© by the author(s); licensee oekom 2024. This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY).
https://doi.org/10.14512/rur.2548
Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2024) 82/2: 93–98
rur.oekom.de

Editorial

Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen neu denken?

Alistair Adam Hernández Contact Info ORCID, Annett Steinführer Contact Info ORCID , Winrich Voß Contact Info ORCID

(1) Vechta Institute of Sustainability Transformation in Rural Areas (VISTRA), Universität Vechta, Driverstraße 22, 49377 Vechta, Deutschland
(2) Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesallee 64, 38116 Braunschweig, Deutschland
(3) Geodätisches Institut, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Nienburger Straße 1, 30167 Hannover, Deutschland

Contact InfoDr. Alistair Adam Hernández  (Corresponding author)
E-Mail: alistair.adam-hernandez@uni-vechta.de

Contact InfoDr. Annett Steinführer 
E-Mail: annett.steinfuehrer@thuenen.de

Contact InfoProf. Dr. Winrich Voß 
E-Mail: voss@gih.uni-hannover.de

Eingegangen: 14. März 2024  Angenommen: 16. März 2024  Online veröffentlicht: 12. April 2024


Rethinking public services in rural areas?

Öffentliche und private Dienstleistungen und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind ein wiederkehrendes Thema der Raumforschung und des politischen Diskurses um die (Un‑)Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen (Weingarten/Steinführer 2020; Humer 2022; Dudek/Zademach/Miosga 2024). In den vergangenen Jahrzehnten fanden grundlegende Umstrukturierungsprozesse mit Folgen für die Verfügbarkeit, Qualität und Erreichbarkeit bestimmter Dienstleistungen und Einrichtungen statt. Dies galt gleichermaßen für Daseinsvorsorgeleistungen der öffentlichen Hand, von freien Trägern und der Privatwirtschaft (Enjolras 2009; Neu 2009; Naumann/Reichert-Schick 2015). Auch die Erwartungshaltungen und Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger veränder(te)n sich im gesellschaftlichen Wandel (Farmer/Nimegeer/Farrington et al. 2012; Weingarten/Steinführer 2020). Die Territoriale Agenda der Europäischen Union stellt mit Blick auf 2030 eindeutig Handlungsbedarf fest: Menschen und Orte driften im Zuge der zunehmenden Ungleichgewichte und Ungleichheiten unter anderem in den Bereichen „Lebensqualität“ und „Daseinsvorsorge“ auseinander (MSPTD 2020). Wie bedeutsam und zugleich standortabhängig die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Bezahlbarkeit, Qualität und Vielfalt der Angebote in den unterschiedlichen Daseinsvorsorgebereichen tatsächlich sind, hat nicht zuletzt die COVID-19-Pandemie gezeigt (Schorn/Franz/Gruber et al. 2021). Doch auch unabhängig von einer solch akuten Krise führen Bevölkerungsrückgang, Alterung und ungewisse ökonomische Perspektiven in vielen ländlichen Regionen Europas zu vielfältigen und komplexen Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung einer angemessenen Daseinsvorsorge (Fassmann/Rauhut/Da Costa et al. 2015; Clifton/Díaz-Fuentes/Fernández-Gutiérrez 2016).

Zugleich greift die Vorstellung eines ausschließlichen Abbaus von Daseinsvorsorgeeinrichtungen oder eines universellen Rückzugs des Staates angesichts der Komplexität der Veränderungsprozesse, Governance-Strukturen und Akteurslandschaften zu kurz. Einerseits wurden vielerorts beispielsweise Grundschulen, Gemeindeverwaltungen und kleinere Lebensmittelläden geschlossen oder ihre räumliche Erreichbarkeit durch Standortverlagerungen und Zentralisierung eingeschränkt (Gieling/Haartsen/Vermeij 2019). Andererseits konnten ländliche Regionen auch Chancen nutzen, Verfügbarkeiten und Qualitäten in der technischen Infrastruktur ausbauen (Steinführer 2020), in sozialen Bereichen, wie der Kinderbetreuung oder der nachschulischen Bildung, neue Angebote erschließen (Tent/Syssner/Mose et al. 2024) oder es eröffnen sich ihnen im Zuge der Energiewende ganz neue Perspektiven (Kelly/Mbah 2024). Gleichzeitig haben sich die strukturellen Rahmenbedingungen und Staatsverständnisse ebenso wie die Aufgabenteilung zwischen öffentlichen, privatwirtschaftlichen, gemeinwohlorientierten und zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Bereitstellung und Aufrechterhaltung grundlegender Leistungen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge im Zuge von Privatisierung, De- und Re-Regulierungen sowie Finanzialisierung grundlegend verändert (z. B. Kersten 2006; Enjolras 2009; EU-KOM 2011; Brad/Adam Hernández/Steinführer 2022).

Die Veränderungen und Herausforderungen ländlicher Daseinsvorsorge bleiben nicht unadressiert. So wird staatliches Engagement vielerorts erneut eingefordert und diskutiert, ob als notwendige Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung öffentlicher Leistungen oder in Bezug auf die Schaffung adäquater und zeitgemäßer Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche oder zivilgesellschaftliche Angebote. Im Nachgang der COVID-19-Pandemie und angesichts der sich verschärfenden Energie- und Klimakrisen kann von einer „gewissen diskursiven Renaissance“ der Daseinsvorsorgedebatte gesprochen werden (Humer 2022: 34). Auch die zahlreichen Modell- und Pilotprojekte, die oft mit Mitteln der öffentlichen Hand gefördert, zum Teil auch durch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte begleitet werden, sind Beispiele für staatliches Engagement in diesem Bereich. Zugleich sind an solchen Modellvorhaben häufig privatwirtschaftliche ebenso wie gemeinnützige Akteure beteiligt und fast immer setzen solche Projekte auf bürgerschaftliches Engagement (Brad/Adam Hernández/Steinführer 2024; Greischel/Nagy/Conrad et al. 2024; Küpper/Mettenberger/Bermes 2024). Schließlich versuchen zivilgesellschaftliche Akteure, den Verlust- bzw. Mangelerfahrungen kreativ und mit viel Ressourcenaufwand zu begegnen, häufig mit der Gefahr einer Überlastung (Salemink/Strijker/Bosworth 2017; Tõnurist/Surva 2017).

Trotz oder gerade wegen der vielfältigen Herausforderungen, die europaweit für eine nachhaltige Bereitstellung von Dienstleistungen und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen bestehen, existieren dank innovativer Herangehensweisen und Strategien ein nennenswerter Spielraum für Verbesserungen (Tent/Brad/Klöden et al. 2021) sowie Potenziale eines Voneinander-Lernens (Küpper/Tautz 2015; Schaeffer/Hämel/Ewers 2015). Einen Wissenstransfer von innovativen und zudem verstetigten Lösungen und Projekten der Daseinsvorsorge in anderen europäischen Ländern nach Deutschland zu organisieren und somit von guten Beispielen und Praktiken zu lernen, war auch das primäre Ziel des bundesgeförderten Forschungsvorhabens InDaLE1, aus dessen Konsortium der Impuls zur Ausschreibung und Gestaltung dieses Schwerpunktheftes von Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning hervorgegangen ist.

Die Erprobung neuer Ansätze ist ein relevantes Handlungsfeld staatlicher Interventionen und auch europäischer Förderpolitik, in deren Kontext Modellvorhaben erprobt und Pilotprojekte gestartet werden. Im Allgemeinen erlischt jedoch das meist große Engagement während der Förderphasen oftmals schnell auf dem schwierigen Weg der Verstetigung neuartiger Projektansätze (vgl. z. B. Shediac-Rizkallah/Bone 1998; Adelmann/Taylor 2003; Scheirer 2005). In Deutschland besteht ebenfalls eine lange Tradition von öffentlich geförderten Modellvorhaben und Programmen zum Experimentieren und für Innovationen in der Daseinsvorsorge. Diesen gelingt es allerdings oft aufgrund typischer Hürden wie beispielsweise abrupt wegfallende Personalressourcen oder Pfadabhängigkeiten nur in begrenztem Maße, neuartige Lösungen dauerhaft zu etablieren bzw. in einen Regelbetrieb zu überführen (Adam Hernández/Schneider 2021).

Wie ländliche Daseinsvorsorge anders bzw. neu gedacht und gewährleistet werden kann, konnte das Forschungsvorhaben InDaLE aus der Untersuchung von 18 Praxisprojekten in Schottland, Schweden, Österreich und Deutschland vergleichend darstellen. Über seinen explorativen Charakter hinaus leistete InDaLE einen Beitrag zum besseren Verständnis und zur Konzeptualisierung der inhaltlichen, organisationsstrukturellen, politisch-administrativen und finanziellen Dimensionen der Verstetigung innovativer Projekte im Daseinsvorsorgekontext und entwickelte Thesen für die dauerhafte Sicherung solcher innovativen Lösungen und Ansätze in den benannten Dimensionen (Danielzyk/Mose/Steinführer et al. 2023).

Vor diesem Hintergrund ist es die Absicht dieses Schwerpunktheftes, den sozial- und raumwissenschaftlichen Forschungsstand zu innovativen Ansätzen der Daseinsvorsorge und ihre Verstetigung in ländlichen Räumen Deutschlands und Europas aufzuzeigen und dabei insbesondere über Sammlungen „guter“ oder gar „bester“ Praktiken (z. B. BMVBS 2013) hinauszugehen. In einer übergreifenden Perspektive thematisieren die Beiträge Fragen der Verstetigung von Pilot- und Modellprojekten sowie die Chancen und Auswirkungen einer fortschreitenden Digitalisierung in der ländlichen Daseinsvorsorge. Behandelt wird eine breite Palette von Daseinsvorsorgeleistungen, darunter selten beachtete Bereiche wie die nachschulische Bildung, die Brandschutzerziehung als Bestandteil der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr oder die Warenversorgung per Soziallogistik.

Den Anfang machen Patrick Küpper, Tobias Mettenberger und Linda Bermes mit ihrer Untersuchung alternativer Angebotsformen der Nahversorgung. Vor allem mobile, bürgerschaftlich getragene und Online-Angebote werden schon länger verfolgt, ohne dass sich eine Patentlösung herauskristallisiert hätte. Fünf Pilotprojekte, in denen innovative Angebotsformen, wie personalfreie 24/7-Märkte oder Online-Bestellmöglichkeiten, erprobt wurden, stehen im Mittelpunkt. Einige Projekte sind regionalpolitisch initiiert, bei anderen handelt es sich um privatwirtschaftliche Start-ups, die ihre Konzepte regionsübergreifend etablieren wollen. Die Analyse orientiert sich an vier Kriterien: der Konstellation der involvierten Akteure, der lokalen Versorgungsfunktion, der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der sozialen Funktion als Treffpunkt. Im Ergebnis erweisen sich die aus der Regionalentwicklung initiierten Projekte als stärker fördermittelabhängig, während die privatwirtschaftlich ausgerichteten Konzepte eher Potenzial für eine weitere Verbreitung zu bieten scheinen. Ein Projekt verfolgte einen hybriden Ansatz, der durch Personaleinsatz vor Ort auch soziale Funktionen berücksichtigt und der der Autorin und den Autoren über alle Dimensionen hinweg am vielversprechendsten erscheint.

Eva Greischel, Emilia Nagy, Alexander Conrad und Martina Schäfer beschäftigen sich unter dem Thema der sozialen Logistik mit Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs als regionalem Distributor von Gütern. Soziallogistik stellt nicht allein auf ökonomische Aspekte ab, sondern integriert soziale und ökologische Mehrwerte. Motiviert werden die Überlegungen durch das Ziel, die Situation des öffentlichen Nahverkehrs in ländlichen Räumen durch ergänzende Funktionen zu verbessern. Der Einsatz des öffentlichen Personennahverkehrs für Logistikaufgaben wurde an zwei Logistikdienstleistungen in der Uckermark in Form eines Reallabors erprobt und hypothesengeleitet untersucht. Soziale Aspekte, z. B. eine zunächst nicht gewinnorientierte Zusammenarbeit im Nahraum, erwiesen sich als wesentlich und vorteilhaft, um diese Dienstleistungen in peripheren ländlichen Räumen zu etablieren. Die Autorinnen und der Autor stellen auch die Vorteile des Reallaboransatzes heraus, der den offenen Austausch, die Einbeziehung verschiedener Interessengruppen und die gemeinsame Problemlösung in einem reflexiven und iterativen Prozess ermöglicht, insbesondere für explorative Experimente.

Der dritte Beitrag von Ryan Kelly und Melanie Mbah untersucht veränderte Governance-Ansätze, um die für die Energiewende erforderlichen Infrastrukturen aufzubauen. Am Beispiel von Projekten der Energiewende im Kreis Steinburg und auf der Basis von drei Stakeholder-Workshops sowie leitfadengestützten Interviews wird verdeutlicht, dass die Energiewende nur als gesellschaftliches Gemeinschaftsprojekt (bottom up) gelingen kann, während eine regulatorisch implementierte Energiewende (top down) fast zwangsläufig scheitert. Akzeptanz und regionale Identität werden als wesentliche Einflussfaktoren für ein Gelingen bzw. Scheitern von Projekten der Energiewende hervorgehoben. Die Autorin und der Autor benennen die wesentlichen Dilemmata bei der partizipativen Umsetzung für eine regionale Energiewende und liefern aufbauend Gelingensbedingungen für eine integrierte und zugleich raumsensible Energiewende-Governance (Governance-Ansatz zur „Co-Transformation“). Mittels regional angepassten Partizipationsformen (Co-Regulierung, Co-Allokation, Co-Visionierung) können die Verfahrens‑, Verteilungs- sowie Zukunftsgerechtigkeit der Projekte gesteigert und damit zur Akzeptanz der regionalen Energiewende als Daseinsvorsorgeinfrastruktur in ländlichen Räumen beigetragen werden.

Zwei Beiträge untersuchen und reflektieren Erfahrungen des Umbaus der Daseinsvorsorge im europäischen Ausland. Alexandru Brad, Alistair Adam Hernández und Annett Steinführer untersuchen die Brandschutzerziehung als einen Aufgabenbereich der Feuerwehr, die wiederum eine wesentliche Daseinsvorsorgeleistung im Bereich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr darstellt. In ländlichen Räumen in Deutschland wird diese als kommunale Pflichtaufgabe nahezu ausschließlich von Freiwilligen erbracht. Brandschutzerziehung für Kinder (bzw. Brandschutzaufklärung für Jugendliche und Erwachsene) zielt auf die Stärkung der Präventions- und Selbstschutzkompetenz der Bevölkerung. Eine neue Bedeutung gewinnt sie dadurch, dass die Tageseinsatzbereitschaft in Deutschland vielerorts defizitär ist und gleichzeitig die Einsatzzahlen steigen. Im Zuge der Weiterentwicklung der Brandschutzerziehung werden zugleich neue Akteure einbezogen und als verantwortlich definiert. Der Beitrag untersucht den Prozess des institutionellen Wandels, der durch innovative Initiativen im Bereich der Brandschutzerziehung ausgelöst wird. An Fallstudien aus Österreich und Deutschland wird die Bedeutung neuer Kooperationen und Akteursallianzen demonstriert. Zudem identifiziert die Studie fünf wesentliche Schritte, die für eine langfristige Etablierung innovativer Daseinsvorsorgeprojekte von Bedeutung sind.

Einen Vergleich von guten Praktiken und Erfolgsfaktoren aus Fallbeispielen anderer europäischer Länder bietet der Beitrag von Nathalie Tent, Josefina Syssner, Ingo Mose und Frank Rennie, der sich mit der nachschulischen Bildung in demographisch schrumpfenden ländlichen Räumen Schottlands und Schwedens auseinandersetzt. Die nachschulische Bildung, definiert als jegliche Bildungsaktivität nach einem pflichtigen Schulabschluss, wird als wichtiger Baustein von Lebensqualität und Wirtschaftsentwicklung sowie relevanter Einflussfaktor für das Gehen oder Bleiben junger Menschen in ländlichen Regionen identifiziert. An zwei Beispielen untersuchen die Autorinnen und Autoren, wie ländliche Kommunen mit knappen Ressourcen mittels einer sinnvollen Bündelung sowie der digitalen Bereitstellung attraktive Angebote nachschulischer Bildung aufstellen und verstetigen können. Sie leiten die Erfolgsfaktoren beider Fallbeispiele anhand eines Analyserahmens mit vier Typen von Ressourcen (personelle, finanzielle, materielle und organisationale) her. Sie schlussfolgern, dass die gerade in ländlichen Schrumpfungsregionen so wertvolle Ressource des Humankapitals wesentlich auch für den Erfolg solcher innovativen Projekte ist.

Räumliche Gerechtigkeit ist eine Schlüsseldimension in der Diskussion um „gute“ Daseinsvorsorge. In Deutschland wird sie regelmäßig dann offensichtlich, wenn – wieder einmal – über die Inhalte oder die Notwendigkeit der raumordnungspolitischen Leitvorstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse diskutiert wird. Simon Dudek, Hans-Martin Zademach und Manfred Miosga verbinden diese Perspektive in ihrem Beitrag mit dem Ansatz der Fundamentalökonomie (foundational economy, auch: Ökonomien des Alltagslebens) und argumentieren, dass in der Daseinsvorsorgedebatte neben der Versorgungsleistung auch die arbeitsmarktpolitische Bedeutung fundamentalökonomischer Systeme zu berücksichtigen sei. Am Beispiel Bayerns analysieren die Autoren Beschäftigtenzahlen in fundamentalökonomischen Wirtschaftsfeldern. Demnach ist nahezu jede bzw. jeder dritte Beschäftigte im Freistaat Teil der Ökonomien des Alltagslebens im hier definierten Verständnis. Doch unterlagen gerade diese Wirtschaftsbereiche in den vergangenen Jahrzehnten einer Privatisierungslogik. Die Autoren schlussfolgern, dass Impulse für eine Stärkung der Ökonomien des Alltagslebens von den Kommunen ebenso wie von übergeordneten Instanzen, etwa durch den kommunalen Finanzausgleich oder regional- und strukturpolitische Instrumente, erforderlich seien.

Daseinsvorsorge ist, das machen die Beiträge deutlich, somit stets neu zu denken und bewegt sich doch in pfadabhängigen Bahnen. Als Gastherausgeber und Gastherausgeberin dieses Themenheftes verstehen wir die hier versammelten Aufsätze als einen weiteren Baustein in einer sich immer wieder neu belebenden Daseinsvorsorgedebatte um Zuständigkeiten, Bereiche und Akteure sowie um sich ändernde (vermeintliche) Selbstverständlichkeiten. Geplant ursprünglich mit einer stärker europäisch vergleichenden Perspektive, mussten wir im Publikationsprozess lernen, dass die Daseinsvorsorgedebatte weiterhin stark national geprägt ist. Dies ist einerseits aufgrund von Pfadabhängigkeiten und spezifischer Governance-Arrangements verständlich, stellt andererseits aber ein anhaltendes Forschungsdefizit dar.


Literatur

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Fußnoten

1InDaLE („Innovative Ansätze der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen – Lernen von Erfahrungen anderer europäischer Länder für Deutschland“) wurde als kooperatives Forschungsvorhaben von fünf Universitäten und Forschungseinrichtungen zwischen Januar 2020 und Dezember 2022 aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE) gefördert. Weitere Informationen unter https://www.indale.org (17.03.2024).