Call for Papers: Planungskonflikte in der pluralen Demokratie 2021-11-29 Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning Call for Papers für ein special issue zum Thema Planungskonflikte in der pluralen Demokratie Thema und Problemstellung Globalisierung, Migration, Klimawandel, postfossile Transformation und urbane Wohnungsnot erzeugen neue Proteste und Konflikte in pluralen Demokratien. Die räumliche Planung ist deshalb verstärkt mit der Aufgabe der Konfliktbewältigung konfrontiert (Othengrafen/Sondermann 2015; Bertram/Altrock 2020): bei Großprojekten (z.B. Stuttgart 21, Tesla Berlin-Brandenburg), der Energiewende (z.B. Bürgerinitiativen gegen Windanlagen) oder dem Wachstumsdruck in Großstädten (z.B. Tempelhofer Feld Berlin). Die Planungsakteure stehen beim Umgang mit diesen Konflikten vor einem Dilemma: Einerseits wird die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren gefordert, auch um breit akzeptierte und gemeinwohlorientierte Ziele wie Klimaschutz, Energiewende und Wohnungsbau zu erreichen. Andererseits steigen die Ansprüche an die Partizipation der Öffentlichkeit. Zugleich wird eine grundlegende Erneuerung der klassischen Bürgerbeteiligung gefordert. Denn „mehr Beteiligung“ oder direkte Bürger- bzw. Volksentscheide tragen in pluralen Demokratien oft nicht zur Befriedung von Konflikten bei, sondern können Konflikte verschärfen und Spaltungen vertiefen (Selle 2019). Schließlich besteht das Risiko, dass Partizipation durch populistische Akteure okkupiert wird. Konflikt und Konsens müssen womöglich neu ausbalanciert werden, auch in der räumlichen Planung. In der internationalen Planungstheorie wurde die gestiegene Relevanz von Konflikten durch Ansätze der agonistischen Planung (Gualini 2015; Pløger 2018) aufgegriffen. Diese sehen – in Anlehnung an die Politikforscherin Chantal Mouffe – Konflikte in pluralistischen Demokratien als immanent und positiv an und grenzen sich von den konsensorientierten Ansätzen der kommunikativen Planungstheorie ab (Bäcklund/Mäntysalo 2010). Danach kommt es darauf an, antagonistische Kämpfe zwischen Feinden in agonale Auseinandersetzungen zwischen Gegnern zu verwandeln und einen „konflikthaften Konsens“ herzustellen. Eine wichtige Voraussetzung für die Zähmung antagonistischer Konflikte ist die Akzeptanz von Regeln der Konfliktaustragung durch die Konfliktgegner. Allerdings passt ein solches Verständnis von Planung nicht zur gegenwärtigen Praxis, die zunehmend von Strategien der Postpolitik bzw. Postdemokratie geprägt zu sein scheint (vgl. Mössner 2016). Auch haben sich agonistische Ansätze bisher nicht dazu geäußert, wie die Planung mit Konflikten in der Praxis konkret bzw. produktiv umgehen kann, um zu robuster Entscheidungsfindung zu kommen und damit auch die pluralistische Demokratie zu stärken. In Deutschland wurden die Ansätze der agonistischen Planung bisher kaum aufgegriffen. Auch wurde bisher in der Planungsforschung wenig reflektiert, wie effektiv planerische Ansätze der Konfliktmoderation und Mediation (Diller 1996) in der Vergangenheit eigentlich gewesen sind. Ziele und Leitfragen Das special issue sucht theoretisch-konzeptionelle und empirisch-praxisbezogene Beiträge, die den Umgang der räumlichen Planung mit Konflikten analysieren und kritisch reflektieren. Neben Beiträgen aus der Planungsforschung sind besonders solche aus den Politikwissenschaften oder verwandten Disziplinen erwünscht. Die deutsch- oder englischsprachigen Beiträge können sich auf lokale, regionale oder nationale Planungsebenen in Deutschland und Europa beziehen. Das special issue strebt eine Mischung von nationalen und internationalen Beiträgen an. Folgende Leitfragen sollen dabei im Mittelpunkt stehen: Welche Erfahrungen im Umgang mit welchen Konflikten wurden in der räumlichen Planung bisher gesammelt? Welche Rolle hat die räumliche Planung beim Umgang mit Konflikten gespielt (z.B. Vermeidung, Moderation/Mediation, Aushandlung)? Wann bzw. unter welchen Bedingungen war die Planung damit erfolgreich? Wann war dies nicht der Fall und warum? Inwieweit wandeln Partizipationsprozesse in Planungsverfahren antagonistische in agonistische Konflikte um? Unter welchen Bedingungen kann die räumliche Planung zur Konfliktbewältigung in der pluralistischen Demokratie beitragen? Schritte zur Qualitätssicherung Call for Abstracts: Durch einen offenen Call werden interessierte Autorinnen und Autoren gebeten, einen Abstract-Entwurf mit einem Umfang von 150 bis 250 Wörtern im Voraus an die guest editors zu senden, um eine thematische Passfähigkeit zum special issue sicherzustellen. Ausgewiesene Expertinnen und Experten im Aus- und Inland werden außerdem von den guest editors direkt angefragt. Call for Papers: Autorinnen und Autoren von passenden Abstracts werden gebeten, ein Manuskript einzureichen. Manuskripte können auf Deutsch oder Englisch verfasst und zu den Kategorien “Beitrag / Article”, “Politik- und Praxis-Perspektive / Policy and practice perspective” eingereicht werden. Einzureichende Manuskripte werden entsprechend der Autorenhinweise der Zeitschrift vorbereitet (https://rur.oekom.de/index.php/rur/Authors). Double-blind peer review: Alle Manuskripte werden wie üblich einem anonymen Begutachtungsverfahren unterzogen und nur auf der Basis positiver Gutachten angenommen. Vorläufiger Zeitplan: Call for Abstracts: 15. November 2021 Deadline zur Einreichung der Abstracts: 31. Januar 2022 Rückmeldung an und Auswahl von Autorinnen und Autoren bis 1. April 2022 Deadline für die Einreichung fertiger Manuskripte: 30. September 2022 Peer Review-Verfahren, Überarbeitung durch Autorinnen und Autoren bis März 2023 Online First Publikation einzelner Beiträge ab April 2023 Veröffentlichung des special issues online und print Heft 5.2023 Für fachliche Rückfragen stehen die guest editors gerne zur Verfügung: Dr. Manfred Kühn (manfred.kuehn@leibniz-irs.de) und Prof. Dr. Markus Hesse (markus.hesse@uni.lu). Für organisatorische Fragen steht der Editor-in-Chief Prof. Dr. Andreas Klee (klee@arl-net.de) gern zur Verfügung. Literatur Bäcklund, P.; Mäntysalo, R. (2010): Agonism and institutional ambiguity: Ideas on democracy and the role of participation in the development of planning theory and practice – the case of Finland. In: Planning Theory 9, 4, 333–350. https://doi.org/10.1177/1473095210373684 Bertram, G.F.; Altrock, U. (2020): Auf dem Weg zur Normalität: Planungsbezogener Protest und planerische Reaktionen. In: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 78, 2, 185–201. https://doi.org/10.2478/rara-2019-0059 Diller, C. (1996): Die Regionalplanung als Mediatorin einer nachhaltigen Entwicklung. In: Raumforschung und Raumordnung 54, 4, 228–234. Gualini, E. (Hrsg.) (2015): Planning and Conflict: Critical Perspectives on Contentious Urban Developments. London. Mössner, S. (2016): Sustainable urban development as consensual practice: Post-politics in Freiburg, Germany. In: Regional Studies 50, 6, 971–982. https://doi.org/10.1080/00343404.2015.1102875 Othengrafen, F.; Sondermann, M. (Hrsg.) (2015): Städtische Planungskulturen im Spiegel von Konflikten, Protesten und Initiativen Berlin. = Planungsrundschau 23. Plöger, J. (2018): Conflict and Agonism. In: Gunder, M.; Madanipour, A.; Watson, V. (Hrsg.): The Routledge Handbook of Planning Theory. London, 264–275. Selle, K. (2019): Öffentlichkeitsbeteiligung in der Stadtentwicklung. Anstiftungen zur Revision. Berlin. = vhw-Schriftenreihe 15.
Call for Papers for a special issue on Transit-Oriented Development in Built-up Areas in the journal: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (RuR) August 3, 2026 Call for Papers for a special issue on Transit-Oriented Development in Built-up Areas in the journal: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (RuR)
Dank an die Reviewer im Jahr 2025 Juli 16, 2026 Die Herausgeber bedanken sich bei allen Gutachterinnen und Gutachtern, die im Jahr 2025 Artikel begutachtet haben.
Eine neue Ausgabe ist erschienen Juni 30, 2026 Eine neue Ausgabe der Open-Access-Zeitschrift "Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning" ist erschienen. Band 84 Nr. 3 (2026) ist jetzt auf unserer Website verfügbar.