Regionale Industrieentwicklung und Effekte aus dem Beitritt zur EG

Der Fall Thrakien in Nordgriechenland

Autor/innen

  • Michael Ridder Berufs-Bildungs-Institut Bremen GmbH

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2160

Abstract

Der Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft hat auf der Wettbewerbsebene keine nachhaltig positiven Impulse für die regionale Industrieentwicklung zur Folge gehabt und somit auch nicht zum Abbau der erheblichen regionalen Disparitäten beigetragen. Obwohl der Einfluß der EG-Mitgliedschaft methodisch kaum von anderen, die allgemeine Wirtschaftsentwicklung bestimmenden Faktoren getrennt werden kann, läßt sich aufgrund empirisch gewonnener Daten behaupten, daß der nach dem Beitritt durch den Abbau tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse erfolgte außenwirtschaftliche Konkurrenzdruck einen negativen Einfluß auf die regionale Wirtschaftsentwicklung hatte. Der Wegfall steuerlicher Bevorzugungen und die Übernahmen der gemeinsamen Agrarpolitik verstärken diesen Prozeß. Demgegenüber steht nur die günstige Entwicklung der Textil- und Bekleidungsindustrie. Die Orientierung auf diesen Sektor trägtjedoch zu einer ungleichen Integration Griechenlands in die internationale Arbeitsteilung bei und schafft Industriestrukturen, die langfristig international nicht wettbewerbsfähig sind.

Die Region Thrakien steht somit am Vorabend der Realisierung des europäischen Binnenmarktes vor einer schwierigen Aufgabe, deren Bewältigung zukünftig einen massiven und koordinierten Einsatz wirtschafts- und strukturpolitischer Instrumentarien erfordert.

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Literaturhinweise

(1) Die Ausführungen gehen auf ein von der Stiftung Volkswagenwerk, Hannover, gefördertes Forschungsprojekt “Auswirkungen des EG-Beitritts Griechenlands auf die regionale Industrieentwicklung” am Institut flir Geographie der Universität Münster unter Leitung von Prof. Dr. Cay Lienau zurück. Die Ergebnisse stützen sich auf Interviewergebnisse einer repräsentativen Untemehmensbefragung, die der Verfasser von April bis Juli 1988 bei insgesamt 86 Betrieben in der Region durchgeführt hat. Die Betriebe beschäftigten insgesamt 5 021 Arbeitskräfte, was einem Anteil von ca. einem Drittel an der gesamten Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe der Region entspricht.

(2) National Statistical Service of Greece (NSSG): Résultats du Recensement de la Population et des Habitations – Effectué le 5 Avril 1981, Vol. III, Fasc. A. – Athen 1985

(3) EG-Kommission: Dritter periodischer Bericht der Kommission über die sozio-ökonomische Lage und Entwicklung der Regionen in der Gemeinschaft – Brüssel 1987, S. 174

(4) Die Gesetzgebung – im wesentlichen das Gesetz 289/76 und als Nachfolge das Gesetz 1262/82 – sieht verschiedene Maßnahmen zur Förderung produktiver Investitionen vor. Dabei kann der Investor zwischen zwei Förderungskombinationen wählen: a) Zuschuß, reduzierte Steuerrate, Zinssubvention und erhöhte Abschreibungsraten; b) Steuerermäßigungen und erhöhte Abschreibungsraten. Das vor kurzem ersetzte Gesetz 1262/82 unterteilt das gesamte Staatsgebiet Griechenlands in unterschiedliche Förderungszonen. Die Untersuchungsregion Thrakien fällt dabei unter die Kategorie D mit der höchsten Förderungswürdigkeit. So liegen die Investitionszuschüsse in den D‑Regionen bei 20–50 % der veranschlagten Gesamtinvestition.

(5) Eigene Berechnungen nach Angaben des National Statistical Service of Greece (NSSG)

(6) Ebenda

(7) Eigene Berechnungen nach dem National Statistical Service of Greece (NSSG), a.a.O.

(8) Eigene Berechnungen nach Theodoris-Markogiannaki, E.; Kabbadia, P.; Katochianou, D.: Grunddaten nach Nomos und Region. – Athen 1986 (in Griechisch) und Angaben des National Statistical Service of Greece (NSSG)

(9) Ebenda

(10) EUROSTAT: Regionen 1989. – Luxemburg 1990, S. 51

(11) Diese und alle weiteren Angaben in den Kapiteln 4 und 5 beruhen, falls nicht anders vermerkt, auf eigenen Erhebungen von April bis Juni 1988

(12) Axt, Heinz-Jürgen: Griechenland in der Europäischen Gemeinschaft – Kosten und Nutzen nach sechsjähriger Mitgliedschaft. In: Österreichische Zeitschrift fiir Politikwissenschaft (1987) H. 2, S. 169–188, hier: S. 173

(13) Macheras, Dimitrios: Die Mitgliedschaft Griechenlands in den Europäischen Gemeinschaften – Die Problematik der wirtschaftlichen Auswirkungen auf Griechenland angesichts seiner Wirtschaftsstruktur. Diss. Münster 1986, veröffentl.: Frankfurt a.M. 1988, S. 337

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Veröffentlicht

1990-11-30

Ausgabe

Rubrik

Forschungsbeitrag

Zitierweise

1.
Ridder M. Regionale Industrieentwicklung und Effekte aus dem Beitritt zur EG: Der Fall Thrakien in Nordgriechenland. RuR [Internet]. 30. November 1990 [zitiert 15. August 2026];48(6):319-26. Verfügbar unter: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2160

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