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            <article-title xml:lang="de">Altrock, Uwe; Bertram, Henriette; Krüger, Arvid (Hrsg.) (2024): Neue Suburbanität? Stadterweiterungen in Zeiten der Reurbanisierung</article-title>
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      <p>Suburbanisierung und Reurbanisierung sind heute nicht mehr als zwei dichotome, voneinander getrennte Phänomene zu verstehen, da sie in vielen deutschen Großstadtregionen gleichzeitig stattfinden und sich gegenseitig beeinflussen (zur Differenziertheit der Suburbanisierung vgl. Hesse <xref ref-type="bibr" rid="CR2">2018</xref>: 2630). Aus dieser Ausgangslage heraus widmen sich Uwe Altrock, Henriette Bertram und Arvid Krüger der von ihnen so genannten neuen Suburbanität. Hierunter wird nicht die häufig mit Suburbanität verbundene Ausdehnung der Städte durch neue Einfamilienhausgebiete verstanden, sondern ein Wachstum vieler deutscher Städte mit großen Stadterweiterungen für bis zu 10.000 Bewohnerinnen und Bewohner, die zwar in suburbaner Lage am Stadtrand geplant sind, bei denen jedoch ein urbaner Charakter angestrebt wird. Die Planung dieser neuen großen Quartiere, die zum Großteil auf zuvor unbebauten Flächen entstehen, ist insofern verwunderlich, als der Fokus auf Innenentwicklung in Politik sowie Forschung klar im Vordergrund steht und dadurch auch die Reurbanisierung sichtbarer zu sein scheint als die Suburbanisierung. Aufgrund des von den Kommunen konstatierten Mangels an bezahlbarem Wohnraum bei gleichzeitigem Mangel an großen innerstädtischen Konversionsflächen, findet die Entwicklung zunehmend wieder am Stadtrand statt und dieser neue Flächenverbrauch stößt auf Kritik. Möglicherweise hat es mit einer ideellen Ablehnung von Neuplanungen auf der ‚grünen Wiese‘ zu tun, jedenfalls beschäftigen sich bislang nur wenige Forscherinnen und Forscher mit dieser Thematik, die nichtsdestotrotz die Städte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten allein schon aufgrund ihrer Größe prägen wird. Die Forschung soll in einer DFG-Forschungsgruppe weitergeführt werden, um den Entstehungsprozess der Quartiere über die nächsten Jahre zu begleiten (Beitrag Altrock/Bertram/Krüger, S. 8). Neben der hier rezensierten Publikation gibt es zum Themenbereich wenig Forschungsarbeiten, beispielsweise die Publikation „Große Quartiere. Stadt wieder im großen Maßstab planen“ (Förster/Schmitt <xref ref-type="bibr" rid="CR1">2021</xref>). Wichtiger Anhaltspunkt zum Verständnis der heute geplanten Quartiere ist der Text „Europäische Stadt als Bausteinkasten für die Städtebaupraxis – die neuen Stadtteile“ (Jessen <xref ref-type="bibr" rid="CR3">2004</xref>), der große Quartiersplanungen der 1990er-Jahre thematisiert, die mittlerweile realisiert sind und als Vorgängerquartiere der aktuellen Quartiere gelten können.</p>
      <p>Die Gliederung des Sammelbands besteht, neben einer thematischen Einführung und einem kurzen zusammenfassenden Text von Herausgeberin und Herausgebern, aus 14 Beiträgen, die sich der Thematik der neuen Suburbanisierung aus verschiedenen disziplinären Perspektiven und mit jeweils eigenen Methoden nähern. Die Beiträge der Autorinnen und Autoren sind in drei Themenbereiche eingeteilt: (1) Leitbilder, Akteure, Fragen der Standortwahl (sechs Beiträge), (2) Milieus, Zielgruppen und deren Wohnansprüche (fünf Beiträge) und (3) Suburbanisierungspraxis des 20. Jahrhunderts (drei Beiträge). Es wird somit sowohl auf planerische als auch auf soziologische sowie geschichtliche Aspekte eingegangen.</p>
      <p>Der erste Themenbereich wird aus planerischer Perspektive betrachtet und kann unter dem Begriff der Flächeninanspruchnahme zusammengefasst werden. Dabei geht es um die Frage, welche Flächen wo in der Stadt in welcher Dichte und Nutzungsmischung verwendet werden und welche Konzepte es gibt, um möglichst nachhaltig neuen Wohnraum und Freiflächen zu schaffen (Beiträge Altrock/Krüger/Zimmermann und Bellin-Harder/Lorberg). Aber es werden auch Positionen betrachtet, die eine Neuinanspruchnahme von Flächen gänzlich ablehnen, wie es bei der beschriebenen Postwachstumslogik der Fall ist (Beitrag Menzl, S. 126). Aus lokalem gesellschaftlichem Protest gegen die neuen Entwicklungen hätten sich so genannte Antiwachstumskoalitionen gebildet, denen es gelinge, „zentrale Widersprüche zwischen Anspruch und Realität aktueller Stadtentwicklungsplanung zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung, Kompaktheit und Flächeninanspruchnahme, Verkehrsvermeidung und Überlastung der Infrastruktur sowie Metropolisierung, ‚Wachstumsschmerzen‘ und ländlicher Bestandsentwicklung aufzuzeigen“ (Beitrag Bertram, S. 170). Und damit wird auch keine eindeutige Lösung für das Für und Wider dieser neuen Flächeninanspruchnahmen in Aussicht gestellt.</p>
      <p>Im zweiten Themenbereich wird aus sozialwissenschaftlicher und ethnologischer Perspektive die Frage nach der sozialen Differenzierung des suburbanen Raums gestellt. Ein quantitativer Ansatz zur Entwicklung eines Indikators der kleinräumigen sozialen Differenzierung macht den Anfang (Beitrag Kiesler/Baldewein/Keller). Dann werden die Themen Gentrifizierung (Beitrag Frank) und Zusammenhalt im Kontext des Suburbanen betrachtet, mit der Feststellung: „[Zusammenhalt] ist in den untersuchten suburbanen Räumen v.a. durch ein Nebeneinander geprägt. Kohäsion in Form von Koexistenz schafft den gemeinsamen Nenner, auf den sich alle Bewohner*innen […] einigen können“ (Beitrag Göb, S. 269). Außerdem wird unterschiedlichen Differenzkriterien nachgegangen und verschiedene Perspektiven werden angelegt. Die Beiträge über Migration und gendersensible Planung geben Einblicke in die Lebenswelten von Bewohnerinnen und Bewohnern (Beiträge Yesil und Bertram). In Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit in neuen Quartiersplanungen wird darauf hingewiesen, dass Konzepte wie die „Stadt der kurzen Wege“ zwar auch dafür förderlich seien (Beitrag Bertram, S. 216), dass jedoch für tatsächliche strukturelle Veränderungen die Geschlechtergerechtigkeit als eigenständiges Ziel priorisiert werden müsse (Beitrag Bertram, S. 230). Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Perspektiven machen deutlich, dass der suburbane Raum weniger homogen ist, als häufig angenommen wird.</p>
      <p>Im dritten Themenbereich wird aus geschichtlicher Perspektive auf die Thematik der Stadterweiterungen geschaut. Hierbei sind Bezüge zu unterschiedlichen vorherigen Epochen erkennbar, woraus Erkenntnisse abgeleitet werden, die sich im heutigen Kontext reflektieren lassen. Dies ist besonders relevant, da bei den aktuellen Quartieren „eine umfassende Empirie erst dann zur Verfügung stehen wird, wenn die Quartiere erstmal in den verschiedenen deutschen Großstädten gebaut sind“ (Beitrag Krüger, S. 337). Es wird auf Stadterweiterungen seit 1900 eingegangen (Beitrag Benke) und der Genese eines Wohngebiets über mehrere Jahrzehnte nachgegangen (Beitrag Nätscher) sowie das Thema Infrastrukturversorgung im Zusammenhang mit einer angestrebten Urbanität bei den Quartiersplanungen betrachtet (Beitrag Krüger). Deutlich wird bei dieser geschichtlichen Betrachtung, welchen großen Einfluss die Veränderungen von politischen Konstellationen und städtebaulichen Leitbildern über die langen Planungs- und Realisierungszeiträume auf die Quartiere ausüben.</p>
      <p>Das Fazit der Herausgeber und der Herausgeberin im abschließenden Beitrag betont die Notwendigkeit einer Aktualisierung und Ausdifferenzierung des vorherrschenden Bildes der Suburbanität und es werden zahlreiche Fragen zur weiteren Untersuchung gestellt. Zum Abschluss wird konstatiert, dass es keine einfachen Antworten auf Fragen nach einer nachhaltigen Weiterentwicklung suburbaner Raumstrukturen gebe (Beitrag Altrock/Krüger/Bertram, S. 370). Dieser finale Hinweis auf die Komplexität des Themenbereichs ist folgerichtig für diese Publikation, deren Untersuchungsgegenstand noch im Entstehen ist. Das Buch behandelt sehr gewissenhaft ein Thema, das gerade nicht en vogue ist, dem sich nicht viele forschend widmen und das mit der großen Zahl an neuen großen Quartiersplanungen trotzdem eine Realität darstellt. Die vielfältigen Teilbeiträge geben einen guten Überblick über die Vielschichtigkeit der Thematik, sind meist fundiert recherchiert und bieten durch umfangreiche Quellenangaben Material zur vertieften Betrachtung. Diese Fundierung führt in den Beiträgen dazu, dass die Erklärung der Vorgehensweise der Untersuchung oftmals viel Raum einnimmt, im Verhältnis zu den gewonnenen Erkenntnissen. Für den Autor dieses Textes wären teils klarere Schlussfolgerungen und ein noch kritischeres Hinterfragen der Praxis der Quartiersplanungen sowie die Diskussion von Alternativen aufschlussreich. Folgende Aussage steht beispielhaft für den wohlwollenden Ton der Publikation: „[Städte bauen] auf innovative Ansätze. Um diese umzusetzen, orchestrieren sie Planungsprozesse sorgfältig und führen innovative kooperative Prozesse ein“ (Beitrag Altrock, S. 25). Gerade auch für eine forschende Begleitung der Realisierung der Quartiere ist das Aufzeigen kritischer Punkte essenziell, damit in Planung und Realisierung vom Feedback gelernt werden kann und eventuelle Anpassungen an den langen Prozessen vorgenommen werden können.</p>
      <p>Eine wichtige Perspektive, die bisher nur sehr untergeordnet auftaucht, ist die Betrachtung und Darstellung der räumlichen Ausprägung der Quartiere. Dies spiegelt sich bei der Publikation auch an in Größe und Qualität untergeordnet wirkenden Fotos und Abbildungen wider. Die Auseinandersetzung mit dem Räumlichen ist sicherlich eine Herausforderung, da die meisten Quartiere derzeit noch nicht realisiert sind, dennoch erscheint es wichtig, eine städtebaulich-architektonische Diskussion zu führen, die über die Bezugnahme auf das Leitbild der Europäischen Stadt hinausgeht. Wichtig scheint hierbei auch zu sein, die geschichtliche Betrachtung zu erweitern und die bereits realisierten Quartiere der jüngeren Vergangenheit (seit 1990) einzubeziehen, die aufschlussreich für die räumliche Realisierung der aktuell geplanten Quartiere sein können (vgl. Leuter <xref ref-type="bibr" rid="CR4">2024</xref>).</p>
      <p>Im weiteren Forschungsprozess wird sich durch die Begleitung der Realisierung der Quartiere schließlich zeigen, ob die Intention der neuen Quartiersplanungen, sich als urbane Stadtteile zu etablieren, mit den angewandten Mitteln umzusetzen ist. Es wird zu eruieren sein, ob bei den Stadterweiterungen das Ziel einer peripheren Urbanität erreicht werden kann oder ob die Quartiere tatsächlich ein Teilphänomen einer so genannten neuen Suburbanität sein werden.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werkes:</title>
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         <p>Altrock, U.; Bertram, H.; Krüger, A. (Hrsg.) (2024): Neue Suburbanität? Stadterweiterung in Zeiten der Reurbanisierung. Bielefeld: transcript Verlag. 376 Seiten. 27 s/w-, 32 Farbabbildungen.</p>
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            <mixed-citation>Förster, A.; Schmitt, G. (Hrsg.) (2021): Große Quartiere: Stadt wieder im großen Maßstab planen. Aachen. = pnd rethinking planning 1/2021. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.18154/RWTH-2021-01461">https://doi.org/10.18154/RWTH-2021-01461</ext-link>
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               <mixed-citation>Leuter, H. (2024): Widersprüche als Potenziale – Konzept für einen Multidialektischen Städtebau am Beispiel großer Quartiersplanungen. Dissertation am Städtebau-Institut, Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen, Fakultät Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.18419/opus-15026">https://doi.org/10.18419/opus-15026</ext-link>
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