | Gemeindetypologie gemäß Bundesamt für Statistik (2017) (nein = 0; ja = 1) | |||
Städtische Gemeinde einer großen Agglomeration a) | Die Wohnung befindet sich in einer städtischen Gemeinde einer großen Agglomeration | 251 | 28 | |
Städtische Gemeinde einer mittelgroßen Agglomeration | Die Wohnung befindet sich in einer städtischen Gemeinde einer mittelgroßen Agglomeration | 247 | 28 | |
Städtische Gemeinde einer kleinen oder außerhalb einer Agglomeration | Die Wohnung befindet sich in einer städtischen Gemeinde einer kleinen oder außerhalb einer Agglomeration | 94 | 11 | |
Periurbane Gemeinde hoher Dichte | Die Wohnung befindet sich in einer periurbanen Gemeinde hoher Dichte | 71 | 8 | |
Periurbane Gemeinde mittlerer Dichte | Die Wohnung befindet sich in einer periurbanen Gemeinde mittlerer Dichte | 166 | 19 | |
Periurbane Gemeinde geringer Dichte | Die Wohnung befindet sich in einer periurbanen Gemeinde geringer Dichte | 55 | 6 | |
Variablenname | Mittelwert | Median | Standardabweichung | Min | Max |
|---|---|---|---|---|---|
Wohnfläche pro Person | 48,90 | 43 | 22,17 | 15 | 118 |
Ln (Wohnfläche pro Person) | 3,79 | 3,76 | 0,45 | 2,71 | 4,77 |
Paarhaushalte und Nicht-Paarhaushalte unabhängig vom Vorhandensein von Kindern | 1,71 | 2 | 0,45 | 1 | 2 |
Kinder 18 und älter | 0,11 | 0 | 0,36 | 0 | 3 |
Kinder 14 bis 17 | 0,09 | 0 | 0,33 | 0 | 2 |
Kinder 0 bis 13 | 0,55 | 0 | 0,86 | 0 | 4 |
Index Flächenrelevante Präferenzen (Index 100) | 40,30 | 42,86 | 20,38 | 0 | 100 |
Als zentrale haushaltsspezifische Einflussgrößen wurden die Haushaltszusammensetzung und die Anzahl der Kinder aufgenommen, die sich aus vier Personenkategorien ergibt: Die Variable ‚Paar- oder Einzelperson‘ unterscheidet zwischen Paarhaushalten und Nicht-Paarhaushalten unabhängig vom Vorhandensein von Kindern. Kinder wurden additiv über separate Variablen nach Alterskategorien berücksichtigt, um differenzierte Effekte der Haushaltszusammensetzung abzubilden. Die Variable ‚Anzahl Kinder‘ differenziert drei Alterskategorien: Kinder ab 18 Jahren, 14 bis 17 Jahre sowie unter 14 Jahren. Diese drei Kategorien wurden in Anlehnung an die modifizierte OECD-Äquivalenzskala (Eurostat 2021) gebildet. Darin werden Haushaltsmitglieder zur Berechnung des Äquivalenzeinkommens nach ihrem Alter gewichtet, wobei zwischen der ältesten Person im Haushalt, Kindern ab 14 Jahren und unter 14 Jahren unterschieden wird. Die Kategorie der Kinder ab 18 Jahren wurde zusätzlich eingeführt, um volljährige Kinder im Haushalt abzubilden. Für die Variable ‚Anzahl Kinder‘ wurde eine Wurzeltransformation verwendet, um nichtlineare Zusammenhänge abzubilden, wie sie in der Literatur üblich sind (vgl. Nelson/Startz 1990; Wooldridge 2010; Steele/Zhang/Grundy et al. 2024).
Zur Abbildung der finanziellen Lage und wirtschaftlichen Kapazität der Haushalte wurde das äquivalenzgewichtete Haushaltseinkommen in drei Kategorien (niedrig, mittel, hoch) herangezogen. Es basiert auf dem Bruttohaushaltseinkommen unter Beachtung der Haushaltszusammensetzung gemäß der OECD-modifizierten Äquivalenzskala (Gewichtung: 1,0 für den ersten Erwachsenen, 0,5 für weitere Haushaltsmitglieder ab 14 Jahren und 0,3 für Kinder unter 14 Jahren), wodurch die Einkommenssituation eines Haushalts unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße angemessen abgebildet wird (Voorpostel/Tillmann/Lebert et al. 2022: 58).
Die Variable ‚Bildung‘ erfasst das Bildungsniveau der Person, die die Onlinebefragung ausgefüllt hat und unterscheidet anhand der höchsten abgeschlossenen Ausbildung drei Kategorien: niedriges Bildungsniveau, Bildungsniveau Sekundarstufe II sowie tertiäres Bildungsniveau.
Auf der Ebene der Wohnungsmerkmale und Wohnpräferenzen wurden mehrere Indikatoren ausgewählt. Die Variable ‚Anzahl Zimmer‘ beschreibt die Zimmeranzahl der Mietwohnung. Die Variable ‚Zufriedenheit mit Wohnfläche‘ differenziert zwischen ‚zu klein‘, ‚gerade richtig‘ und ‚zu groß‘. Die Variable ‚Zimmeranzahl auf gleicher Fläche‘ zeigt, ob es einen Wunsch nach mehr oder weniger Zimmern auf der gleichen Wohnfläche gibt.
Darüber hinaus wird die Nutzung der Wohnung für Homeoffice und Hobbys sowie die Nutzung von Räumen außerhalb der Wohnung berücksichtigt. Während Homeoffice häufig mit zusätzlichen räumlichen Anforderungen verbunden ist, können die Raumansprüche von Hobbys je nach Art der Aktivität stark variieren. Für alle drei Nutzungsformen wird daher ein möglicher Zusammenhang mit dem Wohnflächenkonsum untersucht.
Verschiedene Präferenzen können einen Einfluss darauf haben, ob sich Mieterinnen und Mieter eher für eine flächenmäßig größere oder kompaktere Wohnung entscheiden, unabhängig von allfälligen Restriktionen aufgrund von Mietkosten und Wohnungsangeboten. Der Präferenzindex erfasst individuelle Präferenzen für Wohnqualitäten, deren Realisierung typischerweise zusätzliche Wohnfläche benötigt. Er bildet nicht die allgemeine Wohnqualität oder Wohnzufriedenheit ab, sondern ausschließlich die flächenrelevanten Ausprägungen individueller Wohnpräferenzen. Zur Operationalisierung dieses Konstrukts wurde aus den Umfrageergebnissen der Präferenzindex ‚Index100‘ als zentrale erklärende Variable entwickelt. Er misst die flächenrelevante Wohnorientierung eines Haushalts auf einer Skala von 0 (betont flächensparende Präferenzen) bis 100 (flächenintensive Präferenzen).
Die Befragten gaben somit an, welche Wohnmerkmale ihnen grundsätzlich wichtig sind, unabhängig davon, ob ihre aktuelle Wohnung diese Merkmale bereits aufweist. Da bislang kein etablierter und validierter Index zur Erfassung flächenrelevanter Wohnpräferenzen von Mieterhaushalten vorliegt, wurde für diese Studie ein neuer zusammengesetzter Index entwickelt. Einzelne Komponenten sind in der Literatur als flächenrelevante Wohnqualitäten dokumentiert, beispielsweise Homeoffice (Z’Rotz/Wanzenried/Amstutz 2026), großzügige Küchen- und Wohnbereiche (Karlen/Pagani/Binder 2022; Jang/Kim/Kim et al. 2023) sowie zusätzliche Räume innerhalb der Wohnung (z. B. Foye 2017). Die ausgewählten Komponenten repräsentieren unterschiedliche funktionale und nutzungsbezogene Anforderungen an die Wohnung oder die Ausstattung (unter anderem Größe des Wohnzimmers, Nutzung der Wohnung für die Arbeit oder für Hobbys, Stauraum). Ihre Zusammenführung zu einem Index erfolgt aufgrund ihres gemeinsamen theoretischen Bezugs zum Konstrukt der flächenrelevanten Wohnpräferenzen.
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Präferenz für eine gemeinschaftliche Waschküche oder eine Waschmaschine in der Wohnung
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Präferenz für die Größe der Küche (gemessen an der Anzahl der Küchenelemente relativ zur Haushaltsgröße; die Basis bildete eine Standardgröße entsprechend der Wohnungsgröße)
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Präferenz für die Größe des Ess- bzw. Haupttisches (gemessen an der Anzahl der Sitzplätze relativ zur Haushaltsgröße)
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Präferenz für die Größe des Wohnzimmers (gemessen an der Anzahl der Sitzplätze relativ zur Haushaltsgröße)
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Präferenz für ein separates Zimmer für Homeoffice
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Präferenz für ein separates Zimmer für Hobbys
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Präferenz für die Anzahl der Stauelemente (gemessen an der Anzahl der Schrankelemente pro Person relativ zur Haushaltgröße)
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Jede Komponente wurde zunächst so codiert, dass höhere Werte flächenintensivere Präferenzen anzeigen. Anschließend wurden die Variablen auf eine vergleichbare Skala normalisiert und zu einem additiven Index aggregiert. Der resultierende Summenwert wurde anschließend mittels einer linearen Transformation auf eine 0 bis 100-Skala reskaliert, wobei höhere Werte flächenintensivere Präferenzen anzeigen. Die sieben Komponenten gingen mit gleicher Gewichtung in den Index ein, da für die einzelnen Präferenzdimensionen keine belastbare theoretische oder empirische Grundlage für eine unterschiedliche Gewichtung vorlag. Die additive Aggregation mit gleichen Gewichten ermöglicht eine transparente und nachvollziehbare Operationalisierung des Konstrukts der flächenrelevanten Wohnpräferenzen. Höhere Indexwerte stehen somit für einen stärkeren Wunsch der Mietenden nach flächenmäßig größeren Wohnungen.
Schließlich wurden räumliche Kontextfaktoren über die Variable ‚BFS Gemeindetypologie‘ abgebildet, welche gemäß Definition des Bundesamtes für Statistik (2017) zwischen städtischen Gemeinden in Agglomerationen und periurbanen Gemeinden hoher bis geringer Dichte unterscheidet, um strukturelle Unterschiede im Wohnumfeld abzubilden.
Ausgewählte deskriptive Statistiken der im Regressionsmodell verwendeten Variablen sind in den Tabellen 1 und 2 dargestellt. Sie geben einen Überblick über die Verteilung zentraler Stichprobenmerkmale und ermöglichen erste Einblicke in die Wohnsituation der befragten Haushalte. Tabelle 1 enthält allgemeine sozioökonomische, wohnungs-, präferenz- und standortbezogene Charakteristika, während Tabelle 2 Variablen ausweist, die direkt mit dem Wohnflächenkonsum und der Haushaltsstruktur zusammenhängen. Die getrennte Darstellung erlaubt eine gezielte Analyse struktureller Haushaltsmerkmale sowie der Verteilung der Wohnfläche in der Stichprobe und bildet gleichzeitig die Grundlage für die nachfolgende multivariate Analyse.
Der Anteil der Einpersonenhaushalte (Singles) beträgt 20,6 %, Paarhaushalte ohne Kinder machen 34,2 % aus, während 45,2 % der Haushalte Kinder haben. Insgesamt leben im Durchschnitt 0,55 Kinder unter 14 Jahren, 0,09 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie 0,11 volljährige Kinder pro Haushalt. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt rund 2,5 Personen (Schweiz ø 2,18 Personen pro Haushalt; Bundesamt für Statistik 2025c).
72 % der Befragten empfinden ihre Wohnfläche als ‚gerade richtig‘, 25 % als ‚zu klein‘ und 3 % als ‚zu groß‘. Somit leidet rund ein Viertel der Haushalte unter wahrgenommenem Platzmangel. Hinsichtlich der Zimmeranzahl auf gleicher Fläche sind 71 % zufrieden, während 19 % ein Zimmer mehr und 10 % ein Zimmer weniger auf der gleichen Wohnungsfläche wünschen (vgl. Tabelle 1).
43 % verfügen über ein niedriges, 34 % über ein Bildungsniveau auf der Ebene der Sekundarstufe II und 22 % über ein tertiäres Bildungsniveau, was in etwa der Verteilung in Agglomerationsgemeinden der Schweiz entspricht. Die meisten Haushalte wohnen in 4‑4,5‑Zimmer-Wohnungen (41 %), gefolgt von 3‑3,5‑Zimmerwohnungen (40 %) und 5‑5,5‑Zimmerwohnungen (18 %) (vgl. Tabelle 1). Diese Verteilung ist mit der Struktur des schweizerischen Wohnungsbestands konsistent (Bundesamt für Statistik 2025d).
Die bislang beschriebenen Merkmale zeigen eine erhebliche Variabilität innerhalb der Stichprobe. Diese Heterogenität bildet eine wichtige Voraussetzung für die nachfolgenden Regressionsanalysen, da nur ausreichend variierende Einflussgrößen statistisch belastbare Zusammenhänge erkennen lassen.
Insgesamt ist die Stichprobe durch einen hohen Anteil von Zwei-Personen-Haushalten geprägt, die überwiegend in 3‑ bis 4,5-Zimmerwohnungen leben. Die hohe durchschnittliche Wohnfläche pro Person und die verbreitete Homeoffice-Nutzung deuten auf einen weiterhin hohen Flächenkonsum hin, während die Streuung bei Einkommen, Präferenzen und Gemeindetypen eine hohe Heterogenität erkennen lässt – eine gute Voraussetzung für die Identifikation statistischer Zusammenhänge in den Regressionsanalysen. Die deskriptiven Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die untersuchte Stichprobe von Mieterhaushalten unter 65 Jahren in 3‑ bis 5,5-Zimmerwohnungen in Agglomerationsgemeinden und bilden daher nicht den gesamten Schweizer Mietwohnungsbestand ab.
Abhängige Variable: Ln (Wohnfläche pro Person) | Modell 1 | Modell 2 |
|---|---|---|
Haushaltsstruktur | ||
Nicht-Paarhaushalt [1] – Einpersonenhaushalt (Single); Einelternhaushalt Paarhaushalt [2] – Paarhaushalt ohne Kinder; Paarhaushalt mit Kindern | −0,456*** (0,017) | −0,454*** (0,017) |
√(Kinder 18 und älter) | −0,442*** (0,026) | −0,436*** (0,026) |
√(Kinder 14 bis 17) | −0,353*** (0,027) | −0,351*** (0,026) |
√(Kinder 0 bis 13) | −0,437*** (0,012) | −0,436*** (0,012) |
Einkommen - Referenzkategorie: Äquivalenzeinkommen: niedrig | ||
Äquivalenzeinkommen: mittel | 0,053*** (0,016) | 0,051*** (0,016) |
Äquivalenzeinkommen: hoch | 0,115*** (0,023) | 0,113*** (0,023) |
Bildung - Referenzkategorie: niedriges Bildungsniveau | ||
Bildungsniveau Sekundarstufe II | −0,001 (0,015) | |
Tertiäres Bildungsniveau | −0,009 (0,017) | |
Wohnungsmerkmale - Referenzkategorie: Anzahl Zimmer: 3 bis 3,5 Zimmer | ||
Anzahl Zimmer: 4 bis 4,5 Zimmer | 0,171*** (0,016) | 0,168*** (0,015) |
Anzahl Zimmer: 5 bis 5,5 Zimmer | 0,323*** (0,022) | 0,315*** (0,021) |
Flächenrelevante Wohnpräferenzen (Index100) | ||
Index Flächenrelevante Präferenzen | 0,002*** (0,0004) | 0,002*** (0,0004) |
Zufriedenheit mit Zimmerzahl - Referenzkategorie: Zimmeranzahl auf gleicher Fläche: …weder noch | ||
Zimmeranzahl auf gleicher Fläche: … ein Zimmer mehr auf der gleichen Fläche | 0,017 (0,018) | |
Zimmeranzahl auf gleicher Fläche: … ein Zimmer weniger auf der gleichen Fläche | −0,035 (0,022) | |
Zufriedenheit mit Wohnfläche - Referenzkategorie: Zufriedenheit mit Wohnfläche: zu klein | ||
Zufriedenheit mit Wohnfläche: gerade richtig | 0,159*** (0,016) | 0,157*** (0,015) |
Zufriedenheit mit Wohnfläche: zu groß | 0,217*** (0,043) | 0,208*** (0,042) |
Homeoffice und Hobbys - Referenzkategorie: Homeoffice, Hobbys, Nutzung externer Räume: nein | ||
Homeoffice in Wohnung: ja | 0,037** (0,015) | 0,035** (0,015) |
Hobbys in Wohnung: ja | −0,019 (0,014) | |
Nutzung externer Räume: ja | −0,007 (0,016) | |
BFS Gemeindetypologie - Referenzkategorie: städtische Gemeinde großer Agglomeration | ||
Städtische Gemeinde einer mittelgroßen Agglomeration | 0,009 (0,017) | 0,009 (0,017) |
Städtische Gemeinde einer kleinen oder außerhalb einer Agglomeration | 0,079*** (0,022) | 0,085*** (0,022) |
Periurbane Gemeinde hoher Dichte | 0,032 (0,027) | 0,032 (0,026) |
Periurbane Gemeinde mittlerer Dichte | 0,041** (0,019) | 0,045** (0,018) |
Periurbane Gemeinde geringer Dichte | 0,108*** (0,030) | 0,113*** (0,030) |
Constant | 4,410*** (0,038) | 4,399*** (0,037) |
N | 884 | 884 |
Adjusted R2 | 0,829 | 0,829 |
Haushaltform | Anzahl Personen | Anzahl Zimmer (inklusive Wohnraum)b) | Flächenrelevante Wohnpräferenz Index100 = 40 (Durchschnitt) | Flächenrelevante Wohnpräferenz Index100 = 80 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
Fläche/Person in m2 | Fläche Wohnung in m2 | Fläche/Person in m2 | Fläche Wohnung in m2 | |||
Einpersonenhaushalt (Single) | 1 | 3 | 74 | 74 | 83 | 83 |
Einelternhaushalt mit einem Kind 14-17 Jahre | 2 | 3 | 52 | 105 | 59 | 117 |
Einelternhaushalt mit einem Kind 14-17 Jahre | 2 | 4 | 62 | 124 | 69 | 139 |
Paarhaushalt ohne Kinder | 2 | 3 | 47 | 94 | 53 | 106 |
Paarhaushalt ohne Kinder | 2 | 4 | 56 | 112 | 62 | 125 |
Paarhaushalt mit einem Kind 0‑13 | 3 | 3 | 31 | 92 | 34 | 103 |
Paarhaushalt mit einem Kind 0‑13 | 3 | 4 | 36 | 108 | 40 | 121 |
Paarhaushalt mit einem Kind 0‑13 | 3 | 5 | 42 | 126 | 47 | 140 |
Paarhaushalt mit einem Kind 18+ und einem Kind 14-17 | 4 | 4 | 25 | 102 | 28 | 114 |
Paarhaushalt mit einem Kind 18+ und einem Kind 14-17 | 4 | 5 | 29 | 118 | 33 | 132 |
Dummy Variablen | Differenz zur Referenzgröße (m2/Person) | |
|---|---|---|
Flächenrelevante Wohnpräferenz Index100 = 40 (Durchschnitt) | Flächenrelevante Wohnpräferenz Index100 = 80 | |
Einkommen - Referenzkategorie: Äquivalenzeinkommen: niedrig | ||
Äquivalenzeinkommen: mittel | + 4 m2 | + 5 m2 |
Äquivalenzeinkommen: hoch | + 9 m2 | + 11 m2 |
Zufriedenheit mit Wohnfläche - Referenzkategorie: Zufriedenheit mit Wohnfläche: zu klein | ||
Zufriedenheit mit Wohnfläche: gerade richtig | + 13 m2 | + 14 m2 |
Zufriedenheit mit Wohnfläche: zu groß | + 17 m2 | + 19 m2 |
Homeoffice - Referenzkategorie: Homeoffice: nein | ||
Homeoffice: ja | + 3 m2 | + 3 m2 |
Gemeindetypologie - Referenzkategorie: städtische Gemeinde großer Agglomeration | ||
Städtische Gemeinde einer mittelgroßen Agglomeration | + 1 m2 | + 1 m2 |
Städtische Gemeinde einer kleinen oder außerhalb einer Agglomeration | + 7 m2 | + 8 m2 |
Periurbane Gemeinde hoher Dichte | + 3 m2 | + 3 m2 |
Periurbane Gemeinde mittlerer Dichte | + 4 m2 | + 5 m2 |
Periurbane Gemeinde geringer Dichte | + 9 m2 | + 11 m2 |
Das Modell erklärt mit einem adjustierten R2 von 0,829 einen außerordentlich großen Anteil der Varianz im Pro-Kopf-Wohnflächenkonsum in der Schweiz. Die zentralen Befunde ordnen sich konsistent in den internationalen und schweizerischen Forschungsstand ein und erweitern diesen um die Berücksichtigung subjektiver Wohnpräferenzen als eigenständige Determinante des Wohnflächenkonsums.
Die Studie zeigt, dass der Wohnflächenkonsum nicht allein durch objektive Faktoren wie Einkommen oder Haushaltsgröße bestimmt wird, sondern auch durch subjektive Wohnpräferenzen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass für die Wohnzufriedenheit weniger die absolute Wohnfläche entscheidend ist als vielmehr die Passung zwischen der Wohnung und individuellen Bedürfnissen. Dies steht im Einklang mit dem Befund, dass Haushalte mit unterschiedlichen Präferenzprofilen ihre Wohnsituation unterschiedlich bewerten und ein großer Teil der Befragten die vorhandene Wohnfläche trotz unterschiedlichem Flächenkonsum als „gerade richtig“ einschätzt. Daraus ergeben sich Potenziale für flächeneffiziente Wohnformen, ohne die wahrgenommene Wohnqualität zu beeinträchtigen.
Neu ist an dieser Arbeit insbesondere, dass Wohnpräferenzen nicht nur beschreibend, sondern als erklärende Determinanten des Wohnflächenkonsums modelliert werden. Der entwickelte Index flächenrelevanter Präferenzen ermöglicht es, die individuellen Bedürfnisse an eine Wohnung quantifizierbar zu machen und damit eine Brücke zwischen psychologischer Wohnforschung und raumökonomischer Analyse zu schlagen. Dies eröffnet neue Perspektiven, um unterschiedliche Wohnmuster empirisch zu identifizieren und planerisch nutzbar zu machen.
Die Ergebnisse sind im Lichte einiger methodischer Einschränkungen zu interpretieren. Erstens basiert die Untersuchung auf einer bewusst abgegrenzten Stichprobe von Mieterhaushalten unter 65 Jahren in 3‑ bis 5,5-Zimmer-Wohnungen in Agglomerationsgemeinden der deutschsprachigen Schweiz. Die Ergebnisse beziehen sich daher auf dieses Marktsegment und können nicht ohne Weiteres auf ältere Haushalte, andere Wohnformen oder den gesamten Schweizer Wohnungsbestand übertragen werden. Zweitens beruht die Analyse auf einem Querschnittsdatensatz, der keine eindeutigen Kausalbeziehungen erlaubt. Die Ergebnisse sind daher als statistische Zusammenhänge und nicht als kausale Wirkungen zu interpretieren. Es ist denkbar, dass bestehende Wohnverhältnisse die geäußerten Präferenzen mitprägen. Drittens basiert die Untersuchung auf einer Onlinebefragung mit gezielter Stichprobensteuerung, die trotz hoher Repräsentativität potenzielle Verzerrungen hinsichtlich Haushaltsstruktur oder Einkommensverteilung nicht vollständig ausschließt. Viertens stehen keine Detailinformationen zu Grundrissgestaltung oder Gebäudecharakteristika zur Verfügung, die zusätzliche Varianz erklären könnten. Schließlich bildet der Präferenzindex komplexe Wohnorientierungen nur teilweise ab und sollte in künftigen Studien weiter verfeinert und validiert werden. Da bislang kein etablierter Index zur Erfassung flächenrelevanter Wohnpräferenzen existiert, wurde für diese Studie ein neues theoriegeleitetes Messinstrument entwickelt. Obwohl einzelne Komponenten literaturgestützt sind, steht eine weiterführende psychometrische Validierung – beispielsweise hinsichtlich der Faktorenstruktur, Reliabilität oder weiterer Gütekriterien – noch aus und bleibt Gegenstand zukünftiger Forschung.
Diese Limitationen eröffnen zugleich Ansatzpunkte für weitere Forschung. Zukünftige Arbeiten sollten Längsschnittdaten einsetzen, um die Wechselwirkungen zwischen Präferenzen, Lebensphasen und Wohnentscheidungen besser zu verstehen. Die Verknüpfung von Befragungsdaten mit objektiven Wohnungs- und Preisdaten würde es ermöglichen, regionale und strukturelle Effekte stärker zu differenzieren. Ebenso wäre eine vertiefte Untersuchung von Grundrissen und Wohnungsqualitäten hilfreich, um das Konzept der Flächeneffizienz mit konkreten architektonischen Lösungen zu verbinden.
Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass Flächensuffizienz – verstanden als Reduktion des Wohnflächenkonsums pro Person bei gleichbleibender Wohnqualität – nicht über normative Vorgaben, sondern über die Berücksichtigung der Bedürfnisse unterschiedlicher Nachfragesegmente auf kompakter Fläche erreicht werden kann. Eine nachhaltige Reduktion des Wohnflächenkonsums setzt an den Präferenzen und Lebensrealitäten der Haushalte an. Die Ergebnisse liefern damit eine empirisch fundierte Grundlage für eine Wohnungsbauentwicklung, die nicht auf Verzicht, sondern auf intelligenten, sozial verträglichen und qualitativ hochwertigen Umgang mit Raum zielt.
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Fußnoten
| 1 | Bundesgesetz über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG) vom 1. Mai 2014. |
| 2 | https://www.bfs.admin.ch/bfs/rm/home.assetdetail.36142196.html (22.07.2026). |