Zur Dezentralisierung der Kraftwerksstandortstruktur und ihrer Auswirkung auf das Niveau der regionalen Stromkosten Authors Gerhard Wagner Ingrid Otto DOI: https://doi.org/10.14512/rur.2633 Abstract Lange Zeit war es ein Dogma in der Planung der Kraftwerksstandorte, die fossil befeuerten Kraftwerke in der Nähe der Brennstoffvorkommen zu plazieren. Doch spätestens seit Mitte der 70er Jahre wird die Kostenschere, z. B. zwischen dem Transport von Strom über Freileitungen und dem Transport äquivalenter Mengen an Steinkohle per Bahn oder Schiff, immer größer. Seitdem ist der Brennstoffbezug über weite Strecken kostengünstiger als der Stromtransport. Es eröffnen sich hierdurch Chancen einer Dezentralisierung der früher ganz überwiegend brennstofforientierten Kraftwerksstandortstruktur. Werden durch die dezentrale, dem regionalen Strombedarf lastenspezifisch angepaßte Kraftwerkszusammensetzung komparative Transportkostenvorteile genutzt, kann in den stromimportierenden Stromhochpreisregionen das Niveau der angebotsstrukturbedingten Kostenunterschiede abgebaut werden. Der dezentrale, verbrauchsnahe Ausbau der Stromproduktion erfordert den geringsten Bedarf an Leitungstrassen. Dadurch werden Netzkosten eingespart, die sonst vor allem den stromimportierenden Regionen aufgebürdet würden. Weitere Kosteneinsparungen können darüber hinaus durch rationelle Energienutzung, hauptsächlich durch Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung, erreicht werden. Downloads Download data is not yet available. References Erinnert sei vor allem an Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (Hrsg.): Energie und Umwelt. Sondergutachten. – Wiesbaden 1981. S. 186 ff. Vgl. G. Wagner: Abbau regionaler Strompreisdisparitäten durch raumwirksame Maßnahmen und Planungen in der Bundesrepublik Deutschland. – Bonn 1983. S. 102 ff. Vgl. K.-D. Fischer u. E. Lessing: Wohin mit den Steinkohlekraftwerken? Stromtransport ist wirtschaftlicher als Kohlentransport. In: Der Volkswirt Jg. 10 (1962) S. 203–205. H. Krost und H. Vetter: Entwicklung und Stand von Braunkohlekraftwerken. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. Jg. 31 (1981) Heft 5. S. 402–410. Vgl. G. Herrmann: Stromtransport oder Kohletransport – neue Steinkohlekraftwerke wohin? In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. Jg. 27 (1977) Heft 4. S. 287–289. Vgl. H. Koch und J. Ehlert: Energiewirtschaftlicher Vergleich alternativer Möglichkeiten und des Energietransportes. In: Elektrizitätswirtschaft. Jg. 77 (1978) Heft 1. S. 7 ff. Vgl. K. H. Hegemann: Aspekte und Kosten des Energietransports beim Einsatz von Steinkohle zur Strombeschaffung revierferner Regionen. In: Elektrizitätswirtschaft. Jg. 75 (1976) Heft 9. S. 238 ff. Vgl. K. Kammholz: Struktur des Umwandlungs- und Verteilungsbereiches in der Bundesrepublik Deutschland. (Vortragsmanuskript, VDI-Tagung). – Berlin 1981. S. 14 f. Vgl. H. Koch und J. Ehlert. . . a. a. O., S. 14. Vgl. Rat von Sachverständigen für Umweltfragen... a. a. O., S. 293 ff. Vgl. G. Wagner. . . a. a. O., S. 163. Vgl. W. Mönig: Determinanten des Elektrizitätsangebots und volkswirtschaftliche Kriterien zu seiner Beurteilung. – München 1975. S. 163 189. Legt man das Kriterium der Arbeitsausnutzung zugrunde, so gelten für die verschiedenen Kraftwerkstypen generell folgende typischen Werte: und mehr h/a eindeutig Grundlast, bis 6 000 h/a untere Mittellast, bis 4 500 h/a eindeutig Mittellast, bis 3 500 h/a obere Mittellast, und weniger h/a eindeutig Spitzenlast. Vgl. hierzu auch die divergierenden Auffassungen von E. Windorfer: Fortschreibung der Gesamtstudie Fernwärme, Gutachten der WIBERA im Auftrag des BMFT. – Düsseldorf 1982, Teil I. S. 4 ff. sowie von K. Traube und O. Ullrich: Billiger Atomstrom? Wie die Interessen der Elektrizitätswirtschaft die Energiepolitik bestimmen. – Hamburg 1982. S. 372 f. Vgl. G. Veigel: Kostenrechnung und Preispolitik in der Elektrizitätswirtschaft. – Wiesbaden 1962. S. 27 ff. Auf die Gründe (lange Stillstandzeiten z. T. wegen Nachrüsten) soll hier nicht eingegangen werden, zumal angesichts der geringen Anzahl von Kernenergiekraftwerken die Statistik bzw. die Betriebsergebnisse sowieso mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren sind. Vgl. G. Wagner. . . a. a. O., S. 153 ff. Vgl. Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung (Hrsg.): Grundlinien und Eckwerte für die Fonschreibung des Energieprogramms. (Bulletin Nr. 30). – Bonn 1977. S. 273. Vgl. auch BMWi (Hrsg.): Energieprogramm der Bundesregierung. Dritte Fortschreibung vom 4. 11. 1981. – Bonn 1981. S. 40 f. Vgl. Aussagen von F. Spreer in Zeitung für Kommunale Wirtschaft, Februar 1985. S. 1. Vgl. E. Tröscher: Systemtechnische Methoden zur Untersuchung der Möglichkeiten zentraler und dezentraler Stromerzeugung unter besonderer Berücksichtigung der Energiespeicherung und der Kraft-Wärme-Kopplung. Diss. – Essen 1977. S. 25 ff. Vgl. auch G. Wagner. . . a. a. O., S. 132 ff. Vgl. J. Frank und D. Viefhues: Das Ende des billigen Atomstroms. – Freiburg 1983. S. 4–11 ff. Vgl. F. Spreer: Konflikte zwischen leitungsgebundenen Energien im Rahmen örtlicher Energieversorgungskonzepte. In: Informationen zur Raumentwicklung. – Bonn (1982) Heft 4/5. S. 366 ff. Vgl. E. Tröscher. . . a. a. O., S. 50 f. Vgl. K. Hein: Die Rolle der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung. In: VDI-Bericht, 491. – Düsseldorf 1983. S. 63 ff. Vgl. F. Spreer. . . a. a. O., S. 376 ff. Ebenda, S. 376. Vgl. K. Hein. . . a. a. O., S. 64 f. Vgl. H. Brachmann: Kostenanalytische Untersuchungen zur Kraft-Wärme-Kopplung. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. Jg. 28 (1978) Heft 28. S. 436–439. Vgl. E. Windorfer: Fortschreibung der Gesamtstudie Fernwärme. Gutachten der WIBERA im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie. – Düsseldorf 1982. Teil I. S. 6 ff. Vgl. H. Hünlich: Probleme im Zusammenhang mit der Einordnung von Kernkraftwerken in das Verbundnetz der Bundesrepublik Deutschland. In: Atom und Strom. Jg. 17 (1971) Heft 5. S. 81 f. Vgl. O. Kellermann: Sind Kernkraftwerke in Verbrauchszentren notwendig? Tagungsbericht (JRS. T 16) des Instituts für Reaktorsicherheit der TüV (JRS). o. O. 1968, S. 13 ff. Vgl. R. Meister: Das wirtschaftliche Zusammenspiel zwischen Wärme‑, Wasser- und Pumpspeicherkraftwerken. In: Elektrizitätswirtschaft. Jg. 59 (1960) S. 627 ff. Vgl. H. Edelmann und K. Theilsiefje: Optimaler Verbundbetrieb in der elektrischen Energieversorgung. – Berlin, Heidelberg, New York 1974. S. 12 ff. Vgl. A. Buch: Ist die Entwicklung zu großen Leistungseinheiten im Kraftwerksbau berechtigt? In: Energie. Jg. 29 (1977) Heft 7. S. 198 ff. Vgl. auch H. Koch: Planung größter Kraftwerksblöcke. In: Kraftwerkstechnik. Jg. 54 (1974) Heft 9. S. 587 ff. Vgl. K. H. Hegemann: Aspekte und Kosten des Energietransports beim Einsatz von Steinkohle zur Strombedarfsdeckung revierferner Regionen. In: Elektrizitätswirtschaft. Jg. 75 (1976) Heft 9. S. 238 ff. Ebenda, S. 239. Vgl. H. Stumpf: Die Anpassung der Kraftwerksbauprogramme an die Erfordernisse wirtschaftlicher Fernwärmebeschaffung. (WIBERA-Sonderdruck, Nr. 101). – Düsseldorf 1978. S. 147. Ebenda, S. 239. Kraftwerke größerer Leistung (100 MW und mehr) speisen in der Regel in das 380/220-kV-Verbundnetz ein, unabhängig davon, ob sie für Grund‑, Mittel- oder Spitzenlast eingesetzt werden. Vgl. H. Tröscher: Systemtechnische Methoden zur Untersuchung der Möglichkeiten zentraler und dezentraler Stromerzeugung unter besonderer Berücksichtigung der Energiespeicherung und der Kraft-Wärme-Kopplung. – Diss. Essen 1977. S. 51 ff. Ebenda . . . a. a. O., S. 51 ff. Ebenda . . . a. a. O., S. 112 ff. Die Netzverluste betrugen in den 50er Jahren noch durchschnittlich 10 %, sie sanken bis 1966 auf 7,2 % und bis 1974 auf 6,1 %. Allgemein gilt, je höher die Spannungsebene, um so geringer sind die Netzverluste. Vgl. VDEW (Hrsg.): Strom für die Bundesrepublik. Berichte und Zahlen zur Entwicklung der öffentlichen Elektrizitätsversorgung von 1950 bis 1975. – Frankfurt 1976. S. 30 ff. Vgl. H. Tröscher . . . a. a. O., S. 52. Vgl. H. Roser: Macht die Atomkraft das Verbundnetz überflüssig? In: Elektrotechnische Zeitschrift. Jg. 78 (1957) Heft 1, S. 1–6. Vgl. hierzu auch H. K. Schneider: Gedanken zur Weiterentwicklung einer dezentralorientierten Energie- und Wasserversorgung. In: Beiträge zur kommunalen Versorgungswirtschaft. – Köln 1966. Heft 36. S. 7–27. Vgl. H. Krost und H. Vetter: Entwicklung . . . a. a. O., S. 408 ff. Vgl. H. Alt: Braunkohle bis ins Jahr 2040. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. Jg. 28 (1978) Heft 12. S. 746 ff. Vgl. G. Lottes: Pumpspeicherwerke in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Frage möglicher Standorte? In: Elektrizitätswirtschaft. Jg. 80 (1981) Heft 12. S. 402–403. In der Ersten Fortschreibung des Energieprogramms der Bundesregierung vom 23. 10. 1974 war ein Kapazitätsbedarf an Kernenergie von 45.000 MW bis 1985 veranschlagt worden. Vgl. BMWi (Hrsg.): Erste Fortschreibung des Energieprogramms der Bundesregierung. – Bonn 1974. S. 50. Anlaß zur Annahme einer nur geringen Kapazitätssteigerung gibt die Entwicklung des Stromverbrauchs in den zurückliegenden Jahren. So stieg im Jahresdurchschnitt der Stromverbrauch wie folgt: von 1965–1970 um 8,78 %; von 1970–1975 um 6,22 %; von 1975–1980 um 3,44 %; und von 1980–1982 um 0,5 %. Vgl. DIW/EWI/RWI (Hrsg.): Der Energieverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und seine Deckung bis zum Jahre 1995. – Essen 1981. Vgl. Öko-Institut (Hrsg.): Energieversorgung der Bundesrepublik ohne Kernenergie und Erdöl. 2. Auflage. – Freiburg 1980. S. 10 ff. Vgl. K. Hein: Kraft-Wärme-Kopplung durch Verbrennungsmotoren. In: VDI-Bericht Nr. 293. – Düsseldorf 1981. S. 57 ff. Vgl. D. Neuberg: Die neue Generation der Kohlekraftwerke. In: Bild der Wissenschaft. Jg. 17 (1980) Heft 2. S. 66 ff. Downloads PDF (German) XML (German) Published 1985-03-31 Issue Vol. 43 No. 2 (1985) Section Research Article License Copyright (c) 1985 by the RuR Editors; re-published by oekom 2023 This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License. Articles in Raumforschung und Raumordnung – Spatial Research and Planning are published under a Creative Commons license. From Vol. 79 No. 2 (2021), the license applied is CC BY 4.0. From Vol. 77 No. 1 to Vol. 79 No.1, articles were published under a CC BY-SA license. Earlier volumes have been re-published by oekom 2022 under the Creative Commons Attribution 4.0 International License CC BY 4.0. How to Cite 1.Wagner G, Otto I. Zur Dezentralisierung der Kraftwerksstandortstruktur und ihrer Auswirkung auf das Niveau der regionalen Stromkosten. RuR [Internet]. 1985 Mar. 31 [cited 2026 Aug. 15];43(2):62-70. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2633 More Citation Formats ACM ACS APA ABNT Chicago Harvard IEEE MLA Turabian Vancouver Download Citation Endnote/Zotero/Mendeley (RIS) BibTeX Share
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