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            <article-title xml:lang="de">Gärtner, Stefan; Meyer, Kerstin (Hrsg.) (2023): Die Produktive Stadt. (Re‑) Integration der Urbanen Produktion</article-title>
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      <p>Im Titel „Die Produktive Stadt“, ergänzt durch „(Re‑) Integration der Urbanen Produktion“ im Untertitel, deutet sich bereits der durchaus programmatische Ansatz des Sammelbands an, der in dem einleitenden Beitrag zu „Ideengeschichte, Verständnisse und Herausforderungen“ von <italic>Stefan Gärtner</italic> und <italic>Stefan Werrer</italic> erläutert wird. Die „Produktive Stadt“ ist kein klar abgegrenzter Begriff, sondern wird als Ziel oder Leitbild verstanden, das zur Neuausrichtung der Stadtentwicklung auf Nutzungsmischung und Resilienz beitragen soll. Die Stärkung „urbaner Produktion“, worunter die Herstellung und Bearbeitung von materiellen Gütern im urbanen Raum der Städte verstanden wird, wird dabei als ein zentrales Element angesehen. Stefan Gärtner und Stefan Werrer nehmen Bezug auf inzwischen deutlich emissionsärmere Produktionsprozesse, vor allem aber auf ein sehr konsequentes Verständnis „ganzheitlicher Stadtentwicklung“. Es sei wichtig, „dass die städtischen Gesellschaften wieder lernen, auch mit den durch sie verursachten Belastungen und Konflikten (z. B. in Folge von Produktion, Konsum und Entsorgung) innerhalb des eigenen Stadtgebiets im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzugehen“ (S. 20).</p>
      <p>Dieser Ansatz geht über die aus ökologischer Sicht erwünschte Stärkung regionaler Energie- und Stoffkreisläufe deutlich hinaus. Angesichts der zunehmenden politischen, ökonomischen und ökologischen Krisen nicht nur im globalen Maßstab, sondern auch innerhalb Europas und auf regionaler Ebene dürfte er erheblich an Bedeutung gewinnen. In dem Sammelband wird dieser programmatische Hintergrund, mit Ausnahme des Beitrags „Globale Umweltgerechtigkeit und Urbane Produktion“ von <italic>Stefan Gärtner</italic> und <italic>Philipp Schepelmann</italic>, nicht vertieft behandelt – das wäre in diesem Rahmen auch kaum möglich. Vielmehr werden auf der Basis eines offenen Verständnisses von „Produktiver Stadt“ Beiträge aus der eher angewandten Forschung zur Typologie und den Rahmenbedingungen urbaner Produktion sowie ihre Erscheinungsformen und Konzeptelemente dafür auf verschiedenen räumlichen Ebenen präsentiert.</p>
      <p>Der erste Teil, der mit „Definitionen, Arten und Potenziale der Produktiven Stadt und Urbaner Produktion“ überschrieben ist, startet mit dem bereits angesprochenen Beitrag von <italic>Stefan Gärtner </italic>und<italic> Stefan Werrer</italic>. Darin werden kurz der Stand der akademischen Forschung zur urbanen Produktion und – wie oben aufgeführt – das Begriffsverständnis und die Perspektive einer „Produktiven Stadt“ über die Stadtentwicklung im engeren Sinne hinaus skizziert. Im Anschluss geben <italic>Kerstin Meyer</italic> und <italic>Dajana Esch</italic> eine systematische Darstellung der Arten urbaner Produktion, die nach Industrie, Manufakturen und Reparaturbetrieben sowie Landwirtschaft aufgegliedert wird. Es werden jeweils die Entwicklung, Beispiele sowie Potenziale und Hemmnisse dargelegt, sodass urbane Produktion in ihren vielfältigen Formen sehr anschaulich wird. <italic>Marcel Schonlau</italic> und <italic>Kerstin Meyer</italic> geben einen Überblick zu den diversen Versuchen, urbane Produktion quantitativ zu messen, was angesichts der beschränkten Verfügbarkeit räumlich und sachlich differenzierter Daten bisher nur begrenzt erfolgreich war. <italic>Anne Söfker-Rieniets</italic> und <italic>J. Alexander Schmidt</italic> beschreiben auf der Basis einer Untersuchung zu Düsseldorf exemplarisch die Standortwahl des Handwerks. Aufgrund einer recht einfachen Raumtypologie (Einkaufszentren, urbaner Block, kleinteilige Gewerbebebauung, offene Wohnbebauung) und fehlenden Zeitreihen bleibt die Aussagekraft begrenzt. Der erste Teil des Sammelbands wird durch zwei Beiträge aus dem Kontext der Fakultät Maschinenbau der Technischen Universität Braunschweig abgeschlossen, die Potenziale diskutieren, die sich bei industrieller Fabrikproduktion an urbanen Standorten ergeben können. <italic>Kolja Meyer, Franziska Aschersleben, Ann-Kathrin Reichler, Mark Mennenga, Klaus Dröder</italic> und <italic>Christoph Herrmann</italic> diskutieren anhand von Erkenntnissen in der Literatur Optionen für Produktionssysteme und Produkte, die an städtischen Standorten etabliert werden können. Aufgrund der großen Vielfalt und steigenden Flexibilität von Produktion und Produkten sei vieles möglich; allerdings bleiben die Herausforderungen der Betriebszeiten und die Logistik ausgeblendet. Auch der Beitrag von <italic>Sina Rudolf, Max Juraschek, Mark Mennenga</italic> und <italic>Christoph Herrmann</italic>, in dem mögliche Verflechtungen industrieller Produktion mit dem städtischen Kontext bzw. dessen ‚Ressourcen‘ untersucht werden, bleibt konzeptionell. Deutlich wird in beiden Beiträgen aus der Perspektive moderner industrieller Produktion, dass bei einer „Öffnung der Werksgrenze“ (S. 132) Potenziale, aber auch zum Teil sehr komplexe Schnittstellen entstehen.</p>
      <p>Im zweiten Teil zu „Rahmenbedingungen für Urbane Produktion und Wirkungen“ erläutert <italic>Johanna Schoppengerd</italic> die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Sicherung und Entwicklung urbaner Produktion, die hohe Anforderungen an die Bauleitplanung und die für die Bauordnung Zuständigen stellen, knapp und solide. Anschließend wird mit „Finanzialisierung des Immobiliensektors, Gewerbegentrifizierung und Urbane Produktion“ von <italic>Jan Schaf</italic> und <italic>Marie-Luise Baldin</italic> ein ausgesprochen weites, für die Stadtentwicklung ohne Frage wesentliches Feld aufgerufen. Allerdings wird dabei die starke Segmentierung und Differenzierung der Einzelhandels‑, Gewerbe- und Wohnimmobilienmärkte, die durch sehr verschiedene Bedingungen und Akteure geprägt werden, nicht ausreichend berücksichtigt. Aber es wird ohnehin, wie bereits im Titel angekündigt, von einer fortgesetzten ‚Verdrängung‘ ausgegangen. Dieser entgegenzuwirken, werden schließlich verschiedene Ansätze der kommunalen Steuerung und auch Kooperation mit Investoren angerissen. Abgeschlossen wird der zweite Teil von <italic>Stefan Gärtner</italic> und <italic>Philipp Schepelmann</italic>, die urbane Produktion im Kontext der aktuell bestehenden globalen Produktionsverflechtungen reflektieren, bei denen bisher große ökologische und soziale Belastungen in der Peripherie anfallen. Es werden Ansätze im Bereich der Planung, des Finanzsystems und der Lieferketten diskutiert, mit denen eine verstärkte urbane Produktion unterstützt werden könnte.</p>
      <p>Der dritte Teil nimmt urbane Produktion auf verschiedenen räumlichen Ebenen exemplarisch in den Fokus. <italic>Kerstin Meyer</italic> untersucht Gewerbeentwicklungs- und Wirtschaftsflächenkonzepte in verschiedenen Großstädten und stellt fest, dass diese bisher weitgehend deklaratorischen Charakter haben und Instrumente der Sicherung für tatsächliche urbane Produktion kaum bekannt sind. <italic>Marvin Guth</italic> und <italic>Marcel Schonlau</italic> stellen eine indikatorengestützte Typisierung vor, die am Beispiel von Gelsenkirchen die Vielfalt der Gewerbegebiete aufzeigt. Um urbane Produktion in diesen Gebieten zu stärken, bedarf es jeweils spezifischer, die Akteure koordinierender Ansätze, die die Autoren der kommunalen Wirtschaftsförderung zuordnen. Abgeschlossen wird der letzte Teil mit zwei konzeptionellen Ansätzen für urbane Produktion in Gebäuden. <italic>Edeltraud Haselsteiner, Harald Frey, Barbara Laa, Verena Madner</italic> und <italic>Lisa-Maria Tschokert</italic> stellen Entwürfe für „vertikale urbane Stadtfabriken“ vor. <italic>Annette Bathen, Kerstin Meyer</italic> und <italic>Fabian Stibane</italic> untersuchen Optionen für urbane Produktion in Kirchengebäuden und konzipieren einen Prozess der kooperativen Projektentwicklung, diese zu realisieren.</p>
      <p>Insgesamt sind in dem Band recht heterogene Beiträge zusammengestellt: kontextualisierende, systematisierende, deskriptive und verschiedene konzeptionelle Arbeiten zur urbanen Produktion. Dies spiegelt den Stand der aktuellen Forschung zu dem vergleichsweise jungen und offenen Konzept, der durch unterschiedliche Zugänge und wenig empirisches Wissen insgesamt noch recht fragmentiert erscheint. Aus der Perspektive der recht langen Tradition der Gewerbestandortforschung und -theorie betrachtet, ergeben sich aus dem ‚neuen‘ Ansatz der urbanen Produktion interessante Impulse, es zeigen sich allerdings auch gemeinsame Defizite. Dazu gehören sowohl Untersuchungen über die Standortwahl von Betrieben in ihrer Entstehung und bei Standortveränderungen sowie insbesondere das Verhalten von Betrieben an bestehenden Standorten im zeitlichen Verlauf bzw. die davor oder dahinter liegenden Entscheidungsprozesse. Eine theoretisch fundierte aktuelle und empirisch gehaltvolle Forschung hierzu, die auf historischen Ansätzen der behaviouristischen Standortforschung aufsetzen könnte, ist nicht bekannt. Dabei wäre ein wesentliches Forschungsdesiderat, die konkreten Zusammenhänge von physischer Produktion und dem, was unter ‚Dienstleistungen‘ zusammengefasst wird, und im Zuge der Digitalisierung – ganz zu schweigen von Künstlicher Intelligenz – derzeit gravierende Veränderungen erfährt, eingehend zu untersuchen. Demgegenüber deutlich weniger komplex, aber ebenso notleidend ist leider auch das Verständnis und Wissen über die immobilienwirtschaftlichen Zusammenhänge der betrieblichen Standortwahl und -entwicklung, die angesichts des Primats der Innenentwicklung und dem Leitbild der Nutzungsmischung derzeit erheblich positive Resonanz verbuchen. Für die Sicherung und Weiterentwicklung urbaner Produktion und erst recht der Zielsetzung einer resilienten „Produktiven Stadt“ erscheint elementar, das Wissen auf diesen Gebieten deutlich zu vertiefen. Der Sammelband gibt dazu, gewissermaßen als Einstieg, einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zur urbanen Produktion, die vor dem Hintergrund der Entwicklungsprobleme und Engpässe in den dynamischen Großstädten von großer Bedeutung für die zukünftige Stadtentwicklung insgesamt ist.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werkes:</title>
            <p>Gärtner, S.; Meyer, K. (Hrsg.) (2023): Die Produktive Stadt. (Re‑) Integration der Urbanen Produktion. Berlin: Springer Spektrum. XIX, 292 Seiten. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.1007/978-3-662-66771-2">https://doi.org/10.1007/978-3-662-66771-2</ext-link>
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