Prognose der Gewerbeflächennachfrage für den Baulandbericht 1986

Authors

  • Martin Bauer
  • Hanns Werner Bonny
  • Klaus Dieter Stark Hessisches Ministerium für Wirtschaft und Verkehr

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2477

Abstract

Der Prognose des gewerblichen Bauflächenbedarfs wird sowohl aus umweltpolitischer Sicht im Rahmen des Bodenschutzes als auch aus wirtschaftspolitischer Sicht im Rahmen der kommunalen bzw. regionalen Wirtschaftsförderung große Aufmerksamkeit gewidmet.

Der Beitrag will durch die Darstellung eines Prognosemodells zu dieser Debatte weiteres Material zur Verfügung stellen. Ausgegangen wird von einer kurzen Erörterung der Ausgangsprämissen eines Gewerbe- und Industrieflächenprognose-Modells und dem hieraus abgeleiteten Modell GIFPRO.

Im weiteren werden die einzelnen Modellkomponenten und ihre Datengrundlage erläutert. Zum Abschluß wird schließlich das Ergebnis der Gewerbeflächenprognose für den Baulandbericht 1986 der Bundesregierung dargestellt und durch einige Verifikationen belegt, daß das GIFPRO-Modell bei aller Abstraktion realistische Ergebnisse hervorbringt.

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References

Schon das SARO-Gutachten von 1961 wirft die Frage auf, in welchem Umfang Fläche für Siedlungszwecke genutzt werden soll. Detaillierte Untersuchungen für die einzelnen Regionen oder Nutzungen sind unseres Wissens aber erst wesentlich später entstanden. Eine Übersicht zur Flächennutzung geben: BfLR/Institut für Städtebau (Hrsg.): Flächenansprüche, Flächennutzungspolitik, Bodenmobilisierung. – Bonn 1984 (= Seminare – Symposien – Arbeitspapiere, Heft 13); Reiß-Schmidt, St.: Flächenverbrauch – an den Grenzen des Wachstums. In: Stadtbauwelt 81, 1984, S. 74–79; Scholich, D.; Schramm W.: Nichts Genaues weiß man (noch) nicht. In: Stadtbauwelt 91, 1986, S. 133–136 sowie die Baulandberichte 1983 und 1986 der Bundesregierung und der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Flächenhaushaltspolitik. Ein Beitrag zum Bodenschutz. – Hannover 1987 (= Forschungs- und Sitzungsberichte, Bd. 173); Speziell für Nordrhein-Westfalen: Minister für Landes- und Stadtentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen: Freiraumbericht des Landes Nordrhein-Westfalen. – Düsseldorf 1984.

Die Konflikte manifestieren sich vielfach in spektakulären Aktionen von Bürger-Initiativen. Im Falle der Startbahn-West oder des Testgeländes der Fa. Daimler-Benz wird der Flächenverbrauch neben anderen Belastungen (Lärm etc.) an erster Stelle genannt.

Die gleichwohl typischeren und zumeist öffentlich kaum beachteten Konflikte lassen sich exemplarisch am Beispiel der Stadt Lünen aufzeigen. Lünen, eine Mittelstadt am Rande des Ruhrgebietes, verfügt zur Zeit über ca. 70 ha ungenutzte gewerbliche Baufläche. Die geringe Nachfrage wird von der Verwaltung und Teilen des Rates auf die Vorbelastungen der Flächen (Bergbau), auf das schlechte Image der Fläche (u. a. verursacht durch die schon vorhandenen Industriebetriebe und den geringen landschaftlichen und städtebaulichen Reiz der Gewerbegebiete) und das immer noch unzureichende Flächenangebot zurückgeführt. Der aktuelle Vorschlag der Wirtschaftsförderung ist die Umwidmung eines autobahnnahen Landschaftsschutzgebietes in ein Gewerbegebiet; dies, nachdem der 1985 beschlossene Landschaftsplan die wichtige lufthygienische Funktion der Fläche bestätigt hat und das Land Entwicklungsmaßnahmen von Bürgerinitiativen (Anlegen von Feuchtgebieten, Anpflanzungen etc.) finanziell unterstützte.

Über den Umfang der wiedernutzbaren Brachen gibt es zur Zeit nur Schätzungen. Anhaltspunkte für Nordrhein-Westfalen geben die Tätigkeitsberichte der Grundstücksfonds Ruhr und NRW. Vgl. Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes NW; Rechenschaftsbericht zum Grundstücksfonds Ruhr und zum Grundstücksfonds Nordrhein-Westfalen (Stand: 31.5.1986). – Düsseldorf 1986 (= MSWV-informiert 6/86) sowie Lampe, P.: Die Wiedernutzung von Industriebrachen im Montan-Revier. In: Informationen zur Raumentwicklung (1984) H. 10/11, S. 995–1002 und Bodendieck, U.; Dietrich, H.; Dietrich-Buchwald, B.; Schlag, St.: Umwidmung brachliegender Gewerbe- und Verkehrsflächen. – Bonn 1985 (= BMBau Schriftenreihe, Bd. 03.112).

Planquadrat Dortmund/Stark, K.-D.: Die Gewerbeflächennachfrage in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2000 – Beitrag zum Baulandbericht 1986 der Bundesregierung. – Dortmund 1986 (Manuskript).

Stark, K.-D.; Velsinger, P.; Bauer, M.; Bonny, H.; Kricke, J.; Scbwetlick, D.; Striedl, H. D.: Flächenbedarfsberechnung für Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereiche – GIFPRO. – Dortmund 1981 (= Schriftenreihe Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Bd. 4.029).

Die Charta von Athen oder die Wirkungen der Umweltschutz-Gesetzgebung (vgl. Bundesimmissionsschutzgesetz § 50; Abstandserlaß NW) sind hier typische Beispiele.

Vgl. Bökemann, D.: Theorie der Raumplanung. – München/–Wien 1982 S. 324–343. Die These Bökemanns “Standorte (d. h. Gewerbeflächen) als von Gebietskörperschaften produzierte Güter” zu sehen, die unter anderem gegen Wählervoten (im Sinne Downs) verkauft werden, ist sicher eine zutreffende Charakterisierung der Situation.

Diese Argumentation unterstellt, daß die Siedlungsstruktur, das heißt die Möglichkeit zur Flächenarrondierung in den regionalen Verlagerungsquoten abgebildet wird. Eine hohe Nutzungsdichte weist eine entsprechend geringe Möglichkeit der Arrondierung auf und hat eine relativ höhere Verlagerungsquote zur Folge.

Diese Angebotsprognose ist in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation sehr problematisch. Sie unterstellt, daß der Engpaßfaktor der wirtschaftlichen Entwicklung die Arbeitskräfte sind. Die unternehmerische Flächennachfrage richtet sich – so die implizite Logik – nach den verfügbaren Arbeitskräften. Dies ist aber eine Situation, die nur für den Zustand der Vollbeschäftigung nachvollzogen werden kann.

Der generelle Informationsstand zu diesem Problembereich ist sehr gering (vgl. Anm. 3), und eine wie auch immer vorgenommene Verrechnung zwischen den Flächen, die wiedergenutzt werden können, und der Flächennachfrage, ist auf großräumiger Ebene nicht möglich. Im Extremfalle würden die Brachen einer Teilregion mit der Nachfrage der anderen Teilregionen kompensiert. Ebenso konnte die zusätzliche Differenzierung der intrakommunalen Verlagerung nach den wichtigsten Ursachenkomplexen – immissionsbedingte, städtebauliche und expansionsbedingte Verlagerung – in der regionalen Version sowohl aus Datengründen und bedingt durch die regionale Untersuchungsebene nicht berücksichtigt werden.

Vgl. zu den Einzelheiten Podolsky, J.P.: Methodik, Ermittlung und Anwendung von Fabrikkennzahlen für die Grobplanung. – Hannover 1975.

Diese Daten werden als Sonderauswertung der BfLR hier erstmals für die Zwecke der Flächenbedarfsprognose herangezogen und entsprechend aufbereitet.

Vgl. im einzelnen: Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.): Die Standortwahl der Industriebetriebe in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West). Neuerrichtete, verlagerte und stillgelegte Industriebetriebe in den Jahren 1970/71. – Bonn 1975 (weitere Bände: für die Jahre 1972–1975. – Bonn 1977; für die Jahre 1976 und 1977. – Bonn 1979; für die Jahre 1978 und 1979. – Bonn 1981; für die Jahre 1980 und 1981. – Bonn 1982).

Vgl. Schliebe, K.: Industrieansiedlungen. – Bonn 1983 (= Forschungen zur Raumentwicklung, Bd. 11).

Gemessen als mobile Beschäftigte + Beschäftigte in neugegründeten Betrieben bezogen auf die gewerbeflächenbeansprucnenden Beschäftigten der Region.

Vgl. zum Beispiel Decker, H.: Standortverlagerungen der Industrie in der Region München. – Kallmünz/Regensburg 1984 (= Münchner Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeographie, Bd. 25).

Planquadrat Dortmund: Die Wiedernutzung der durch Betriebsverlagerung freigewordenen Industrie- und Gewerbeflächen. – Dortmund 1984.

Einzelheiten in: Planquadrat Dortmund/Stark, K.-D.: Die Gewerbeflächennachfrage in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2000 – Beitrag zum Baulandbericnt 1986 der Bundesregierung. – Dortmund 1986, S. 37–44.

WIBERA AG (Bearb.: H.-J. Müller): Die Veränderung von Flächenstandards im Bereich Wirtschaft und Auswirkungen auf die räumliche Entwicklungsplanung in Frankfurt – Pilotstudie zur Veränderung des industriellen und gewerblichen Flächenstandards. – Düsseldorf 1979.

Vgl. Stark, K.-D.: Standortanforderungen und Flächenbedarf der gewerblichen Wirtschaft – Auswirkungen auf die Freiräume. In: Mitteilungen der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, 1982, Bd. 2, S. 193–199.

Die Zeitreihen für Hamburg und Münster sind Erhebungen der Wirtschaftsförderungsämter. Die Zeitreihe für die Bundesrepublik resultiert aus der Baufertigstellungsstatistik, die unter anderem auch die Grundstücksflächen für Werkstatt- und Fabrikgebäude erfaßt. Vgl. Dubral, Ch.: Bautätigkeit im Nichtwohnbau. In: Wirtschaft und Statistik 1986, S. 523–528; die Angaben für die Werkstatt- und Fabrikflächen stellte uns Ch. Dubral aus seinen noch unveröffentlichten Tabellen zur Verfügung.

Zum Stand der Diskussion siehe auch: Minister für Landes- und Stadtentwicklung des Landes NW (Hrsg.): Freiraumbericht...; a. a. O.

Ein Vergleich der IHK-Umfrage Dortmund-Unna-Hamm von 1972 (Prognoseperiode 1972–1980) mit dem tatsächlichen Flächenverbrauch in Dortmund ergab, daß nur 45 % der geplanten Flächeninvestitionen durch die Unternehmen tatsächlich realisiert wurden. Einzelheiten in: Bonny, H.W.: Die Gewerbeflächen im Raum Dortmund-Unna-Hamm. In: Mitteilungen des Informationskreises für Raumplanung 18, 1982, S. 31–38 bzw. Bauer, M.; Bonny, H.; Stark, K.-D.: Gewerbeentwicklung ..., a. a. O.

Die Baufertigstellungsstatistik und die Baulandstatistik haben jeweils die Tendenz zur Über- oder Unterschätzung des realen Flächenverbrauchs und können daher als Intervallgrenzen interpretiert werden. Einzelheiten in: Bonny, H.W.: Flächennutzung durch Gewerbe – Eine Auswertung aktueller Statistiken. In: Raumplanung 43, Dez. 1988.

Published

1988-07-31

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Research Article

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1.
Bauer M, Bonny HW, Stark KD. Prognose der Gewerbeflächennachfrage für den Baulandbericht 1986. RuR [Internet]. 1988 Jul. 31 [cited 2024 Jun. 24];46(4):149-61. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2477

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