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            <journal-title>Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning</journal-title>
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         <article-id>3121</article-id>
         <article-id pub-id-type="doi">10.14512/rur.3121</article-id>
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            <article-title xml:lang="de">Leibenath, Markus; Gailing, Ludger; Birnbaum, Alena (Hrsg.) (2024): Landscapes for Future – Landschaften und sozial-ökologische Transformationen</article-title>
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               <license-p>This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY).</license-p>
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      <p>Die globalen Umweltkrisen sind in den letzten Jahren auch in der Landschaftsforschung prominentes Thema geworden, insbesondere im Kontext zunehmend unmittelbarer, vor Ort erfahrbarer ‚Störungen‘ und Dynamiken durch den Klimawandel, Biodiversitätsverlust und damit einhergehende Fragen nach Gerechtigkeit (z. B. bezüglich der Verteilung von Lasten und Entscheidungsmacht). Landschaften werden nicht mehr, wie lange üblich, über Grenzziehungen zwischen Natur und Kultur, zwischen höher- und geringwertigeren Räumen sowie zwischen schützender Natur und industriell überprägten Räumen verstanden. Vielmehr rücken sie als Ausgangspunkt und Ergebnis sozialökologischer Transformationen in den Fokus, wobei die Wechselwirkung zwischen anthropogener und natürlicher Einflussnahme im Mittelpunkt steht. Damit geraten Aushandlungsprozesse, Konflikte, Mitbestimmung und Beteiligung sowie dahinterliegende Werte, Symbolisches und Konstruktionen in den Vordergrund.</p>
      <p>Der Sammelband „Landscapes for Future – Landschaften und sozial-ökologische Transformationen“ ist fachlich-thematisch hier anzusiedeln. Er basiert auf Vorträgen, die auf einer Veranstaltung des Arbeitskreises für Landschaftsforschung zum gleichnamigen Thema an der Universität Kassel im September 2022 gehalten wurden.</p>
      <p>Neben der Einleitung von <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic>, die theoriegeleitet in die Komplexität der Thematik einführt, die Zielstellung des Buches darlegt und die Beiträge vorstellt, ist der Band in fünf Unterkapitel gegliedert:</p>
      <p>Im Teil „Mensch, Macht und Natur“ findet sich eine kritische Auseinandersetzung mit der Beziehung des Menschen zu Wildtieren in der Großstadt (<italic>Annette Voigt</italic>), ein Bericht über den Einsatz des utopischen Denkansatzes in der Hochschullehre (<italic>Margarete Arnold, Franziska Bernstein </italic>und <italic>Annette Voigt</italic>) sowie die Darstellung eines entwickelten Monitoringsystems mit Frühwarnfunktion zur Erfassung von langfristigen Landschaftsveränderungen (<italic>Michael Höhn</italic>).</p>
      <p>Der Teil „Infrastrukturen, Gebäude und urbane Landschaften“ behandelt Beiträge zu den bisher wenig diskutierten Folgen von Nachverdichtung auf die Qualität von öffentlichem Raum (<italic>Jonathan Stimpfle</italic>), zu den Wechselwirkungen von physischen städtischen Infrastrukturen mit gesellschaftlichen Strukturverhältnissen (<italic>Anna Yukelson</italic>), zur Abhängigkeit von erfolgreichen ökologischen Verbesserungen von der zeitgleichen Erbringung soziokultureller Leistungen wie Baukultur und Umweltbildung (<italic>Katarina Bajc</italic>) am Beispiel von urbanen Fließgewässern, zum Lösungspotenzial innovativer Infrastrukturnutzung wie <italic>Coworking Spaces</italic> für sozioökonomische ländliche Strukturprobleme (<italic>Hülya Billor-Özer</italic>).</p>
      <p>Im Abschnitt „Energielandschaften“ wird zum einen eine Geschlechter- und Machtperspektive auf die räumlichen Transformationsprozesse der Energiewende geworfen (<italic>Johanna Dankers, Theresa Herdlitschka, Katharina Kapitza, Tanja Mölders</italic>) und zum anderen werden in vier weiteren Beiträgen Transformationslandschaften als Folgen des Kohleausstiegs diskutiert: das Potenzial diskursiver Planungspolitiken für die Identitätsbildung (<italic>Marian Günzel</italic>), die (planungsbezogene) Geschichte der Transformationslandschaft am Beispiel des Rheinischen Reviers (<italic>Daniel Münderlein, Matti Wirth</italic>), der Beitrag von <italic>Regional Design</italic> (<italic>Daniel Münderlein, Matti Wirth, Silvia Beretta</italic>), Visionen von Studentinnen und Studenten für die zukünftigen Folgelandschaften (<italic>Mara Haas, Katrin Hagen, Gisa Ruland</italic>).</p>
      <p>Der Teil „Planung, Governance und Transformation“ beinhaltet eine Erörterung transformativer Landschaftspolitik unter der Perspektive des <italic>Multi-Stream-</italic>Ansatzes (<italic>Gerd Lintz</italic>), eine Analyse des Reallaborkonzepts für Biosphärenreservate (<italic>Markus Leibenath, Myriam Pregizer, Nadja Diemunsch</italic>), eine Konfliktanalyse eines am Widerstand der Bürgerinnen und Bürger gescheiterten innerstädtischen Wohnungsbauprojekts (<italic>Mariam Diagayété</italic>).</p>
      <p>Im Abschnitt „Über die Zukunft ins Gespräch kommen“ versammeln sich Beiträge zu einer Wertekommunikation über Bilder aus der Landwirtschaft (<italic>Uta Eser, Andreas Greiner, Jutta Schneider-Rapp, Carolin Schweizerhof, Claudia Bieling</italic>), zum Einsatz (und der Anpassungsnotwendigkeit) von <italic>planning imagineries</italic> in der proaktiven Gestaltung sozial-ökologischer Transformation (<italic>Cormac Walsh, Ludger Gailing</italic>), zur transdisziplinären Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für nachhaltigen Tourismus (<italic>Sandra Sieber, Christl Wittmann, Dana Stolte, Kristina Epple, Yane Marie Conrad</italic>).</p>
      <p>Den Band rundet ein Abschlussteil und Fazit ab, in dem die Erkenntnisse aufeinander bezogen und hinsichtlich der Eingangsfrage – dem Gewinn einer Landschaftsperspektive auf sozial-ökologische Transformation –, kritisch reflektiert und Handlungs- wie Forschungsbedarf formuliert werden (<italic>Markus Leibenath, Alena Bierbaum, Ludger Gailing</italic>).</p>
      <p>Die im Buch enthaltenen Beiträge schließen an die sich seit den 2000er-Jahren stark intensivierende wissenschaftliche und öffentliche Auseinandersetzung mit den Effekten der globalen Krisen auf Natur und Gesellschaften an und damit auch auf Landschaften inklusive der Fragen nach einem angemessenen zukunftstauglichen Umgang. Allerdings scheint es bisher wenig landschaftsbezogene Arbeiten zu geben, die sich ausdrücklich auf den Ansatz der sozial-ökologischen Transformation beziehen bzw. sich zu diesem ins Verhältnis setzen, so <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic> im Einleitungskapitel (S. 9). Das Interesse, an diesen Berührungspunkten zu arbeiten, ist jedoch offenbar groß, wie die Resonanz auf den Call zur genannten Veranstaltung deutlich machte. Unbedingt begrüßenswert ist daher die Intention der Herausgeberin und Herausgeber, mit dem Sammelband den Mehrwert einer expliziten landschaftsbezogenen Perspektive auf sozialökologische Transformationen ausloten zu wollen.</p>
      <p>Was ist damit nun genau gemeint? Es bedeutet <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic> zufolge, Landschaft als „Rahmenkonzept für Forschung und politische Praxis“ (S. 7) einzusetzen und interdisziplinäre sowie multidimensionale Sichtweisen auf die Bearbeitung sozial-ökologischer Transformation anzulegen. Diese Perspektive helfe, die „hybriden Realitäten zwischen gesellschaftlicher Praxis und naturräumlichen Bedingungen abzubilden und zu erforschen“ (Görg <xref ref-type="bibr" rid="CR3">2005</xref>; zitiert nach S. 7).</p>
      <p>Dies bedeutet zunächst, am Spezifischen und Konkreten entlang zu forschen, sprich die Analyse von Effekten und Gründen globaler Veränderungen zeiträumlich und historisch sowie bezüglich der sozioökonomischen und naturräumlichen Bedingungen sowie der Lebensverhältnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu kontextualisieren. Es bedeutet zudem einen Fokus auf die Macht- und Gerechtigkeitsverhältnisse der Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Räumen zu legen.</p>
      <p>
         <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic> beschreiben diese Verknüpfungen als den blinden Fleck unserer Landschaften in Zeiten imperialer Lebensweisen (Brand/Wissen <xref ref-type="bibr" rid="CR1">2017</xref>), als deren „Schattenseiten und -orte“ (S. 6). Nach dem Konzept der von ihnen zitierten <italic>shadow places</italic> von Plumwood (<xref ref-type="bibr" rid="CR4">2008</xref>) brauchen Landschaften von Gesellschaften, deren Wohlstand großteils auf Externalisierung beruht, stets ein Anderswo (Dünckmann/Hein/Klepp <xref ref-type="bibr" rid="CR2">2022</xref>), um sich herausbilden zu können.</p>
      <p>
         <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic> weisen jedoch auch darauf hin, dass mit einer unkritischen Sicht auf Landschaften als eine komplexe hybride Entität aus Natur- und Kulturanteilen die Gefahr einhergehe, Landschaft wie beispielsweise im Verständnis der Heimatschutzbewegung als holistische Ideologie zu entwerfen, die der „Verschleierung von Herrschafts- und Unterdrückungszusammenhängen und gesellschaftlichen Konflikten“ Vorschub leiste (S. 8).</p>
      <p>Daher erscheint es folgerichtig, dass <italic>Markus Leibenath</italic> und <italic>Ludger Gailing</italic> in ihren Überlegungen dem dynamischen, nicht stabilen Landschaftsverständnis einen besonderen Platz einräumen. Dies ist eine weitere spannende Besonderheit des Buches, nämlich die Dynamik, das Gewordensein, andauernd sich verändernde Landschaften und ihre soziomateriellen Prozessmerkmale als Gestaltungsparameter mit nach vorne zu stellen. Dass damit Verluste einhergehen, regelrechte „Verlustlandschaften“ (S. 9) entstehen, was diese gesellschaftlich bedeuten, welche Folgen daraus Gesellschaften im Umgang mit dynamischen Landschaftsveränderungen ziehen, sind spannende Fragen, die in den Beiträgen immer wieder eine Rolle spielen und unbedingt weitere Beachtung verdienen.</p>
      <p>Bemerkenswert an dieser Buchveröffentlichung ist zudem, dass die Beiträge – obwohl alle auf ein Landschaftsthema fokussieren – eine enorme inhaltliche Bandbreite abbilden und damit eine Vielzahl an Fachdiskursen innerhalb der sozial-ökologischen Transformationsdebatte berühren, wie beispielsweise ökologische und Beziehungsgerechtigkeit, transformative Methoden, diskursive und wertegeleitete innovative Planungsansätze etwa mit Bildern und Visionen, Berücksichtigung von Identitätsaspekten, Ausgrenzungen und Bedeutungswandel durch Funktionsänderung von Räumen/Raumelementen, räumliche Effekte sozialer Innovationen sowie Macht- und Genderverhältnisse in der Planung und Raumnutzung.</p>
      <p>Diese umfassende Vielfalt an Perspektiven bietet den Leserinnen und Lesern verschiedener wissenschaftlicher und planerischer Fachrichtungen eine attraktive und spannenden Lektüre, die zur gegenseitigen Befruchtung von Landschafts- und Transformationsforschung beitragen kann. Die Beiträge liefern erhellende Einblicke in die Komplexität und Entgrenzungen von ehemals dualistisch angelegten Beziehungskonstellationen, reflektieren Konflikte, Macht- und Herrschaftsverhältnisse in transformativen Praktiken, geben interessante Beispiele für Landschaften als Gestaltungs- und Erprobungsräume sozial-ökologischer Transformationen und fordern dazu auf, verstärkt Gerechtigkeits- und Machtfragen zu adressieren. Daher lautet ein wenn auch ambivalentes Fazit der Autorinnen und Autoren: Mehr Gerechtigkeit wagen (S. 337)!</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werks:</title>
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         <p>Leibenath, M.; Gailing, L.; Birnbaum, A. (Hrsg.) (2024): Landscapes for Future – Landschaften und sozial-ökologische Transformationen. Wiesbaden: Springer VS. VII, 346 Seiten, 13 schwarz/weiß-, 26 Farbabbildungen. <ext-link xlink:href="https://doi.org/10.1007/978-3-658-43082-5">https://doi.org/10.1007/978-3-658-43082-5</ext-link>
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