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            <article-title xml:lang="de">Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen; Büro urbanista (Hrsg.) (2025): Stadt-Umland-Atlas Hamburg</article-title>
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                  <institution>Universität Luxemburg</institution>
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      <p>Suburbanisierung und Metropolenentwicklung sind Dauerthemen in Stadtplanung und Stadtforschung, mit unterschiedlicher Akzentsetzung in Forschung und Praxis. Was einst als „Stadtflucht“ problematisiert und dann über Jahrzehnte als suburbaner Raum kritisch analysiert wurde, nimmt heute in Gestalt der Stadtregion einen wichtigen Stellenwert im Repertoire von Stadtforschung und Stadtplanung ein. Politisches <italic>Framing</italic> hat die großen Stadtregionen in Deutschland seit Mitte der 2000er-Jahre zu Metropolregionen gemacht und ihnen besondere funktionale Attribute zugesprochen. In jüngster Zeit haben COVID-19-Pandemie, Digitalisierung der Arbeit im Homeoffice und der Preisdruck auf urbane Wohnungsmärkte das Licht der Fachöffentlichkeit wieder auf die Randbereiche der Stadtregionen gelenkt.</p>
      <p>In dieser Diskussion ist der Stadt-Umland-Atlas Hamburg situiert, der 2025 von der Hamburger Stadtentwicklungsbehörde gemeinsam mit dem Büro urbanista erstellt wurde. Das im Wortsinn gewichtige Produkt gibt einen großformatigen Einblick in den Stand der Raumentwicklung im Verflechtungsbereich der Freien und Hansestadt sowie ihren Nachbarkreisen und -gemeinden. Aufbauend auf eine Einführung zum Begründungszusammenhang sowie zur Raumstruktur ist das Werk in sechs große Abschnitte gegliedert. Ihre Themen sind Entwicklungsdynamiken, sozialräumliche Muster, Mobilität im Raum sowie Umweltbedingungen und Resilienz. Der letzte Abschnitt handelt von Wahrnehmungsfragen, der „Region in den Köpfen“, basierend auf einer Online-Umfrage und fast 3.000 antwortenden Personen. Die Wiedergabe der Karten ist hervorragend, das Lesen der Printversion macht selbstredend einen großen Unterschied im Vergleich zur parallel in Open Access verfügbaren digitalen Variante. Der Atlas gibt eine vorzügliche Übersicht über die Region. Es ist kaum möglich, den über 300 Abbildungen und 17 thematischen Kapiteln hier im Detail gerecht zu werden. Neben der thematischen Breite überzeugt das Werk auch in der Durchdringung von Einzelaspekten, etwa zum Zusammenspiel von Dichte und Mischung, über Siedlungstätigkeit und Verkehrsanbindung oder sozialräumlichen Status und Milieus. Im Zeitablauf werden die durchaus schwankenden Entwicklungsdynamiken von Kernstadt und ihren Rändern deutlich.</p>
      <p>Der Behörde in Hamburg gebührt das Verdienst, das Thema Metropolenentwicklung und darin die Entwicklung des suburbanen Raums über eine längere Zeit auf ihre Agenda gesetzt zu haben, wie dies kaum eine andere Großstadt hierzulande getan hat. Der Atlas markiert den Auftakt zu einem neuen Leitbildprozess für Stadt und Region bzw., in seiner Diktion, von Stadt und Umland. Dabei wird den Darstellungen im Atlas bewusst das Attribut „neutral“ gegeben, um dem späteren Prozess der partizipativen Meinungsbildung nicht vorzugreifen. Insofern ist der Atlas als dokumentarischer Impulsgeber für eine nachhaltige Entwicklung der Region zu verstehen. Er gilt als Einladung, den Raum neu zu denken sowie Strategien für die Zukunft zu entwerfen (S. 6).</p>
      <p>Drei Dinge erscheinen bemerkenswert im Hinblick auf den thematischen und regionalen Kontext. Der erste Punkt betrifft die Terminologie und Abgrenzung dessen, was hier als „Umland“ fungiert. Aus der Sicht der Metropolenforschung ist dies ein in die Jahre gekommener Begriff, den andere Arbeiten verworfen haben. Ursache ist die hegemoniale Rolle der Kernstadt, die dem Umland-Terminus praktisch eingeschrieben ist, die es in vielen Großstadtregionen aber so nicht mehr gibt. (Das gilt in tendenziell monozentrisch verstandenen Metropolen wie Hamburg anders als in polyzentrischen Räumen wie Rhein-Ruhr, Rhein-Main oder Rhein-Neckar.) Im Atlas selbst wird die Abgrenzungsfrage mit einem Raster aus Kernstadt, Verflechtungsraum und Nachbarschaftsraum differenzierter gelöst, als es die Rede vom „Umland“ erwarten lässt. Während Datenquellen sorgfältig belegt werden, bleibt ein Rekurs auf einschlägige wissenschaftliche Debatten aus; das komplette Werk kommt ohne jede Literaturquelle zum Thema aus.</p>
      <p>Zweitens offenbart der Perimeter von Stadt und Umland eine interessante Positionierung der Stadt, etwa im Vergleich zu früheren Leitbildern oder zum – hier naheliegenden – Konstrukt der Metropolregion. Natürlich ist der Umgriff der Stadt zu klein für ein gegenstandsgemäßes Bild ihrer Zukunft als Stadtregion, während die Metropolregion für diesen Anspruch definitiv zu groß ist (obwohl es mittlerweile auch ein neues räumliches Leitbild für die Metropolregion gibt). Die Stadtplanung vollzieht hier insofern eine Korrektur in der Maßstäblichkeit ihrer normativen Ausrichtung, wo das Vorgängerleitbild von 2014 – auch im Kontext der Hafencity – noch dezidiert auf die Förderung von „Mehr Stadt in der Stadt“ gesetzt hatte. Eine wachsende Metropole scheint auf die Expansion in ihre (inneren und äußeren) Ränder nicht verzichten zu können, was auch die Existenz größerer Entwicklungsgebiete im Osten und Süden Hamburgs zu bestätigen scheint.</p>
      <p>Drittens verbindet sich mit dem Anspruch auf „Neutralität“ eine Art essentialistisches Raumbild, in dem Daten und Zahlen für sich sprechen. Sie sind aber natürlich Teil der Produktion des Raums an sich. Politiken der Stadtregion kommen im Atlas entsprechend nicht bzw. allenfalls implizit vor, obwohl Entwicklungsinteressen und die Macht zu ihrer Durchsetzung entscheidend für die Evolution von Stadt und Stadtregion sind.</p>
      <p>Es bleibt abzuwarten, wie die nächsten Verfahrensschritte in der Konzeption des neuen Leitbildes ablaufen und welche Analysebausteine und – vor allem – Interpretationen dabei handlungsleitend gemacht werden. Dann wird sich zeigen, ob und wie gut die Konstruktion empirischer Sachverhalte als vermeintlich neutrale Datenbasis und die Bewertungen und Ziele der Planung als normative Grundlage zusammenspielen. Gerade in politischer Hinsicht ist die Stadtregion natürlich alles andere als ein neutraler Raum, sondern durch vielfältige Macht- und Interessenkonstellationen geprägt. Diese werden in den avisierten partizipativen Verfahren womöglich artikuliert und reproduziert, aber nicht aufgelöst.</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werks</title>
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         <p>Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen; Büro urbanista (Hrsg.) (2025): Stadt-Umland-Atlas Hamburg. Berlin: Jovis Verlag. Hardcover 30,5 × 31,5 cm. 256 Seiten, 250 farbige Illustrationen. Digitale Fassung <italic>Open Access</italic> beziehbar unter <ext-link xlink:href="https://www.jovis.de/en/book/9783986122300">https://www.jovis.de/en/book/9783986122300</ext-link>.</p>
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