Zuwanderer in der Bundesrepublik – Integration oder Assimilation?

Autor/innen

  • Erika Spiegel Techn. Universität Hamburg-Harburg

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2117

Abstract

Im Hinblick auf die Eingliederung von Zuwanderern wird in der Bundesrepublik Deutschland meist nur von Integration gesprochen. Es ist jedoch zweckmäßig, zwischen Integration und Assimilation zu unterscheiden. Dabei bezeichnet Integration die sozio-ökonomische, Assimilation die kulturelle Dimension der Eingliederung. Wichtigstes Kriterium der Integration ist das Ausmaß, in dem Zuwanderer in allen sozio-ökonomisch relevanten Statusgruppen des Aufnahmelandes vertreten sind; wichtigstes Kriterium der Assimilation ist das Ausmaß, in dem sie die Landessprache, die Sitten und Gebräuche, die Normen und Wertvorstellungen des Aufnahmelandes übernommen haben. Integration und Assimilation stehen in einem engen Wechselverhältnis. Im allgemeinen geht jedoch die Integration der Assimilation einige Schritte voraus.

Ausmaß und Dauer der Eingliederung sind – neben der kulturellen Distanz und dem Entwicklungsgefälle zwischen Aufnahme- und Herkunftsland – von einer großen Zahl von Faktoren abhängig, die zum Teil in der Person und Situation des Zuwanderers, zum Teil in den gesellschaftlichen Verhältnissen im Aufnahmeland begründet sind. In der Person und Situation des Zuwanderers begründet sind: Alter, Generationszugehörigkeit und Sozialzusammenhang bei der Einreise, Bildungsstand und berufliche Qualifikation, die Motive und Erwartungen, die mit der Zuwanderung verbunden sind; Aufenthaltsdauer, Erwerbssituation und rechtlicher Status im Aufnahmeland, die Beherrschung der Landessprache. Von den gesellschaftlichen Verhältnissen im Aufnahmeland sind von besonderer Bedeutung: die kulturelle Homogenität oder Heterogenität der Bevölkerung, die Erfahrungen, die diese mit früherer oder eigener Zuwanderung gemacht hat, die Arbeitsmarktsituation. Räumliche Faktoren, insbesondere das Ausmaß der räumlichen Konzentration im Aufnahmeland, spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle. Zudem ist ihre Wirkung ambivalent. In der Anfangsphase kann eine räumliche Konzentration zur psychischen und sozialen Stabilisierung des Zuwanderers beitragen; auf längere Sicht erleichtert sie zwar die Bewahrung der Herkunftskultur, kann aber gleichzeitig als „Mobilitätsfalle“ wirken und die Eingliederung erschweren.

Im Hinblick auf die kulturelle Dimension sind Eingliederungsprozesse vor allem nach drei Modellen verlaufen: dem der vollständigen Assimilation an die Kultur des Aufnahmelandes, dem der Verschmelzung zu einer neuen gemeinsamen Kultur und dem des kulturellen Pluralismus, d. h. der gleichberechtigten Koexistenz unterschiedlicher Kulturen in einem gemeinsamen Staat. Bei abnehmender Bedeutung nationalstaatlicher und zunehmender Bedeutung übernationaler Staatsverbände dürfte das Modell des kulturellen Pluralismus an Interesse gewinnen. Auch dann jedoch bleiben die Staaten aufgerufen, durch gezielte Eingliederungshilfen die sozio-ökonomische Integration von Zuwanderern zu erleichtern.

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Veröffentlicht

1993-09-30

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Forschungsbeitrag

Zitierweise

1.
Spiegel E. Zuwanderer in der Bundesrepublik – Integration oder Assimilation?. RuR [Internet]. 30. September 1993 [zitiert 15. August 2026];51(5):275-80. Verfügbar unter: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2117

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