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            <article-title xml:lang="de">Clark, William A.V. (2024): Rethinking Neighborhoods: Connections and Cohesion</article-title>
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      <p>Mit seinen richtungsweisenden Arbeiten zu Wohnmobilität, Segregation und Quartierseffekten hat William A.V. Clark – emeritierter Professor der Geographie an der University of California in Los Angeles und unter anderem Mitglied der National Academy of Sciences – die internationale Quartiersforschung nachhaltig geprägt und auch die Entwicklungen in Europa maßgeblich beeinflusst. Umso größere Aufmerksamkeit verdient es, wenn aus seiner Feder ein neues Buch zur Quartiersthematik erscheint. In der Tat eröffnet seine jüngste Publikation, „Rethinking Neighborhoods: Connections and Cohesion“, neue Perspektiven, denn mit William A.V. Clark legt einer der renommiertesten Vertreter der anglo-amerikanischen <italic>neighborhood research</italic> eine umfassende Monographie vor, die nicht nur als Resümee einer langen, von der Moderne in die Spätmoderne hineinreichende Forscherkarriere, sondern auch als Standortbestimmung der internationalen Quartiersforschung gelesen werden kann.</p>
      <p>Die Publikation, verfasst in einem prägnanten und gut lesbaren Stil, gliedert sich in drei Hauptteile, die eine systematische Annäherung an das komplexe Phänomen „Quartier“ ermöglichen. Im ersten Abschnitt („Neighborhoods and the Organization of the City“) entwickelt William A.V. Clark seine konzeptionellen Grundlagen und diskutiert zentrale Fragen der Begriffsbestimmung. Demnach resultiert die Unschärfe der Definition des <italic>Neighborhood</italic>-Begriffs aus der Vielfalt der fachlichen Perspektiven sowie dem Facettenreichtum des Untersuchungsgegenstands. Quartiere sind multidimensionale Phänomene, deren geographische Grenzen fluid, deren soziale Nachbarschaften veränderlich und deren Funktionen von Fall zu Fall stark ausdifferenziert sind – stets geprägt durch ein Wechselspiel von Wandel (das große Forschungsfeld des <italic>neighborhood change</italic>) und Beständigkeit. William A.V. Clark analysiert, was ein ‚gutes‘ Quartier ausmacht (und für wen) und widmet sich dabei einerseits den sozialen Netzwerken, andererseits aber auch anderen Faktoren wie der nicht zu unterschätzenden Bedeutung der Namensgebung für Quartiersimages und Distinktionsprozesse. Zudem rückt er die klassische Frage „Do neighborhoods matter?“ ins Zentrum seiner Überlegungen und verknüpft sie mit aktuellen Trends wie der veränderten Beziehung von Wohnen und Arbeiten. Trotz entgrenzender Entwicklungen wie Globalisierung und Digitalisierung kommt der Autor zu einer klaren Einschätzung: Quartier, Nachbarschaft und der lokale Kontext bleiben aus seiner Sicht hoch relevant – eine Position, die auch im deutschsprachigen Diskurs dominiert. Weiterhin analysiert er – insbesondere anhand der Entwicklungen der Bodenpreise, der Migration und sozioökonomischer Entwicklungen – die dynamischen Veränderungen städtischer Nachbarschaften in der Nachkriegsmoderne (unter anderem im Hinblick auf Gentrifizierung). Daneben nimmt die Methodik in William A.V. Clarks Werk breiten Raum ein. Exemplarisch stellt er Verfahren der Sozialraumanalyse, multivariate Methoden und den Einsatz von Geographischen Informationssystemen in der Quartiersforschung vor.</p>
      <p>Der zweite Teil („Neighborhood Search, Selection, and Choice“) widmet sich ausführlich den individuellen Entscheidungsprozessen der Wohnstandortwahl und den daraus folgenden Effekten sozialräumlicher Differenzierung und Segregation. Die Wahl der Nachbarschaft ist laut William A.V. Clark ein vielschichtiger Prozess, beeinflusst von ökonomischen Faktoren (wie Einkommen und Vermögen), Lage, Arbeitsweg, Schulsituation sowie von sozialen und kulturellen Präferenzen. In diesem Zusammenhang spielen auch weiche Faktoren wie das Gefühl der Zugehörigkeit, das individuelle Wohlbefinden, die Reputation von Orten, Quartierseffekte und auch die Chancen auf soziale (Aufwärts‑)Mobilität eine Rolle. William A.V. Clark arbeitet außerdem heraus, wie strukturelle Rahmenbedingungen – etwa Bauvorschriften oder Zonierungsregeln – die Entscheidungsmöglichkeiten zusätzlich begrenzen.</p>
      <p>Der dritte Abschnitt („Neighborhoods Outcomes: Cohesion, Health, and Wellbeing“) beleuchtet die wichtige Rolle von Sozialkapital und sozialen Netzwerken auf lokaler Ebene, denn hier wird ein einzigartiges und gesellschaftlich enorm relevantes ‚Talent‘ der Quartiersebene adressiert: das Potenzial, ausgehend von der Mesoebene einen entscheidenden Beitrag zum sozialen Zusammenhalt insgesamt zu leisten. William A.V. Clark zeigt, wie städtische (Infra‑)Strukturen die Netzwerkbildung beeinflussen können, und macht deutlich, dass sozialer Zusammenhalt und Sozialkapital wesentliche Größen für die Bewertung und das Erleben von Nachbarschaften darstellen. Menschen, die sich als Teil ihrer Gemeinschaft fühlen und aktiv am nachbarschaftlichen Leben teilnehmen – sei es durch informelle Gespräche oder Vereinsmitgliedschaft – berichten von stärkerer Ortsverbundenheit und höherer Lebenszufriedenheit. Anhand möglicher Folgen der individuellen (und damit auch quartiersbezogenen) Lebensumstände auf die Gesundheit greift William A.V. Clark hier einmal mehr das Thema der <italic>neighborhood effects</italic> auf. Seine differenzierte Analyse verschiedener Wirkungsmechanismen – von sozialen Faktoren wie <italic>Peer</italic>-Effekten über institutionelle bis zu ökologischen Faktoren – und die reflektierte Diskussion methodischer Herausforderungen machen das Buch zu einer wichtigen Argumentationshilfe im oft unübersichtlichen und anspruchsvollen Feld der Quartierseffekteforschung.</p>
      <p>Fazit: Das kenntnis- und facettenreiche Werk, dessen inhaltliche Vielfalt hier nur angedeutet werden kann, zeigt auf höchstem fachlichem Niveau, dass Quartiersforschung weit mehr ist als nur ein Spezialgebiet der Stadtforschung und entscheidend zum Verständnis urbanen Lebens beitragen kann. William A.V. Clarks eindrucksvolle Forschungsbiografie und sein enormer Erfahrungsschatz spiegeln sich in der argumentativen Kohärenz seines Werkes wider – eine Qualität, die deutschsprachigen Publikationen mitunter fehlt. Für viele bekannte Phänomene in der Quartiersentwicklung finden sich bei William A.V. Clark sehr gute empirische Belege, was in der Zusammenschau enorm hilfreich ist. Gänzlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder überraschende Argumentationen bleiben daneben freilich die Ausnahme. Zudem konzentriert sich der Autor trotz internationaler Perspektive vornehmlich auf angelsächsische Beispiele. Gerade in der Quartiersforschung würden – zum Beispiel – die europäischen Erfahrungen mit integrierten, quartiersbezogenen Stadtentwicklungsprogrammen (z. B. Sozialer Zusammenhalt (Deutschland), Politique de la Ville (Frankreich), Projets Urbains (Schweiz)) und aktuellen Herausforderungen – von der Nachhaltigkeitstransformation bis zur Migration – fruchtbaren Stoff für vertiefende und vergleichende Analysen bieten. Dieses Desiderat gilt indes in umgekehrter Richtung auch für die deutschsprachige Forschung, die sich zwar durchaus aufmerksam gegenüber der anglo-amerikanischen oder der sonstigen außereuropäischen Literatur zeigt, aber vergleichsweise selten aktiv am internationalen Diskurs partizipiert.</p>
      <p>Auffällig sind auch unterschiedliche Forschungstraditionen: Im deutschsprachigen Raum, in dem sich die Quartiersforschung in den letzten Jahren als pluralistisches, multi- und transdisziplinäres Feld etabliert hat, haben zum Beispiel sozialkonstruktivistische Ansätze, aktuelle raum- und gesellschaftstheoretische Debatten, aber auch Akteur- und Governance-Perspektiven sowie praktische Fragen der Quartiersentwicklung ein großes Gewicht. Auch qualitative und ethnographische Methoden oder komplexe Settings wie Reallabore sind verbreitet. William A.V. Clarks Fokus auf Strukturanalysen und das darin zum Ausdruck kommende Methodenspektrum erinnern gleichsam daran, dass quantitative Studien Evidenzen liefern können, die im rein qualitativen Ansatz bisweilen fehlen. Implizit wird damit wieder einmal klar, wie – aus dem einen oder dem anderen Blickwinkel – <italic>Mixed-Methods</italic>-Ansätze eine fruchtbare Erweiterung der Forschungsperspektive sein könn(t)en.</p>
      <p>Insgesamt macht die anregende Lektüre deutlich, wie wünschenswert ein intensiverer internationaler (interdisziplinärer und intergenerationaler) Austausch wäre, um die vielfältigen Perspektiven der Quartiersforschung noch produktiver miteinander zu verbinden. Denn das Thema der sozialräumlichen Bezüge bleibt wohl weiter auf der Agenda, wie William A.V. Clark schreibt – und zwar auch im Hinblick auf die zahlreichen Unwägbarkeiten spätmoderner Gesellschaftsentwicklung: „[…] connection matters and cohesion and local attachment are still important in our digital world“ (S. 46).</p>
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            <title>Vollständige bibliographische Angaben des rezensierten Werks:</title>
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         <p>Clark, W.A.V. (2024): Rethinking Neighborhoods: Connections and Cohesion. Cheltenham: Edward Elgar. 236 Seiten.</p>
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