Voraussetzungen für die Erfüllbarkeit raumordnungspolitischer Anforderungen an die Eisenbahn Autor/innen Karl Oettle Seminar für Verkehrswirtschaft und öffentliche Wirtschaft, Universität München DOI: https://doi.org/10.14512/rur.2109 Abstract Der Beitrag fragt danach, was geschehen müßte, um die finanziell notleidende, insbesondere gegenüber dem Kraftverkehr wenig wettbewerbsfähige Eisenbahn wieder in die Lage zu versetzen, raumordnungspolitische öffentliche Aufgaben erfüllen zu helfen.Zunächst werden diese Aufgaben in den Gesamtzusammenhang jener traditionellen und neueren Unterstützungserfordernisse gestellt, welche andere Politikgebiete gegenüber der Verkehrspolitik haben. Sodann wird dargelegt, wie sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einerseits die Lage der Eisenbahn in der Substitutionskonkurrenz verschlechtert hat, während andererseits die verkehrlichen Umweltbelastungen zu einem Politikum geworden sind und sich Verkehrsbedarfe wie verkehrliche Produktionsmöglichkeiten gravierend gewandelt haben.Diese Entwicklungen werden im Hinblick auf ihre raumordnungspolitische Bedeutung angesichts einer Eisenbahnpolitik betrachtet, welche vor allem finanzwirtschaftliche Sanierungsziele verfolgt. Nachdem negative raumwirtschaftliche Folgen einer Fortsetzung dieser Politik skizziert sind, werden Elemente einer alternativen Eisenbahnpolitik herausgearbeitet. Diese muß im Interesse der Unterstützung anderer Politikgebiete, so des Umweltschutzes und der Raumordnung, darauf abstellen, die Bahn in großem Maße wettbewerbsfähig zu machen, wenn auf dirigistische Verkehrslenkung verzichtet werden soll. Dafür müßten gleichsam „künstliche“ vermeidbare verkehrs-, unternehmens und gewerkschaftspolitische Ursachen der gegenwärtigen Wettbewerbsuntüchtigkeit der Bahn erfolgreich bekämpft werden. Downloads Download-Daten sind nocht nicht verfügbar. Literaturhinweise (1) Näheres hierüber: Voigt, F.: Verkehr, 2. Bd., 1. Hälfte: Die Entwicklung des Verkehrssystems. – Berlin 1965, S. 580 ff. (Die Entwicklung der Eisenbahnen in Deutschland unter dem Einfluß des motorisierten Straßenverkehrs und des Luftverkehrs). Siehe auch: Oettle. K.: Die gegenwärtige Bedrängnis der Deutschen Bundesbahn in öffentlich-wirtschaftlicher Betrachtung. In: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 18 (1966), S. 74 ff., S. 143 ff. und S. 200 ff. (2) Bundesminister für Verkehr (Hrsg.): Verkehr in Zahlen 1991. – Bonn 1991, S. 312 ff. und S. 344 ff. (3) Zur Regionalisierung von Eisenbahndiensten siehe Regierungskommission Bundesbahn: Stellungnahme, Bonn 1991; o.V.: Was wird aus den Schienenpersonennahverkehr der DB? In: Bus und Bahn, 25. Jg. (1991), Nr. 9, S. 1 f. (4) Zu Finanzierungsvorschlägen der Regionalisierung von Eisenbahndiensten siehe Muthesius, T.: Die Finanzierung des Nahverkehrs in Deutschland. In: Verkehr und Technik, 46. Jg. (1993), Nr. 2, S. 39 ff. insbes. S. 47 f.; o.V.: Straßenverkehr soll für die Bahn zahlen. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung, Nr. 108 vom 10.9.1992, S. 1 (5) Siehe hierzu neuestens: Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.): Raumordnungspolitischer Orientierungsrahmen – Leitbilder für die räumliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland, Bonn – Bad Godesberg 1993. Hier heißt es (S. 4) etwa: “Das Leitbild der dezentralen Konzentration hat... zur Konsequenz: ... Stärkung der regionalen Eigenkräfte auch in den agglomerationsfernen Regionen als Motor einer ausgeglichenen Raum- und Siedlungsstruktur . . .”. (6) Siehe dazu Kandler, K.; Henselmann, M.; Runge, M.: Analyse zentraler Umwelteinflüsse des Verkehrs, Studie im Auftrag der Siemens AG. – München 1992. Kurzfassung veröffentlicht in: Siemens Verkehrstechnik Express (1992), Nr. 1, S. 4 ff. (7) Beispielhaft zu dirigistischen Elementen in der modernen Verkehrspolitik sei der (gescheiterte) Leber-Plan genannt (Deutscher Bundestag, 5. Wahlperiode, Drucksache V/2494). (8) Vgl. Ergebnisbericht des Vorstandes der Deutschen Bundesbahn: Betriebswirtschaftlich optimales Netz der DB, 22.1.1976 (hektographiert). (9) Vgl. Bundesminister für Verkehr (Hrsg.): Verkehr in Zahlen 1992. – Bonn 1992, S. 216 f. und S. 196 f. (10) Vgl. ebenda, S. 196 f. (11) Siehe dazu beispielsweise Westphal, J.: Das neue Konzept für den Öffentlichen Personenverkehr in Schleswig-Holstein. In: Gestaltung künftiger Raumstrukturen durch veränderte Verkehrskonzepte. – Hannover 1986. = Veröffentlichungen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Forschungs- und Sitzungsberichte, Band 164, S. 7 ff. (12) Vgl. Oettle, K.: Forderungen der Landesplanung an die Verkehrsplanung. In: Raumforschung und Raumordnung 30 (1972), H. 3, S. 108 ff., insbes. S. 115 (13) Zur Unternehmenspolitik siehe Dürr, H.: Bahnreform und Industriepolitik. Eine Veröffentlichung der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft, Münster 1992; ders.: Die Bahnreform, und was die Bahn selbst tun muß. In: Die Deutsche Bahn, 69. Jg. (1993), Nr. 1, S. 7 ff.; ders.: Die Bahn AG will ein Wirtschaftsuntemehmen sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 72 vom 26.3.1993, S. 15. (14) Vgl. hierzu Voigt, F.: Verkehr, a. a. O., S. 520 ff. (15) Vgl. zu diesem und dem vorangegangenen Abschnitt § 28, Absatz 1, Bundesbahngesetz (BbG): “Die Deutsche Bundesbahn ist unter der Verantwortung ihrer Organe wie ein Wirtschaftsuntemehmen mit dem Ziel bester Verkehrsbedienung nach kaufmännischen Grundsätzen so zu führen, daß die Erträge die Aufwendungen einschließlich der erforderlichen Rückstellungen decken; eine angemessene Verzinsung des Eigenkapitals ist anzustreben. In diesem Rahmen hat sie ihre gemeinwirtschaftliche Aufgabe zu erfüllen.” Dieser Text ist zum einem ein Beispiel für den Einsatz eines finanzwirtschaftlichen Regulators, der präzise formuliert ist, sowie für leistungspolitische (gemeinwirtschaftliche) Ziele, für die das (schon lange nicht mehr vorhandene) finanzielle Residuum eingesetzt werden soll und die demnach leerformelhaft bleiben müssen. (16) Daneben sind noch das Produktivitätsprinzip, das Prinzip der tolerierten Verhaltensweise und die Prinzipien der Erfüllungsbereitschaft zu nennen; vgl. dazu Oettle, K.: Betriebserfolge in der privaten und in der öffentlichen Wirtschaft. In: Grundfragen öffentlicher Betriebe I: Ausgewählte Aufsätze zur Zielsetzung, Führung und Organisation öffentlicher Betriebe. – Baden-Baden 1976. = Schriften zur öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Wirtschaft, hrsg. von Eichhorn, P.; Friedrich, P., Bd. 14, S. 37 ff., hier insbes. S. 40 ff. (17) Bundesministerium für Verkehr (Hrsg.): Strukturreform der Eisenbahn, zusammenfassende Darstellung. – Bonn 1992. (18) Kommission der Europäischen Gemeinschaften (Hrsg.): Mitteilung über eine Eisenbahnpolitik der Gemeinschaft. Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Entwicklung der Eisenbahnunternehmen in der Gemeinschaft. – Brüssel 1990, KOM(89) 564 endg., insbes. S. 18 ff. (19) So beispielsweise schon 1970: Vetter, F.: Netztheoretische Studien zum Niedersächsischen Eisenbahnnetz. In: Abhandlungen des Geographischen Instituts der Freien Universität Berlin. Hrsg.: Boesler, K.-A.; Kühn, A.; Schultze, J.H.. – Berlin 1970, Bd. 15, S. 136 ff. (20) Vgl. Oettle, K.: Beruhen die Defizite der öffentlichen Verkehrsuntemehmen auf Fehlern der Verkehrspolitik, des Managements oder der Rechnungslegung? In: Betriebswirtschaftliche Erkenntnisse für Regierung, Verwaltung und öffentliche Unternehmen. 25 Jahre Öffentliche Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Hrsg.: Eichhorn, P. – Baden-Baden 1985. = Schriften zur öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Wirtschaft, Bd. 85, S. 169 ff. (21) Näheres zur imparitätischen Komplementarität zwischen Verkehrszweigen siehe Oettle, K.: Ergänzungsbeziehungen im Verkehr am Beispiel der Binnenschiffahrt. In: Die Donau als Verkehrsweg der Zukunft. Hrsg.: Faller, P.; Gürtlich, G.H.: Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (ÖVG), Spezial 10 (1987), S. 72 ff. (22) Vgl. Oettle, K.: Voraussetzungen und Folgen einer untemehmensweisen Führung der Deutschen Bundesbahn. In: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 16 (1964), S. 385 ff. (23) Bundesminister für Verkehr (Hrsg.): Verkehr in Zahlen 1991. – Bonn 1991, S. 266 f. (24) Gesellschaft für öffentliche Wirtschaft (Hrsg.): Die öffentlichen Eisenbahnen in der Bundesrepublik Deutschland angesichts der Vollendung des EG-Binnenmarktes. = Beiträge zur öffentlichen Wirtschaft, Berlin (1991) H. 7, insbes. S. 19 Downloads PDF XML Veröffentlicht 1993-07-31 Ausgabe Bd. 51 Nr. 4 (1993) Rubrik Forschungsbeitrag Lizenz Artikel in Raumforschung und Raumordnung - Spatial Research and Planing werden unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Seit Jahrgang 79, Ausgabe 2, erfolgt die Veröffentlichung im Lizenzmodell CC BY 4.0 (Creative Commons Attribution 4.0 International License). Von Jahrgang 77 Ausgabe 1 bis Jahrgang 79 Ausgabe 1 wurden alle Artikel unter einer CC BY-SA-Lizenz veröffentlicht. Frühere Jahrgänge wurden von oekom 2022 unter the Lizenz CC BY 4.0 wiederveröffentlicht. Zitierweise 1.Oettle K. Voraussetzungen für die Erfüllbarkeit raumordnungspolitischer Anforderungen an die Eisenbahn. RuR [Internet]. 31. Juli 1993 [zitiert 24. August 2026];51(4):200-11. Verfügbar unter: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2109 Zitierformate ACM ACS APA ABNT Chicago Harvard IEEE MLA Turabian Vancouver Bibliografische Angaben herunterladen Endnote/Zotero/Mendeley (RIS) BibTeX Teilen
Call for Papers for a special issue on Transit-Oriented Development in Built-up Areas in the journal: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (RuR) August 3, 2026 Call for Papers for a special issue on Transit-Oriented Development in Built-up Areas in the journal: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (RuR)
Dank an die Reviewer im Jahr 2025 Juli 16, 2026 Die Herausgeber bedanken sich bei allen Gutachterinnen und Gutachtern, die im Jahr 2025 Artikel begutachtet haben.
Eine neue Ausgabe ist erschienen Juni 30, 2026 Eine neue Ausgabe der Open-Access-Zeitschrift "Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning" ist erschienen. Band 84 Nr. 3 (2026) ist jetzt auf unserer Website verfügbar.