Die innovationsorientierte Regionalpolitik: Eine wirksame Handlungsalternative? Autor/innen Joachim Genosko College of Business Administration, Department of Economics, University of South Carolina DOI: https://doi.org/10.14512/rur.2608 Abstract Mit dem 14. Rahmenplan hat die GRW einen innovationsorientierten Akzent erhalten. Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit den Erfolgsaussichten einer solchen Schwerpunktbildung in der praktischen Regionalpolitik. Zunächst wird kurz geprüft, ob sich empirische Befunde für regionale Innovationsunterschiede finden lassen. Dabei wird festgestellt, daß die sektoralen und betriebsgrößenspezifischen Defizienzen bedeutsamer sind als ihre regionalen Pendants. Des weiteren werden die wichtigsten Determinanten regionaler Innovationsunterschiede und ihre empirische Gewichtigkeit diskutiert. Darauf aufbauend werden die neuen innovationsorientierten Instrumente der GRW sowie eine mögliche Alternativstrategie der Innovationsförderung kritisch beleuchtet. In einem weiteren Schritt werden mögliche räumliche Konsequenzen einer innovationsorientierten Regionalpolitik untersucht, wobei der Schwerpunkt der Betrachtung auf die Mikroelektronik und die Telekommunikation gelegt wird. Wir schließen uns dabei der These an, daß die neuen Kommunikationstechnologien Trendverstärker und nicht Trendsetter sind. Abschließend wird festgestellt, daß sich eine innovationsorientierte Regionalpolitik nicht auf die Bereitstellung der einschlägigen (materiellen) Infrastruktur beschränken kann, sondern vielmehr zu ihrem Erfolg die Koordination verschiedener raumrelevanter Politikbereiche braucht. Daraus folgt, daß eine innovationsorientierte Regionalpolitik nicht mit kurzfristigen Problemlösungen wird aufwarten können. Downloads Download-Daten sind nocht nicht verfügbar. Literaturhinweise Vgl. z. B. H.-F. Eckey (1985), S. 10 f. Vgl. BT-Drucksache 10/2629. Vgl. F. Geigant et al. (1979), S. 309. Auch die “allgemeine” Technologie- und Innovationspolitik hat aufgrund der regional unterschiedlichen Inzidenzen natürlich regionale Wirkungen, allerdings nur im Nebeneffekt. Vgl. z. B. F. Meyer-Krahmer et al. (1984), S. 8 f.; Th. Ellwein, W. Bruder (1982), S. 120 ff., insbesondere S. 126 f. Daß Branchen- und Betriebsgrößenstrukturen von eminenter Bedeutung sind, läßt sich der Studie von R.-P. Oakey, A. T. Thwaites, P. A. Nash (1980), S. 239 ff. entnehmen. Vgl. z. B. die bei H.-J. Ewers, R. W. Wettmann (1980), S. 166 zitierte Studie über Kanada. Vgl. z. B. H.-J. Ewers (1984), S. 103 f. Vgl. P. Stoneman (1983), S. 18. Vgl. auch H.-J. Ewers (1984), S. 106 f. Vgl. z. B. H.-J. Ewers, R. Wettmann, J. Kleine, H. Kirst (1980), S. 35 ff.; L.-M. Boulianne (1982), S. 57. Vgl. S. C. Cassier (1985), S. 135 ff. Vgl. ebd. Vgl. auch H.-J. Ewers, R. Wettmann, J. Kleine, H. Kirst (1980), S. 38. Vgl. z. B. Th. Ellwein, W. Bruder (1982), S. 208 ff.; R. P. Oakey, A. T. Thwaites, P. A. Nash (1980), S. 250. Vgl. J. Kleine (1982), S. 153. Vgl. J. Wolf (1985), S. 35 f. und S. 39 f. Das Ergebnis von Wolf scheint diametral dem Ergebnis der Untersuchung von Bachfischer entgegenzustehen (vgl. R. Bachfischer [1984], S. 153), wonach 85 v. H. aller Anfragen an die Technologieberatungsstelle in Augsburg zu verwertbaren Anregungen für die Unternehmen geführt haben. Allerdings hat Bachfischer nur Unternehmen befragt, die sich mit der Technologieberatungsstelle in Verbindung gesetzt hatten. Vgl. z. B. J. Kleine (1982), S. 151 f. Vgl. W. Mieth, J. Genosko (1982), S. 14 sowie zur Standortflexibilität großer Unternehmen auch D. Maillat (1982), S. 25 f. Vgl. J. Kleine (1982), S. 152. Für die kleineren Unternehmen, die die Wirtschaftsstruktur der peripheren Räume prägen, verschärft sich das Personalbeschaffungsproblem noch zusätzlich dadurch, daß sie die Notwendigkeit von Personalinvestitionen nur mangelhaft perzipieren. Vgl. zum Vorhergehenden H. Angerer, H. F. Trunzer (1985), S. 2 ff. Zur Konzentrierung der Forschungsfördermittel vgl. H.-J. Ewers et al. (1980), S. 77. Im Bereich der Unternehmensberatung bleibt für die Firmen nur ein verschwindend geringer Rest an eigenem finanziellen Mittelaufwand (ca. 10 v. H. der Beratungskosten). Vgl. J. Liouville (1985), S. 21. Vgl. sinngemäß J. Wolf (1985), S. 48. Vgl. R. Rothwell, W. Zegveld (1982), S. 46. Kleinere und mittlere Unternehmen versuchen zwar, diesen Nachteil durch die verstärkte Verwendung von Facharbeitern zu kompensieren (vgl. Th. Ellwein [1980], S. 336), aber dies kann im Sinne einer innovationsorientierten Regionalpolitik, der es vor allem auch an Produktinnovationen liegt, nur ein Notbehelf sein. Vgl. W. Mieth (1978), S. 216. Vgl. W. Mieth (1969), S. 10 ff. Vgl. J. Genosko (1978), S. 161 ff. und S. 168 f. Vgl. z. B. L.-M. Boulianne (1982), S. 57. Rothwell und Zegveld bestätigen im Prinzip dieses Ergebnis, schränken es allerdings auf die mittleren Firmen im traditionellen gewerblichen Bereich ein (vgl. R. Rothwell, W. Zegveld [1982], S. 45 und 49 f.). Im übrigen soll hiermit nur ein objektiver Tatbestand festgehalten und keine Bewertung abgegeben werden, da vom Standpunkt der kleinen und mittleren Unternehmen aus eine solche Verhaltensweise aus den verschiedensten Gründen (z. B. Risikoüberlegungen) sehr sinnvoll sein kann. Vgl. R. Rothwell, W. Zegveld (1982), S. 50. Ein wichtiger Punkt der Akzeptanz ist z. B., daß staatliche Behörden nicht unmittelbare Träger der Technologieberatungsstellen sind. Außerdem müssen die Institutionen die Gewähr dafür bieten, daß Betriebsgeheimnisse gewahrt bleiben. (Gerade in diesem Punkt sind die “Kleinen” sehr sensibel; neben den bereits genannten Punkten dürfte dies einer der wesentlichsten Gründen für die Kooperationshemmnisse zwischen mittelständischer Wirtschaft und externen [Groß-]Forschungseinrichtungen sein). Zu weiteren Einzelheiten vgl. J. Liouville (1985). S. 20. Vgl. K. Littmann (1975), S. 52 ff.; H. W. Hetzler (1978), S. 37. Zu Einzelheiten vgl. E. Staudt (1985), insbesondere S. 160 ff. Die Grundlagenforschung sei hier ausgeklammert, weil sie wegen ihres öffentlichen-Gut-Charakters und wegen der mit ihr verbundenen Unsicherheit ohne direkte staatliche Förderung nicht oder nur unzureichend durchgeführt werden würde. Selbst gegenüber der in der Literatur vorgeschlagenen staatlich geförderten Forschungssymbiose zwischen großen und kleineren Unternehmen ist Skepsis angebracht, da die Furcht der Kleinen, ihre Selbständigkeit zu verlieren, ihr wohl entgegenstehen wird. Im übrigen verlören die “Kleinen” damit eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten, nämlich die Marktnischen besetzen zu können, die die “Großen” frei lassen. Vgl. zu dieser grundsätzlichen politisch-philosophischen Position N. Luhmann (1968), S. 233 f. Vgl. Kapitel 5. Die Begriffsbildung “Telematik” soll die enge Verknüpfung zwischen Telekommunikation und Informatik dokumentieren (vgl. M. Fritsch, H.-J. Ewers [1985], S. 17). Vgl. ebd., S. 38 ff. Die expansiven Beschäftigungswirkungen bei den Hard- und Software-Produzenten sowie bei den Anwendern dürften allerdings stark durch konjunkturelle Entwicklungen und durch Entwicklungen im Welthandel (Protektionismus!) determiniert werden. Der Disput wird sich sicherlich nicht durch “Schein“-Korrelationen klären lassen, wie sie jüngst einer Presseerklärung des BMFT zu entnehmen waren. Vielmehr dürfte hierfür wegen der vorhandenen Verflechtungen eine Input-Output-Analyse das adäquate Instrument sein; eine solche Analyse zur Klärung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungswirkung der ”Telematik“ liegt jedoch m.W. bisher in befriedigender Form nicht vor. Vgl. P. Marti, S. Mauch (1984), S. 57 f. Vgl. hierzu auch M. Fritsch, H.-J. Ewers (1985), S. 46. Vor allem deswegen werden z. B. auch für “Teleshopping” und “Homebanking” und damit für dadurch bedingte Rationalisierungsverluste an Arbeitsplätzen Grenzen gesehen. (Zudem ist ein erheblicher Teil des Banken- und Handelserfolgs von der Beratung abhängig). Im übrigen könnten auch Unternehmen auf lange Sicht kein Interesse an der “Tele-Heimarbeit” haben, weil die Identifikation mit den Unternehmenszielen und folglich die Arbeitsmotivation eingeschränkt wird (vgl. P. Marti, S. Mauch [1984], S. 48 f.). Vgl. M. Fritsch, H.-J. Ewers (1985), S. 42. Vgl. P. Marti, S. Mauch (1984), S. 59 ff. Siehe ebd., S. 155 f. Eine etwas andere Meinung vertreten hierzu Fritsch und Ewers insofern, als sie die Ursache der Zentralisierung vornehmlich in der “interregionalen unterschiedlichen Adoption der neuen Dienste durch potentielle Anwender und der interregional unterschiedlichen Innovationsaktivität auf der Basis der NTK” sehen (vgl. M. Fritsch, H.-J. Ewers [1985], S. 11 f.). Vgl. hierzu auch P. Marti, S. Manch (1984), S. 160–173. Vgl. W. J. Steinle, K. A. Stroetmann (1983), S. 62 f. Vgl. ebd., S. 60. Angerer, H.; Trunzer, H. F.: Zonenrandförderung verbessert: Deutliche innovative Akzente. Unveröffentlichtes Manuskript 1985. Bachfischer, R.: Innovationsförderung und Technologietransfer als Instrumente regionaler Wirtschaftspolitik. In: Der ländliche Raum in Bayern, Forschungs- und Sitzungsberichte der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Bd. 156, Hannover 1984, S. 141–146. Boulianne, L.-M.: Technological Change: Firm and Region. A Case Study. In: Maillat, D. 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Downloads PDF XML Veröffentlicht 1986-03-31 Ausgabe Bd. 44 Nr. 2,3 (1986) Rubrik Forschungsbeitrag Lizenz Copyright (c) 1986 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International. Artikel in Raumforschung und Raumordnung - Spatial Research and Planing werden unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Seit Jahrgang 79, Ausgabe 2, erfolgt die Veröffentlichung im Lizenzmodell CC BY 4.0 (Creative Commons Attribution 4.0 International License). Von Jahrgang 77 Ausgabe 1 bis Jahrgang 79 Ausgabe 1 wurden alle Artikel unter einer CC BY-SA-Lizenz veröffentlicht. Frühere Jahrgänge wurden von oekom 2022 unter the Lizenz CC BY 4.0 wiederveröffentlicht. Zitierweise 1.Genosko J. Die innovationsorientierte Regionalpolitik: Eine wirksame Handlungsalternative?. RuR [Internet]. 31. März 1986 [zitiert 15. August 2026];44(2,3):107-15. 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