Arbeitsplatzdynamik im Süd-Nord-Gefälle

Authors

  • Wolfgang Eckart
  • Eberhard von Einem
  • Konrad Stahl

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2603

Abstract

Trotz günstiger konjunktureller Rahmenbedingungen seit 1983/84 und langsam steigender Arbeitsplatzzahlen hält sich die Arbeitslosigkeit ohne sichtbare Entspannung hartnäckig auf hohem Niveau. Sie ist das Menetekel wirtschaftlichen und sozialen Wohlstandes, dem Wissenschaft und Politik gleichermaßen ratlos gegenüberstehen.

Zudem betrifft das Problem Arbeitslosigkeit einzelne Landesteile in unterschiedlichem Maße. Gravierende Ausmaße nimmt sie insbesondere in den altindustriellen Regionen des Nordens und Westens (Ruhrgebiet, Saarland, Bremen u. a.) an, während die Arbeitslosenziffern im Süden unter dem Bundesdurchschnitt bleiben. Hier zeichnet sich ein Süd-Nord-Gefälle ab.

Im Rahmen dieses Beitrages diskutieren wir auf dem Hintergrund der Literatur einige Beobachtungen zur regionalen Arbeitsplatzentwicklung in der Überzeugung, daß eine präzisere Kenntnis der Eigenentwicklung regionaler Arbeitsmärkte erforderlich ist, um mit Programmen, Politiken und Maßnahmen zur Arbeitsplatzschaffung an den strategisch aussichtsreichen Punkten ansetzen zu können.

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Die Untersuchung wird von der VW-Stiftung dankenswerterweise gefördert.

Die VC-Untersuchungsstichprobe enthält 2 851 Unternehmen mit Daten zwischen 1.1.1975 und 31.12.1983. 1 623 Unternehmen existierten im Basisjahr 1975, von denen zwischen 1975 und 1983 insgesamt 370 eingestellt wurden. 1 228 Unternehmen wurden zwischen 1975 und 1983 neu gegründet. Von ihnen überlebten 836, während 392 eingestellt wurden, so daß sich am Jahresende 1983 ein Bestand von 2 089 Unternehmen im Untersuchungssample ergab.

Bezogen auf das Basisjahr 1975 wurden 788 Unternehmen in der Region Frankfurt und 827 Unternehmen in der Region Ruhrgebiet ausgewertet. Dies entspricht einem Auswahlsatz von 5 % jeweils. Die nach Zufallsprinzip ausgewählten Unternehmen repräsentieren in Frankfurt 1975 30 310 Beschäftigte und im Ruhrgebiet 14 161 Beschäftigte. Zum Datenabgleich mit der AZ 1970, mit der Beschäftigtenstatistik und den Gewerbean- und -abmeldungen vgl. W. Eckart, E. v. Einem, K. Stahl, 1986 b.

Die positive Arbeitsplatzbilanz im Ruhrgebiet und in Frankfurt für die Jahre 1975–1983 widerspricht der Entwicklung der Beschäftigtenstatistik in den entsprechenden Arbeitsamtsbezirken. Danach ergibt sich für Frankfurt eine Abnahme der Beschäftigten um −0,2 % und für das Ruhrgebiet (Essen, Bochum, Recklinghausen) von −6,6 % (1977–1983, vgl. Albrecht/Schmid 1985). Die Erklärung der Abweichung ergibt sich zum einen aus einer vermuteten Untererfassung abgebauter Arbeitsplätze. Es ist nicht auszuschließen, daß bei der Datenbereinigung und -überprüfung noch eine unbekannte Zahl bereits eingestellter Unternehmen in den Archiven der Creditreform erfaßt ist. Zwar haben wir durch Überprüfung der Telefonanschlüsse in jedem Einzelfall über 400 Firmen als bereits eingestellt identifizieren können. Dennoch dürfte ein Fehler geblieben sein. Bedeutender ist jedoch, daß die Beschäftigtenstatistik nur auf sozialversichungspflichtig Beschäftigte abstellt, während die Kreditauskunfteien zusätzlich auch tätige Inhaber und Gesellschafter, Freiberufler und vor allem die vermutlich erhebliche Zahl nicht sozialversicherungspflichtig Beschäftigter mitzählt (unterhalb von 400 DM pro Monat). Die vermutete überproportionale Entwicklung der sog. “geringfügig Beschäftigten” und Selbständigen in den letzten Jahren dürfte eine teilweise Erklärung bieten. Schließlich liegt ein weiterer Unterschied darin, daß die Beschäftigtenstatistik auf Betriebe, Kreditauskunfteien jedoch auf Unternehmen abstellen. Alle Mehrbetriebsunternehmen sind in Frankfurt, aber auch in Essen und Bochum erfaßt, soweit sich die Hauptverwaltung dort befindet; d. h. die Beschäftigtenentwicklung dieser Ünternehmen beeinflussen die regionalen Beschäftigtenzahlen.

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Published

1986-03-31

Issue

Section

Research Article

How to Cite

1.
Eckart W, von Einem E, Stahl K. Arbeitsplatzdynamik im Süd-Nord-Gefälle. RuR [Internet]. 1986 Mar. 31 [cited 2026 Aug. 15];44(2,3):74-8. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2603

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