Zentralität und Effizienz der regionalen Güterallokation

Authors

  • Thomas Kuhn Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre V, Universität Augsburg

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2124

Abstract

Der vorliegende Beitrag behandelt die regionalen Effekte des kommunalen Finanzausgleichs. Auf der Basis eines Modells des traditionellen Verteilungssystems werden die räumliche Inzidenz sowie die allokative Effizienz von Zuweisungen analysiert. Es läßt sich zeigen, daß die Berücksichtigung eines zentralörtlichen Bedarfs nicht zur Internalisierung von Spillovers führt. So erhalten zentrale Orte trotz eines steigenden Bedarfs unter Umständen sogar weniger als vorher, eine These, die prinzipiell für jedes denkbare Bedarfsmaß gilt und die bisher gültige Vorstellung eindeutig widerlegt. Als Ursache hierfür werden systemimmanente Zielkonflikte offengelegt, die die Eignung der gängigen Praxis für Ziele der Raumordnung grundsätzlich in Frage stellen.

Downloads

Download data is not yet available.

References

(1) Zu diesem Problemkreis s. z. B. Frey, R.L.: Die These von der Ausbeutung der Kernstädte: eine Überprüfung für die Schweiz. In: Schweizerisches Jahrbuch für Politische Wissenschaft 1985, S. 81–93; Schweitzer, U.: Suburbanisierung als Folge fiskalischer Inäquivalenz. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik 122 (1986), S. 1–15; Deubel, I.; Münstermann, E.: Reiche Städte – Arme Landkreise? In: Zeitschrift für Kommunalfinanzen (1988) Nr. 11, S. 241–264; Pommerehne, W.W.; Krebs, S.: Fiscal Interaction of Central City and Suburbs: The Case of Zürich. In: Urban Studies, Vol. 28 (1991), S. 783–801

(2) Dies ist die schon beschriebene zentralörtliche bzw. raumordnungspolitische Funktion des Zuweisungssystems, s. dazu Ehrlicher, W.: Kommunaler Finanzausgleich und Raumordnung. Hrsg.: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL). – Hannover 1967. = Abhandlungen, Bd. 51; Münstermann, E.: Die Berücksichtigung zentralörtlicher Funktionen im kommunalen Finanzausgleich. – Opladen 1975, S. 146; Tetsch, F.: Raumwirkungen des Finanzsystems der Bundesrepublik Deutschland. Eine Untersuchung der Auswirkungen der Finanzreform von 1969 auf die Einnahmenposition der untergeordneten Gebietskörperschaften und ihrer regionalpolitischen Zieladäquanz. – Frankfurt a.M., Bern 1978; Voigt, R.: Das System des kommunalen Finanzausgleichs in der Bundesrepublik Deutschland. Grundprobleme und Reformvorschläge. – Würzburg 1980, S. 18 ff.; Freund, U.; Strauss, W.; Zabel, G.: Die finanzielle Belastung von Mittelzentren durch die Bereitstellung zentralörtlicher Infrastruktureinrichtungen und deren Abgeltung im Rahmen des Finanzausgleichs. – Köln 1982. = Schlußbericht zum Forschungsprojekt MFPRS 1978.14 für den Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau

(3) S. dazu Moese, W.A.; Vanneste .J.: Local Public Goods, City Size and Models of Public Choice. In: Friedrich, P.; van Rompuy, P. (Eds.): Fiscal Decentralization. – Baden-Baden 1987, S. 157–171; Andersson, A.E.; Batten, D.F.; Johansson, B.; Nijkamp, P. (Eds.): Advances in Spatial Theory and Dynamics. – Amsterdam 1989; Fischer, M.M.; Nijkamp, P.; Papageorgiou, Y.Y. (Eds.): Spatial Choices and Processes. – Amsterdam 1990; Peschei, K. (Ed.): Infrastructure and the Space-Economy. – Heidelberg 1990

(4) Zur quantitativen Bedeutung s. z. B. Freund, U.; Strauss, W.; Zabel, G.: Die finanzielle Belastung von Mittelzentren ..., a. a. O. (Anm. (2)); Reidenbach, M.: Stadt und Umland im Finanzausgleich. Eine empirische Untersuchung am Beispiel der zentralörtlichen Belastungen in Niedersachsen. – Berlin 1983, S. 52 ff.; Junkernheinrich, M.: Reform des Gemeindesteuersystems 1. – Berlin 1991, S. 139 ff.

(5) Vgl. Voß, W.: Nutzenspillover-Effekte als Problem des kommunalen Finanzausgleichs. Ein Beitrag zur ökonomischen Rationalität des Ausgleichs zentralitätsbedingten Finanzbedarfs. – Frankfurt a.M. 1991, S. 41,45

(6) Manchmal wird die Staffelung des Hauptansatzes sogar als zu eng betrachtet, vgl. Leibfritz, W.; Thanner, B.: Berücksichtigung der zentralen Orte im kommunalen Finanzausgleich Bayerns. – München 1986. = Ifo-Studien zur Finanzpolitik 38, S. 86 ff.; Münstermann, E.: Städtische Bedarfe im kommunalen Finanzausgleich. In: Verwaltungsrundschau (1988), S. 9–14, hier S. 10; Innenminister Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Gutachten zur Berechnung der Schlüsselzuweisungen im kommunalen Finanzausgleich Nordrhein-Westfalen, erarbeitet von einer Arbeitsgruppe aus sachverständigen Praktikern. – Düsseldorf 1987, S. 58

(7) Vgl. Schneppe, F.: Raumbedeutsame Wirkungen des kommunalen Finanzausgleichs. – Wien 1968, S. 84; Ruhland, S.; Recker, E.: Bedeutung der Schlüsselzuweisungen für die Landesentwicklung, In: Informationen zur Raumentwicklung, Bonn (1978) H. 2/3, S. 135–147, hier S. 139; kritisch auch zu den Nebenansätzen äußern sich Tesch, H.: Zentrale-Orte-Ansätze in der Bewährung. In: Informationen zur Raumentwicklung, Bonn (1983) H. 6/7, S. 461–471, hier S. 462; Biciste, A.: Das kommunale Finanzsystem – ein Instrument der Raumordnungspolitik? In: Informationen zur Raumentwicklung, Bonn (1978) H. 2/3, S. 177–183, hier S. 181

(8) Zu einer Kritik dieser Art von Bedarfsmessung vgl. Kuhn, T.: Zur theoretischen Fundierung des kommunalen Finanzbedarfs in Zuweisungssystemen. In: Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (1993), S. 425–446 DOI: https://doi.org/10.3790/schm.113.3.425

(9) Bezeichnen T(i) die Steuerkraft und E(i)b(i) die veredelten Einwohner, so gilt: K(i): = T(i)/E(i)b(i)

(10) Zur Kritik der Hauptansatzstaffel s. zuletzt Kops, M.: Möglichkeiten und Restriktionen einer Berücksichtigung von Sonderbedarfen im Länderfinanzausgleich. – Opladen 1989, S. 137 ff.; Kuhn, T.: Schlüsselzuweisungen und fiskalische Ungleichheit. Eine theoretische Analyse der Verteilung von Schlüsselzuweisungen an Kommunen. – Frankfurt a.M. 1988, S. 19; ders.: Zur theoretischen Fundierung des kommunalen Finanzbedarfs..., a. a. O. (Anm. (8)); ders.: Effizienz und Verteilung im Finanzausgleich Habilitationsschrift. – Augsburg 1992 (erscheint im Physica-Verlag), S. 108 ff. und die dort angegebene Literatur; Littmann, K.: Ausgaben, öffentliche II: Die “Gesetze” ihrer langfristigen Entwicklung. In: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften, Bd. 1. – Tübingen 1977, S. 349–363, hier S. 360; Hansmeyer, K.H.: Der kommunale Finanzausgleich als Instrument zur Förderung zentraler Orte. In: Pohmer, D. (Hrsg.): Probleme des Finanzausgleichs II. = Schriften des Vereins für Socialpolitik N. F. 96/11, Berlin 1980), S. 83–150, hier S. 113 ff.; Zabel, G.: Ist die Hauptansatzstaffel noch zeitgemäß? In: Informationen zur Raumentwicklung, Bonn (1983) H. 6/7, S. 445–460; Hansmeyer, K.H.; Kops, M.: Die Popitz’sche Hauptansatzstaffel. Hrsg.: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL). – Hannover 1985. In: Räumliche Aspekte des Finanzausgleichs. = Forschungs- und Sitzungsberichte, Bd. 159, S. 15–54, hier S. 52; Peffekoven, R.: Zur Neuordnung des Länderfinanzausgleichs. In: Finanzarchiv, N. F., Bd. 45 (1987), S. 181–228, hier S. 203; Sander, L.: Aufgaben und Einnahmen der Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland. Eine ökonomische und rechtliche Analyse im Lichte der Kollektivgütertheorie. – Münster 1987, S. 221; Zimmermann, H.; Hardt, U.; Postlep, R.-D.: Bestimmungsgründe der kommunalen Finanzsituation – unter besonderer Berücksichtigung der Gemeinden in Ballungsgebieten. = Schriftenreihe der Gesellschaft für regionale Strukturentwicklung, Bd. 15, Bonn 1987, S. 237 ff.

(11) Vgl. Finanzausgleichskommission Baden-Württemberg: Bericht der gemeinsamen Kommission zur Erarbeitung von Grundlagen und Vorschlägen für eine Neuregelung des kommunalen Finanzausgleichs. Hrsg.: Finanzministerium Baden-Württemberg. – Stuttgart 1977, S. 21 ff.; dies.: Bericht der Kommission zur Überprüfung der Möglichkeiten für eine Neuordnung des kommunalen Finanzausgleichs. Hrsg.: Finanzministerium Baden-Württemberg. – Stuttgart 1985, S. 42 ff.; Innenminister NordrheinWestfalen (Hrsg.): Gutachten zur Berechnung der Schlüsselzuweisungen..., a. a. O. (Anm. (6)), S. 17 ff., 29 ff.; Zimmermann, H.; Hardt, U.; Postlep, R.-D.: Bestimmungsgründe der kommunalen Finanzsituation ..., a. a. O. (Anm. (10)), S. 387; Karrenberg, H.; Münstermann, E.: Gemeindefinanzbericht 1991. In: Der Städtetag 44 (1991) 2, S. 79–140, hier S. 96; dies.: Gemeindefinanzbericht 1992. In: Der Städtetag 45 (1992) 2, S. 58–131, hier S. 73

(12) Dieses Modell geht zurück auf Kuhn, T.: Zur Theorie der Schlüsselzuweisungen im kommunalen Finanzausgleich. = Volkswirtschaftliche Diskussionsreihe, Augsburg 1990, Beitrag Nr. 42; s. auch Kuhn, T.: Effizienz und Verteilung im Finanzausgleich, a. a. O. (Anm. (10)), S. 78 ff.

(13) S. Kuhn, T.: Effizienz und Verteilung im Finanzausgleich, a. a. O. (Anm. (10)), S. 103 ff.

(14) S. dazu Hanusch, H.; Kuhn, T.: Messung des kommunalen Finanzbedarfs. Ein alternativer Ansatz für die Schlüsselzuweisungen. Hrsg.: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL). – Hannover 1985. In: Räumliche Aspekte des Finanzausgleichs. = Forschungs- und Sitzungsberichte, Bd. 159, S. 55–74; Micosatt, G.: Raumwirksamkeit einer Reform des kommunalen Finanzausgleichs. RUFIS, Bochum 1990; Junkernheinrich, M.: Reform des Gemeindesteuersystems 1. – Berlin 1991; Micosatt, G.; Junkernheinrich, M.: Reform des Gemeindesteuersystems 2. – Berlin 1991

(15) Dem liegt das bekannte lokale Wohlfahrtsmaximierungsmodell zugrunde, das zurückgeht auf Scott, A.: The Evaluation of Federal Grants. In: Economica, Vol. 19 (1952), S. 377–394 und Wilde, J.A.: The Expenditure Effects of Grants in Aid Programs. In: National Tax Journal, Vol. 21 (1968), S. 340–348; s. dazu etwa Fischer, H.: Finanzzuweisungen. – Berlin 1988, S. 31 ff.

(16) S. Kuhn, T.: Effizienz und Verteilung im Finanzausgleich, a. a. O. (Anm. (10)), S. 160 ff. Ähnlich, allerdings ohne ein Modell dieser Zuweisungen zu verwenden: Voß, W.: Nutzenspillover-Effekte als Problem des kommunalen Finanzausgleichs..., a. a. O. (Anm. (5)), S. 225

(17) Daß der Einkommenseffekt trotz eines gestiegenen Bedarfs bekanntlich auch negativ sein kann, soll hier einmal außer acht bleiben.

(18) S. Kuhn, T.: Zuweisungen und Allokation im kommunalen Finanzausgleich. In: Finanzarchiv, NF Bd. 49 (1991/92) H. 2, S. 215–236

(19) S. Kuhn, T.: Effizienz und Verteilung im Finanzausgleich, a. a. O. (Anm. (10)), S. 124 ff.; ders.: Finanzausgleich im vereinten Deutschland. Desintegration durch regressive Effekte. = Volkswirtschaftliche Diskussionsreihe, Augsburg 1993, Beitrag Nr. 95

(20) S. Voß, W.: Nutzenspillover-Effekte als Problem des kommunalen Finanzausgleichs..., a. a. O. (Anm. (5)), S. 69

Published

1993-11-30

Issue

Section

Research Article

How to Cite

1.
Kuhn T. Zentralität und Effizienz der regionalen Güterallokation. RuR [Internet]. 1993 Nov. 30 [cited 2026 Aug. 15];51(6):357-62. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2124

Share