Regionalkonferenzen zwischen offenen Netzwerken und fester Institutionalisierung

Authors

  • Dietrich Fürst Institut für Landesplanung und Raumforschung, Universität Hannover

DOI:

https://doi.org/10.14512/rur.2192

Abstract

Am Beispiel der nordrhein-westfälischen Regionalkonferenzen wird der Frage nachgegangen, ob netzwerkartige „intermediäre Organisationen“ in einer institutionalisierten Politiklandschaft ohne festere institutionelle Strukturen leistungsfähig sein können. Es zeigt sich, daß es weniger die Frage der Institutionalisierung sein dürfte, die über die Leistungsfähigkeit der Regionalkonferenzen entscheidet, als diejenige, wie die Regionalkonferenzen von den regionalen Akteuren wahrgenommen und behandelt werden: als Kommunikations- und Kooperationsforen oder als politische Vorentscheiderstrukturen.

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References

(l) Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Handlungsempfehlungen “Regionale Entwicklungskonzepte“, 26.11.1990

(2) Überblicke über die Begriffsvielfalt und die Unterschiede ihrer Inhalte bieten u. a. Waddock, Sandra: A typology of social partnership organizations. In: Administration & Society 22 (1991), S. 480–313; Atkinson, Michael M.; Coleman, William D.: Policy networks, policy communities and the problems of governance. In: Governance (1992) 5, S. 154–180; Rohdes, Rod A.W.; Marsh. David: Policy networks in British govemment. – Oxford (GB) 1992, S. 2–16; dies.: New directions in the study of policy networks. In: European Journal of Political Research 21 (1992), S. 181–205; Warden, Frans van: Dimensions and types of policy networks. In: European Journal of Political Research 21 (1992), S. 29–52

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(4) Rhodes, Rod A.W.; Marsh, David: New directions ..., a. a. O. [siehe Anm. (2)], S. 186

(5) Marin, B.; Mayntz, R.: Policy networks, a. a. O. [siehe Anm. (3)], S. 16

(6) Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Handlungsempfehlungen “Regionale Entwicklungskonzepte”, 26.11.1990, Ziffer 3

(7) Nach diesem Verfahren hat das Kabinett am 16.6.1992 die ersten drei REKs zur Kenntnis genommen: Aachen (RP Köln), Emscher-Lippe (RP Münster) und Ostwestfalen-Lippe (RP Detmold).

(8) Pappi, Franz U.; Knoke, David: Political exchange in the German an American labor policy domain. In: Marin, B.; Mayntz. R. (Hrsg.): Policy networks. Empirical evidence and theoretical considerations. – Frankfurt a.M., Boulder/Col. 1991, S. 179–208, hier S. 206

(9) Diese Einschränkung weicht von Definitionen der Literatur zu politischen Netzwerken ab, wo die persönliche Komponente hinter dem Tatbestand der Vernetzung von Organisationen zurückgestellt wird. Aber für die Handlungsfähigkeit der regionalen Kooperation ist diese persönliche Bindung, über die sich auch Vertrauen und langfristige Tauschbeziehungen entwickeln können, wahrscheinlich wichtig.

(10) Austrom, D.R.; Lad, L.J.: Problem solving networks: Towards a synthesis of innovative approaches to social issue management. In: Academy of Management: Best paper proceedings, Chicago/Ill. 1986, S. 311–315

(11) Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT: Prozessuale Begleitforschung, S. 40

(12) “... scheinen ‘bargaining’ und Austausch die am ehesten geeigneten ‘Kandidaten’ für eine spezifische Netzwerklogik zu sein – im Unterschied zur Marktlogik des Wettbewerbs und der Logik von Autorität und Gehorsam, die für Hierarchien typisch ist” (Mayntz, Renate: Modernisierung und die Logik von interorganisatorischen Netzwerken. In: Journal für Sozialforschung 32 (1992), S. 19–32, hier S. 25)

(13) “The concept of an ‘advocacy coalition’ assumes that it is shared beliefs that provide the principa. ‘glue’ of politics. Moreover,..., it is assumed that people’s ‘core’ beliefs are quite resistant to change” (Sabatier, Paul A.: An advocacy coalition framework of policy chance and the role of policy-oriented learning therein. In: Policy Sciences 21 (1988), S. 129–168, hier S. 141)

(14) Untersuchungen zum Konfliktverhalten in Gruppen zeigen, daß Selbsteinschätzungen der Unterlegenheit, extrem: Ohnmachtsempfinden, die Konsensfahigkeit in den Gruppen erheblich senkt.

(15) Beispiel: SPD-Landtagsfraktion, Antrag v. 15.1.1991

(16) “(Die Landesregierung) legt... Wert darauf, daß neben den ökonomischen auch die sozialen, kulturellen, ökologischen, arbeitsmarktpolitischen und gleichstellungspolitischen Interessen der Region angemessen repräsentiert sind. Dies bedeutet, daß nach der Vorstellung der Landesregierung in den Regionalkonferenzen z. B. auch die Träger sozialer Arbeit (Initiativen, Wohlfahrtsverbände) und die Gleichstellungsbeauftragten vertreten sind.” (Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Handlungsempfehlungen “Regionale Entwicklungskonzepte”, 26.11.1990, Ziffer 3

(17) March, James G.; Olsen, Johan P: The new institutionalism: Organizational factors in political life. In: American Political Science Review 78 (1984), S. 734–749; dies.: Rediscovering institutions. The organizational basis of politics. – New York, London 1989, S. 17

(18) Scharpf, Fritz W.: Die Handlungsfähigkeit des Staates am Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts. In: Kohler-Koch, Beate (Hrsg.): Staat und Demokratie in Europa. – Opladen 1992, S. 93–115, hier S. 106

(19) Entwicklungsagentur für arbeitsorientierte Strukturpolitik (EfaS): ZIN am Scheideweg. Zwischenbilanz und Vorschläge zur Strukturpolitik in NRW. – Bochum, Februar 1992. = ISA-Schriftenreihe (1992) 1, S. 20

(20) Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technolgie (MWMT): Prozessuale Begleitforschung, S. 21 f.

(21) Unter Innovationsimpulsen sollen dabei neue Problemsichten, neue Problemlösungen oder neue Verfahren zur Gewinnung von Einsichten und Lösungen verstanden werden.

(22) So auch der Befund der Begleitforschung: Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Prozessuale Begleitforschung, S. 39 f.

(23) So in der Region Niederrhein, Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein, ähnlich aber auch in Dortmund/Unna/Hamm.

(24) “Serielle Entlastung bedeutet, daß nicht alle in einer ‘policy’ anfallenden Entscheidungen simultan getroffen werden müssen, sondern zeitlich über den gesamten Prozeß einer policy verteilt werden können. Parallele Entlastung bedeutet, daß ein dekomponierbares Entscheidungsproblem auf verschiedene Gruppen von Entscheidern verteilt wird, also nicht alle Entscheider an allen Entscheidungssegmenten beteiligt sind.” (Schneider, Volker: Informelle Austauschbeziehungen in der Politikformulierung. Das Beispiel des Chemikaliengesetzes. In: Benz, A.; Seibel, W. (Hrsg.): Zwischen Kooperation und Korruption. Abweichendes Verhalten in der Verwaltung. – Baden-Baden 1992, S. 111–134, hier S. 112

(25) Vgl. Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Handlungsempfehlungen “Regionale Entwicklungskonzepte” vom 26.11.1990, Ziffer 3: “(Die Landesregierung) legt aber Wert darauf, daß neben den ökonomischen auch die sozialen, kulturellen, ökologischen, arbeitsmarktpolitischen und gleichstellungspolitischen Interessen der Region angemessen repräsentiert sind.”

(26) Kenis, Patrick: The preconditions for policy neworks: some findings from a three-country study on industrial restructuring. In: Marin, B.; Mayntz, R. (Hrsg.): Policy networks. Empirical evidence and theoretical considerations. – Frankfurt a.M., Boulder/Col. 1991, S. 297–330, hier S. 309

(27) Vielmehr sind die REKs (Entwürfe) gekennzeichnet durch Addition von Projektwünschen, ausgerichet auf die Fördermodalitäten der Fachressorts, aber eingebettet in die “Lyrik” von sehr allgemeinen Stärke-Schwäche-Analysen und Leitbildern. Zudem reflektieren sie den konsensfähigen gemeinsamen Nenner, die Standortattraktivität der Region zu verbessern – “insgesamt sind somit wieder klassische Standort- bzw. Infrastrukturaspekte (vor allem Verkehrswege und Gewerbeflächen) in den Mittelpunkt der REK-Perspektiven gerückt...” (Entwicklungsagentur für arbeitsorientierte Strukturpolitik (EfaS), 1992, S. 19)

(28) So auch das Ergebnis der Begleitforschung: “Vergleichend betrachtet, vermitteln die Analyse- wie die Perspektivteile (der REK, D.F.) eher den Eindruck einer Festschreibung des Status quo der Verteilungsposition der Akteure als der Erschließung neuer Synergien und Perspektiven” (Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Prozessuale Begleitforschung, S. 22

(29) Zu solchen Kontextbedingungen gehören der in einer Region vorherrschende und wahrgenommene Problemdruck, die Aktorenkonstellation, die Konfliktlagen zwischen Aktoren, regionale Besonderheiten (wie Tradition der Kooperation, politische Kultur usw.), strukturelle regionale Führerschaft (z. B. Oberzentrum, starker Regierungspräsident) – also zum einen alle die Faktoren, die in der Netzwerkdiskussion zur Typenbildung von Netzwerken herangezogen werden, und zum anderen jene, die regionsspezifische Besonderheiten für politisches Handeln konstituieren.

(30) Interviewpartner waren die Hauptverwaltungsbeamten der Städte Detmold, Duisburg, Gelsenkirchen, der Dortmunder Planungsdezernent, Regierungspräsidenten/-vizepräsidenten in Arnsberg und Münster, der Ltd. Regionalplaner des RP Düsseldorf, ein Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Wuppertal, Mitglieder von Gemeinderäten, Mitglieder der IBA-Planungsgesellschaft, Geschäftsführer der RK-Regionalbüros in Wuppertal und Essen sowie Wissenschaftler des Begleitforschungsprogramms; die Interviews wurden von Mai bis September 1993 durchgeführt

(31) Quelle: Durchsicht der Regionalen Entwicklungskonzepte, Auswertung von systematisch durchgeführten Begleitforschungs-Studien (Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT): Prozessuale Begleitforschung der Regionalisierung der Strukturpolitik in Nordrhein-Westfalen. Kurzfassung. – Düsseldorf 1992; Entwicklungsagentur für arbeitsorientierte Strukturpolitik (EfaS), 1992; hesse, joachim, j.; benz, arthur u. a.: Organisatorisch-institutionelle Voraussetzungen regionaler Wirtschaftspolitik – unter besonderer Berücksichtigung der Zukunftsinitiative Montanregionen (ZIM). – Speyer 1990. = Regionalisierte Wirtschaftspolitik. Das Beispiel “Zukunftsinitiative Montanregionen”. – Baden-Baden 1991; kremer, uwe; ziegler, astrid: Regionalisierte Strukturpolitik und arbeitsorientierte Beratung: Das Beispiel NRW. In: WSI-Mitteilungen 1993, S. 311–317

(32) Die Region ist mit dem Bezirk des Regierungspräsidenten identisch.

Published

1994-05-31

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Research Article

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1.
Fürst D. Regionalkonferenzen zwischen offenen Netzwerken und fester Institutionalisierung. RuR [Internet]. 1994 May 31 [cited 2024 Apr. 13];52(3):184-92. Available from: https://rur.oekom.de/index.php/rur/article/view/2192

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