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         <article-id>153</article-id>
         <article-id pub-id-type="doi">10.14512/rur.153</article-id>
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            <article-title xml:lang="De">Danielzyk, Rainer; Dittrich-Wesbuer, Andrea; Hilti, Nicola; Tippel, Cornelia (Hrsg.) (2020): Multilokale Lebensführungen und räumliche Entwicklungen. Ein Kompendium</article-title>
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      <p>Multilokalität ist ein Forschungszweig, der sich in den letzten fünfzehn Jahren in der Raumwissenschaft stark entwickelt hat. Seit einigen Jahren gibt es einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel unter diesem Stichwort, und längst hat das Thema auch einen wissenschaftlichen Sammelband mit Überblickscharakter verdient. Der jetzt vorliegende Band geht auf den Arbeitskreis „Multilokale Lebensführung und räumliche Entwicklungen“ der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft zurück, der 2012 ins Leben gerufen wurde und sich mit dieser Publikation gewissermaßen von der Fachöffentlichkeit verabschiedet. Der Anspruch der Herausgeberinnen und Herausgeber ist hoch: Zum einen wollen sie nicht nur ein Kompendium vorlegen, also mehr als eine zufällige Zusammenstellung von Einzelartikeln, sondern eine Art Handbuch oder Nachschlagewerk zum Stand der Diskussion in Wissenschaft und Praxis. Zum anderen erheben sie nicht den Anspruch, ein in sich geschlossenes Werk vorzulegen. Wichtiger seien die unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Disziplinen. Die unterschiedlichen vorgestellten Theoreme seien daher auch komplementär zu verstehen (S. 8).</p>
      <p>Fast 30 Autorinnen und Autoren haben zu dem Buch beigetragen. Die 45 Einzelbeiträge sind drei Hauptabschnitten zugeordnet, die mit „Theoretische Konzeptionen“, „Schlüsselbegriffe“ und „Empirische Studien“ überschrieben sind.</p>
      <p>In Teil I (Theoretische Konzeptionen) finden sich überwiegend Artikel, die in ähnlicher Form in den letzten Jahren bereits an anderer Stelle erschienen sind, so etwa die Artikel über grundlegende Überlegungen zur Methodologie von <italic>Gabriele Sturm</italic>, der Beitrag von <italic>Cédric Duchêne-Lacroix</italic> über die Archipelisierung der Lebenswelt bei multilokal Lebenden oder der Beitrag von <italic>Peter Weichhart</italic> zu „Lifescapes“. Das ist keine Schwäche des Bandes, denn ein Kompendium sollte auf jeden Fall einen Überblick über existierende theoretische Formulierungen bieten. Leserinnen und Lesern, die sich schon länger mit dem Thema Multilokalität beschäftigen, wird allerdings auffallen, dass die Darstellung im hier vorgestellten Kompendium ein wenig von den früheren Veröffentlichungen derselben Autorinnen und Autoren abweicht. <italic>Cédric Duchêne-Lacroix</italic> hat schon vor Jahren die eingängige Metapher des Archipels für fragmentierte Territorialität gefunden, um zu zeigen, wie multilokal lebende Menschen an verschiedenen Orten jeweils unterschiedlich intensive Bindungen eingehen. Allerdings hatte er dieses Konzept in längeren Artikeln anhand von konkreten Beispielen auch schon plausibler und überzeugender erläutert als nun in der Kurzfassung. Auf der anderen Seite wirkt <italic>Peter Weichharts</italic> Beitrag in der knappen Form überzeugender als manche seiner früheren Veröffentlichungen. Für mich neu waren die Beiträge von <italic>Manfred Perlik</italic>, der die Multilokalitätsforschung in den Rahmen neuer ökonomischer Raumentwicklungsmodelle einordnet, und von <italic>Caroline Kramer</italic>, die die Verbindung zwischen Multilokalitätsforschung und der Raum-Zeit-Geographie in der Nachfolge von Hägerstrand und Carlstein herstellt.</p>
      <p>Eine Schwäche des Bandes wird für mich allerdings bereits in diesem ersten Teil deutlich: Eine Besonderheit der Multilokalitätsforschung liegt darin, dass sich nebeneinander zwei Diskurse herausgebildet haben: einer zu Phänomenen der multilokalen Lebensführung in Ländern des Globalen Nordens (insbesondere in West- und Mitteleuropa) und wenig verbunden damit ein anderer zur Multilokalität in Ländern des Globalen Südens. Das vorliegende Kompendium legt den Fokus eindeutig auf europäische Erfahrungen (insbesondere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz). Natürlich gibt es gute Gründe, dass die ARL als deutsche Institution zunächst einmal Autorinnen und Autoren aus dem deutschen Sprachraum eingeladen hat. Ein Kompendium zum Stand der Forschung über Multilokalität in weltweiter Perspektive müsste sicher ganz anders angelegt sein, war aber von den Herausgeberinnen und Herausgebern nie intendiert. Der empirische Bezug für alle Artikel des Bandes sind eindeutig europäische Fallstudien. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob diese europazentrierte Perspektive den Realitäten in unserer globalisierten Welt vollständig gerecht wird. Im Einleitungsartikel wiederholen die Herausgeberinnen und Herausgeber die häufig zitierte Definition von multilokaler Lebensführung nach Wood als „soziale Praktiken alltäglicher Lebensführung über zwei oder mehrere Behausungen hinweg, die in wechselnden Rhythmen genutzt werden“ (S. 5). Dies ist in der Tat die in der europäischen Diskussion gängige Definition von Multilokalität. Demgegenüber definieren die meisten Arbeiten, die Multilokalität in Ländern des Globalen Südens untersuchen, Multilokalität als <italic>livelihood strategy</italic>, im Extremfall als <italic>coping strategy</italic>, als Überlebensstrategie. Sie heben also auf die ökonomische Notwendigkeit multilokaler Lebensführung ab (vgl. zu den unterschiedlichen Definitionen Schmidt-Kallert <xref ref-type="bibr" rid="CR3">2014</xref>). Die Phänomene und Ausprägungen von Multilokalität im Globalen Süden mögen sich erheblich von dem unterscheiden, was wir in Europa beobachten. Aber es wäre meines Erachtens an der Zeit, in der Begriffsbildung voneinander zu lernen. Denn auch in Europa ist die multilokale Lebensführung für viele Migrantinnen und Migranten nicht einfach soziale Praxis, sondern Teil einer ökonomisch verankerten <italic>livelihood strategy</italic>.</p>
      <p>Ebenfalls im Theorieteil des hier besprochenen Buches gibt <italic>Cédric Duchêne-Lacroix</italic> einen Überblick über unterschiedliche Typologien multilokalen Wohnens. Diese Typologie wäre als Synopse des aktuellen Diskussionsstandes noch nützlicher, wenn der Autor einen Blick über Europas Grenzen hinausgeworfen hätte, wenn er zum Beispiel die von Deshingkar und Ferrington eingeführte Unterscheidung zwischen <italic>coping strategies</italic> und <italic>accumulative strategies</italic> und den von Mike Douglass eingeführten Ansatz des <italic>global householding</italic> einbezogen hätte (Deshingkar/Farrington <xref ref-type="bibr" rid="CR1">2009</xref>; Douglass <xref ref-type="bibr" rid="CR2">2006</xref>).</p>
      <p>Im zweiten Teil des Bandes sind unter der Überschrift „Schlüsselbegriffe“ 21 in ihrem Charakter recht unterschiedliche Beiträge zu zahlreichen Facetten von Multilokalität zusammengefasst. Da geht es um amtliche und nichtamtliche Daten zur Häufigkeit von Multilokalität, um Mobilität, neue Freizeitformen, lokalen Konsum, um Vulnerabilität und Resilienz von multilokal Lebenden und vieles mehr. Manches liest sich gedrängt und abgehackt. Das mag zum Teil daran liegen, dass die Herausgeberinnen und Herausgeber ihren Autorinnen und Autoren recht strikte Vorgaben in Bezug auf Länge und Aufbau gemacht hatten. Das ist verständlich, denn der Band ist ohnehin recht umfangreich geraten! Und trotzdem würde man beim Lesen hin und wieder gerne wissen, wie die im zweiten Teil des Bandes vorgestellten Begriffe empirisch fruchtbar gemacht worden sind. Aber die Fallstudien stehen nun mal im letzten Teil des Bandes.</p>
      <p>Wirklich hilfreich fand ich einzelne Artikel, die tatsächlich die Abgrenzung zentraler Begriffe in den Mittelpunkt stellen. So zum Beispiel <italic>Jörg Plögers</italic> Artikel „Transnationalität – Parallelen und Abgrenzungen zur Multilokalität“<italic>. </italic>Beide Perspektiven seien wichtig, aber Multilokalität sei enger gefasst und stelle die körperliche Anwesenheit von Menschen an unterschiedlichen Orten in den Vordergrund. Ähnliches gilt für den Beitrag von <italic>Cédric Duchêne-Lacroix</italic> zu „Vulnerabilität und Resilienz im Kontext multilokaler Lebensführung“<italic>.</italic>
      </p>
      <p>Im dritten Teil des Bandes (Empirische Studien) werden sehr unterschiedliche kleinere und größere Forschungsprojekte vorgestellt, beispielsweise zu Dauercamping und zur Multilokalität des Flugpersonals. Das ist ein bunter Strauß interessanter Studien, die allerdings durchweg schon an anderer Stelle veröffentlicht worden sind. Auch hier dürften die Vorgaben zum Kompendium dazu geführt haben, dass sich zuweilen Lücken in der Erzählung auftun. So war <italic>Marcus Menzl</italic> an einer Interviewserie zu Multilokalität und Ortsbindung in der Hamburger Hafencity beteiligt, aus der er in seinem Artikel eine interessante Typisierung ableitet. Leider werden Methodik und die eigentlichen Ergebnisse dieser Studie nur ganz kurz gestreift.</p>
      <p>Mein Fazit lautet: Der Sammelband bietet einen interessanten Überblick über Multilokalitätsforschung im deutschsprachigen Raum. Sowohl in den eher theoretischen Artikeln wie auch in den Fallstudien stecken zahlreiche Anregungen. Wer allerdings hofft, sich mit der Lektüre dieses Buches einen ersten Einstieg ins Thema zu verschaffen, dürfte sich leicht verzetteln. Und auch als Kompendium im Sinne eines Nachschlagewerks ist der Band nicht ohne Weiteres nutzbar. Dafür wären ein Sachregister und ein zusammengeführtes Literaturverzeichnis am Schluss des Bandes erforderlich gewesen.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werkes</title>
            <p>Danielzyk, Rainer; Dittrich-Wesbuer, Andrea; Hilti, Nicola; Tippel, Cornelia (Hrsg.) (2020): Multilokale Lebensführungen und räumliche Entwicklungen. Ein Kompendium. Hannover – Selbstverlag der ARL. = Forschungsberichte der ARL 13. 344 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Tabellen.</p>
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                  <article-title>No arrival without origin – multilocality revisited</article-title>
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