Überlegungen zu Zahl und Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland im Zusammenhang mit Überlegungen zu den grenzüberschreitenden Wanderungen

Autor/innen

  • Karl Schwarz

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2114

Abstract

Modellrechnungen ergeben, daß sich die Bevölkerung in Deutschland von heute über 80 Mio. ohne weitere Zuwanderung bis zum Jahr 2030 auf etwa 65 Mio. vermindert, weil je 100 Frauen nur noch ca. 140 Kinder geboren werden. Zur langfristigen Erhaltung des Bevölkerungsstandes wären dagegen rund 210 erforderlich. Für die Deutschen im neuen Bundesgebiet, von heute rund 74 Mio., würden sich nur noch etwa 57 Mio. ergeben. Ferner würde der Bevölkerungsanteil der über 60jährigen von z. Z. etwas über 20 % allmählich auf über 35 % steigen. Bei 210 Kindern je 100 Frauen im Lebensablauf wären dagegen nur knapp 25 % zu erwarten.

Zur Erhaltung des gegenwärtigen Bevölkerungsstandes müßten jährlich – per saldo – 300 000 bis 400 000 Personen – je nach den Annahmen über deren Altersstruktur – zuwandern. In 40 Jahren wäre dann fast jeder Vierte Ausländer oder würde von Ausländern abstammen, in den Ballungsgebieten wahrscheinlich jeder Zweite. Eine entscheidende Änderung der Altersgliederung wäre nicht zu erwarten; denn selbst bei der genannten massiven Zuwanderung würde der Anteil der über 60jährigen allmählich fast 35 % erreichen. Es ist also falsch, davon auszugehen, die Probleme der Alterung der Bevölkerung, die sich im Bereich der Sozialversicherungssysteme besonders stark auswirken, könnten durch Einwanderung gelöst werden. Eine solche Betrachtungsweise übersieht, daß nicht nur Kinder zuwandern, daß auch die Einwanderer allmählich älter werden und daß aus Beitrags- und Steuerzahlern mit der Zeit Leistungsempfänger werden.

Für die Integration oder gar Assimilation einer Ausländerbevölkerung in der genannten Größenordnung ist von entscheidender Bedeutung, aus welchen Kulturkreisen sie kommen und welche Qualifikationen sie mitbringen.

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Literaturhinweise

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(2) Thon, M.: Perspektiven des Erwerbspersonenpotentials in Gesamtdeutschland bis zum Jahr 2030. In: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (1991) 4, S. 706 f.

(3) Kühn, J.; Schwarz, K.: Modelluntersuchungen zur Beurteilung der Auswirkungen von Veränderungen der Geburtenhäufigkeit und Sterblichkeit auf Entwicklung und Altersaufbau der Bevölkerung. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaften (1975) 3–4, S. 73 f.

(4) Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992, S. 81

(5) Dieser etwas überraschende Sachverhalt ergibt sich daraus, daß heute unter den über 60jährigen die mehr als 3 Mio. Gefallenen des Zweiten Weltkriegs fehlen und im Ersten Weltkrieg sehr wenige Kinder geboren wurden. Ohne dieses Erbe der Vergangenheit wäre schon heute der Bevölkerungsanteil der Älteren weit größer.

(6) Kühn, J.; Schwarz, K.: Modelluntersuchungen zur Beurteilung der Auswirkungen ..., a. a. O., S. 83

(7) Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die demographische Entwicklung der angenommenen Wanderungspopulation stark von den Annahmen über die Geburtenhäufigkeit und deren Angleichung an das Niveau der Geburtenhäufigkeit der einheimischen Bevölkerung abhängt. In unseren Modellen wurde eine sofortige Angleichung angenommen. – Es kommt außerdem wesentlich darauf an, welche Annahmen hinsichtlich der Altersstruktur der Einwanderer gewählt worden sind. Unsere Annahmen beruhen auf der Altersgliderung der deutschen Aussiedler 1986, die des Statistischen Bundesamtes auf der Altersgliederung der Wanderungen über die Grenzen Deutschlands 1987 (Deutsche) bzw. 1987/89 (Ausländer). Steinmann geht von der Altersgliederung der Zuzüge 1986 aus und betrachtet die Ausländer der 3. Generation als Deutsche. Ferner geht er von einer anfänglich relativ hohen Geburtenhäufigkeit der Einwanderer aus. Aus diesen und anderen Gründen würden bei seinen Berechnungen schon etwa 280 000 Zuwanderer im Jahr genügen, um den Bevölkerungsstand langfristig zu erhalten. Vgl. Steinmann, G.: Immigration as a Remedy for Birth Dearth. The Case of Western Germany. In: Lutz, W. (Hrsg.): Future Demographic Trends in Europe and North America. What can we assume to-day? International Institute for Applied Systems Analysis, Laxenburg. – Laxenburg: Academic Press 1991, S. 337 f.

(8) Die Zahl erscheint gewaltig, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, daß der Zuwanderungsüberschuß der alten Bundesländer gegenüber dem Ausland 1989: 977 000, 1990: 1 041 000 und 1991: 749 000 betrug und die Zahl der per Saldo aufgenommenen Ausländer allein 1989: 332 000,1990: 376 000 und 1991:415 000 ausmachte.

(9) Im Jahr 1990 wurden nur rund 18 000 Ausländer eingebürgert.

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Veröffentlicht

1993-09-30

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Forschungsbeitrag

Zitierweise

1.
Schwarz K. Überlegungen zu Zahl und Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland im Zusammenhang mit Überlegungen zu den grenzüberschreitenden Wanderungen. RuR [Internet]. 30. September 1993 [zitiert 15. August 2026];51(5):248-53. Verfügbar unter: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2114

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