Wirtschaftsschwache Gebiete: Politik der offenen Hand oder Strategie der staatlich gestützten regionalen Eigenentwicklung?

Authors

  • Folkwin Wolf

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2518

Abstract

Aktuelle Forschungsberichte signalisieren, daß die regionalen Entwicklungs- und Strukturdisparitäten auch in Zukunft – unter Umständen sogar verstärkt – fortbestehen werden, begünstigt u. a. durch weit- und binnenwirtschaftliche Strukturverschiebungen, technologische Entwicklungsprozesse und die Überlegenheit der dominierenden Wirtschaftszentren mit ihren institutionell und infrastrukturell überragenden Ausstattungen. Trotz überproportionaler finanzieller Förderung der wirtschaftsschwachen Regionen – vor allem im Bereich der regionalen Wirtschaftsförderung – ist es nicht gelungen, die regionalen Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten entscheidend und nachhaltig zu verringern oder gar zu beseitigen. Ein Grund liegt mit darin, daß die staatlichen Fördermaßnahmen zu wenig die eigentlichen Ursachen regionaler Entwicklungs- und Strukturprobleme berücksichtigen und die regionalspezifischen Defizite und Engpässe nicht gezielt durch z. B. ressortkoordinierte Maßnahmen unter Beachtung der regionalen Prioritätserfordernisse angehen. Im vorliegenden Beitrag wird aufgezeigt, welche konkreten Möglichkeiten bestehen, auf Basis des vorhandenen (Planungs‑, Organisations- und Förderungs‑) Instrumentariums eine wirksamere und umfassendere regionale Entwicklungspolitik als bisher durchzusetzen, die nicht nur globalen staatlichen Zielvorstellungen, sondern auch den Prioritätsüberlegungen der betroffenen Regionen gerecht werden.

Ausgangspunkt einer solchen Politik ist eine Strategie der staatlich gestützten regionalen Eigenentwicklung, d. h. eine Mobilisierung, Nutzung und Stärkung des in der Region ansässigen Potentials bei gleichzeitiger flankierender staatlicher finanzieller und institutioneller Förderung. Von entscheidender Bedeutung sind hierbei sowohl die institutionalisierte Zusammenarbeit der insbesondere arbeitsmarktpolitisch bedeutsamen regionalen Organisationen als auch die Koordinierung von Planungen und Maßnahmen auf horizontaler Ebene (Fachressorts) und in vertikaler Richtung (Kommunen/Regionen/Land). Das zur Durchsetzung dieser Strategie geeignete planerische, organisatorische/institutionelle und förderpolitische Instrumentarium ist bereits existent. Es kann jedoch erst dann seine Wirkung entfalten, wenn die politische Bereitschaft und die administrative Fähigkeit zu seiner Anwendung gegeben sind und der Wille zur Konsensbildung der Beteiligten – unter Zurückstellung ressort- und gruppenspezifischen Konkurrenzdenkens – besteht.

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References

Starkenburger Wirtschaft Nr. 11/86, S. 21.

Vgl. Ewringmann, Dieter und Kortenkamp, Lydia: Veränderte Rahmenbedingungen für die regionale Wirtschaftspolitik. In: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 9/10 1986, S. 669 ff.

Dies ist belegbar anhand der Daten der Hessischen Investitionsdatei.

Hessischer Minister für Wirtschaft und Technik: Nordhessen – Strukturpolitischer Bericht der Hessischen Landesregierung. – Wiesbaden 1986, S. 11.

Eine ausführliche Darstellung enthält der Beitrag von Wolf, Folkwin: Siedlungs‑, Industrie- und Gewerbeflächenplanung im Rahmen der regionalen Raumordnungspläne. In: Hessische Städte- und Gemeindezeitung, Nr. 7/8 1984, S. 250 ff.

Staatsanzeiger für das Land Hessen Nr. 8/1987, S. 388; siehe insbesondere Ziffer 3.6.2.

Vgl. Hessischer Minister für Wirtschaft und Technik (HMWT): Konjunkturbericht 9/1986, S. 42.

Am 4./5.9.1986 führte (auf Beschluß des Hessischen Landtags) die Hessische Landesregierung eine „strukturpolitische Konferenz für Nordhessen“ durch mit dem Ziel, „konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situtation in Nord- und Osthessen zur erarbeiten“ („Informationen des Hessischen Ministers für Wirtschaft und Technik“ vom 2. 9. 1986).

Vgl. Kurhessische Wirtschaft 9/86, S. 539 und 559 sowie das IHK-Grundsatzpapier vom April 1985.

Nach dem 15. Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ entfielen von dem geförderten Investitionsvolumen 61 % auf Erweiterungs-, 28 % auf Errichtungsinvestitionen und 11 % auf Produktionsumstellung/Rationalisierung.

Vgl. ifo-schnelldienst 7/87, S. 24.

Vgl. Wolf, Folkwin: Effizienz und Erfolgskontrolle der regionalen Wirtschaftsförderung, HLT Wiesbaden 1975.

Vgl. hierzu das Themenheft „Neuorientierung der regionalen Wirtschaftspolitik?“ der Informationen zur Raumentwicklung Heft 9/10, 1986, insbesondere die Beiträge von Ewringmann/Kortenkamp, von Klemmer sowie von Eckerle/Roesler/Wolff.

Published

1987-09-30

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Research Article

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1.
Wolf F. Wirtschaftsschwache Gebiete: Politik der offenen Hand oder Strategie der staatlich gestützten regionalen Eigenentwicklung?. RuR [Internet]. 1987 Sep. 30 [cited 2024 Apr. 14];45(5,6):200-7. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2518